Sonntag, 28. August 2016
Der Tag beginnt kurz vor dem Sonnenaufgang,
ich nutze aus, dass es hier Duschen gibt und betreibe eine
"Grundreinigung". In Katherine kaufen wir ein, was wir für die Küche
noch so brauchen, frischen wir unsere Lebensmittelvorräte auf und betanken den
Bushi, erst dann beschließen wir, dass wir uns hier eine Unterkunft suchen
wollen, denn Mataranka, was Brigitte vorgesehen hat, liegt immerhin 60 km
südlicher als unsere Abzweigung nach Osten.
Das war eine gute Entscheidung, auch wenn
der Platz nicht der beste ist, denn er ist weitgehend schattenfrei: Als wir
aufgebaut haben sehe ich, dass der Reifen links hinten sich verdächtig
ausbeult, er verliert Luft. Wenn wir das erst heute Abend, am Anfang unserer
Reise ins Nowhere gemerkt hätten, hätten wir im Zweifelsfall die ganze Fahrt
keinen Ersatzreifen gehabt. Das wäre schwer auf die Stimmung geschlagen. Knapp
2 km von hier ist ein Bridgestone (also ein Reifendienst, der Bridgestone
vertreibt. Mit Bridgestone hat TCC einen Vertrag.), allerdings hat er heute,
Sonntag, nicht offen. Na egal. Dann habe ich Zeit, einen Gruß in die Heimat zu
schicken, indem ich endlich den Blog ins Internet stelle.
Apropos TCC: Bruno hat verkauft (und steigt
in das Traktor-Reparatur-Geschäft ein), auch Chris steigt aus dem Geschäft aus,
Angelika bleibt als Seele des Unternehmens. Nach mehr als einem Jahr mit TCC
Autos in Australien unterwegs, was wir mit dem Ende der jetzigen Reise erreicht
haben werden, macht sich bei mir schon ein bisschen Wehmut breit.
Samstag, 27. August 2016
Langsam stellt sich mein Körper auf die
andere Zeit um. Nur ganz kurz war ich wach heute Nacht, vermutlich, weil
Brigitte mal draußen war. Ein Paar Yellow Tailed Black Cockatoo mit zwei Jungen
fliegt ganz in der Nähe vorbei, geben mir aber keine Chance, sie zu fotografieren.
Ansonsten sind hier eher wenige Vögel, nur noch drei Krähen haben den Camp
Ground als ihr Revier belegt.
Gegen neun sind wir unterwegs nach Süden.
Der Radfahrer war noch schneller, er war schon vor Sonnenaufgang verschwunden.
In Pine Creek - hier ist der Kakadu
National Park bereits zu Ende - machen wir eine Pause und kaufen beim
"Lazy Lizzard" im Bottleshop eine Flasche Rotwein. Als Ausgleich
dafür nutze ich das frei WiFi und "checke meine Mails". Nichts
wichtiges dabei, das meiste kann unbesehen gelöscht werden. Außerdem poste ich
ein paar Bilder in Facebook, damit wir ein Lebenszeichen abgeben. Mit dem Blog
ist es ja noch nichts geworden bisher. Und heute Abend haben wir vermutlich
wieder keine Verbindung. Denn wir wollen nicht mehr sehr weit, nur noch nach
Leliyn oder für die Weißen Edith Falls. Der Upper Pool dort ist einer der
schönsten Pools, die wir kennen. Leliyn ist ein Teil des Nitmiluk National
Park, der sich von hier aus nach Süden und Osten erstreckt und nur an zwei
Stellen zugänglich ist: Hier in Leliyn und östlich von Katherine am Katherine
River. Ein Track führt von hier zum Katherine River, der Weg ist mit 10 Tagen
angesetzt, entsprechend schwierig ist das Gelände. Und eine Ausschilderung gibt
es vermutlich auch nicht oder nur sehr rudimentär.
In all den Tagen, die wir im Kakadu
zugebracht haben, wollte niemand unseren Parkpass sehen. Im Grunde hätten wir
ihn gar nicht kaufen müssen. Aber ein Teil der Erträge (32 %) fließt in die
Erhaltung des Parks und der Straßen, 18 % gehen in die Verwaltung, 39 % an die
Original Owners, an den Rest kann ich mich nicht erinnern, da ist es schon
wichtig, dass alle Besucher ihren Eintritt bezahlen.
| Sonnenuntergang in Kakadu |
Es ist ziemlich voll am Leliyn Camp Ground,
unser zugeteilter Stellplatz liegt voll in der Sonne. Nicht zu ändern, dafür
sind wir hier in Australien. Nebenan auf der Wiese finden sich schattige
Plätzchen für später. Denn zuerst machen wir uns auf den Rundweg zum Upper
Pool, gegen den Uhrzeigersinn, denn dann ist der "Rückweg" kürzer und
nach meiner Erinnerung auch einfacher zu gehen. Der Weg ist als moderate
gekennzeichnet, das kommt hin. Der Upper Pool hat zwar weniger Wasser als beim
letzten Mal 2014, dafür aber weniger Besucher, denn man kann 2016 auch im
unteren Pool baden - und das ist mit weniger Anstrengung verbunden. Viel Small
Talk ist angesagt, denn uns begegnende Wanderer sind oftmals einem kurzen
Gespräch nicht abgeneigt.
Am Abend ziehen Hunderte, wenn nicht
Tausende von Flying Foxes über uns hinweg.
Freitag, 26. August 2016
Jim Jim Tag schrieb ich gestern. Wir waren
über die Jim Jim Road zu Twin Falls und Jim Jim Fall gefahren, haben den Jim
Jim Fall besucht und dort gebadet und wir haben am Jim Jim Billabong
übernachtet. Aber was ist Jim Jim? So nennen die Aboriginals die Pflanze, die
dieser Gegend ein besonderes Gepräge geben. Es ist eine Unterart der Pandanus,
aber nicht mit gedrehten blattständen. Sie sehen in etwa so aus wie die
Pflanzen, die bei uns als Yucca bekannt sind, aber sie sind im Gegensatz zu den
Yucca, die aus Mittelamerika kommen (soweit ich weiß) endemisch in Australien,
Ureinwohner. Sie wachsen gerne in der Nähe von Wasser, können Überschwemmungen
aushalten und auch Trockenheit verkraften. Wie gesagt, hier im Osten des Kakadu
sind sie stilbildend.
Knapp fünfzehn Minuten vor Abfahrt des
Bootes sind wir an der Anlegestelle, Cooinda Pontoon. Das Boot wird nicht mal
zu Hälfte voll, das ist gut, denn dadurch komme ich besser damit zurecht, dass
manche der Passagiere immer hin und her laufen. Als ob man dann besser
fotografieren könnte. Viel anders mache ich es aber ab und zu auch nicht... Mir
scheint, dass manche Leute überhaupt nicht hören, was der Guide in den zwei
Stunden so alles erzählt, dabei ist es sehr lebendig erzählt und lehrreich.
Allerdings verstehe ich nicht alles.. Das Leben hier am Yellow River - einem
Teil des South Alligator River - ist ungemein vielfältig. Bei manchen Touristen
sind die Krokodile und Adler die einzigen Bewohner, die Aufmerksamkeit
verdienen. Dabei sehen wir unzählige Egrets, Whistling Ducks, Magpie Geese,
Lorikeets, Cormorants und weitere ungenannte Wasservögel. Das Miteinander ist
natürlich ein "Fressen und Gefressen werden", wie überall auf der
Welt.
Nach dem natürlich erfolglosen Versuch,
Michael zu erreichen (um 4 Uhr morgens?!), denn hier in Cooinda ist guter
Telstra-Empfang - im Gegensatz zu Jim Jim Billabong, nur wenige Kilometer
Luftlinie entfernt, wo das iPhone "Kein Netz" sagte (von wenigen
Ausnahmeminuten abgesehen) - fahren wir wiederein Stück nach Norden, um die
Felsmalereien der Aboriginal in Nourlangie anzusehen. Die Tradition Owners
nennen die Gegend allerdings Burrunggui und Anbangbang und bitten die Besucher,
diese, von ihren Vorfahren kreierten Namen zu verwenden. Sie sagen, der Name
"Nourlangie" sei ein Missverständnis der ersten Weißen gewesen.
| Blick auf das Wetland von Anbangbang aus |
Auch diese Bilder hier sind sehr
beeindruckend, ebenso wie der 1,5 km lange Walk an der Kante zum Hochland
entlang. Traumfaste Felsformationen ragen etwa 200 Meter über die Ebene. Auch
hier gibt es zwar einen Weg, der um die eine Erhebung herum führt (moderate to
difficult, allow 4 to 6 hours), aber richtig zur Hochebene kommt man nicht.
Nicht zu Fuß und erst recht nicht mit einem Fahrzeug. Arnhem Land als solches
ist sehr verschlossen gegen Besucher aller Art. Vorallem die "Vorderseite
des Hochplateau präsentiert sich sehr schroff, aber wunderschön.
Auch diese Nacht verbringen wir auf einem
einfachen Camp Ground, allerdings bereits auf halbem Weg nach Pine Creek, in
Gungurul. Ein Spaziergang zum South Alligator River (der hier völlig
ausgetrocknet ist) und zu einem Lookout mit herrlichem Blick über die Ebene
beschließt den aktiven Teil des Tages, Zeit zum Kochen. Und wieder ziehen
Wolken auf. Damit habe ich jetzt in der trockensten Jahreszeit Gurrung nicht
gerechnet.
Es gibt hier und vermutlich ebenso in den
Kimberleys und in Arnhem Land sechs Jahreszeiten:
Wuurgeng, frühe Trockenzeit
oder auch Kaltwetterzeit, Juni bis August;
die
Floodplain trocknet aus, das abgestorbene Gras wird abgebrannt.
Gurrung, heiße
Trockenzeit, August bis Oktober.
Gunumeleng, Prämonsun,
Oktober bis Dezember;
tägliche
kleine bis stärkere Gewitter, aber immer nur einmal am Nachmittag;
Oberflächengewässer beginnen wieder zu fließen, das Wachstum beginnt.
Gudjewg, Monsun, Dezember
bis März;
Hitze
und Feuchtigkeit lassen die Natur explodieren, das Speargras wird über 2 m
hoch.
Banggerreng, Erntezeit, April;
meist
blauer Himmel, die Hochwasser gehen zurück, Flüsse fließen mit klarem Wasser,
Fruchtbildung und Nachwuchspflege der Tierwelt.
Yegge, Zeit des kühlen
Wetters, Mai bis Juni;
die
notwendigen Brandfelder werden festgelegt.
Ein Wohnmobil kommt angerest, neben uns ist
es ihnen wohl zu schief, deshalb bleiben sie auf dem Parkplatz stehen. Später,
als sie sich aufmachen zum Abendspaziergang, unser Essen ist fast fertig,
kommen die beiden bei uns vorbei, ein nettes Gespräch über das Reisen allgemein
und interkontinental im Besonderen entwickelt sich. Gregg (das ist auch fast
kein Name sondern eine Massenbezeichnung) und seine Frau - sie dürften in
unserem Alter sein - haben fünf erwachsene Kinder, kommen aus Sydney, das er
früher nie verlassen hatte, und jetzt erfahren sie den Westen des Kontinents.
"Schön, aber Sydney möchte ich nicht missen."
Weil während unseres Spaziergangs ein
Wohnwagen mit vier grey nomads angekommen war, sind wir heute wohl nicht die
Ältesten auf dem Platz.
Als ich mich um 1/2 10 in den Wagen begebe,
sind die Wolken verschwunden, das Kreuz des Südens ist bereits unterm Horizont,
nur die beiden Pointer, Alpha und Beta Centauris, zeigen noch an, wo Alpha
Crucis steht.
Jim Jim Tag
Recht gemütlich gehen wir den Tag an, auch
wenn wir "schon" um 7 aufstehen. Gegen neun sind wir unterwegs nach
Süden. Die Strecke ist wesentlich herausfordernder als der gestern gefahrene
Teil bis zum Garnamarr, einspurig, ausgefahren und mit Holperschwellen, die bei
30 alles kurzzeitig schwerelos machen. Also: langsamer, noch langsamer. 40 ist
erlaubt, das ist zu viel. An der Abzweigung halten wir uns rechts und fahren
erst zu den Twin Falls. Direkt nach der Day Use Zone ist die Durchfahrt durch
einen Fluss, 65 cm Wassertiefe, aber klares Wasser, glatter Betonboden und
keine Strömung, also völlig gefahrlos. Der Bushi ist allerdings nicht dicht,
beide Fußräume werden ein wenig nass. Merkwürdig, denn das Wasser ging nur bis
knapp über die Trittbretter.
Der Fußweg zum Boot, das uns zu den Fällen
bringt, ist sehr leicht zu gehen und so sind wir schnell am Ziel. Wir sind die
einzigen Gäste, der Bootsführer erzählt unterwegs ein bisschen, wartet
vielleicht auf Fragen. Dann sind wir hinten. Beide Fälle haben Wasser und
lassen erahnen, was hier während und kurz nach dem tropischen Sommer los ist.
Das Wasser im abführenden Canon steht dann bis zu 10 m über dem jetzigen Stand.
Aber dann kommt niemand mehr her. Am Ufer liegen an manchen Stellen Croctraps,
sie sind mit Ködern bestückt, allerdings dem Geruch nach zumindest die beim
Plunge Pool schon recht lange.
Auch auf dem Rückweg kommt wieder Wasser in
den Fußraum, Brigitte sagt, es käme durch den Türrahmen. Nach der Durchfahrt
halten wir an und wischen das Wasser mit der Hand aus dem Auto, B. hört
allerdings noch lange ein gewisses Schwappen. Nur, wo kann da noch Waser sein?
Am Jim Jim Parking stehen recht viele Autos, das scheint voll zu sein, im
Gegensatz zu den Twin Falls, wo wir nur 5 Fahrzeuge gesehen haben, drei auf dem
Parkplatz und zwei weitere auf der Rückfahrt. Die erste Hälfte des Fußweges zum
Wasserfall ist einfach, dann wird es schwierig bis herausfordernd. Ich bin
stark an das Steinfeld auf dem Kaltenbronn erinnert, wo wir als Kinder die
Sommer verbracht und nebenbei das Gehen über Findlinge gelernt haben. Das
Wasser im Fall ist versiegt, schade. Die Wand ist noch nass, aber es kommt kein
sichtbarer Strom mehr von oben. Der Pool sieht sehr schön aus, ich gehe, wie
andere ebenfalls, rein und schwimme eine Runde. Am anderen Ufer treibt sich ein
Freshie rum, zumindest sieht es so aus. Ein Stamm würde sich angesichts der fehlenden
Strömung anders verhalten.
Diese Nacht verbringen wir auf dem Camp
Ground am Jim Jim Billabong. Ich gebe bei der Self registration das falsche
Datum an, eine Nacht in der Vergangenheit. Pech, aber nicht zu ändern und
angesichts der Tatsache, dass ohnehin niemand kontrolliert, auch ohne Belang.
Auf dem Billabong schwimmt ein Croc, also sollte man auf jeden Fall nicht ins
Wasser gehen und später auch nicht zu nahe ans Ufer. Es ist aber wohl ein
Freshie.
Nach Sonnenuntergang ziehen Wolken auf,
gleichzeitig setzt ein Mossie-Angriff ein, wir setzen uns ins Auto und spielen
Karten.
Mittwoch, 24. August 2016
Ein erster Blick durch das Fenster oben
lässt es neblig erscheinen, aber dem ist nicht so. Wenig später geht die Sonne
auf, überall regt das Leben. Die Enten sind schon auf dem Billabong unterwegs.
Bis ich mich erinnert habe, wie ich mit der D750 einen Film aufnehmen kann,
haben sie sich beruhigt und machen kaum noch Geräusche.
Als letzte verlassen wir den Platz - wir
waren ja auch zuerst da - und fahren nach Jabiru zum NLC. Tracy ist da,
allerdings hat sie unsere zweite Application Form vergessen. Wir bekommen den
Permit sofort ausgestellt, naja, es dauert schon einige Zeit. Inzwischen haben
wir eine Bootstour auf dem Yellow River gebucht. Ich denke, das ist eine gute
Art, mehr von der Fauna zu sehen. Yellow River ist ein Teil des South Alligator
River, der nur im tropischen Sommer und der nächsten zwei Monate ein
durchgehender Fluss ist. Die in meinem ursprünglichen Permit-Antrag
eingetragenen Zeiten, die ohnehin bereits Makulatur sind, sind übrigens nur
Anhaltwerte, unser Permit geht bis 18. September.
| Rock Art (Barramundi) in Ubirr |
In Ubiir bestaunen wir die dortige Rock
Art, wer weiß, wie alt sie wirklich ist. Übrigens bin ich jetzt, da wir wieder
vor Ort sind, sicher, dass es sich um die gleiche Stelle handelt, die wir auch
2007 besucht haben. Damals, kurz nach der Regenzeit, war das eine der wenigen
Stellen, die für das Publikum freigegeben waren und für uns damals in Anbetracht
der wenigen zur Verfügung stehenden Zeit erreichbar schienen.
Am Nachmittag fahren wir nach Süden
Richtung Jim Jim und machen auf dem Garnamarr Camp Ground Station. Brigitte ist
es zu spät, heute noch zum Fall zu fahren. Wahrscheinlich hat sie recht.
Gegenüber ist eine beeindruckende Felswand,
die Kante des Arnhem Hochplateau. Interessant, dass alle Wege von Kakadu aus an
dieser Kante enden, es gibt keine Möglichkeit, von hier aus auf das Hochplateau
zu gelangen. Es scheint zu stimmen, dass es oben kaum Wege gibt, weil alles so
stark durchfurcht, von Schluchten und Spalten durchzogen ist. Garnamarr ist ein
"managed camp ground", es gibt ein Waschhaus mit Duschen. Und es gibt
fließendes Wasser, das ist schon mal ganz gut. Irgendwann heute Abend wird
jemand kommen und die 15 AUD pro Person Gebühren kassieren. Etwas mehr Luxus
hat seinen Preis :-).
Immer wieder kommen einzelne Fahrzeuge,
manche bleiben, manche fahren wieder weg. Im Endeffekt ist der Platz noch nicht
mal halb voll. Es wird kassiert, das macht es schwierig, ohne zu bezahlen zu
übernachten.
Dienstag, 23. August 2016
Dennoch wache ich erst kurz nach sieben
auf. Klar, noch ist der Jetlag nicht überwunden, in der Nacht sind wir beide
zwischendurch wach gewesen.
Gegen halb zehn verlassen wir ziemlich als
letzte den Übernachtungsplatz und fahren weiter gen Jabiru. Ein kurzer Halt am
Bark Hut Inn, ein zweiter an einer Visitor Information in er Nähe des West
Alligator River, um den Parkpass (besser: die Parkpässe, hier braucht jeder von
uns einen eigenen) zu erstehen. Jetzt dürfen wir uns eine Woche im Kakadu
herumtreiben.
In Jabiru suchen wir zuerst das Office des
NLC, Northern Land Council, um das Permit für Arnhem Land abzuholen. Tracey ist
nicht da, ihre Vertreterin weiß von nichts, findet nichts und hat keinen
Zugriff auf das Permit-System. Also versprechen wir, morgen früh
wiederzukommen, dann ist T. da. Ist das jetzt ein gutes oder ein schlechtes
Zeichen? Zuerst mal ist es egal.
An Cahills Crossing werden alle ohne
gültigen Permit (all unauthorized vehicels) auf en Besucherparkplatz geleitet -
der ist gut belegt. Es ist wirklich voll, der Fluss hat für diese Jahreszeit
viel Wasser: knapp 50cm hoch steht das Wasser über der Straße und die Strömung
ist nicht zu verachten. Allerdings denke ich, dass wir durchkämen, wenn wir
wollten. Auf der anderen Seite stehen Wächter, die lassen vermutlich niemanden
durch, der keinen Permit hat. Das ist ja ok, sonst ist das mit den Permit ja nur
Unsinn. Flussabwärts vor der Furt warten elf teilweise mehr als vier Meter
lange Krokodile darauf, dass jemand von den Besuchern unvorsichtig ist und ins
Waser fällt. Ab und zu greifen sie sich einen Fisch aus dem Wasser. Wenn man
Selbstmord machen will und niemand den Ärger mit der Leiche ausbaden soll, ist
das hier die ideale Stelle: Elf Krokodile dieses Kalibers, das ist todsicher.
Weil es jetzt schon nach drei ist und weil
Brigittes geschwollene Stiche noch nicht so weit abgeheilt sind, dass ihr die
direkte Sonne nichts mehr ausmacht,
verzichten wir auf den Weg zu den Felszeichnungen und die damit verbundene
Fahrt nach Ubirr. Stattdessen fahren wir an Jabiru vorbei nach Süden auf den
Camp Ground Manabanjbanjdje, wo wir die ersten sind, die sich einfinden. Mal
sehen, wie viele noch kommen werden.
Auf dem Tümpel neben dem Ground schwimmen
viele Whistling Ducks, teils wandering, teils plummed, Shelduck Radjahs und
eine Magpie Goose. Sie sind ein wenig aufgeregt, weil wir ans Ufer kommen. Ein
Croc sollte es in diesem Wasser eher nicht geben, allerdings würde ich es nicht
darauf ankommen lassen.
Wir bleiben nicht alleine, ein zweites
Paar, viel jünger als wir, mit einem Zweipersonen-Swag (hatte ich noch nicht
gesehen) ist eingetroffen. Ihr nicht ausgebauter Troopie ist etwas schmutziger
als unser Bushi.
Später kommen nach und nach noch weitere
vier Parteien, zwei erst bei richtiger Dunkelheit. Wir sind heute die ältesten
auf dem Campground, keine grey nomads - die sind wohl eher auf einem
"managed" camp ground, der dafür mehr kostet. Denn im Zweifelsfall
muss man sich ja nicht registrieren hier auf dem Platz.
Montag, 22. August 2016
Obwohl ich heute Nacht eine Weile wach war,
wache ich mit der Sonne auf und so starten wir kurz nach neun. Nach einem
Einkauf bei Woolworth starten wir nach Osten, doch dann bricht Brigitte die
Fahrt ab, sie will erst noch zu einem Arzt. Ich folge einem
"Hospital"-Schild, das führt uns in einem großen Bogen nach Casuarina
im Norden. Bei einer Medical Clinic halten wir an. Brigitte bekommt einen
Termin um 1/2 1 Uhr, dasist schon in zwei stunden. Solange gehen wir in den
Warundi-Park. Bussards,Falken, Galahs, Lapwings und Magpie Larks bevölkern die
Luft und den Rasen des Parks, nett.
Fast pünktlich kommt Brigitte dran, der
Arzt ist freundlich und wirkt kompetent, mit inem rezept werden wir entlassen.
Nachdem wir dieses gegen das passende Medikament eingetauscht haben, machen wir
uns wieder auf den Weg.
Beim Erreichen der Wetlands besuchen wir
das Information Centre. Dort treffen wir eine Familie, die die letzten beiden
Nächte wie wir in Winnellie verbracht hat. Die Dispays und der Film über die
hiesigen Jahreszeiten sind sehr informativ. Aber sehr weit kommen wir jetzt
heute nicht mehr, schon in Corroboree Park mieten wir uns ein unds
| Blick auf das Flatland im Nordosten von Darwin |
suchen einen uns genehmen Stellplatz - gerade
noch rechtzeitig, denn wenig später kommt eine größere Gruppe angereist und
"streitet" sich um die wenigen "powered sites". Inzwischen
habe ich gebadet in recht frischem Wasser. Die Frische liegt daran, dass rund
um den Pool dicht an dicht Pflanzen wachsen und das Wasser nach oben gegen die
Sonne abgeschirmt ist. Oben genannte Familie ist übrigens auch da, außerdem das
Paar, das uns gegenüber stand, die letzten zwei Nächte.
Während ich koche, kmmen in der Nähe
Corellaszusammen, um sich die Ereignisse des Tages zu erzählen und sich auf die
Nacht vorzubereiten. Während des Essens suchen sie ihre nahegelegenen
Shlafbäume auf, wenig später ist Ruhe. Auch die Kakadus und der Bowerbird
kommen zur Ruhe. Einzelne Foxes segeln an uns vorbei.
Nicht zuletzt dank des wenigen künstlichen
Lichtes hier ist der Abendhimmel richtig schön. Die Milchstraße erstreckt sich
über uns, das Kreuz des Südens steht deutlich höher als die letzten Tage,
einzelne Sternbilder sind ansonsten in der Masse der Sterne nur schwer auszumachen.
Und dann kommen die Kängurus grasend aus
dem Strubb hervor, bi zu elf dieser Tiere können wir vor uns ausmachen. Sie
anzuleuchten mit einer Taschenlampe stört sie nicht, nur, wenn einer von uns
auf sie zugeht, hoppeln sie weg.
Kurz nach zehn sind alle Gäste in ihren
Wohnwagen, Wohnmobilen oder Zelten, Zeit auch für mich ins Bett zu gehen.
Sonntag, 21. August 2016
| Das erste Dinner im Bushi |
Mal sehen, wann wir uns an die hiesige Zeit
gewöhnt haben. Eine gute Nacht jedenfalls ist anders. Dennoch stehen wir erst
gegen 10 auf, denn gegen morgen sind wir beide fest eingeschlafen. Die Hitze
des Tages macht sich schon bemerkbar.
Heute bleiben wir auf dem Campingplatz,
räumen noch ein wenig rum, lesen, gehen ins Bad - und schon ist der Tag rum.
Wie wir gestern gemerkt haben, müssen wir um 17.00 Uhr mit dem Kochen anfangen,
damit wir bei Tageslicht essen können.
Abends genießen wir wieder den sogar hier
in Darwin trotz des vielen künstlichen Lichtes großartigen Sternenhimmel - und
sind die letzten in der Umgebung, die "das Licht ausmachen".
18.-20. August 2016
Und los geht's. Ganz pünktlich steht das
Taxi vor der Türe, wir packen unsere Koffer und fahren ab. Mal sehen, was alles
fehlt…
Erster Schreck: Die Dame am
Lufthansaschalter braucht ein Visum - für Singapur. Das klärt sich, als wir
erklären, dass wir weiterfliegen nach Australien. Nach einigem Suchen findet
sie den Weiterflug - und jetzt braucht sie unsere Australien Visa. Merkwürdig,
mal sehen, wie das weitergeht. Immerhin, unser Gepäck wird durchgebucht nach
Darwin, damit ist schon das "20 kg pro Passagier"-Problem gelöst.
Zusammen haben wir 36 kg, aber zwei der drei Gepäckstücke sind von mir und
zusammen 25 kg schwer. Bordkarten müssen wir uns in Singapur holen, das geht
nicht von Frankfurt aus.
Die Zeit bis zum Abflug verbringen wir in
der Lufthansa Lounge.
| Guter Dinge beim Warten auf den Flug nach Singapur |
Sehr pünktlich darf unser Airbus A380-800
losrollen und so sind wir schon kurz nach 10 unterwegs. Etwa 2 Stunden später
ist das Abendessen - das Brigitte wie gewohnt ausgelassen hat - beendet und das
Licht geht aus. Ich habe "The Revenant" angesehen, gut gedreht, auch
die Schauspieler sind gut, die Story ist eher schwach, es ist kein Film, den
ich unbedingt sehen hätte müssen. Aber die Auswahl bei Lufthansa gab nicht mehr
her.
Nach der Landung in Singapore begeben wir
uns langsam zum Terminal 1, wo wir für den Weiterflug einchecken können. Es
gibt tatsächlich wieder ein Problem mit Brigittes Visum: Es gibt nämlich zwei!
Soviel zu der Aussage, dass ein neues Visum das alte überschreibt. Die nette
Dame am Schalter von Jetstar-Asia kriegt das in einem längeren Telefongespräch
geregelt, zumindest so, dass wir unsere Bordkarten bekommen. Die ersten 2 1/2
Stunden der Wartezeit sind so leicht zu überbrücken. Aber jetzt wird es zäh.
Ich hab' ja wenigstens ein paar Bücher auf dem iPad, aber Brigitte hat nichts.
Gegen Ende der Wartezeit fällt mir ein, dass ich die Adresse von TCC in Darwin
nicht aufgeschrieben habe. Was jetzt? Auf der Homepage von TCC ist sie auch
nicht hinterlegt.
| Warten und beobachten. Ein Airbus A320-200 auf dem Weg zum Start |
Der Flieger nach Darwin, ein Airbus
320-200, ist voll gebucht, alles eine Klasse, insgesamt 31 Reihen mit je 6
Plätzen, arg eng bestuhlt. Wir sind hinten, in Reihe 27. Trotz der vielen
Kinder wird es ein eher ruhiger Flug, ohne Verpflegung, ohne Bordprogramm. Back
to the roots.
Bei der Landung in Darwin ist es noch
stockdunkel. Klar, es ist noch Winter, wir sind nahe am Äquator und es ist noch
nicht mal 5 Uhr früh. Da wir im Flieger ziemlich weit hinten saßen und nach der
Landung erst mal eine Toilette aufsuchen, sind wir fast am Ende der Schlange
vor der Immigration. Naja, das macht nichts, wir haben ja Zeit. Alles geht gut
mit den Visa, allerdings dreht nur noch unser Gepäck seine einsamen Runden, bis
wir ans Gepäckband kommen.
Zum Glück gibt es sogar hier in diesem eher
einsamen Flughafen ein Café, in dem wir uns ein Frühstück gönnen. Und es gibt
freies WLAN, so kann ich eine SMS an Werner schicken und bekomme postwendend
die notwendigen Informationen. Herzlichen Dank, Werner.
| Der Airport von Darwin am frühen Morgen |
Kurz vor 8 sind wir bei TCC, wenig später
macht Thomas das Tor auf. Zwei Stunden später sind wir temporäre Besitzer eine
Toyota Landcruiser mit Bushi-Ausbau. Thomas gibt uns zwei Maxtracs mit, das ist
toll, denn das spart uns 200 AUD. Maxtracs sind Unterlagen für den Fall, dass
wir im Sand oder Match stecken bleiben und die Räder keinen Griff mehr haben.
Denn spätestens für den zweiten Teil der Reise durch die Simpson Desert will
ich auf diese Hilfen nicht verzichten. Und in Arnhem Land sind sie vielleicht
auch zu gebrauchen. Bei Telstra im Mitchel Center erstehe ich eine neue
SIM-Karte, allerdings muss ich dazu zurück zum Auto, denn meinen Pass habe ich
bei den Sachen im Auto gelassen. Bin mal gespannt, wann die Karte aktiviert
ist. Es kann dauern, sagt die Hilfskraft im Geschäft.
Nach verschiedenen Einkäufen in einer
Pharmacy, bei Coles und bei BFC (Boating, Fishing and Camping) fahren wir noch
mal bei TCC vorbei und geben einen Wasserkessel, den wir nicht brauchen, zurück
und unsere Handynummer bekannt.
Ganz in der Nähe quartieren wir uns auf
einem Discovery Tourist Park ein. Das Um- und Einräumen nach unserem Geschmack
geht viel schneller als erwartet, es zahlt sich doch aus, dass es schon die
dritte Reise mit einem TCC-Bushi ist. So hat sich eine gewisse für uns
geeignete Ordnung herausgebildet.
Langsam merke ich, dass ich die letzte
Nacht nicht geschlafen habe. Zwar sind somit seit dem Aufwachen vor der Landung
in Singapur nur 21 Stunden vorüber, doch auch das reicht allmählich. Denn auch
die Nacht davor war nicht ganz ungestört. Noch während des Kochens bricht die
Nacht an, beim Essen ist es dann schon ganz dunkel. Das Kreuz des Südens steht
höher, als ich es erwartet hatte, das liegt wohl daran, dass wir mehr als drei
Wochen früher sind als beim letzten Mal. Um halb neun ist es, das Kreuz, hinter
den Bäumen verschwunden, wir gehen ins Bett.
