Samstag, 24. September 2016

The Kimberley, the last frontier. 14 Tage abseits des Üblichen. 10. bis 25. September



Freitag, 9. September 2016

Während des Nachmittags kommt eine Variety-Karawane in Ivanhoe Village an. Youngtimer und beinahe Youngtimer auf lustige Art aufgearbeitet. Ein mit Kamelen verziertes Auto mit der Autonummer CAMEL55 ist dabei, ein Krokodil-Auto, ein Auto, das als Motorboot ausgestattet ist, mit entsprechendem Aufbau, eine Stage Coach mit zwei Pferden (auf der Motorhaube) und viele andere. Eine ähnliche Veranstaltung hatten wir 2013 auf der Cape Yorck Tour getroffen. Damals waren alle Fahrzeuge mehr oder weniger hochgezüchtete 4WD gewesen, mit Ausrüstungen für eine große Wüsten-und Schlammtour. Die Teilnehmer zahlen eine Stange Geld dafür, damit sie mitfahren dürfen und tragen auch unterwegs all ihre Kosten selbst, viele der Teilnehmer opfern ihren Urlaub. Das auf diese und viele andere Arten eingenommene Geld kommt ausschließlich Kindern zugute, Kindern mit Behinderungen, Kindern ohne Familien, Kindern mit Problemen bei der Ausbildung, kranken Kindern. 
Ein Teilnehmer an der 2016er Variety Tour in Kununurra
Während einer solchen Tour werden auch Einrichtungen besucht, die von Variety unterstützt werden. Das Motto von Variety lautet "Help Kids be Kids" und ich denke, dass sie auf ihre Art eine ganze Menge Gutes tun. Veranstaltungen wie diese Rally sind für die Teilnehmer einfach ein großer Spaß, die Teilnehmer sind mit gleichgesinnten zusammen und es wird ihnen das Gefühl gegeben, dabei noch etwas Gutes zu tun. Nein, besser, sie tun damit etwas Gutes.

Samstag, 10. September 2016

Bereits um 20 nach sieben sind wir unterwegs. Wir profitieren noch immer von der Zeitumstellung und davon, dass wir im Westen sind. Die Sonne geht schon kurz nach sechs auf, dafür ist es um 18.00 Uhr bereits stockdunkel. BeimLookout kurz nach beginn der Gibb River Road treffen wir den kleinen Bus wieder, mit dem wir bei der Anreise zu Keep River beim Versuch, Zebra RockMine zu besuchen, zusammengetroffen sind. Der Fahrer und Reiseleiter spricht ein wenig Deutsch, er hat eine Zeitlang in Deutschland gearbeitet. Er sagt selbst, dass er besser spricht als versteht, aber seine Aussprache hat doch einen starken Akzent. Ich spreche Englisch, er Deutsch, das geht ganz gut.
Zuerst fahren wir an Emma Gorge vorbei, um den Day Use zu sparen, dann kehren wir um und machen uns auf den Weg zum Wasserfall. Die Wassermenge ist eher dürftig, aber ein paar Tropfen kommen im Pool an. Das Schwimmen im Pool wiegt die Anstrengung beim Hinweg (und natürlich auch den gleichen Rückweg) auf. Für die 3,2 Kilometer bauchen wir 50 Minuten, es geht über Sand, dann Schotter und Steine, dann Boulder und Stämme. Zurück sind wir nicht schneller.
Auf dem Weg durch die Emma Gorge
Bis zur Abzweigung nach El Questro ist die Straße asphaltiert, dann erreichen wir wieder Gravel. Hier am Anfang der Gibb River Road ist die Qualität sehr bescheiden, das kann nur besser werden. Die Corrugation lässt das Auto nicht zur Ruhe kommen. Dafür regnet es eine zwischendurch ein wenig, da ziehen wir plötzlich keine Staubfahne mehr hinter uns her. Soviel zu "dry season". Wenn das so weiter geht, können wir auf dem zweiten Teil der Reise die Fahrt über den Gary Junction Hwy vergessen. Der Pentecost River hat viel weniger Wasser als vor zwei Jahren, wir fahren mit trockenen Reifen über das Geröll. Allerdings ist der Pentecost ein Fluss mit "Meeranbindung" und Tidenhub, möglicherweise liegt es daran.
Bei Home Valley Station quartieren wir uns auf dem Bushcamp am Pentecost River ein (15° 43' 20" S, 127° 51' 10" O). Ein wunderbarer Nachmittag mit Birdwatching und Nichtstun beginnt. Das Auto steht mit dem Heck genau im Wind, der war beim Aufstellen noch nicht da. Zum Kochen muss ich die Hecktüre zumachen, der Wind ist zu stark und trägt jede Menge Sand herbei. Nicht zuletzt deshalb (und weil es schon dunkel ist) essen wir auch im Auto, nicht daneben. Gleichzeitig ist es bei bewölkte Himmel mit 35 Grad gut warm. Der Sand im Wind hat eine Art Peeling-Effekt.
Abendstimmung am Pentecost River , Home Valley Station Camp Ground
Die starke Bewölkung behindert etwas das Beobachten der Sterne. 

Sonntag, 11. September 2016

Wenn es mir nicht angezeigt würde, hätte ich nicht gewusst, dass heute Sonntag ist. Die Tage sind sich schon ziemlich ähnlich und das Konzept des Wochentages passt nicht so ganz zur Natur. Der Ruhetag  pro Woche ist aber im Sinne der Menschen und deshalb ist nichts gegen die Einteilung der Tage in Wochen und Monate zu sagen.
Beim Überqueren des Bamboo Creek hält Brigitte mich an, neben der Straße, auf der linken Seite, standen zwei Brolga. Ich kehre um und tatsächlich, sie sind da und lassen sich wider Erwarten von uns nicht stören in ihrer Nahrungssuche. So nahe habe ich sie noch nie gesehen, geschweige denn fotografiert.
Seit wir, Brigitte und ich, uns darauf geeinigt hatten, die Gibb River Road wieder zu fahren (eigentlich war es keine Frage), freue ich mich auf die Scones bei Ellenbrae Station. Heute ist es so weit. Genau zum zweiten frühstück sind wir da. Die Besitzer haben gewechselt, aber die Scones gibt es noch und sie sind so gut wie immer. Wer auch immer in die Gegend kommt, sollte sich die Zeit nehmen und hier Scones mit Jam und Cream essen. Schade, am 22.Mai hat der große Boab aufgegeben. Am Morgen hatte er einen Riss, am Nachmittag ist er umgefallen. Ein mächtiges Teil liegt noch da und erinnert daran, dass alles Leben endlich ist.
Das eine Paar, das gestern auf heute ebenfalls auf dem Bush Camp von Home Valley übernachtet hat, trifft einige Zeit nach uns ein - als wir losgefahren sind, haben sie noch gemütlich am Pentecost gesessen - bricht aber noch vor uns auf. Wir treffen sie später bei Drysdale Station im Store und auf dem Munurru Bush Camp wieder.
Zweites Frühstück bei Ellenbrae Station
Ja, wir sind diesmal an Minor's Camp mit seinen Bremsen vorbeigefahren (nach einem kurzen Stopp mit Chat in Drysdale River Station) und verbringen stattdessen eine Nacht auf Munurru, das früher King Edward River Camp hieß (14° 53' 14" S, 126° 12' 9" O). Der Kind Edward River fließt knapp neben unserem Stellplatz vorbei, ein guter Einstieg mit Felsen und sandigem Untergrund ist etwa 100 m von unserem Standplatz entfernt. Es gibt nämlich nur Freshies in dem Fluss, also ist Schwimmen erlaubt. Das Wasser ist wunderbar, wärmer und deutlich klarer als das, was in den letzten Pools auf Campingplätzen anzutreffen war und viel wärmer als Emma Gorge Pool. Und der Fluss ist außer im Uferbereich mehr als mannstief, da ist keine Gefahr durch emporragende Steine oder untergetauchte Stämme. Das Schwimmen macht richtig Spaß. 2/3 des Camp Ground sind gesperrt, was angesichts der Besuchermassen nicht viel ausmacht. Der Platz ist schön angelegt, die Toilette ist in gutem Zustand.
Auf dem Rückweg vom Schwimmen begegnet uns unsere erste Schlange. Ein schönes Exemplar, ganz schwarz, etwa 1,20 bis 1,50 m lang und etwa 4cm dick, schlängelt sich unseren Weg kreuzend eilends in das Blätterdickicht, ohne uns eines Blickes zu würdigen. Unsere Anwesenheit hat sie vermutlich auch so festgestellt. Da sollte ich heute Nacht bei Dunkelheit vorsichtig sein und gegen meine Gewohnheit eine Taschenlampe mitnehmen.
Die Qualität der Gibb River Road ist "durchwachsen", es gibt gute Bereiche, dann aber kommen wieder Stellen, wo ich den Eindruck habe, dass wegen der Corrugation (Querrillen in kurzer Folge, Wellblech)gleich das Auto auseinander fällt. Auf der Kalumburu Road ist es ähnlich, nur wenig schlechter, aber auf der Mitchell Falls Road ist es hier im Bereich des King Edward River ziemlich schlecht bestellt um den Untergrund. Steinig, holprig und sandig, was man als Offroadfahrer halt so braucht :-). Insgesamt vier Mal müssen wir hier durch, so wie wir den weiteren Verlauf geplant haben.

Montag, 12. September 2016

Um sieben sind wir unterwegs, das junge Paar ist schon lange weg. Zurück zur Kalumburu Rd dauert eine Viertelstunde, dann sind wir auf dem Weg direkt nach Norden. Die Straße führt uns zuerst durch lichten mittelhohen Bestand, dann sind Palmen dabei, dann wieder gibt es fast nur Savanne. Und wieder begegnet uns ein Brolgapaar, und auch diese beiden interessieren sich kein bisschen für uns.
Auch hier wird stellenweise Burning betrieben, allerdings sehe ich keine Stellen, die in diesem Jahr feuergereinigt wurden. Der Zustand der Fahrbahn wird zunehmend schlechter, die letzten 50 Kilometer würde ich als rauh bezeichnen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal freuen würde, Corrugation unter den Rädern zu haben. Nach etwas mehr als drei Stunden für die nicht ganz 100 km kommen wir in Kalumburu an - ich bin ziemlich geschafft.
Im Garten der Mission in Kalumburu
Im Store holen wir uns pflichtgemäß das Permit - ich bin sicher, dass wir es nirgends brauchen werden - dann besuchen wir das Mission Museum mit der Geschichte von 100 Jahren Mission in Kalumburu. Über die Anfäng findet sich nichts, dafür eine ganze Sektion über den Angriff der Japaner im Dezember 43 auf die Mission und den weiteren Verlauf des Krieges in der Kimberley. Ein weiterer Teil ist Sr. Scholly (eigentlich hieß sie Sr Scholastica, aber das war wohl viel zu kompliziert) gewidmet, sie hat sich hier wohl wirklich um die Aboriginal bemüht und war sehr beliebt. Zu ihrem Funeral am 28. Dezember 2007 ist sogar Bischof Christopher Saunders aus Broome angereist. Über den Umgang mit den Aboriginals ist wenig bis nichts zu finden. Von den Häuschen, die eigens für die Schäflein aus Wellblech erbaut wurden, sind nur noch drei übrig , der Rest fiel Fluten, Stürmen und Bränden zum Opfer. Außerdem war es auch hier so wie überall in Australien (und wohl auch in Amerika mit den Indianern): Die Weißen bauen Häuser, die maximal für sie geeignet wären und wundern sich, dass die von den Aboriginal, die eine ganz andere Kultur und andere Interessen haben, nicht akzeptiert werden - und halten das für undankbar.
Nach einem Besuch am King Edward River Lookout fahren wir nach Norden zur Honeymoon Beach. Die Strecke ist besser in Schuss, als ich sie in Erinnerung hatte (wir haben noch immer den normalen Reifendruck und fahren ohne 4WD), aber dennoch ziemlich anstrengend, weil sehr holprig und mit vielen Löchern.
Die Frau des Platzbesitzers, der unterwegs ist, begrüßt uns mit einem Baby auf dem Arm - insofern ist alles wie im Oktober 2014. Helen ist 5 Monate alt und will zu Brigitte auf den Arm. Der Sohn, den sie damals herumgetragen hat, zeigt sich nicht, kein einziges Mal während unseres Besuchs hier. Es ist, das ist die gute Nachricht, bisher in der Saison kein Croc gesichtet worden in der Bucht. Unten am Strand sind die guten Plätze alle belegt, nur einer voll in der Sonne ist noch frei. Also fahren wir hoch und stellen uns da hin, wo wir vor zwei Jahren schon gestanden haben (14° 6' 12" S, 126° 40' 48" O). Von der Ankündigung "ammenities got kind of upgrade" ist allerdings vor Ort nichts zu sehen. Erst inder Nacht fällt es mir auf: Frischer Anstrich und LED-Beleuchtung!

Dienstag, 13. September 2016

Als wir gestern ankamen, sagte Ruth, die Landlady, dass ihr Mann auch Charter machen würde, ob wir interessiert seien. Es sollten allerdings drei Personen zusammenkommen, sonst lohnt es sich für Les nicht. Nun, die drei kamen zusammen: Brigitte, Mick und ich. Mick ist der kurz nach uns angekommene Vaterzweier sehr kleiner Kinder, eines Jungen von etwa 2 Jahren und eines Mädchens mit sechs Monaten.
So treffen wir uns um halb sieben unten an Les' Boot. Mit dabei ist Asari, Les's Sohn aus erster Ehe, etwa 9 Jahre alt, ein richtig hübscher Knabe, ziemlich dunkel. Er ist engagiert, hilft, wo er kann.
Zuerst wird das Boot betankt und "beladen", dann geht Les auf die Suche nach Ködern, Bait. Hier ist nichts zu finden, deshalb fahren wir ein paar Buchten weiter. Dort wirft Les sein Netz einmal erfolgreich und zwei Mal zu kurz aus, das reicht vorerst. Wir fahren gemütlich nach Süden, haben dabei rechts und links je eine Angel im Wasser hängen, ohne Köder, nur mit jeweils einem Blinker. Das ist dazu, die Fische neugierig zu machen, sagt Les. Dann ankern wir, und jeder von uns Dreien bekommt einen der Ringe mit Angelschnur in die Hand, daran ist ein Grundgewicht und ein Haken. Die Haken werden bestückt, die Leine ins Wasser gelassen und dann heißt es warten. Doch nicht lange, denn Brigitte (und Asari, der sie unterstützt) fühlen fast sofort ein Zucken in der Leine und holen einen ersten Red Snapper an Bord. Wenig später folgt ein zweiter. Dann ist Mick an der Reihe, auch bei im hat ein allerdings etwas kleinerer Snapper angebissen. Er ist zu klein und darf wieder schwimmen gehen. Endlich bin ich an der Reihe, als ich den Black Tipped Shark (von gut einem Meter Länge) gerade an Bord hieven will, reißt er sich doch noch los. Den Haken nimmt er mit, schade, hoffentlich überlebt er das. Behalten hätten wir ihn ohnehin nicht, wir haben mit Brigittes Snapper schon ausreichend fürs Abendessen vorgesorgt. Vorratshaltung mit Fisch bei diesen Temperaturen ohne Tiefkühlschrank zu betreiben erscheint mir zu gefährlich. Dann zuckt meine Leine wieder und noch bevor ich sie rausziehen kann wird der Gegenzug stärker. Ein kleiner Snapper hat den Köder genommen und wurde von einem ziemlich gefährlich aussehenden Codfish verschlungen, naja, nicht ganz. Der Codfish hat eine ziemlich stachelige Rückenflosse und auch die Brustflossen sehen bewehrt aus. Er hat eine helle Grundfarbe mit roten Punkten und schwarzen Flossen. Der Rücken tendiert ist grünliche. Der große Fisch wird vom Haken befreit, ich werde mit ihm fotografiert und dann darf er wieder ins Wasser. Der kleine "Beifang" dient im folgenden als Köder. Doch anders als Brigitte, die noch zwei weitere Snapper rausholt, die auch wieder in Freiheit gesetzt werden, und einen weiteren, der Asari zugeschrieben wird, beißt bei mir nur noch ein kleiner Fisch, der zu klein ist und ebenfalls wieder in Freiheit gesetzt wird, nachdem er sich im Eimer von seinem Schrecken und der Verletzung erholt hat. Mehrmals am Vormittag wechseln wir den Standort und nach mehr als vier Stunden sind wir wieder in der Honeymoon Bay. Auch Mick ist mit seiner Ausbeute, einem prächtigen Snapper, fast einen Meter lang und entsprechnd mächtig, sehr zufrieden. Für die Rückfahrt übernimmt Asari das Steuer, nur den letzten Teil, Ausschiffen der Passagiere und Legen des Boots an die Boje, macht Les wieder selbst. Das Boot wird ausgeladen, wir fahren mit Les im Auto hoch, dann zerlegt er für uns drei den Fang, den wir aufgehoben haben. Asari macht sich daran, seinen Fisch auszunehmen, es ist deutlich zu merken, dass er damit noch nicht viel Erfahrung hat.
Interessant, wenn Les von seinen Altvorderen spricht, spricht er fast nur von seiner Großmutter, die von Cape Leveque kommt und dem Großvater, der hier in der Baygegend einer der Seniors seines Stammes war. Seine Mutter erwähnt er nur einmal, seinen Vater gar nicht. Übrigens ist Les blond und blauäugig! Auch Helen, seine kleine Tochter, ist ganz hell, wie ihre Mutter. Oskar, den wir vor zwei Jahren kennengelernt haben, bekommen wir nicht zu Gesicht.
Den Rest des Tages verbringen wir vor unserem Bushi im Schatten, wo immer wir ihn finden, und unten am Strand. Der Tidenhub hier oben liegt bei etwa 3 Metern, zur Zeit ist das Meer ziemlich unten.
Abend auf dem Camp Ground Honeymoon Beach nördlich von Kalumburu

Mittwoch, 14. September 2016

Heute dauert es länger, bis wir loskommen, weil wir uns noch von Mick und seiner Familie und von Dean und Tracey verabschieden. Mick gibt uns noch den Namen des Ortes bei Cape Leveque, wo sie gecampt haben. Übrigens fahren sie auch heute, "we've gotta get back to work" sagt sie, sie wollen in sieben Tagen in Melbourne sein, "quiet opposite to here". Das ist nicht nur geografisch gemeint. -
Die Kalumburu Rd ist heute in einem viel besseren Zustand als bei der Hochfahrt. Das ist natürlich Quatsch, es hat ja niemand was gemacht, aber es kommt uns so vor. Wir kommen recht zügig voran. Kurz vor der Abzweigung der Mitchell Plateau Road sehe ich zufällig aus den Augenwinkeln rechts in einer Gravelpit zwei Brolgas. Die sind nicht ganz so menschenfreundlich und verziehen sich im Wald, langsam zwar, aber dennoch weiter weg von uns.
Auf dem Weg nach Mitchel Plateau - Blick ins Tiefland
Auf der Mitchell Plateau Road, die teilweise einen erbärmlichen Zustand hat, sind viele große Pfützen. Es dauert eine Weile, bis ich sicher bin, dass sie nicht gefährlich sind in dem Sinne, dass wir stecken bleiben könnten. Dennoch schalte ich bei einem Halt an einem Lookout auf die unter uns liegende Ebene den Vierradantrieb ein. Außerdem kommt unsere Action Cam mal wieder zum Einsatz, mal sehen, ob die Bilder ruhiger sind als das, was wir von Hand aus der Fahrerkabine heraus zustande bringen.
Die Spritzer von den Pfützen geben eine gute Malerei auf den Seiten des Bushi ab, besonders, weil sie in zwei verschiedenen Ockertönen gehalten sind. Moderne australische Kunst - oder nur ganz banal Dreck auf dem Auto?
Kunst oder nur Dreck?
Nur einer der vielen Stellplätze am Mitchell Falls Camp Ground - Punamii-unpuu in der Sprache der lokalen Wunambal - ist belegt, wir haben also die freie Auswahl und entscheiden uns für den Platz, auf dem wir schon mal standen, 2014. Außerdem haben wir gleich für zwei Übernachtungen eingebucht, self registration, wie immer in solchen National Parks. Zum ersten Mal kommt unser Holiday Park Pass zum Einsatz, die ersten 12 $ sind eingespart :-).
Wir gehen den River View Walk zu einem schön gelegenen Lookout, der fast einen Rundumblick zulässt. Zwei Heli starten unten am Punamii-Unluu, um drüben am Mitchell Falls Leute einzusammeln. Weil es ein Bus voll Touristen sind, sind die beiden Helis je zwei Mal unterwegs. Zurück am Platz genießen wir den angebrochenen Nachmittag im Halbschatten hoher Eukalypten. Ein Netz gibt es hier (14° 49' 16" S, 125° 43' 7" O) natürlich genau sowenig wie in Kalumburu oder sonstwo in der Kimberley. Manche Unterkünfte bieten für ihre Gäste Wifi an, meist sind die Netze aber nicht allgemein verfügbar - oder so schlecht, dass es uns nichts nützt.

Donnerstag, 15. September 2016

Kurz nach sieben stehen wir für die Wanderung ausgerüstet beim Office von Helispirit: Wir wandern zum Mitchell Falls und lassen uns danach dort abholen. Die notwendige Einweisung bekommen wir jetzt sofort. Als ob das nicht nachher alles vergessen wäre. Zusammen wiegen wir in voller Montur, also mit Kameras, Wasser, Keksen, Stiefeln und Hüten 105 kg - das geht.
Natürlich brauchen wir die angegebene Zeit nicht, obwohl wir uns viel Zeit lassen. Im Pool von Little Mertens Fall tummelt sich ein Freshie, wir können es von oben herunter sehen. Zum Glück ist uns ohnehin noch nicht nach Schwimmen. Weiter geht es über eine offene Ebene, dann hinab zum Mertens Creek und in dessen Baumbestand weiter. Immer wieder sehen wir neben uns den Fluss, die Pools sehen schön aus, aber aufgrund der Uferstrukrur nicht unbedingt einladend. Viele Vögel gibt es hier und so bummeln wir langsam weiter., mit den Augen abwechselnd auf dem Weg, was notwendig ist, und in den Bäumen. Big Mertens ist dennoch bald erreicht und präsentiert seinen Plonge Pool in tiefem Dunkelgrün. Wir stehen geschätzte 40 Meter darüber. Runterfallen wäre nicht so angebracht. Endlich sind wir am Mitchell River, der Weg stößt dort darauf, wo wir beim letzten Mal, also 2014, gebadet haben. 
Mitchel River vor den Falls, rechts die unteren Becken
Wir biegen erstmal ab vom Weg und sehen uns den dreistufigen Wasserfall von oben an. Mitchell River führt noch so viel Wasser, dass der Fall, bzw. die Fälle, nach was aussehen. Wir sehen uns die Einrichtungen von Helispirit hier an - ein paar Bänke und ein Sonnensegel, außerdem eine Absperrkette und viele weiß angestrichene Steine, die die Landeplätze für maximal zwei Helis markieren. Bei der Absperrung müssen wir uns nachher, fünf vor 12 Uhr, einfinden. Zwei Stunden bleiben uns, zum Baden (der Pool hier ist etwa 400 m lang, davon sind 300 so tief, dass wir in der Mitte nicht stehen können - und er hat eine leichte Strömung), Birdwatching, Fishwatching (eigentlich sollte ich "Fischchen" schreiben), … Eine Wandergruppe mit Guide kommt an und begibt sich ebenfalls in den Mitchell River, zum Glück weit von uns entfernt. Was Australier im Allgemeinen so unter Schwimmen verstehen: Soweit ins Wasser, bis es bis knapp unter die Schultern reicht, dann dort bleiben und sich unterhalten.
Der Hubschrauber kommt schon relativ früh, wahrscheinlich hat er jemanden hergebracht und es lohnt nicht, zum Camp zurück und wieder her zu fliegen. So sind wir schon etwas früher als "geplant" zurück am Platz, nach einem tollen Flug mit drei Schleifen über die Falls.
Dierekt neben uns hat eine Reisegruppe, bestehend aus zwei 4WDs, einer mit Zeltanhänger, seine Zelte aufgeschlagen. Dabei ist doch wirklich genug Platz etwas eiter weg. Sie kommen dann ziemlich geschafft von der Wanderung zurück. Wenig später fragt einer, ob ich eine bestimmte Sicherung habe, er braucht sie für seinen Kühlschrank. Zu dumm, dass ich mich in Kununurra gegen die Sicherungssammlung entschieden habe. Meine Idee, in der Fusebox des Autos nachzusehen, hilft nicht: Sein Toyota benutzt ein anderes Sicherungsformat. Bleibt die Hoffnung auf den Rancher. Zum Glück hat der eine passende Sicherung in seinem Fundus. Allerdings läuft jetzt erst mal der Motor, um den Kühlschrank wieder zu kühlen.
Heute Nachmittag liegt erstmal Needlework an, ich will meine hier erworbene Australien-Badehose verkürzen, und Brigitte muss kleinere Reparaturen vornehmen. Darüber fange ich mir einen Sonnenbrand auf Brust und Bauch ein - das wird wieder mal ein Zebradesign. Später sehen wir uns an, wie wir die nächsten Tage auf der Gibb River Road verbringen wiollen, also was wir besuchen wollen und kommen auf neun Übernachtungen bis Derby oder Broome. Darüber vergeht der Nachmittag viel zu schnell. Ich vergesse noch immer, dass wir spätestens um 16:30 Uhr mit dem Kochen beginnen müssen, wenn wir vor Anbruch der Dunkelheit fertig sein wollen mit Kochen, Essen und Spülen.
Angenehm ist, dass die vier Aussies neben uns nur wenig Licht machen zur von uns abgewandten Seite hin, wo sie sitzen und außerdem sogar noch vor uns Schluss machen. Der Mond sieht schon fast vol aus, aber erst am Samstag ist es wirklich so weit. Allerdings sind nur die hellen Sterne zu sehen, alles andere verschwindet hinter der Helligkeit des Mondlichts.

Freitag, 16. September 2016

Seit der Umstellung der Zeit, also seit wir in Western Australia sind, gehen wir schon vor neun ins Bett. Kein Wunder, dass wir morgens dann mit der Sonne aufwachen. Eigentlich sogar mit der Dämmerung, also etwa 20 Minuten vor Sonnenaufgang.
Komische Überlegung. Ausgehend von der Aussage: "It's really hot, when you see Aboriginal women tiptoeing." habe ich mich gefragt, wieso die Aboriginal (und auch einige wenige weiße Australier) fast immer barfuß gehen, die Mehrzahl der Menschen europäischer Abstammung aber nicht. Warum gehen wir nicht barfuß im Wald? Weil da Nadeln sind und spitze Steine, die man sich in den Fuß treten könnte. Warum nicht auf der Savanne? Weil sich im Gras allerlei Getier verbergen kann, das uns wenig wohlgesonnen ist, Schlangen, Spinnen, Käfer, Bienen und Wespen. Warum nicht auf der Straße? Wegen Dreck, Glasscherben etc. Und warum nicht im Schwimmbad? Wegen der Gefahr von Pilzinfektionen. Eben: Wir sehen immer nur die möglichen Gefahren. Die Aboriginal machen es einfach: We don't dare, they don't care. Oder positiv: We care, they dare. Es gibt sicherlich manches, wo ein sich Gedanken machen angebracht ist, aber wir machen es einfach zu oft. Schon dass ich den Anflug eines schlechten Gewissens habe, weil ich in dieser Zeit der vielen Geburtstage wegen der fehlenden Internetmöglichkeit nicht gratulieren kann, ist einfach Unsinn - aber dieses Wissen hindert mein Gewissen nicht zu monieren.
Bei der Mitchell Plateau Rd hilft der Trick mit der Einbildung nicht: Sie ist auch in Richtung Kalumburu Rd nicht beser als beim Weg zum Plateau. Allerdings ist sie auch nicht so spektakulär wie in der Gegenrichtung, weil die Jump downs fehlen.
Kurzhinter der Einmündung auf die Kalumburu Rd stehen auf der rechten Seite zwei LKWs. Ein weißer Truck steht auf dem Seitenstreifen, eine offene, abgekoppete Unit steht direkt dahinter, der riesige Motor ist abgedeckt und deutlich zu sehen. Daneben, auf der Fahrbahn Richtung Norden, steht ein roter Truck, abgesichert mit zwei kleinen Warndreiecken. Aber zu sehen ist niemand, weder am weißen noch am roten Truck, und auch auf unseren Halt hin meldet sich niemand. Sehr merkwürdig. Wir fahren ohne auszusteigen weiter, ich melde es dann bei Drysdale - etwa eine Stunde später. Allerdings bin ich ja nicht der einzige, der hier unterwegs ist, ganz im Gegenteil. Neben vielen PKWs in Nordrichtung waren es mindestens zwei APT-Busse, einer in jeder Richtung, die sollten sogar Sprechfunk haben. Allerdings ist in Drysdale nichts bekannt.
Auf Drysdale werde ich von einem der Passagiere des APT-Busses angesprochen, der uns überholt hat, als wir gegenüber auf dem Müllplatz waren und unseren Müll der letzten Tage eingetauscht haben gegen einen Stall voll Fliegen. Ich frage ihn dann, weil er es nicht macht, nach dem wohin und woher: Sie kommen heute aus der Mitchell Falls Lodge und fahren nach Purnululu. Also waren die Mitglieder dieses Busses gestern am Mitchell River zum Schwimmen, manche jedenfalls, denn in der Gruppe waren nur acht Leute plus Guide, im Bus sind wesentlich mehr. "You've got a strange accent, what is it?" "We're germans.", denn inzwischen ist Brigitte dazu gekommen. Und schon waren wir beim Wetter und bei Deutschland
Abendlicher Besuch in Mt. Elizabeth
Obwohl unser Bushi ziemlich durstig ist, habe ich nach dem Stopp an der Tankstelle bei Drysdale River Station ein besseres Gefühl: 3/4 unseres Tankvolumens sind wieder gefüllt, das reicht für mindestens 1.000 km unter diesen Bedingungen. Der Typ, der uns vor zwei Jahren an seinem letzten Arbeitstag hier den Reifen montiert hat, ist immer noch - oder wieder - da. Natürlich kann er sich nicht erinnern, das wäre wohl zu viel verlangt.
Stunden später biegen wir ab zur Mt Elizabeth Station, wo wir heute die Nacht verbringen werden. Weil es noch relativ früh ist, machen wir noch einen Ausflug an den Hann River zum Baden. Aber weil die Strecke, von der uns beratenden jungen Frau auf der Station als leicht bezeichnet, doch auf den letzten drei der 20 km sehr steinig und ausgefahren, also eher rough ist als einfach, beschließt Brigitte, dass wir nur eine Nacht hier bleiben und nach dem Frühstück weiterreisen. Wie sie meint.
Mit Sterne-Gucken wird es heute nicht viel: Im Westen macht sich ein Australier breit mit mehreren LED-Leuchtstäben, an den anderen drei Seiten sind Bäume und außerdem kommt noch der nahezu volle Mond um die Ecke und lässt die Sterne erblassen. Geodaten: 16° 25' 8" S 125° 6' 4" O.

Samstag, 17. September 2016

Jetzt sind wir schon vier Wochen unterwegs! Es ist kaum zu glauben, wie die Zeit vergeht.
An Mt. Barnett Roadhouse, Grenze zwischen Ost- und West Kimberley
Von Mt Elizabeth fahren wir zur Barnett Gorge, dort allerdings reicht es nicht zum Schwimmen, es ist nicht einladend. Um so schöner ist es an der Manning Gorge, wo wir beide mögliche Seen durchschwimmen und auch den Wasserfall, bzw. das, was davon noch übrig ist, als Dusche benutzen. Weil wir im Camping von Mt. Barnett Station (16° 39' 25" S 125° 55' 40" E) übernachten, nach nur 87 Kilometern heute, steht uns auch am Nachmittag noch frisches Wasser zum Schwimmen zur Verfügung. Der Teich, über den man per Seil-Boot übersetzen muss, wenn man zur Manning Gorge will, hat viel Wasser. Zwei Aboriginal-Familien machen hier als Dayvisitor ein Picknick, es ist deutlich zu sehen, dass sie zu den aus weißer Sicht Etablierten gehören.
Irgendjemand entzündet unter einem Eukalyptus die heruntergefallenen Blätter an, das interessiert aber niemanden, Burning eben.
Auf dem Weg zur Manning Gorge
Es sind relativ viele Besucher auf dem Platz, damit war nicht zu rechnen. Aber gut, die Saison geht noch drei Wochen. Aber ebenso natürlich ist, dass der Platz weit davon ertfernt ist, voll zu sein. Nur seltsam, dass manche Besucher eine Tendenz dazu haben, sich nahe zu anderen zu stellen. Das fällt auf Plätzen wie hier, wo es keine vorgegebenen Stellplätze gibt, besonders auf.

Sonntag, 18. September 2016

Irgendwie ist heute der Wurm drin.
Nach dem Aufstehen decke ich den Frühstückstisch und gehe zum Waschhaus, eigentlich alles wie immer. Nur habe ich diesmal auch die Sachen aus dem Kühlschrank hingestellt, damit die Butter nachher nicht so hart ist. Als ich wiederkomme, liegt das Brot auf dem Boden und 12 Brüder - wahrscheinlich nicht, aber die Assoziation zu den Brüdern Grimm liegt nahe (allerdings sind es bei Preislers Krabbat auch keine Brüder) - sitzen drumherum. Zwölf Krähen oder Raben oder beides, manche haben weiße Augenringe, manche schwarze, einer hat bereits die Tüte aufgepickt und mindestens zwei Brotscheiben sind angeknabbert. Sie fliegen immer dorthin, wo sie die Aussicht haben, etwas zu fressen zu finden, also immer dann, wenn jemand abfährt.
Bei Galvans Gorge ist alles wie gehabt, es ist ausgesprochen schön, aber nicht sonderlich zum Baden einladend, einfach weil der Uferbereich ziemlich zugewachsen ist, sowohl an der Land- als auch an der Wasserseite.
Bei "Over the Range" steht ein Schild "Open", und das Gate ist wirklich auch offen, ebenso die Werkstatt (na ja, die ist ja ohnehin nur eine Halle), aber es scheint niemand da zu sein, es reagiert niemand auf unser Kommen und auch, dass wir herumlaufen und uns den Inhalt der Bücherkiste ansehen, zeitigt keinen Erfolg. Sonntag morgen, kurz nach neun, vielleicht ist gerade Frühstückszeit. So fahren wir weiter, und versuchen, zwischen den nächsten Aufenthalten noch hierher zu fahren.
Dafür biegen wir doch noch zu Adcock Gorge ab, fahren die fünf Kilometer weiter nach Süden und gehen den Kilometer, teils auf Sand, teils über Boulder, bis zum Pool. Als wir die letzten Schritte hin zum Wasser machen, platscht es und irgendetwas taucht ab. Nicht der Little Pied, der schwimmt an einer anderen Stelle. Wenig später, wir sind am Ufer entlang zu einer geeigneten Einstiegstelle gegangen, ist das Croq wieder da, ein Freshie. Also wird es für mich ein "swim with the croc". Allerdings zeigt es keinerlei aggressives Verhalten, im Gegenteil, es zieht sich zurück, als ich auf den Pool hinausschwimme. So ist es von einem Freshie auch zu erwarten.
In Charnley River Station quartieren wir uns ein (16°42'51" S, 125°27'34" O), erstmal nur für eine Nacht, aber es wird wohl noch eine zweite werden, dann stellen wir unseren Tisch, die Stühle und die Tracks an den uns genehmen Platz und fahren zum Donkey Hole zum Schwimmen. Dort rutsche ich, barfuß (!), aus und hole mir blutende Abschürfungen. Ich gehe aber dennoch ins Wasser, weil ich glaube, dass die Bewegung für die Prellungen gut ist. Und wenn ich denn eine Entzündung bekommen sollte, dann soll es eben so sein, und dann könnte ich mir auch am Ufer das eine oder andere Bakterium zuziehen. Später, zurück am Auto, versorge ich die offenen Stellen mit Tea Tree Oil, das ist antiseptisch. Man merkt's.
Nach unserem Essen und kurz vor der vollständigen Dunkelheit setzt ein Zug ein: Die Little Red Foxes, Fruitbats, machen sich auf den Weg zu ihren Nachtplätzen, also ihren Futterstellen. Tausende, vielleicht Hunderttausende dieser eleganten Flieger ziehen über uns hinweg. Erstaunlich ist der visuelle Effekt, wenn einzelne Tiere quer oder entgegen der Hauptrichtung fliegen. Das ganze geschieht in absoluter Ruhe, wir hören keine Fluggeräusche und entgegen ihrem sonstigen eher geschwätzigen Verhalten sind sie völlig still.

Montag, 19. September 2016

Zum ersten Mal, seit Brigitte und ich zusammen unterwegs sind, hatte ich Bedenken, ob das Wasser reicht. Gestern haben sich diese Bedenken in Luft aufgelöst: Hier in Charnley River gibt es Wasser erster Güte, und es ist "untreated" als Trinkwasser zu verwenden. Also füllen wir alle Flaschen und auch den Tank im Auto auf, bevor wir uns morgen auf den Weg machen.
Heute besuchen wir alle Stellen, die Diana uns ans Herz gelegt hat. Wir beginnen mit Mt Glemont, einem Lookout. Ein nicht sehr langer, aber auch nicht ganz einfacher Anstieg wird belohnt mit einem herrlichen Blick über das "Open Woodland" im Norden, bis hin zu dem felsigen Rand des Plateaus. Bei Dillie Gorge erwartet uns ein steiler Abstieg in die Gorge und dann ein Klettern über die Boulder im Flussbett, bevor wir beim Canoe angekommen sind. Canoe? Ja, hier liegt ein Canoe vertäut, mit dem wir den Fluss befahren dürfen, so weit es geht - also etwa 500 m in die eine Richtung und dann wieder zurück. Belohnt wird die "Anstrengung" mit wunderbaren Blicken auf die Jim Jim am Ufer und die tollen Felsformationen und einem Swim im nicht ganz klaren Wasser nach dem Anlegen. Crocs gibt es wohl keine, und wenn doch, dann halten sie sich gut versteckt.
Dillie Gorge Pool
Der nächste Stopp ist die Grevillea Gorge, dort erstmal die Lily Ponds. Die Wege bis zum Wasser werden immer anstrengender, herausfordernder, denn hier geht es von Beginn an über felsigen Untergrund und die einigermaßen flachen Stellen sind bewachsen mit stacheligen Spinifex. Der erste Pool ist schön, aber höchsten 30 cm tief, nichts zum Schwimmen. Beim zweiten sind es 50 cm, da kann ich zumindest bis zum Hals eintauchen. Dann entdecken wir den dritten Pool, der ist richtig tief und mit herrlich klarem Wasser gefüllt. Alleine einen geeigneten Einstieg zu finden ist schwierig, den rundum wachsen oder wuchsen Algen und andere niedrige Wasserlebewesen und so sind die Felsen mit einer schmierigen Schicht überzogen. Das Schwimmen entschädigt für die Unbill und das Rauskommen aus dem Wasser ist einfacher als befürchtet.
Grevillea Gorge selbst hat eine steilen Abstieg, dann müssen wir eine Leiter benutzen und erreichen so das Flußbett. Schon um an den upper pool zu kommen, müssen wir eine Art trockene Stromschnelle mit einem Niveau von etwa 5 Metern Höhe überwinden. Allerdings hat der obere Pool nur noch sehr wenig Wasser und keine Schwimmmöglichkeit. Dann stehen wir am oberen Rand des Wasserfalls und schauen hinab auf den Plonge Pool unter uns. Wunderbares Wasser scheint dort zu sein, auf der einen Seite stehen Jim Jim, auf der anderen ist felsiges Ufer - aber wir kommen nicht hin. Sicher, wir könnten es versuchen, aber Brigitte sagt gleich, dass sie nicht hinuntersteigen wird und deshalb nehme ich lieber auch Abstand von der Sache. Es ginge schon, da bin ich sicher, vor allem, wenn ich die Kamera nicht mitnähme,  sondern bei Brigitte ließe. Also klettern wir ohne eine weitere körperliche Erfrischung wieder hinauf zum Bushi.
Zum Abschluss halten wir noch eine Weile beim Plain Creek Waterpool zum Birdwatching, aber es zeigen sich nur wenige Vögel und die sind so schnell wieder verschwunden, dass sogar eine Bestimmung misslingt.
Erst als wir gerade mit Diana neben unserem Auto stehend reden, kommen die nächsten Gäste, also sind wir heute Abend nicht völlig alleine. Eine Familie mit Zeltanhänger ist eingetroffen. Ich gehe mit ins Office, um unsere zweite Nacht zu bezahlen. Die Eintrittsgebühr für das Auto gilt (leider) nicht auch für Mornington, aber ich werde die Frage dort morgen auch noch mal anbringen. Obwohl, wenn wir von einem Nationalpark zum anderen wechseln, gibt es auch keinen Nachlass bei den Eintrittsgebühren. Vielleicht sollte es eher eine Art Wilderness Sanctuary Pass geben.
Abends unterhalten wir uns eine Weile mit der Familie. Sie sind aus Sydney und auf dem Weg rund um Australien gegen den Uhrzeiger - mit vier Kindern. Er sagt zur Begrüßung: "You're very fit for your age." Hm? Er wiederholt es und deutet auf seinen ansehnlichen Bierbauch. Im Vergleich dazu sind wir schon schlank. Und klar, aus ihrer Sicht, sie sind sicherlich höchstens 35, sind wir alt, immerhin eine Generation vor ihnen. Ich habe nicht gefragt, wie alt die Kinder sind. Geschätzt 10, 8, 4 und 2, die zweite ist ein Mädchen, alle vier sind strohblond und ziemlich lebhaft.
Hute scheint eine interessante Sendung zu sein, jedenfalls läuft um Viertel vor neun der Generator noch. Wir hören ihn nicht, aber das Licht im Waschhaus ist noch an.

Dienstag, 20. September 2016

Noch vor dem Frühstück machen wir einen Walk zum Paradise Pool. Hätte ich gewusst, dass es fast ein Kilometer einfach ist, hätte ich Stiefel angezogen.
Nach dem Frühstück entleere ich den Frischwassertank - viel ist ohnehin nicht mehr drin - und befülle ihn neu mit dem hiesigen Wasser. Dann geht es los. Am letzten Gate, 5 Kilometer vor Gibb River Road, stellt Brigitte fest, dass der Wassertank offen ist. So ein Mist. Also kehrt Marsch, zurück nach Charrnley River. Der Deckel liegt, wo ich es erwartet habe, am Wasserhahn. Diana ist erstaunt, als sie uns auftauchen sieht und wir kommen nicht um den Chat herum, wozu auch.
So sind wir viel später als "geplant" bei "Over theRange". Carl ist da, er kommt, kurz nachdem wir angehalten haben. Sonntag wäre Neville da gewesen, sagt er. Wir häten vielleicht mal hupen sollen. Das damals noch nicht geborene Baby ist mittlerweile 21 Monate alt, ein Mädchen mit Namen Mira.
Als wir beim Charnley River T/O (Turn Off, Abzweigung) vorbeikommen, steht die Familie gerade am letzten Gate und als wir uns per Funk in Mornington anmelden, kommen sie auch an. Sie hatten gesagt, dass sie hier her wollen, ich war nur überrascht, als ich sie heute morgen beim Packen sah, dass sie nur eine Nacht in Charnley River Station geblieben sind. Beide Male als wir fuhren, waren sie an einer der Gorges, ich denke mal, Dillie Gorge.
So fahren wir hintereinander die 88 Kilometer hinein zur Mornington Wilderness Lodge. Wahrscheinlich wären sie ohne mich viel schneller am Ziel. Auch diese Lodge wird betrieben von Australien Wildlife Conservancy, hier ist das Gebiet mit 320.000 Hektar noch etwas größer als Charnley River mit 300.000 Hektar, insgesamt umfasst das von AWC derzeit überwachte gebiet hier in der Kimberley 1.200.000 Hektar. Es gibt in Australien derzeit außerhalb der Kimberley noch 22 weitere Sanctuaries, das Ziel ist, die australische Fauna und Flora wieder einigermaßen in den Zustand vor der Ankunft der Weißen zurückzuversetzen, der einheimischen Vegetation und den Tieren eine Chance zum Überleben zu geben. Ein hehres Ziel, hoffentlich haben sie einigermaßen gute Konzepte. Auf dem Papier klingt alles ansprechend und sie tun etwas. Wie es im Endeffekt aussieht und ob zumindest ein paar Ziele erreicht werden, wird sich zeigen. So gibt es noch kein sinnvolles Konzept zur Eliminierung der wilden Katzen. Feral Cats sind Nachkommen von Katzen, die meist als Haustiere nach Australien gebracht wurden und dann irgendwie in Freiheit gelangt sind, sei es, weil sie ausgesetzt wurden, sei es, weil sie ausgerissen sind. Es wird geschätzt, dass pro Tag etwa 1 Million einheimische Tiere wilden Katzen zum Opfer fallen. Wichtig, wenn auch logisch: Eine Verringerung der Population von Füchsen und wilden Hunden (also Nachkommen importierter und später ausgewilderter Haustiere) führt zu einem Zuwachs an wilden Katzen! Hunde und Füchse lassen sich allerdings sehr viel leichter ausmerzen als Katzen, weil sie ausgelegte Köder fressen. Katzen sind da schlauer.
Fitzroy Bluff
Ein wenig entfernt von uns, aber weit genug weg, steht ein Troupie mit Dachzelt. Nach einer Weile kommt die Frau von drüben und spricht uns an. Sie sind aus Freiburg, wohnen aber jetzt in Bacharach am Rhein. Und dies ist ihr zehnter Besuch in Australien, der dritte mit einem Landcruiser, und der erste auf der Gibb River Road (abgesehen von einmal Derby - Windjana Gorge und zurück). Sie redet viel, schimpft über alles mögliche, besonders über die Preise (müsste sie eigentlich kennen, wenn sie sooft in Australien war) und sie wirft mit Hörensagen und Gerüchten um sich. Na ja, wenn sie's braucht. Er ist wesentlich sachlicher und ruhiger. So wird es knapp mit dem essen bei tageslicht, zum Spülen gehen wir schon in vollständiger Dunkelheit - sieht man mal von den künstlichen Lichtern bei unsern Nachbarn und am Waschhaus (die eine Zeitschaltuhr haben) ab.

Mittwoch, 21. September 2016

So früh wie es uns möglich ist brechen wir auf zur Gorges Tour. Es gibt hier in der Umgebung von Mornington zwei Gorges, Dimond Gorge und Sir John Gorge. Beides sind Durchbrüche des Fitzroy River durch die King Leopold Ranges einerseits und die Sir John Range auf der anderen Seite. Dazwischen liegt eine Ebene, die in der Wet Season weitgehend unter Wasser steht, Fitzroy Catchment area. Mittendrin ist der Fitzroy Bluff, ein Hügelring wie das Übrigbleibsel eines Kraters.
Zuerst sind wir an der Dimond Gorge und schwimmen vom Canoe-Startplatz (hier muss man die Canoe mieten, aber 180 AUD waren uns dann doch zu viel) den Kilometer in die Gorge und wieder zurück. Ich glaube, ich habe noch nie in freier Wildbahn eine Stunde am Stück richtig geschwommen. Das Wasser ist relativ klar und natürlich angenehm temperiert, etwa 28 bis 30 Grad. Viele Schwalben umflattern die überhängenden Felsen am rechten Ufer, ich weiß nicht, ob sie dort Nester haben oder sich Schmetterlinge von der kühlen Wand pflücken. So nahe komme ich nicht ran. Die Gorge von der Wasserseite aus zu sehen ist ein Erlebnis, deshalb gibt es wohl auch genügend Leute, die sich ein Kanu mieten. Die Miete ist an der Rezeption zu bezahlen, dort bekommt man dann auch Paddel und Schwimmwesten. Wenn man also hierher kommt und paddeln will, aber nicht um jeden Preis, reicht es, die eigenen Paddel mitzubringen. ;-) Die Idee hatte der Vater der vier Kinder, die wir heute verschiedentlich treffen, allerdings hier erst auf dem Carpark, am Ende unseres Stopps hier. Auf dem Weg zurück halten wir am Cadjeput Waterhole, einem Billabong des Adcock River, der hier in den Fitzroy mündet. Das Ufer ist gesäumt von Paperbarks und Wasser-Pandanus (Jim Jim), es gibt wohl sehr viele Vögel hier, aber jetzt zeigen sich nur zwei Rainbow Bee-eater, einige "little brown jobs" (kleine Honeyeater), ein Fly Catcher und mehrere Magpie Larks. Morgens und abends ist hier bestimmt viel mehr los, immerhin ist es eine Oase in dieser kargen Gegend. Wenn auch eine Oase, die nicht die einzige ist. Denn Dimond Gorge, Sir John Gorge und Bluebush Waterhole sind ebenfalls solche Oasen, auch wenn die beiden Gorges kaum Bäume haben, die den Vögeln Schutz bieten. Sir John Gorge ist dagegen fast ein Paradies für Kinder, die Freude am Wasser haben, denn hier können sie relativ unbesorgt reinspringen. Die vier von unseren Nachbarn machen das mit viel Ausdauer. Übrigens habe ich nicht schlecht geschätzt: 2, 3, 9 und 11 ist das richtige Alter der vier. Der kleine ist mit Begeisterung im Wasser dabei, der  Dreijährige ist ohnehin kaum zu bremsen. Jessica und Bradley sind die beiden großen. Das Bluebush Waterhole ist insgesamt ähnlich wie Cadjeput, auch hier verzichten wir wie bei Cadjeput auf das Baden und beschränken uns aufs Birdwatching. Ich sehe aber nur einen Rainbow Bee-eater und einen Black Coocatoe auf einem hohen Baum am gegenüberliegenden Ufer - zu weit weg.
Wasserspaß an der Sir John Gorge
Die Freiburger kamen kurz nach uns zur Sir John Gorge, sind kurz geschwommen und haben sich dann verabschiedet, sie fahren heute weiter nach Mt. Barnett und somit zur Manning Gorge, etwa 170 km oder drei Stunden.
Zurück am Platz ist es sehr ruhig, viele der gestrigen Gäste sind abgereist, die Saison geht zu Ende.
Brigitte stellt fest, dass unsere Vorräte noch für fünf Abendessen reichen, das kommt genau hin, allerdings gibt es an den nächsten Tagen drei Mal Bohnen. Das Brot reicht auch nicht, aber es besteht die Hoffnung, dass wir morgen in Imintji im Shop einkaufen können. Er hat angeblich doch offen - die einen sagen so, die anderen so.
Wieder steht der Bushi auf  17°30'32"S und 126° 6'44"O.
Heute ist es richtig dunkel auf dem Campground. Außer uns ist noch ein alleinreisender Fotograf da, der geht um 6:30 in die Bar und die Familie aus Sydney, die sind ja abseits. Der Vollmond liegt fünf Tage zurück, also geht der Mond erst gegen Mitternacht auf. Last but not least stehen wir unter Bäumen, so dass auch die Sterne nicht ausreichend Licht spenden können. Nach einiger zeit der Eingewöhnung sehe ich genug, um zumindest ohne Taschenlampe zum Waschhaus gehen zu können, dort sind, wie gesagt, Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren.
Kurz nach sieben machen auch wir uns auf in die Bar. Der Alleinreisende steht so da, dass wir gar nicht anders können, als ein Gespräch aufzunehmen, wie immer über das woher und wohin. Dann erzählt er von Windjana Gorge und worauf wir achten sollen. Schon ist es Zeit für den Vortrag über AWC, seine Pläne, seine Ziele, das Jetzt und Aussichten. Ein guter Vortrag, interessante Fakten und doch auch ehrlich. Für die "Ferral Cat" Problematik gibt es noch keine Lösung. Durch bestimmte Verfahren gelingt es, die Zahl der Katzen auf dem überwachten Gebiet zu verringern, aber das lockt Katzen von außerhalb an und die füllen die Lücken wieder auf. Und auch in der Cane Toad Frage bleibt eine befriedigend Antwort aus, woher soll sie auch kommen.

Donnerstag, 22. September 2016

Ich kann nicht sagen, so wie es manche Leute in den entsprechenden Foren kundtun, dass die Straße nach Mornington die schönste ist von allen hier in der Gegend. Eine Schönste gibt es nicht, denn Schönheit liegt immer im Auge oder besser im Gehirn des Betrachters. Aber sie ist schön. Startend in Mornington windet sich die Straße durch ein offenes Woodland mit Eukalypten und Akazien, mit Pandanus und Livistonia durchsetzt und immer wieder überragt von beeindruckenden Boabs. Mehrere Creeks durchziehen während der Wet Season die Gegend, jetzt sind nur die trockenen Betten zu sehen. Dann erreichen wir die Ebene, eine Savanne, kaum mal unterbrochen von einem Baum, bedeckt mit Bluegras und Spinifex, wobei das schon völlig ergraute Bluegras ziemlich am Ende ist. Etwa 15 Kilometer vor der Gibb River Road beginnt die Zahl der Bäume zuzunehmen, auch die Vielfalt nimmt deutlich zu, ein Zeichen für Wasser. Die nördlichen Ausläufer der Sir John Range erreichen die Straße und beherrschen das Bild.
Wenig später kommen wir beim Shop der Imintji Community vorbei und können Brot und Tomaten kaufen. Der Laden ist seit Beginn der Saison, also seit Mitte April, verpachtet, da war es zu spät, den Eintrag im offiziellen Guide noch zu ändern. Der Pächter sieht aus, als habe er früher Footie gespielt, die Hälft der Zähne fehlt und er hinkt leicht.
An Silent Grove Camp Ground ist noch immer Self Registration, wir bezahlen unseren Obolus und belegen einen der schattigen Plätze mit Tisch, Stühlen und Max Tracks, dann geht's weiter zur Bell Gorge. Die Straße hatte ich schlechter in Erinnerung, aber das kann eigentlich nicht sein, denn n es ist offensichtlich schon länger nichts gemacht worden, die Corrugation ist entsprechend. Auch den Weg vom inzwischen angelegten Carpark (mit Ammenities) zur Gorge hatte ich anders, schwieriger, in Erinnerung. Nur an den Weg vom oberen zum unteren Pool über einen steilen Felsgrat erinnerte ich gut.
Bell Gorge, Falls und Plonge Pool
 
Das Wasser ist wie überall wunderbar, weniger schön ist es, dass kurz nach uns eine große Reisegruppe einfällt und alles mit Lärm erfüllt. Nun ja, Bell Gorge ist schön, das hat sich herumgesprochen, warum sollten also nicht auch andere hierher kommen. Manche Menschen sind eben so, dass sie ihre Gedanken ihrer Umwelt spontan und lautstark zur Kenntnis geben müssen, egal, ob es jemanden interessiert. Ich habe ja auch nie verstanden, warum Leute in der Achterbahn oder im Karussell immer kreischen müssen, das ändert doch nichts.
Seniors at Bell Gorge - still fit for heir age.
Bei Silent Grove (17° 4'1" S, 125° 14' 54" O) bekommen wir Besuch von einem Pärchen Crimson Finches, sie lassen sich sogar fotografieren, während sie in einem Padanus (spiralus) sitzen.
Während wir den kurzen Weg am Silent Grove Creek entlang spazieren, treffen einige Leute am Campground ein. Der Ranger meinte vorhin, dass bereits fünf Registrierungen vorliegen.
Im Padanus neben uns landen zwei Crimson Finches, aber sie sind nur schwer zu fotografieren. Wenigstens hatte ich vorhin zum Glück das große Objektiv rausgeholt und mit Stativ bereitgestellt. Das Stativ war allerdings nicht von Nutzen.

Freitag, 23. September 2016

Wieder erwartet uns eine schöne Strecke. Die Gibb River Road durchschneidet die King Leopold Ranges, es geht rauf und runter, die Straße windet sich um die Hügel und führt über mehrere Creeks. Einer davon ist der "Same Creek", der gleiche wie der vorhin, oder wie oder was? Dann biegen wir ab Richtung Mt Hart. Die in sehr gutem Zustand befindliche Straße geht in etwa so weiter, wie die Gib River Road heute angefangen hat. Sie windet sich durch ein liebliches, hügeliges Gelände. Ich fühle mich ganz stark an Streuobstwiesen im Allgäu erinnert, nur das die Bäume hier Eukalypten und Bloodwood, das Gras lang und gelb und die Hügel mit schroffen Felsen gekrönt sind. Also ist eigentlich alles anders. Auch hier sind viele Creeks zu überwinden, gefühlt alle zwei Kilometer geht es in ein Tal und wieder heraus, einmal sogar durch Wasser. In den ansonsten trockenen Betten ist die Straße ein wenig rauh. Sonst spricht eigentlich nichts dagegen, mit einem normalen PKW hierher zu fahren.
Freundlicher Empfang in Mt. Hart, direkt neben dem Homestead ist ein großes Airfield, der "Mount Hart International Airport". Der Campingplatz ist derzeit in Überarbeitung, deshalb können wir einen Platz direkt beim Homestead beziehen, auf grünem Gras und im Schatten von Bäumen. Direkt neben uns hat ein Bowerbird ein großes Nest gebaut und mit weißen Steinen standesgemäß ausgeschmückt. Er ist gelegentlich zu hören und auch zu sehen, aber von Weibchen gibt es keine Spur. Das kann ja noch kommen.
Nachdem wir uns eingerichtet haben, was darin besteht, einen glatten Stellplatz nach dem vorherrschenden Wind ausgerichtet zu finden, Campingstühle und -Tisch aufzustellen und die Tracks so hinzulegen, dass ich es nachher bei der Rückkehr leichter habe mit dem einparken, fahren wir die hiesigen wenigen Wege ab. Wir besuchen eine Gorge, die Matthew Gorge, wo der der Barker River einen Berg durchschneidet. Vom Carpark bis zum Pool sind es etwa 2,5 km durch das weitgehend trockene Flussbett. Das ist eine steinige Angelegenheit und immer wieder müssen wir den nur noch Bachstärke erreichenden Fluss überqueren. Meist geht das einfach, manchmal ist es schwierig. Aber alles geht gut und wir werden mit einem herrlichen Schwimmerlebnis entschädigt. Nachher, es ist inzwischen fast Mittag, sind die Felsen, wo wir unsere Kleider abgelegt haben, so heiß, dass wir nicht darauf sitzen können. Also gehen wir schneller wieder zurück als üblich.
Bevor wir den "Big Boab and Strangling Fig" besichtigen können, bekommt auch der Bushi eine Erfrischung: Wir müssen durch den Annie Creek, und der ist an der Stelle der Furt sehr steinig und überraschend tief. Allerdings nicht so tef, dass wieder Wasser in die Fahrerkabine laufen würde. Viel fehlt allerdings nicht. Der nächste Halt ist bei Annie's pool, hier hat der Annie Creek ein kleines Becken gebildet, vielleicht 10 Meter im Durchmesser und an der tiefsten Stelle fast 2 m tief. Das Wasser ist überraschend frisch, aber klar und voller Fische und die Felsen sind nicht glitschig.
Auch auf der anderen Seite von Mt. Hart bildet der Barker River ein Waterhole, es ist vergleichbar zu Catjeput und Bluebush Hole in Mornington und eher zum Birdwatching als zum Schwimmen geeignet, denn es ist nicht sonderlich tief, weniger als 50 cm, so wie es aussieht und wie uns gesagt wurde.
Noch zwei weitere Camper treffen ein, sie gehören wohl zusammen und haben sechs Kinder mitgebracht, mindestens vier sind Jungs. Sie beginnen sofort in einer Scheune Fußball zu spielen.
Looking into Ladies Shower - nobody's there
Neben uns plätschert ein Sprinkler vor sich hin, das Wasser breitet sich immer weiter aus und hat inzwischen schon fast unseren Tisch erreicht. Und auf der anderen Seite ist im Schatten eines großen Oleanders ein schönes Nest eines Bowerbirds, geschmückt mit vielen weißen Steinen, die aus der Umgebung zusammengetragen sind. Das Männchen kommt ab und zu vorbei und sieht nach, ob alles in Ordnung ist, er hat aber noch nicht mit dem Balzen begonnen, zumindest ist noch nichts davon zu hören.
Ein wunderbarer Sternenhimmel erstreckt sich über uns, als wir mit dem Spülen fertig sind. Wir können uns kaum sattsehen. Keine Wolke, keine Bäume und auch fast kein Streulicht vermindert den Genuss. Im Westen überstrahlt Venus alles, darüber, mitten im Skorpion, steht Merkur und darüber sehen wir das rötliche Leuchten des Mars.

Samstag, 24. September 2016

Mt. Hart hat wenn nicht den besten so doch einen der besten Campingplätze entlang der Gibb River Road. Schon jetzt ist zu sehen, dass die Stellplätze großzügig bemessen und für hiesige Verhältnisse wirklich schattig sind. Der Ablution Block ist großzügig angelegt mit Laundry und Spülen, mit den üblichn Waschbecken im Freien, allerdings mit warmem und kaltem Wasser, mit Seife und Papierhandtüchern. Allerdings ist es jetzt zu spät, sich zu einem Besuch zu entschließen: Am Montag ist hier die Saison zu Ende, die meisten Zelte des Wilderness Camps sind bereits abgebaut, der Betrieb wird eingestellt, die Angestellten fahren nach Hause, die Zufahrtstraße wird gesperrt.
Obwohl wir bei Inglis Gap die King Leopold Ranges hinter uns lassen, wird der Zustand der Gibb River Road nicht wirklich besser. Sie ist sehr steinig und holprig und auch die Corrugation macht mir zu schaffen. Auch die GRR ist sehr kurvig in diesem Bereich, sie windet sich um die vielen Hügel, die unseren Weg bestimmen. Außerdem merkt man deutlich, dass heute Samstag ist: Ungewohnt viele Fahrzeuge kommen uns entgegen. Wochenendausflug an die Gibb River Road, warum nicht.
Wir passieren Queen Victoria's Head und die Lennart River Bridge und schon biegen wir ab auf die Straße nach Fitzroy Crossing, die 350. Nach 21 Kilometern sind wir bei der Windjana Gorge und checken auf dem camp site des Nationalparks ein.
In der Windjana Gorge - Lennart River is dry
Windjana Gorge ist ein Einschnitt des Lennart River durch das "Denovian Reef", ein ziemlich altes Gestein mit Einschlüssen aus der zeit, als Australien noch mit Dschungel bedeckt und hier ein Meer war. Das Reef wurde von Schlamm und Sand bedeckt, immer dicker wurde die Schicht, alles versteinerte. Dann gab es irgendwann die üblichen Verwerfungen und das Reef wurde wieder nach oben gedrückt, wo durch Erosion die weicheren Teile abgespült wurden und nur das ehemalige Reef übrig blieb. Der Lennart River fraß sich dann durch dieses ehemalige Reef durch und so entstand die Windjana Gorge. Heutzutage ist die Gorge heimat von unzähligen Fruitbats und Crocs, Freshies zwar, aber da sie auf ziemlich engem Raum leben, sind sie ziemlich aggressiv, vor allem jetzt, zum Ende der Trockenzeit.
Der Trail entlang des Flussbetts ist auf 2,5 Kilometer verkürzt, weil die letzte Regenzeit mit den dazu gehörenden Überflutungen bislang irreparable Schäden am Track hinterlassen hat. Außerdem ist das Weedmanagement dabei, des einen oder anderen immigrierten Grases Herr zu werden, da ist es sinnvoll, dass niemand neuen Samen hereinträgt. Unterwegs treffen wir auf eine Kolonie von Fruitbats, die fast auf Augenhöhe sind für uns. Doch als wir anhalten um zu beobachten, klettern sie schnell ein Stück weiter nach oben in ihrem Baum, sofern sie dort einen freien Platz finden.
Am Nachmittag ziehen dunkle Wolken auf, mal sehen, was draus wird.
Unser Standort heute Nacht ist 17°24'53"S, 124°56'35"O.
Statt in die Gorge zu gehen, wie es (fast) alle hier auf dem Platz tun, um dort das Wassertrinken der Fruitbats und Batsschnappen der etwa 160 (sagt die Ranger, ich glaub's nicht) Krokodile zu beobachten, wofür es meist ohnehin zu dunkel ist, bleiben wir erst hier auf dem Platz und essen in himmlischer Ruhe zu Abend und spülen unser Geschirr. Dann gehen wir rüber zur Day Use Area und sehen uns nur den Zug der Fruitbats an. Vorallem gegen den westlichen Abendhimmel ist das ein ungemein beeindruckender Vorgang, ein Wunder der Natur.
Aus den Wolken wird gar nichts, denn schon um sieben sind alle verschwunden. Auf dem Baum uns gegenüber baumt eine Eule auf, trotz des riesigen Trubels, der ringsum herrscht. Sie lässt sich auch von meinen Fotoversuchen nicht verjagen. Ich denke, es is ein Southern BooBook.
Morgentlicher Besuch
Unser Standort heute Nacht ist 17°24'53"S, 124°56'35"O.
Statt in die Gorge zu gehen, wie es (fast) alle hier auf dem Platz tun, um dort das Wassertrinken der Fruitbats und Basschnappen der etwa 160 (sagt die Ranger, ich glaub's nicht) Krokodile zu beobachten, wofür es meist ohnehin zu dunkel ist, bleiben wir erst hier auf dem Platz und essen in himmlischer Ruhe zu Abend und spülen unser Geschirr. Dann gehen wir rüber zur Day Use Area und sehen uns den Zug der Fruitbats an. Vor allem gegen den westlichen Abendhimmel ist das ein ungemein beeindruckender Vorgang, ein Wunder der Natur.

Sonntag, 25. September 2016

Wir sind in Derby.
Etwa um halb zehn waren wir nach gemütlicher Fahrt, wieder mit viel Gegenverkehr, am Ende der Gibb River Road angekommen und mussten nur noch hier in Derby rumfahren - zur Visitor Information, zur Jetty (die bei jedem Besuch gefühlt ein wenig kleiner ist), zum Fisch-Essen (Brigitte begnügt sich mit einem Rosinenkuchen) im Restaurant an der Jetty, das heute zum ersten Mal auf hat, wenn wir hier sind und zum Kimberley Entrance Caravan Park. Heute ist Waschen angesagt, Aufräumen, Mails und andere Benachrichtigungen lesen, verpasster Geburtstage nachträglich auch geschrieben gedenken und Blog schreiben, bzw. das bereits Geschriebene zusammenstellen und hochladen. Die Kameras und das Handy müssen entladen werden, all das, wofür sonst wenig Zeit, Lust und/oder Gelegenheit ist. Wahrscheinlich reicht der Tag gar nicht aus für all das, dann geht es morgen weiter.
Wir stehen auf 17°18‘27“S und 123°37‘48“O.
In Western Australia ist dieses Wochenende Queen's Birthday, das heißt, auch morgen ist fast alles (Woolworth, IGA und vermutlich Coles haben offen, unsere Vorräte können wir also auffüllen, ws wir für morgen geplant haben) zu, Bank Holiday. Das erklärt, warum so viele den Weg auf die Gibb River Road gesucht haben und noch immer suchen. Das sind nicht alles Touristen, sondern viele Einheimische.
Derby Jetty bei mittlerem Wasserstand
Derby ist die Ansiedlung in Australien mit dem höchsten Tidenhub: Zu Zeiten von Spring Tide liegt der höchste Wasserspiegel bei Flut 11,20 m über dem Wasserspiegel bei Ebbe! Das ist nebenbei der sechsthöchste Wert der Welt. Zur Zeit sind es "nur" 9,20 m. Darum ist die Jetty auch so groß und die wiederum macht Derby zu einem Hafen, der auch von größeren Schiffen angelaufen werden kann.
Nach 5 Wochen und zwei Tagen - wenn ich den Tag der Ankunft und den heutigen Tag mitzähle - haben wir 6.116 Kilometer zurückgelegt (das sind im Schnitt 165 km/Tag , also nicht übertrieben viel), davon 4.212 auf unbefestigten Straßen und 229 auf "single lane bitumen". Bisher ist mit Ausnahme dieses schleichenden Plattfußes am Anfang alles heil geblieben, auch wenn Auto und Insassen manchmal schwer durchgeschüttelt wurden. Mit der Kimberley liegt jetzt allerdings das letzte Stück Wilderness (zumindest nach Ansicht der Westaustralier) hinter uns. Der direkte Weg von Darwin nach Derby beträgt 1.645 km.