Montag, 5. September 2016
Kurz nach Victoria Downs, einer riesigen
Station (Rund um einen der Sheds stehen 6 kleine Hubschrauber, das sagt schon
einiges über die Größe aus.), verlassen wir den Buchannan Hwy nach links in den
Binnt Track, um dann nach Erreichen des Judbarra oder Gregory Nationalparks auf
dem Humbert Track nach Norden zu fahren. Jasper's Gorge haben wir ja bereits
zwei Mal durchfahren, einmal, 2013, von Nord nach Süd, und 2014 von Süd nach
Nord mit einer Übernachtung auf dem dortigen Camp Ground. Damals gab es dort
jede Menge Bremsen, Marshflies. Und den Gregory konnten wir 2013 nicht wie
gewünscht besuchen weil noch alles unter Wasser stand. Interessant: Humbert
Track ist 62,5 km lang und wird mit 6 Stunden Fahrzeit angegeben. Nun, er ist
anspruchsvoll, ähnlich schwierig wie der Frenchman's Track bei Cape Yorck, aber
anstrengender, weil es keinen Moment des Nachlassens seitens des Fahrers geben
darf. Jede Unaufmerksamkeit wird sofort bestraft mit einem heftigen Schlag oder
Stoß. Die vielen Creeks, die wir durchfahren müssen und auch der Fluss führen
aber glücklicherweise kein Wasser, das würde den Schwierigkeitsgrad massiv
erhöhen. Aber wenn die Flüsse innen im Park Wasser führen, dann ist der Park
insgesamt nicht oder nur eingeschränkt erreichbar, so wie die Furten aussehen:
Alle sind fast U-förmig und mindestens 2 m tief. Wähnt man sich oben angekommen
und gibt Gas, dann kommt noch ein Bump, der den Inhalt der Fächer springen lässt.
Bei einem dieser Bumps fällt unser Dettol-Öl-Gemisch um und läuft aus, jetzt
riecht es im Auto etwas streng. Dettol ist was Ähnliches wie Sagrotan. Gemischt
mit Baby-Öl dient es uns als Abwehrmittel für Bremsen.
In Timber Creek beenden wir für heute die
Reise, ich will sehen, ob die Freshies noch im Pool hinter dem Caravan Park
sind. Und um einen der Camp Grounds in Keep River National Park an der Grenze
zu WA heute noch zu erreichen, ist es schon ein bisschen spät, auch wenn wir
den Humbert Track in knapp drei Stunden hinter uns gebracht haben.
So können wir ein wenig Housekeeping machen
und die Batterien von Kameras und Camcorder wieder laden. Alles andere geht
über das Auto. Zwei kleine Änderungen an den Einstellungen des WLAN am PC und
ein Umbenennen des persönlichen Hotspot auf dem iPhone führt dazu, dass ich den
PC wieder anmelden kann. Ich denke, dass der PC
den Zugang noch mit dem früheren Hotspot-Passwort probiert, aber nie
nachgefragt hat. Und dann gab es halt was auf die Finger. Nur hat mein PC das
nie gemeldet…
Sonntag, 4. September 2016
Das war keine gute Nacht. Vielleicht lag es
an den zwei Bier, die ich gestern getrunken habe, der erste Alkohol nach mehr
als einer Woche. Kurz vor sechs stehe ich auf und gehe zur Schwimmstelle. Doch
trotz der anhaltenden Dämmerung bin ich nicht alleine. Dennoch kann ich in Ruhe
ein paar Bahnen ziehen und wieder zurückgehen um zu duschen. Dem Platz sieht
man den nächtlichen Regen deutlich an, tiefe Auswaschungen versperren teilweise
den Weg, der gestern noch völlig eben war. Auf der Lande- und Startbahn stehen
große Pfützen.
Auf dem Weg zum zweiten Waschhaus (im
ersten sind die Duschen abgestellt) komme ich an einem Jimny vorbei, ein Pickup
(ich wusste nicht, dass man den Jimny als Pickup bekommen kann, aber vielleicht
ist das Teil der Umrüstung) mit kräftiger Bereifung, stabiler Stoßstange mit
Winsch und Bullbar vorn und einer Anhängerkupplung. Auf dem Pickup steht die
übliche "Kiste" mit den Seitenklappen, darin verbirgt sich Stauraum
und eine große Kühlbox auf einem Schlitten. Der Herd ist nicht fest eingebaut,
der steht daneben. Der Besitzer schläft in einem Swag mit angebautem Feldbett.
Er hat, wie er mir später erzählt, den Regen gut überstanden, aber weil er
nichts weggeräumt hatte - offensichtlich war er schon früher im Schlafsack -
ist seine Ausrüstung in Teilen völlig durchnässt. Er ist auf dem Weg nach
Birdsville, weiß aber nicht, ob er durchkommt, "Birdsvill's flooded."
Und das im tropischen Winter!
Während unseres Frühstücks bricht der
Oldtimer mit seinem Begleitfahrzeug auf, ich schaffe es noch zu fotografieren.
Es ist ein FIAT, Jahrgang 1937 (oder 1927, da habe ich den Mann nicht
ordentlich verstanden), vollgummibereift, als Landauer aufgebaut. Aber das Dach
ist zu. Die Rückbank bietet jede Menge Fußraum.
Kurz bevor wir aufbrechen, kommt unser
Nachbar und fragt, wo es hingehen soll. Und schon sind wir mitten im schönsten
Small Talk. Es ist einer der Langbärtigen, die hier auf dem Platz sind.
Die Strecke bis zum Buchanan Highway ist
ein bisschen langweilig. Davon, dass es sich um die wichtige
Nord-Süd-Verbindung zwischen Darwin und Adelaide handelt, ist verkehrsmäßig
nichts zu sehen. Nun gut, es ist Sonntag, aber dennoch…
| Ein Roadtrain mit drei Einheiten, schon das ist beeindruckend |
Den Übernachtungsplatz vor Top Springs
finden wir nicht mehr, aber auch nichts anderes, wo wir uns eine Nacht
unterstellen können. In Top Springs gibt es eine Camping Park, aber der bietet
keinen Platz für Campervans. So fahren wir weiter und finden nach 25 km eine
Stelle, die für uns geeignet ist (16° 25' 04" S, 131° 36' 26" O). Es
ist spät genug, dass wir uns in den
Schatten des Bushi setzen können, da macht es nichts, dass es keinen Baum in
erreichbarer Nähe gibt, der uns als Sonnenschutz dienen könnte. Den zur
Ausstattung gehörenden Sonnenschutz verwenden wir nicht nur heute nicht, wir sind
für die Anbringung nicht groß genug. Wir haben es 2013 einmal probiert, das
ging und dann 2014 wieder, da habe ich mit drei Fingernägel eingerissen beim
Versuch, das Liek der Plane durch die Rinne zu ziehen. Und Brigitte ist aus
körperlichen Gründen auch keine große Hilfe. So ist es eben.
Eine große Schar Budgerigars
(Wellensittiche) treibt sich hier herum und sucht Futter im hohen Gras. Noch
kommen sie nicht nahe genug heran. Meist kann ich sie nicht sehen, nur wenn sie
sich als Schwarm erheben und den Standort wechseln. Aber sie sind nicht zu
überhören, egal wo sie sind. Ein Schwarm mit dreisig Vögeln landet auf einem
Baum - schwupps, sind alle verschwunden, obwohl die Eukalypten ja kein dichtes
Blattwerk haben.
Kurz nach neun ist der halbe Himmel mit dichten
Wolken bedeckt - ein böses Vorzeichen? Ich glaube nicht, räume aber trotzdem
alles weg. Gegen Mitternacht verstärkt sich der Wind, aber es bleibt trocken.
Samstag, 3. September 2016
Nach insgesamt 811 Kilometern seit dem
letzten Tanken erreichen wir mit dem letzten Tropfen im SUB die Tankstelle in
Mataranka, 88,12 l lassen sich einfüllen. Gut zu wissen, wie weit ich den Tank
leerfahren kann. Das fahren auf dem Stuart Highway fühlte sich nach der langen
Strecke auf Gravel irgendwie komisch an, auf jeden Fall ziemlich langsam. Der
Campingplatz von Mataranka Homestead (14°55'22" S, 133°7'58'' O) ist
weitgehend leer, erstaunlich, wo doch noch vor 14 Tagen aus unerfindlichen
Gründen alles ausgebucht war. Nachdem alles aufgebaut ist, besuchen wir die
warme Quelle. Es sieht gegenüber 2014 deutlich verändert aus. Nicht nur, dass
auf der Einstiegseite des Schwimmbereichs neue Wege angelegt sind, auch das
Becken ist teilweise neu gefasst und dem großen Besucheranstrum - viele Tagesbesucher
machen uns den Platz streitig - angepasst.
Das Wasser ist noch so wie es schon
2007 war, als wir her erstmals badeten und das Becken noch so war, wie es die
im zweiten Weltkrieg in der Nähe stationierten Soldaten ihren Offizieren
(vermutlich nicht ganz freiwillig) erbaut hatten. Andere Besucher erzählen uns,
dass Bitter Springs noch immer sehr naturbelassen ist. Man kann die Quelle dort
auch vom Campingplatz aus nur mit dem Auto erreichen, und sie ist weiter vom
Highway und asphaltierten Straßen entfernt. Vermutlich ist sie deshalb weniger
besucht.
| Die warme Quelle von Mataranka - mit vielen Tagesgästen |
Die Happy Hour in der Bar verpassen wir,
die liegt genau in der Zeit, in der wir das Abendessen zubereiten und
einnehmen. Und wegen einer Happy Hour verschieben wir das nicht, zumal ab 18.30
Uhr ebenfalls im Freigelände des Restaurants ein Rockkonzert ist. Ganz schaffen
wir es nicht, wir kommen erst zum Ende des ersten Teils der Darbietungen. Drei
Mann, ein stark adipöser Schlagzeuger, etwa 30, ein nicht viel schlankerer
stimmgewaltiger Leadsänger mit Gitarre, deutlich jenseits der 60, und ein
hagerer Mittfünfziger mit E-Gitarre. Er spielt die Soli auf eine Weise, die an
die Originale gut herankommt, seien es Keith Richard oder Peter Green. Sie
waren mehrere Jahre in Nashville (TS), das hört man am Sound und ein bisschen
auch an der Musikauswahl. Sie bieten viel: englischen Rock, australischen
Country, amerikanischen Blues, Rock und Country, ein Stück Calypso von Harry
Belafonte. Punkt 21.00 Uhr ist Schluss, es gibt keine Zugabe - aber das
Publikum scheint das auch gar nicht zu erwarten.
| Rockkonzert in Mataranka |
Kaum sind wir am Auto, beginnt es zu
regnen. Zum Glück ist bis auf den Tisch
alles im Inneren verstaut, die Wolken sahen schon vorhin recht bedrohlich aus.
Freitag, 2. September 2016
Vorgestern Abend kam ein Bus des
Unternehmens Outback Spirit auf den Platz bei der Lodge gefahren - allerdings
ohne Passagiere - gestern morgen habe ich die Gelegenheit genutzt, um mit dem
Fahrer zu sprechen. Die Tour führtvon Nhulunbuy entlang der Top Road (!) bis
zur anderen Seite, allerdings ohne den East Alligator River zu durchfahren, die
Passagiere werden hier in Nhulunbuy am Flughafen aufgesammelt und am Ende der
Reise mit einem Flugzeug nach Darwin gebracht. Die Kosten für die Flüge kommen
zu dem kräftigen Reisepreis von fast $ 12.000 pP dazu. Interessant finde ich,
dass das Unternehmen die Top Road benutzen darf. Der Fahrer sagt, dass dazu
sechs Jahre Überredungszeit und die Mitsprache diverser Politiker nötig war. Er
gibt zu, dass das für Outback Spirit ein kommerzieller Vorteil ist, denn sonst
darf ja niemand die Straße benutzen (außer, wie gesagt, Polizei, Ambulanz und
die Besitzer) Nacheinander werden verschiedene teure Lodges des nördlichen
Arnhemlandes angefahren, wo die Passagiere untergebracht werden und von wo aus
Tagestouren starten. Damit haben auch die Lodges was davon…
Während unseres Frühstücks - wieder war bei
Sonnenaufgang alles nass - bekommen wir Besuch von einem Raben oder einer
Krähe, so genau kann ich das nicht sagen, beide sehen ziemlich gleich aus. Der
Vodel hätte wohl gerne was zu fressen. Ein Stückchen Käse fällt für ihn ab.
Beim Rocky Bottom Creek Crossing ist noch
alles wie gehabt: Eine nagelneue, nicht freigegebene Straße und daneben eine
Gravelroad, die zur Furt und zurück zur Straße führt. Die Furt fahre ich drei
Mal: Rüber mit Brigitte, allein zurück und wieder rüber, damit Brigitte mich
filmen kann. Eigentlich ist das Teil ihres Fahrabschnittes, aber die Furt
wollte lieber nicht fahren.
Kurz vor dem Ende des den Aboriginals
überlassenen und von ihnen verwalteten Landesteils finden wir wider Erwarten in
einem Gebiet offenen Baumlandes - es könnte eine Streuobstwiesenanlage sein,
wenn die Bäume etwas kleiner und keine Eukalypten wären - findet sich plötzlich
eine Gravel Pit. Und da wir ohnehin auf der Suche nach einer
Übernachtungsmöglichkeit sind, ergreifen wir diese Chance beim Schopf. Gravel
Pit? Was ist das eigentlich? Wenn Straßen gebaut oder in Ordnung gebracht werden, brauchen die Bauunternehmen dafür
Gravel, ein Sand-Kiesgemisch. Um diesen Gravel nicht von weither anfahren zu
müssen, suchen die Unternehmen vor Ort nach örtlichen Vorkommen und holen sich
dort ihr Material. Das ist eine Gravel Pit. Die Muttererde oder Deckschicht
wird auf die Seite geschoben und bildet einen gewissen Sichtschutz, vor allem,
wenn im Lauf der Jahre die Vegetation eingesetzt hat. Da bei der Entnahme mit schwerem Gerät gearbeitet wird, ist der
Boden der Grube zumndest so fest, dass wir mit unserem 3 to schweren Bushi
problemlos darauf fahren und stehen können. Es gibt noch eine zweite Art von
Gravel Pit. Diese entsteht, wenn in einem Gebiet überhaupt kein Gravel
existiert, zum Beispiel in einem Sandgebiet oder bei ehemaligem Sumpfgelände.
Dann wird das notwendige Material von anderswo mit Roadtrains herbeigeschafft
und auf einer vorbereiteten Fläche zwischengelagert. Auch hier gibt es den
typischen Wall außen herum. Auf die Idee, die Gravel Pits als Bush Camp zu
benutzen, hat uns auf der 13er-Tour Joelle in Halls Creek gebracht. Sie war
ganz erstaunt, dass wir diese Möglichkeit noch nicht genutzt hatten.
Heute wurden wir auf 419 km drei Mal
überholt, es kamen uns 7 Fahrzeuge entgegen (darunter zwei Roadtrains mit je
vier Einheiten, obwohl auf dem Central Arnhem Highway von Bulman nach Norden
maximal zwei erlaubt sind), Wir haben unsererseits einen Grader überholt und
zwei Fahrzeuge passiert, die einer Panne wegen am Straßenrand standen, beide
alleingelassen. Das zeigt schon die Menge des Verkehrs und dass wir wirklich
ziemlich abgeschieden sind.
Wir bleiben nicht alleine in der Gravel
Pit, ein weiteres Fahrzeug trifft ein. Tim aus Tasmanien kommt vorbei, stellt
sich vor und leitet mit dem üblichen "Where are you heading?" den
Small Talk ein. Da sind wir gerade mit dem Essen fertig, sonst hätten wir ihn
ja einladen können. Doch er setzt sich wieder in sein Auto und verschwindet zur
anderen Seite der Grube.
Donnerstag, 1. September 2016
In Deutschland ist heute vermutlich immer
wieder die Rede davon, dass heute der Herbst beginnt - was nicht stimmt, denn
der Herbstanfang ist mit der Tag- und Nachtgleiche verbunden und damit, dass
die Sonne den Wendekreis überschreitet (genau wie im Frühling) - also müsste
hier heute Frühlingsanfang sein. Wie gesagt, das ist nicht so. Trotz trockener
Jahreszeit ist auf dem Campingplatz auch heute morgen alles nass, die Wiese,
die Ersatzreifen an den Autos, die Campingtische, die Scheiben sind beschlagen.
Das geht allerdings schnell vorbei, wenn die Sonne aufgeht. Spätestens eine
Stunde später hat sie alle Feuchtigkeit aufgesaugt. Sonnenaufgang ist etwa 20
nach 06.00 Uhr, und entsprechend ist kurz vor 18.00 Uhr Sonnenuntergang. Das
ändert sich in der nächsten Zeit geringfügig, aber die Tage sind nie so lange
wie bei uns im Sommer. Dafür sind wir einfach zu nahe am Äquator (derzeit sind
wir unter 12 Grad südlicher Breite). Südlich der Tropen macht es sich dann
schon bemerkbar, dass wir in den Sommer hinein unterwegs sind. Die Dämmerung
hier ist sehr kurz, sowohl am Morgen, da sind es etwa 30 Minuten, als auch am
Abend, da ist es 20 Minuten nach Sonneruntergang bereits richtig dunkel und die
Sterne sind zu sehen.
Auch heute ist ein Tag in der
Nhulunbuygegend. Wir verlassen allerdings die Walkabout Lodge und begeben uns
etwas weiter nach Süden. Am Daliwuy oder Binydjarrnga in der Sprache der
hiesigen traditional owners Dhimurru ist eine sehr schöne Möglichkeit, sich für
eine Nacht einzurichten. Nacheinander besuchen wir die verschiedenen Strände
hier im Südosten von Yirrkala: Baringura (Little Bondi), Ngumuy (Turtle Beach),
Garanhan (Maccassan)und eben Binydjarrnga (Daliwuy). Alle sind von einander
verschieden, alle sind richtig schön und überall ruft das Wasser uns zu, doch
baden zu kommen. In Daliwuy ist dieses Rufen am schwächsten, weil Daliwuy keine
Brandung hat, wir sind hier am Beginn einer langen und ziemlich schmalen Bucht,
da kommen die Wellen nicht rein. Hier ist meines Erachtens die Krokodilgefahr
deutlich höher als an Stränden, die von Felsenküsten begrenzt sind und den
Crocs also keine Rückzugsmöglichkeiten bieten. Die Zufahrt zu Little Bondi
führt über eine Düne, im tiefen und weichen Sand bleiben wir fast stecken. Weil
ich nur für dieses kleine Stück nicht die Luft ablassen will, fahren wir ein
paar Meter zurück, lassen den Wagen stehen und gehen die 300 m bis zum Strand
zu Fuß. Es wäre sicherlich machbar gewesen zu fahren, aber vermutlich nicht,
wenn wir die Reifen auf Normaldruck lassen. Alle Strände sind untereinander mit
einem Wanderweg verbunden, dem Walwuluma
Walking Trail. Wir gehen einzelne Teilstücke davon, allerdings müssen wir halt
auch immer wieder zurück, um ans Auto zu gelangen. Besonders schön finde ich
das Stück von Baringura nach Norden bis zum Yarrapay, dem Rocky Point, den man
nur auf diesem Weg erreichen kann. Hier gehen wir die ganze Zeit in der Sonne
und haben wunderbare Blicke aufs Meer. Die anderen Teile führen durch den Wald.
Das hat natürlich auch etwas, es ist kühler und wir sehen weniger. Am Garanhan
hat ein anderes Paar mit 4WD-Fahrzeug sein Lager aufgeschlagen, sie stehen
ziemlich zentral und weithin sichtbar und belegen den derzeit einzigen
Schattenplatz. Wir winken und gehen vorbei. Unser Stellplatz hat dann auch ein
Alleinstellungsmerkmal: Er ist der einzige, wo das Auto fast waagerecht steht.
Aber da wir alleine bleiben, spielt es keine Rolle.
| Little Bondi |
Mittwoch, 31. August 2016
Gleich nach dem Frühstück gehe ich in die
Lodge und verlängere unseren Aufenthalt hier um einen Tag. Anschließend füllen
wir den fast bis zur Neige geleerten SUB wieder auf, der Sprit ist hier mit AUD
1,556 pro Liter zwar nicht billig, aber doch viel günstiger als befürchtet.
82,4 l passen in den Tank, jetzt sind wir gerüstet für das, was kommt, der
Sprit reicht für 1.600 Kilometer - oder mehr, also bis Timber Creek.
Es wird wieder ein gemütlicher Tag. Wir
erfahren die Umgebung und besuchen Strände, Outlooks und Bird Hides (Stellen,
von wo aus ich ganz gut Vögel sehen und fotografieren könnte, wenn welche da
wären) und verbringen eine geraume Zeit im Swimmingpool des Caravanparks.
Unsere Abendessenauswahl ist endlich und
beginnt sich zu wiederholen. Nun, vielleicht fällt mir demnächst mal was neues
ein.
Aus mir noch nicht bekannten gründen
schaffe ich es nicht, den Laptop mit dem iPhone und dessen WLAN Access Point zu
verbinden. Ich weiß auch nicht, ob das an Windows 10 liegt oder an dem
"neuen" iPhone. Es ist ja auch nicht tragisch, nur kann ich halt nur
im Blog posten, wenn ich irgendwo ein WLAN finde, weil ich die Texte auf dem
Laptop zeitnah schreibe, auch dann, wenn wir überhaupt keine
Internetmöglichkeit haben.
Dienstag, 30. August 2016
Beim Aufstehen sind noch immer dünne Wolken
am Himmel. Es war signifikant wärmer als die Nacht zuvor, um die 20 Grad. Ich
fürchte, Thomas hat doch keinen Klappspaten eingepackt, jedenfalls kann ich ihn
nicht finden. Dann muss ich heute Nachmittag noch mal auf die Suche gehen.
Der erste zu überquerende Fluss heißt Rocky
Bottom Creek. Warum der wohl so heißt? Kurz vor dem Crossing wird eine
Baustelle angekündigt. Dann sehen wir eine nagelneue Straße mit Markierungen
und allem, kein Mensch ist da, aber kurz vor dem Beginn wird der Verkehr auf
eine rote Strecke nach link umgeleitet und durc eine alte Furt geführt. Danach
geht es wieder zurück zur Straße, wo die Zusammenführung genau beim Ende der
Neubaustrecke ankommt.Ob da bedingt durch die gerade erfolgten Wahlen in NT
kein Politiker Zeit hatte, für die Eröffnungsfeierlichkeiten anzureisen?
Apropos Wahlen, die zogen sich über fast drei Wochen hin, offensichtlich gibt
es ein paar Wahlteams, die von Ort zu Ort ziehen. Am nächsten Fluss ist die
neue Straße schon befahrbar, Rocky Bottom Creek Crossing ist die einzige, die
noch durhs Wasser führt. Nichts tragisches, nur knapp 30 cm Wasser, aber eben:
steinig. Käpt'n Ru, der sich nachhaltig weigert, einen Sicherheitsgurt zu
tragen, springt wieder mal von seinem Platz, obwohl ich richtig langsam durch
das Wasser fahre.
| Käpt'n Ru |
Was sieht man alles bei so einer Fahrt
durch das Outback? Nun, ich sehe nicht so sehr viel, weil ich mich doch meist
auf die Straße zu konzentrieren versuche. Querrillen kann ich nicht ausweichen,
aber vielleicht ist es rechts doch besser? Oder in der Mitte? Wichtig ist es,
den Löchern Steinen und Sandflecken aus dem Weg zu gehen, um Schaden am
Fahrzeug zu vermeiden. Immer dann, wenn Käpt'n Ru, das RFDS-Känguru (Royal
Flying Doctor Service), das uns seit der 13er Reise überall hin begleitet, von
seinem Platz auf dem Armaturenbrett herunterspringt, weiß ich, dass ich nicht genügend
aufgepasst habe. Aber ich sehe dennoch viele verschiedene Pflanzen, Kängurus
(nicht nur Ru), Bromby, Buffalo (Wasserbüffel), Brahman (Kühe), Cockatoo,
Magpie Larks und viele andere Vögel. Wasserbüffel wurden vor etwa 100 Jahren
hier im Norden eingeführt, weil die Australier sich ein gutes Geschäft
erhofften und dachten, die Wasserbüffel kämen besser mit der vielen
Feuchtigkeit zurecht. Irgendwie hat das nicht so recht geklappt und Ende der
40er Jahre wurde der Versuch beendet. Inzwischen waren allerdings bereits
genügend Wasserbüffel ausgebüxt und so bildete sich eine stabile Population.
Wie so oft waren die wachsenden Herden wilder Wasserbüffel ein immenser Schaden
für das Ecosystem. Die Büffel zerstören mit ihren harten Hufen die natürlichen
Sperren für das Wasser und so versalzten die Ebenen und trockneten aus, die
einheimische Vegetation wurde zerstört. Deshalb wird seitdem versucht, die
Büffel zu eliminieren, was allerdings nicht ganz klappt. Aber wenigstens ist
die Population ziemlich klein geworden.
| Ein Wald nach dem "Burning" |
Immer wieder stehen Patches von Ferntrees
mit frischen, hellgrünen Blättern unter den Bäumen. Sie wechseln sich ab mit
Palmen und bilden das Unterholz zu den mittelhohen Eukalypten und Akazien, die
den Vögeln Schutz und Nahrung geben. Vorbei geht die Fahrt an Bereichen, die
vor kurzer Zeit mittels Feuer vom Unterholz befreit wurden. Das sieht ziemlich
traurig aus, aber in Anbetracht dessen, wie sich entsprechende Felder ein Jahr
später entwickelt haben, ist diese Art der Naturpflege genau richtig. Und ganz
besonders dann, wenn man berücksichtigt, wie ein Wald nach einem echten
Wildfeuer aussieht und wie lange es dann dauert, bis sich neues Leben regt.
Dann sind wir in Nhulunbuy. Zuerst:
Nhulunbuy (oder Ngulunbuy, beide Schreibweisen kommen vor) ist eine
Miningstadt, Rio Tinto betreibt vor dem Ort eine Mine. Ich weiß noch nicht, was
abgebaut wird. (Anmerkung: Es handelt sich um Bauxit, die Mine besteht bereits
seit Mitte der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts) Das erklärt die gute
Infrastruktur hier in Nhulunbuy. Von einer Aboriginalsiedlung ist der Ort weit
entfernt. Aber das scheint kaum jemand zu wissen. Wir hatten erwartet, einen Ort wie Kalumburu
vorzufinden und sind jetzt überrascht.Im Nordwesten und Südosten der Ansiedlung
sind beeindruckende Strände, kilometerlange weiße Sandstreifen und dahinter
türkisfarbenes Wasser mit etwa 30 Grad - nur baden sollte man nicht, es gibt
estuarine crocodiles, Salzwasserkroodile, und marine stingers, ein giftige
Quallenart. Schade, sehr schade.
Der einzige Campingplatz ist an die lokale
Tavern angehängt, wir quartieren uns vorerst für eine Nacht ein. Es gibt einen
Swimming Pool, das ist gut, denn im Meer können/dürfen/sollen wir ja nicht
baden.
| Sonnenuntergang hinter der Walkabout Tavern and Lodge |
Es ist erstaunlich: Nhulunbuy liegt in
Arnhem Land, Arnhem Land ist als trocken deklariert, das heißt, dass es keinen
Alkohol gibt und dass man auch keinen Alkohol mitbringen und in der
Öffentlichkeit konsumieren darf. Aber das erste, was wir hier in Nhulunbuy
sehen, ist ein Bottle'O, deneben ein "Thirtsy Camel" und der
Woolworth ist gleich ganz als BWS (Beer Wine Spirits) ausgezeichnet. Das muss
Rio Tinto eine Stange Geld gekostet haben. Allerdings gibt es hier neben dem
Permitsystem für die einzelnen Stellen, die besucht werden können, ein
Permitsystem für den Alkohol - wenigstens etwas. Die meisten Einwohner von
Nhulunbuy sind weiß, die Schwarzen wohnen überwiegend in Yirrkala, 19 km entfernt.
Dort gibt es nichts, keinen Laden, kein Hospital, nur eine Schule und eine katholische
Kirche.
Montag, 29. August 2016
Es ist ziemlich frisch als wir aufstehen:
13 Grad C. Heute Mittag geht das Thermometer sicherlich wieder über die 30er
Marke hinaus.
Gleich nach dem Frühstück und dem
Zusammenpacken fahren wir zum Reifenservice. Das Hinterrad wird demontiert,
aufgepumpt und gebadet: Keine Luftblasen steigen auf. Also folgt der Test mit
dem Schlauch, der hat kleinere Schadstellen und wird ersetzt. Inzwischen regle
ich die Sache mit der Abrechnung direkt mit TCC. Dazu rufe ich Angelika an,
dann gebe ich dem Mann an der Kasse, Adam, die Nummer von Sydney und schon ist
alles erledigt.
Nach einem kurzen Stop bei der Post (Zwei
Briefmarken für Postkarten nach Deutschland kosten AUD 5,50. Da ist es bei uns
doch richtig preiswert!) und im Visitor Information Centre starten wir durch
nach Süden. Nach 50 km auf dem Stuart Highway biegen wir nach Osten ab auf den
Central Arnhem Hwy. Die ersten 50 Kilometer sind single lane bitumen, das
heißt, dass für den Verkehr nur ein asphaltierter Fahrstreifen zur Verfügung
steht, bei Gegenverkehr müssen beide den Streifen halbseitig verlassen.
Roadtrains haben "Right of Way", sie dürfen auf dem Bitumenstreifen
bleiben, der Gegenverkehr muss ihn freigeben. Ab Wugular ist es eine reine
Gravelroad, die Qualität ist etwa so wie der Great Central Hwy oder der
Strzeleckytrack. Wir fahren ziemlich genau einen Schnitt von 60 kmh, mal ist es
ein Kilomter mehr, mal einer weniger. Neun Fahrzeuge kommen uns entgegen, fünf
überholen uns, zwei überholen wir.
| Lookout vom Central Arnhem Hwy nach Südosten |
Etwa 290 km vor Nhulunbuy suchen wir uns
einen Platz für unser erstes Bushcamp auf dieser Reise. Eine Gravelpit kommt
wie gerufen. Die hat auch den Vorteil, dass wir mit einem Camp nicht
versehentlich einen sacred place stören.
Es regnet! Nur ein paar Tropfen erstmal,
aber damit war wirklich nicht zu rechnen. Als alles, was für die Zubereitung
des Abendessens nach draußen geholt wurde, ebenso wie der Laptop und die Karten
wieder ins Auto geräumt ist, hat es wieder aufgehört. Aber die dunklen Wolken
sind noch da. Und der Wind hat gedreht. Regen im August, also in Wurrgeng oder
Gurrung (und da bereits reichlich per Feuer das Unterholz und tote Gras bereinigt
werden, ist bereits Gurrung), ist eigentlich etwa so unwahrscheinlich wie
Schnee im August im Schwarzwald. Aber da ist er. Wenn wir Pech haben, reicht
die Wassermenge gerade um zu verhindern, dass wir nach Ngulunbuy durchkommen.
Soviel ist es nicht, das ist schon klar. Aber drei Mal versuchen wir, doch im
Freien das Essen zuzubereiten und zu essen, drei Mal kommt uns ein Schauer in
die Quere. Beim späteren Kartenspiel nach dem Spülen ist dann endlich Ruhe. Und
als wir in die Shlafsäcke kriechen, sind hier und da Sterne zu sehen.
Sonntag, 28. August 2016
Der Tag beginnt kurz vor dem Sonnenaufgang,
ich nutze aus, dass es hier Duschen gibt und betreibe eine
"Grundreinigung". In Katherine kaufen wir ein, was wir für die Küche
noch so brauchen, frischen wir unsere Lebensmittelvorräte auf und betanken den
Bushi, erst dann beschließen wir, dass wir uns hier eine Unterkunft suchen
wollen, denn Mataranka, was Brigitte vorgesehen hat, liegt immerhin 60 km
südlicher als unsere Abzweigung nach Osten.
Das war eine gute Entscheidung, auch wenn
der Platz nicht der beste ist, denn er ist weitgehend schattenfrei: Als wir
aufgebaut haben sehe ich, dass der Reifen links hinten sich verdächtig
ausbeult, er verliert Luft. Wenn wir das erst heute Abend, am Anfang unserer
Reise ins Nowhere gemerkt hätten, hätten wir im Zweifelsfall die ganze Fahrt
keinen Ersatzreifen gehabt. Das wäre schwer auf die Stimmung geschlagen. Knapp
2 km von hier ist ein Bridgestone (also ein Reifendienst, der Bridgestone
vertreibt. Mit Bridgestone hat TCC einen Vertrag.), allerdings hat er heute,
Sonntag, nicht offen. Na egal. Dann habe ich Zeit, einen Gruß in die Heimat zu
schicken, indem ich endlich den Blog ins Internet stelle.
Apropos TCC: Bruno hat verkauft (und steigt
in das Traktor-Reparatur-Geschäft ein), auch Chris steigt aus dem Geschäft aus,
Angelika bleibt als Seele des Unternehmens. Nach mehr als einem Jahr mit TCC
Autos in Australien unterwegs, was wir mit dem Ende der jetzigen Reise erreicht
haben werden, macht sich bei mir schon ein bisschen Wehmut breit.
Fortsetzung
Gespräch am Pool über die verschiedenen
Reiseziele. Ich werfe ein, dass es eine weise Entscheidung ist, sowohl
Litchfield als auch Kakadu zu besuchen, gerade weil beide so verschieden sind.
Später werde ich gefragt: "Where you're headin'"? Me:
"Ngulunbuy" and after an asking view I add "North East Arnhem
Land". After a moment of surprised silence she said: "Ooh, that's
really off the beaten tracks." Me: "Yes, it is,but I'm curious."
Damit geht das Gespräch in eine andere Richtung, wir sprechen über Boorooloola,
Hell's Gate und die Wege, wie man dorthin kommt. Sie, abwinkend: "Years
ago."
Die obligatorischen Wolken sind kurz nach
Sonnenuntergang verschwunden, die Sterne kommen raus.
| Die erste Panne - noch ohne Reifenwechsel |
Werner: Bin schon gespannt, mehr über Arnhem Land von Euch zu hören/sehen. Der teil hinter top Springs nach Timber Creek klingt auch spannend. Habe ich irgendwie anders in Erinnerung aus 2004. Keep river war ich ja 'Ende 2015 auf Eure Empfehlung hin. Das Wetter macht ja komische Kapriolen um die Zeit. Gute Fahrt weiterhin und gut auch, dass der Laptop endlich den Hotspot erkennt.
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