| Sunset in Derby |
Montag, 26. September 2016
Und nun Broome, Stadt der Meeresperlen, für
eine Woche. Wir wollen den Luxus eines Caravan Parks mit richtigen Waschhäusern,
Schwimmbad und Camp Kitchen genießen, bevor wir uns dann langsam aufmachen nach
Süden. Von hier aus stehen ohnehin zwei lange Fahrtouren an, bevor es wieder
"nett" wird - und noch gibt der Wetterbericht für alle Städte oder
besser Ansiedlungen südlich der Tropen ziemlich kaltes und unangenehmes Wetter
an. Also bleiben wir hier oben. Auf Nichtstun wird es dennoch nicht
hinauslaufen, das ist ja nicht unser Ding.
| Eine leider nicht zu erschreckende Kragenechse |
In der Broome Visitor Information stellen
wir uns in die Schlange. Die Visitor Information hier in Broome ist eher eine
Reiseagentur als ein Informationsbüro, deshalb dauert auch alles relativ lange.
Wenn jemand wirklich nur eine Frage zu einem Event oder zu Broome hat, dann hat
er eben Pech gehabt. Die meisten in der Schlange buchen irgendetwas. So diesmal
auch wir. Als wir endlich dran sind, buchen wir einen Tagesausflug zu Cygnet
Bay an Cape Leveque - diesmal will ich nicht selbst hinfahren, sondern mich
"kutschieren" lassen - und eine erneute Sundownertour an Cable Beach.
Das hat beim letzten Mal viel Spaß gemacht. Die Touren nach Cape Leveque
Mittwoch und Donnerstag sind ausgebucht - noch ein Grund, warum wir eine Woche
hier bleiben "müssen", denn nach der Tour am Freitag will ich nicht Samstagmorgen
abreisen. Wozu auch.
Nachdem wir uns für den Rest der Woche mit
frischen Lebensmitteln und Wein eingedeckt haben, fahren wir zum Palm Grove
Holiday Resort und buchen uns für eine Woche ein. Wir bekommen eine Liste mit
freien Plätzen und können uns nach ausführlicher Begutachtung den uns genehmen
aussuchen. Die Möglichkeit eines späteren Wechsels, falls sich die Wahl als
falsch herausstellen sollte, bleibt uns unbenommen.
Apropos Wein: Unserer Erfahrung nach ist
bei einer Reise, wie wir sie hier in Australien unternehmen, Wein in Schachteln
das Beste. Der Wein bekommt wenig Luft, kann im Kühlschrank nicht so leicht
kaputt gehen und hält länger als Flaschenwein, weil in der Box mindestens 2
Liter sind. Die Qualität ist unterwegs ohnehin nicht das wichtigste Argument,
er soll "nur" schmecken. Aber leider gibt es auch hier in Broome, wie
schon in Kununurra, keinen Wein in Boxes, das ist, aus welchen Gründen auch
immer, verboten oder zumindest nicht
erwünscht. "You're going up or down?" "Down"
"Then Carnarvon is the next opportunity." Oberhalb, also nach Norden
hin, ist nur Darwin von diesem Bann ausgenommen. Schade, nicht zu ändern. Wenn
wir es gewusst hätten, hätte sich aber nichts geändert, denn in Arnhem Land ist
- ebenso wie in Kalumburu - dry zone, da sollte man keinen Alkohol
spazierenfahren. Es gibt zwar eine Bona Fide Regelung, aber an die muss sich ja
niemand halten, wenn er nicht will.
Dienstag, 27. September 2016
Noch ein Wort zu The Kimberley. Für mich ist
diese Region weiblich - allerdings kann ich nicht sagen, wieso -, ich sage und
schreibe oft "die Kimberley", wie die Kurpfalz oder die Ortenau.
Wobei bei diesen Beispielen das Geschlecht aus dem zweiten der
zusammengesetzten Wörter stammt, das ist halt so. Nun also The Kimberley.
The Kimberley ist ein Plateau im Nordwesten
von Australien. Es liegt zwischen Derby im Westen und Wyndham bzw. Kununurra im
Osten. Das Gebiet liegt in den Tropen, entsprechend sind die Wetterbedingungen:
Trocken und kühl im Winter, warm und feucht im Sommer. Im Frühling, also August
und September, wird es immer schwüler, immer mehr Wolken ziehen auf, aber noch
bleibt es - von einzelnen Ausnahmen abgesehen - trocken. Ab spätestens Mitte
Oktober regnet es täglich, zuerst sind es nur vereinzelte Schauer, dann wird es
mehr und immer mehr. Im Februar, wenn das Ende der Regenzeit gekommen ist,
stehen weite Bereiche unter Wasser, die Flüsse sind voll, die Wasserfälle sind
am schönsten und beeindruckend in ihrer Gewalt. Das Land birst geradezu vor
Fruchtbarkeit, alles grünt und blüht. Einwohner sagen, das sei die schönste
Zeit. Nur kommt man halt nicht hin, wegen der Überschwemmungen. Wir könnten
schon vorher hier sein und uns einregnen lassen. Das Gebiet ist, überwiegend an
den Küsten oder wenigstens in Küstennähe, von Aboriginals bewohnt - schon immer
bewohnt gewesen. Als die Weißen kamen, nahmen sie das Land in Besitz und fingen
an, Viehwirtschaft zu betreiben. Weil es zu jener Zeit verboten war,
Strafgefangene, die üblichen Zwangsarbeiter im Süden des Kontinents, nördlich
des 22. Breitengrades, also in den Tropen, einzusetzen, bedienten sich die
Farmer der mänlichen Aboriginals als Sklaven. An beiden Enden, in Wyndham und
in Derby, gibt es jeweils einen Prisontree, einen alten Boab, in dessen hohlem
Stamm die Aboriginals verwahrt wurden, bevor sie zu den Farmen (die hier in
Australien Station heißen) kamen bzw. wieder hingebracht wurden, sollte es
ihnen vorher gelungen sein zu entkommen. Fraglich, welches Schicksal besser
war, Sklavenarbeit im Norden oder Tod im Süden. Immerhin haben so viel mehr
Aboriginals im Norden die Schreckensjahre überlebt als im Süden oder im Osten,
wo es nur angepasste Abkommen von Ureinwohnern gibt. Heute ist die Situation
ohnehin deutlich entspannter. Quer durch dieses harsche und schwer zugängliche
Gebiet zieht sich seit den Zeiten der ersten Viehhalter eine Straße.
Ursprünglich diente sie dazu, das Schlachtvieh nach Wyndham bzw. Derby zu
treiben, es war eine Stock Route, so wie Canning Stock weiter im Südwesten. Und
weil die Straße teilweise am Gibb River entlang führt, heißt sie Gibb River
Road. Heute ist die Gibb River Road in erster Linie für Touristen und natürlich
für die Versorgung der Stations und Roadhouses an der Straße und an deren
Seiten. Wobei Kalumburu und andere Communities im Norden oftmals per Schiff
versorgt werden. Die Zahl der Stations ist rückläufig, das Geschäft ist hart
und die Natur nicht unbedingt auf der Seite der Farmer. Die Verluste in der
Regenzeit sind nur schwer auszugleichen. Jetzt, zum Ende des Winters, werden
die Kälber geboren, und es sind viele, fast jede Kuh hat ein Kalb bei sich.
Aber wenn die Regenzeit zu spät kommt, also erst spät nach dem Entwöhnen,
erleben viele der Kälber den Sommer nicht, das jetzt noch verfügbare Gras ist
für sie zu trocken. Und wenn die Regenzeit zu früh kommt, kann es sein, dass
die Kälber den Strapazen des Rückzugs der Herden in trockenere Gebiete nicht
gewachsen sind. Carson Station im Norden wurde ersatzlos aufgegeben, Charnley
River Station und Mornington Station haben die Viehwirtschaft aufgegeben und
ihr Land dem Australian Wildlife Concervancy überlassen, Tablelands wird
ebenfalls vom AWC verwaltet, es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis auch
da die Viehwirtschaft aufgegeben wird.
Wir sind die GRR jetzt zwei Mal gefahren,
beide Male von Ost nach West (dabei sieht sich Derby als Tor zur Kimberley),
beide Male im September, also der trockenen Zeit. 2013 war die GRR im April
noch gesperrt, wir mussten the Kimberley auf dem Great Northern Highway
umgehen. Inzwischen haben wir fast alles befahren, was zu befahren ist, bis auf
den Munja Track, eine kleine „Stichstraße“ von Mt. Elizabeth nach Nordwesten in
den Prince Regent Nature Reserve und an
das Walcott Inlet, einen schmalen Streifen Meer, der sich ins Landesinnere
zieht. 206 km Dreck und Steine, etwas für 4WD Adventure Freaks. In den meisten
Straßenkarten wird dieser Track nicht mal angezeigt – und das will in
Australien etwas heißen. Im Prince Regent Nature Reserve gibt es ein Bush Camp,
Bachstein camp, dort muss man sich von Mt. Elizabeth aus anmelden, bevor man
losfährt und auch gleich die Gebühr von 100 AUD pro Fahrzeug bezahlen. Was die
Übernachtung im Bachstein Camp kostet, weiß ich nicht. Früher gab es noch einen
Zugang zum Munja Track von Mt. Hart aus, aber der existiert nicht mehr, also
ist der Track "dead end" oder "no through road", man muss
wieder zurück, wo man hergekommen ist. Da der Munja Track zumindest zum Teil
durch Gelände der Charnley River Station führt, die ja inzwischen Australian
Wildlife Sanctuary ist, ist nicht damit zu rechnen, dass sich am Status des
Munja Tracks noch etwas ändern wird, er wird vermutlich einfach vergessen.
Obwohl, das Internet und Hema Maps vergessen nichts.
Für heute Nachmittag haben wir einen
Sundowner Camel Ride gebucht. Deshalb essen wir schon um drei, für uns sehr
früh. Von Palm Grove aus können wir zu Fuß zum vereinbarten Treffpunkt am
Strand gehen, dorthin, wo die vielen Fahrzeuge auf den Strand fahren, weil die
Fahrer und Beifahrer der Sonne beim Untergang zusehen, aber den Fußweg auf den
Strand nicht auf sich nehmen wollen. Die Karawane kommt an, die Reiter werden
verabschiedet und es ist an uns, uns ein Kamel zuteilen zu lassen. Durch reinen
Zufall bekommen wir es mit Prince Karul zu tun, dem Hengst, auf dem wir schon
vor zwei Jahren geritten sind. Ich denke nicht, dass er uns erkennt und wenn
doch, dann lässt er es sich nicht anmerken. Wir sind beide ein wenig nervös
während der Vorbereitung, haben beide ein wenig Probleme, uns an die Gangart zu
gewöhnen und genießen nach kurzer Zeit
das Wiegen so hoch oben. Prince Karul hat einen sehr ruhigen, gleichmäßigen
Tritt. Er versucht auch nicht, wie der Hengst hinter uns, sein Vorderdromedar
zu überholen. Denn alle australischen Kamele sind eigentlich Dromedare, haben
nur einen Höcker. All die Hengste hier in Broome - denn alle Reittiere hier
sind Hengste - sind wilde Kamele, aufgewachsen im Norden von Südaustralien oder
im Süden der Northern Territories in einer der Wüsten des Red Center. Nach
einer kurzen Zeit der Einarbeitung sind sie für die Kunden einsetzbar und
machen diesen Job dann viele Jahre lang.
Jede Reiterin und jeder Reiter bekommt am
Ende einen Gutschein für die an das Cable Beach Club Resort angegliederte Bar
für ein Softdrink, Bier, Wein oder Sekt. Brigitte sucht sich einen Cocktail
aus, dafür gilt der Gutschein nicht, also trinke ich zwei kostenlose Biere und
bezahle dafür Brigittes Drink.
| Sundowner Camel Tour am Cable beach, Broome, WA |
Es ist, wie nicht anders zu erwarten,
ziemlich dunkel, als wir zurückgehen, aber es gibt ja Straßenlampen. Hinter uns
hat ein Britz-Landcruiser mit Hochdach „festgemacht“. Es ist erstaunlich, dass
sie einen Platz mit Strom genommen haben, wo doch der Britz keinen
Landanschluss hat – für mich übrigens ein weiteres Ausschlusskriterium, denn
dann muss man, um genug Strom für den Kühlschrank zu haben, mindestens jeden
zweiten Tag fahren. Es sind Dänen, er hat sich zum 70sten eine Fahrt über die
GRR gewünscht und sie (71) hat eingewilligt, obwohl sie ein bisschen unter
Reisekrankheit leidet, besonders auf den Gravelroads.
Mittwoch, 28. September 2016
Cable Beach ist einer der Strände, die,
obwohl sie nicht so lang sind, das Prädikat schön verdient haben. Cable Beach
im Westen von Broome ist nur 5 Kilometer lang, beginnend bei Gantheaume Point
oder Minhirr in der einheimischen Sprache. Das französische Wort Gantheaume
kann natürlich auch niemand aussprechen, es heißt also "gänthiem
point", mit TH wie in the. Auf Gantheaume Point steht ein Leuchtturm, mit
dessen Errichtung Mitte des vorletzten Jahrhunderts die Zahl der Schiffbrüche
hier signifikant zurückging. Der erste Bus des Stadtbusverkehrs aus beiden
Richtungen fährt hin zu dem Kap, damit man dann die 5 km am Wasser entlang
laufen kann. Nur der erste Bus, wer später hin will, muss sein eigenes Auto
oder eine der vielen Taxen benutzen. Der erste Bus, das klingt früh, aber er
fährt um 07:52 Uhr vor dem Palm Grove ab, also ist es immer ein entspannter
Morgen. Denn wir fahren raus und nehmen den Strand unter die Füße. Das erste
Stück geht entweder die Straße entlang oder ist eine Klettertour über die
Felsen, die hier das Ufer bilden. Genau dieses Stück muss man zwei Mal hinter
sich bringen, denn der Bus hält am Beginn des Strandes und nicht am Zugang zum
Leuchtturm und dem eigentlichen Kap mit seinen großartigen Felsen. Heute sind
keine Manta-Rochen zu sehen, schade. Am Ende sind wir nach insgesamt
zweieinhalb Stunden beide ziemlich geschafft, denn natürlich hatten wir kein
Wasser dabei und schon gar nicht "plenty of water".
| Straßenschild vor der Grundschule |
Weil wir heute früh ein Tagesticket für den
Bus genommen haben, fahren wir, ohne am Bushi vorbeizugehen, mit dem Bus in den
Ort, schlendern durch Chinatown und statten den vielen Perlgeschäften und den
Showrooms der großen Pearlfarms Paspaley, Willie Creek, Cygnet Bay,
Pearlluggers, Kailee und wie sie alle heißen, einen Besuch ab. Vor zwei Jahren
waren die Auslagen informativer, heute werden nur noch die Fertigprodukte
vorgezeigt, also Perlen als Anhänger, als Broschen, als Halsketten, als
Ohrringe. Und durchweg viel zu groß für Brigittes zierliche Figur.
Noch ein drittes Mal nehmen wir den Bus in
Anspruch, nämlich um zu Matso's Broome Brewery zu fahren zum Abendessen. Die
Brauerei hat einen gewissen Status hier in Broome, auch wenn sie sich nicht
mehr Microbrewery nennen. Das Bier, das hier ausgeschenkt wird, ist allerdings
noch hier in Broome gebraut. Dinner gibt es ab 5:30, bis 5 kann man ein
"Grasing" zu sich nehmen, das ist auch richtig gut. Zwischen 5 und
5.30 PM ist happy hour, da gibt es nichts zu essen. Am Ende wird es immer knapp
mit dem Bus, denn der letzte Bus zurück nach Cable Beach fährt um 6:26 PM vor
Matso's ab. In dieser Hektik lasse ich mein iPhone liegen.
| Mein Abendessen: Baby Barramundi mit Reis ***** |
Das merke ich allerdings erst als wir schon
wieder in Palm Grove sind. Im Bus waren wir so in eine anregende Unterhaltung mit anderen Busreisenden, er
"made in Holland, but born in Australia", sie Australierin, vertieft,
dass ich den Verlust nicht bemerkt habe. Von den Nachbarn auf dem Platz, die
glücklicherweise noch nicht Schluss gemacht haben für heute, leihe ich mir ein
Mobile aus und rufe bei Matso's an und ja, es ist da und ich kann es abholen.
Donnerstag, 29. September 2016
Und so fahren wir heute wieder mit dem Bus
zu Matso's, aber erst eine Stunde später, kurz vor neun. Ich weiß nicht, wann
Matso's öffnet. Auf der Karte gibt es "Breakfast", also kann es
eigentlich nicht sehr spät sein. Es ist offen und nach kurzer Zeit halte ich
meine Kommunikationszentrale wieder in den Händen.
Zu Fuß gehen wir nach Chinatown, um Brot zu
kaufen und fahren dann mit einer Unterbrechung am "Broome International
Airport" zurück zu Palm Grove. Heute gibt es keine internationalen Flüge,
nur vier Flüge nach Perth, einen nach Darwin und einen nach Kununurra. Der
letzte Flug ist um 19.00 Uhr, da ist es natürlich schon richtig dunkel. Qantas,
Virgin Pacific, Australia North fliegen von hier, internationale Ziele sind
vermutlich Bali und eventuell Papua Neu Guinea (PNG) - aber eben nicht heute.
Die vielen privaten Flüge, Rundflüge und Touristencharters sind natürlich in
der Abflughalle nicht angezeigt. Die Frage bleibt, was Broome Airport zum
International Airport macht.
Den Nachmittag verbringen wir weitgehend
lesend und schwimmend am Pool, dort ist es angenehm schattig. Denn am
Nachmittag traut sich dann doch noch die Sonne heraus. Das war schon vorgestern
und gestern so und ist heute nicht anders und so, wie der Himmel jetzt
aussieht, wird er sich am späteren Abend wieder hinter Wolken verstecken.
Meistens kommt es anders als man denkt -
gegen Abend verschwinden wider Erwarten die zwischenzeitlich wieder dichten
Wolken, wir können "Sterne gucken".
Freitag, 30. September 2016
Etwas zu pünktlich, bereits um 06.48 Uhr
stehen wir gestiefelt und behütet vor dem Campingplatz und harren des
Fahrzeugs, das da kommen soll. Es kommt, wenn auch etwas verspätet. Ich begann
schon zu überlegen, ob ich die Zeit falsch verstanden hatte. Der Fahrer und
Reisebegleiter heißt Simon, wir sind die letzten, die zusteigen, die Gruppe ist
mit 11 Personen angenehm klein. Da sind außer uns Maria aus der Schweiz, sie
hat ihren reisebegleiter im Hotel gelassen, er wollte die fahrt nicht
mitmachen. Carl und Lucy aus Lake Grace, er betreibt dort das Hotel. Außerdem
ein älteres Paar aus Melbourne, ein Paar aus Perth, etwas jünger als wir und
ein sehr junges Paar aus Kalgoorlie.
Die Cape Leveque Road ist auf den ersten
100 km eine Gravelroad. Anders als die meisten Straßen im Outback ist sie
allerdings nicht nach oben gewölbt, sondern nach unten. Das kommt, nach Simons
Aussage, vom häufigen Gradern, drei Mal im Jahr. Wegen des vielen Verkehrs muss
das schnell gehen und die schnellste Methode besteht darin, die oberste Schicht
einfach auf die Seite zu schieben. Das führt allerdings dazu, dass die Fahrbahn
eben nach unten gewölbt ist und immer schmaler wird. Bei Regen, und das soll es
hier ja geben, ist die Straße innerhalb kürzester Zeit unpassierbar, weil sich
das Wasser in der Mitte sammelt und mit dem roten Bulldust eine schmierige
Masse bildet, die Fahrzeugen das Vorwärtskommen erschwert bzw. unmöglich macht.
In einfacher Form haben wir das ja 2013 erlebt nach einer verregneten Nacht. Wie
das wieder auf die Reihe gebracht werden soll? Das, denke ich, geht wohl nur,
wenn die Straße eine Zeitlang voll gesperrt wird, denn inzwischen ist das
Straßenniveau schon deutlich unter dem des Woodlands beiderseits.
In Beagle Bay gibt es nach dem Besuch der
Kirche den obligatorischen Tee, bevor es auf der nun asphaltierten Straße
weitergeht nach Norden. Eine nächste Frage tut sich auf: Wieso ist die Straße
im oberen Teil befestigt? Es gibt hier auf der Dampier Peninsula zwei Stämme
der Aboriginal, Bardi und Jaarwi. Die Bardi sind die Landleute, die Jaarwi sind
die Küstenleute. Bardi leben vom Land und kennen sich mit den Tieren und
Pflanzen dort aus, Jaarwi ernähren sich hauptsächlich aus dem Meer. Beide
Stämme leben in verschiedenen Communities auf dem Norden der Halbinsel, haben
aber seit langer Zeit eine Art Zusammenarbeit. Um hier auf der Halbinsel
überleben zu können, muss man sich den Jahreszeiten anpassen und entsprechend
auch umziehen. Also sind Bardi und Jaarwi besonders in der Regenzeit auf ein
funktionierendes Wegesystem angewiesen. Früher, als sie ausschließlich zu Fuß
wanderten, war das kein Problem, heute sieht das anders aus. Deshalb lassen die
Stämme die Straßen, die ihnen wichtig sind, befestigen. Nach Broome fahren sie
nicht mit dem Auto, sondern fliegen und südlich von Beagle Bay gibt es keine
Communities, deshalb hat niemand mit ausreichend Einfluss, Geld bzw. Macht ein gesteigertes Interesse an
einer auch in der Regenzeit befahrbaren Straße.
Der nächste Halt ist eine Hatchery in One
Arm Bay am nordwestlichen Ende der Dampier Halbinsel. Direkt daneben sieht man
vom Ufer aus die ersten Inseln des Bucaneer Archipelago. Im Wasser tummeln sich
Haie und Schildkröten und vermutlich viele andere Wasserlebewesen, die ich aber
von hier aus nicht sehen kann. Der Tidenhub ist hier mehr als 10 m hoch, die
Strömung dadurch so stark, dass man sie vom Ufer aus sehen kann und sie
zwischen den Inseln sichtbare Strudel bildet. Die größten dieser reisenden
Strudel heißen "horizontal waterfalls" sie liegen (wesentlich weiter östlich),
man kann mit dem Flugzeug darüber fliegen oder mit diesen Spielzeugen für große
Jungs, Powerbooten mit jeder Menge Kraft und Lärm, durchfahren. Ich brauche es
nicht, mir reicht es davon zu wissen. In der Hatchery werden Barramundi und Trochus Shell aufgezogen. Aus den Schalen
der Trochus, spitz zulaufenden
Schnecken, werden vor Ort kleinere Schmuckgegenstände hergestellt, nett
anzusehen und "mal was anders". Nach der Besichtigung von
Aufzuchtstationen und Schmuck (und eventuellen Käufen) bekommen wir einen
kleinen Lunch: Verschiedene Salate, Brot, Schinken, Salami, insgesamt sogar für
Veganer geeignet. Und schon geht es weiter.
Cygnet Bay ist die kleinste der bekannten
Pearl Farms in der Broome Region. Ihre Oysters werden ausschließlich hier in
Cygnet Bay gezüchtet und "geimpft" und nur hier wachsen - hoffentlich
- die Perlen heran. Der Ausschuss beträgt etwa 60%, das ist deutlich mehr als
ich gedacht hatte. 60% der Muscheln bekommen keine Perlen oder die Perlen sind
"tot", also nicht glänzend! Und auch unter denen, die zum Verkauf
geeignet sind, ist nur ein kleiner Teil von höchster Kategorie, also so
kugelförmig, glatt und glänzend wie es der Kunde wünscht. Größere Perlen dieser
Klasse sind allerdings auch kleinere Vermögen wert. Cygnet Bay verkauft seine
Perlen nur hier auf der Farm oder in Broome im Showroom. Ein Internethandel ist
angedacht, aber noch nicht realisiert.
| Eastern Beach von Kuljaman short after high tide |
Nun geht es nach Westen zum Cape Leveque.
Auf der Ostseite kann man schwimmen, im Westen wegen der starken Strömung
nicht. So werden wir zuerst in den Osten gebracht. In der Sprache der Jaarwi
heißt das Kap "Kuljaman", das wird ku:ldschamin ausgesprochen und
etwa gleichmäßig betont (so sagte es auch Les in Kalumburu, der
mütterlicherseits von hier stammt). Zu unserer Verwunderung ist hier ein
wunderschöner Strand, wir hatten ein eher felsiges, wenig einladendes Gelände
vor Augen. Wir hatten uns wohl verlaufen. Nach einer Pause mit
Wassermelonenscheiben und Orangenvierteln fahren wir zum Westufer, dabei merke
ich, dass ich nach dem Schwimmen meine Brille vergessen habe, es ist
erschreckend. So bin ich etwas unruhig und beabsichtige, zu Fuß zum anderen
Strand zurückzugehen. Ich informiere Simon, aber da er sein Mobile vermisst,
hat auch er einen Grund, noch mal an den eastern beach zu fahren. Die anderen
warten derzeit in der Visitor Information von Kuljaman auf uns. Jetzt klärt sich
unser, Brigitte und mein, "falsches" Bild von Kuljaman: Die Felsen
sind wieder da, nun, da die Wasserhöhe um sicherlich zwei Meter gefallen ist.
Sie waren vorhin auch da, aber fast alle außerhalb der Reichweite. Das
wunderbare Schwimmen von vorhin ist jetzt schon nicht mehr möglich, weil man
nur mit Schwierigkeiten barfuß ans Wasser kommt. Simons Mobile hat sich auf der
buckeligen Straße hierher im Rucksack nach unten geschafft, war also nicht weg.
Ein Anruf von meinem Apparat aus, der aber hier nur an einer Stelle möglich
ist, brachte es zutage.
Auf der Rückfahrt steht kurz nachdem wir
auf der befestigten Straße sind, an der Seite ein Fahrzeug, offensichtlich mit
Problemen. Simon ist sofort dabei zu helfen, wir bleiben erstmal im Auto, doch
so nach und nach gehen auch wir zu dem Havaristen. Seit fast zwei Stunden
versuchen sie, den kaputten Hinterreifen zu wechseln, Simon war erst der
zweite, der gehalten hat. Zuerst war der Wagenheber nicht unter die richtige
Stelle zu bekommen, ein mir aus eigener Erfahrung bekanntes Phänomen, das Simon
irgendwie schnell gelöst hat, allerdings auch nur einigermaßen. Schon ist das Rad mit dem defekten und ziemlich zerfetzten Reifen abgebaut.
Jetzt passt das
neue Rad nicht an die Achse, sie hängt noch immer zu tief, aber der Jack hebt
das Fahrzeug nicht weiter an. Nichts geht, bis jemand von uns die Idee hat, die
Erde unter dem Reifen wegzuschaufeln. Und schon ist alles geschafft, alle sind
zufrieden und wir können weiterfahren.
| Zum Glück nicht unser Reifen! Brigitte an der Haltestelle vor Matso's |
Um halb acht setzt Simon uns als letzte der
Gruppe vor Palm Grove ab.
Samstag, 1. Oktober 2016
In Broome ist heute Markttag, deshalb
fahren wir wieder mit dem Bus in den Ort. Ach ja, Broome hat im Sommer etwa
14.000 Einwohner, in den Wintermonaten sind es 35.000. Das sind nicht nur
Touristen, sondern auch Leute, die die Arbeit machen, die in den trockenen
Monaten zusätzlich anfällt, eben auch durch die Touristen.
Es ist wunderbar, wie schnell wir hier mit
anderen Leute ins Gespräch kommen. Sicherlich, meist handelt es sich um
"small talk", aber auch das ist Teil des sozialen Lebens und es ist
gut so. Und so ziehen wir auf dem Markt von Stand zu Stand, sehn uns Kunst an,
Schmuck, Kleidungsstücke und Pflanzen, reden mit der einen oder dem anderen,
können auch von uns erzählen, unsere Erfahrungen einbringen. An einem Stand
sehe ich Lucy, sie kauft gerade einen Hut, weil sie ihren wegen des bewölkten
Himmels heute morgen nicht mitgenommen hat. Auch Carl ist nicht weit. Er hat
ein Problem mit seinem Mobile, es zeigt beim Einschalten eine itunes-Icone und
einen Stecker, wie er seit kurzem von Apple verwendet wird - und das war's.
Kein Anruf ist möglich, überhaupt keine Nutzung. Ich kann ihm zwar nicht
helfen, aber immerhin rausfinden, wo der nächste Telstra Shop ist (im Broome
Boulevard). Auch das Paar aus Melbourne läuft uns über den Weg. Doch irgendwann
haben wir alles gesehen, alles besprochen und ziehen deshalb weiter nach
Chinatown. Bei Paspaley stelle ich eine konkrete Frage nach einem Teil eines
ausgestellten Schmuckstücks, einem kleinen Netz, mit dem Ergebnis, dass wir
eine ganze Weile im Showroom sitzen und uns unterhalten und unser Interesse
gestillt wird. Man kann es so sehen, dass es verlorene Zeit war für die
Verkäuferin, aber andererseits war außer uns ohnehin keine Kundschaft da und
wer weiß, vielleicht kommen wir ja doch wieder, eines Tages. Paspaley ist der
größte der Perlfarmer, das Unternehmen beherrscht den australischen Markt mit
hochklassigen Perlen zu 80% und den Weltmarkt bei den Perlen der Klasse A zu
40%. Perlen, die nicht der Kategorie A angehören, die auch bei Paspaley
vorkommen, werden unter anderem Namen verkauft.
Jetzt ist gerade Hochwasser, außerdem ist
heute Springtide, da sieht die Roebuckplain (Roebuck war das Schiff, mit dem
William Dampier seine zweite Reise um die Welt gemacht hat, bei der er Shark
bay entdeckt und die Nordwest- und Nordküste kartographiert hat. Seine erste
Reise nach Australien und rund um die Welt ließ ihn die Dampierhalbinsel
entdecken und das Buccaneer Archipel - denn das war er, ein Freibeuter. Das
Forschen war nur ein Nebenergebnis und wurde von seinen Auftraggebern überhaupt
nicht gewürdigt.) richtig gut aus. Naja, die Tidenunterschiede sind wirklich
gewaltig, bei Niedrigwasser ist das Wasser etwa 1.500 Meter vom eigentlichen Ufer,
wo es jetzt ist, entfernt. 1,5 Kilometer, eine sehr lange Strecke, die
Millionen von Seevögeln ein Auskommen bietet. Die Ibisse sitzen in den
Mangroven und warten, dass das Wasser wieder verschwindet, damit sie wieder mit
ihrem langen Schnabel im Sand und Schlick (hauptsächlich Schlick) stochern
können.
Abends gönnen wir uns erneut ein Abendessen
bei Matso's Brewery. Diesmal nehme ich das indische Curry, Brigitte nimmt
Oliven, Ciabatta, Salat und Pommes. Das klingt jetzt eher wenig, ist aber
völlig ausreichend und wir sind beide richtig satt, als wir nachher in den Bus
klettern und uns zum Palm Grove zurück bringen lassen. Der Bus fährt uns heute
bis vor den Eingang, obwohl wir nicht die letzten Fahrgäste sind.
Der Bushi springt trotz der einen Woche,
die er jetzt gestanden hat, problemlos an. Wir müssen unsere Vorräte auffüllen,
das ist etwas ungeschickt mit dem Bus, besonders im Hinblick auf die 20 Liter
Wasser, die wir brauchen. In der Kathedrale - das ist schon ziemlich
hochgegriffen für dieses Kirchlein - treffen wir Carl und Lucy und später kommt
auch das Paar aus Melbourne (Lynne und Brad) zum Gottesdienst. Der Bischof ist
heute nicht im Einsatz, zumindest nicht an seinem Dienstsitz, statt seiner wird
die Messe von einem Chilenen gehalten. Auch gut, nicht ganz so gut wie Bischof
Saunders. Es mag aber daran liegen, dass ich nicht alles verstanden habe.
Nachher frage ich nach Jastice, sie ist im
Ruhestand und fortgezogen. Aber die Grüße werden ihr übermittelt. Brigitte
unterhält sich unterdessen mit dem Priester, als ich dazukomme, erzählt er mir
die gestrigen Bundesligaergebnisse. Erstaunlich. Aber er interessiert sich für
Fußball und für die Bundesliga, warum also nicht. Dass Arturo Vidal jetzt in
München spielt und damit wieder in Deutschland findet er besonders gut.
Anschließend gibt es noch einen längeren Plausch mit den Teilnehmern am
Freitagsausflug, wir sind die letzten, die den Platz vor der Kathedrale räumen. Simon war gestern auch auf dem Markt, schade,
dass wir ihn nicht getroffen haben. Inzwischen haben sich entgegen aller
Vorhersagen die Wolken verzogen, die Sonne kommt raus. Und gleich wird es
wieder warm. Gestern hatte es ja auch 23 Grad, aber das kam uns schon ziemlich
kühl vor, vor allem in Verbindung mit dem frischen Wind.
| Cable Beach etwa 2,5 Stunden nach Hochwasser |
Nach dem Besuch bei Coles machen wir noch
einen kleinen Spaziergang zuStreeter's Jetty, denn zum ersten Mal sehen wir sie
bei Hochwasser, sogar bei Springtide. Bisher konnten wir immer die Krebse auf
dem Schlick herumlaufen und ihre Revierkämpfe ausfechten sehen, jetzt stehen
die Mangroven tief im Wasser, das fast bis zur Unterkante der Jetty reicht.
Liquorland und BWS haben geschlossen, ob das am Sonntag liegt? Zum Glück können
wir uns bei Divers Tavern im "Thirsty Camel" eindecken mit Bier und
Wein.
Sonne und fast Windstille locken uns an den
Strand, wir gehen hinüber zu Cable Beach und vergnügen uns im angenehm
temperierten Wasser.
Werner: Broome ist es immer wert, ein paar Tage zu bleiben. Ich mag es auch sehr. Das erste mal war 1993 und da war es noch ungefähr 3000 Seelen gross. Cape Leveque ist wirklich toll. Na jedenfalls euch weiter gute Fahrt. Macht immer wieder Spass, euch (virtuell) zu folgen.
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