Sonntag, 2. Oktober 2016

Eine Woche in Broome, WA - it's worth staying there


Sunset in Derby

Montag, 26. September 2016

Und nun Broome, Stadt der Meeresperlen, für eine Woche. Wir wollen den Luxus eines Caravan Parks mit richtigen Waschhäusern, Schwimmbad und Camp Kitchen genießen, bevor wir uns dann langsam aufmachen nach Süden. Von hier aus stehen ohnehin zwei lange Fahrtouren an, bevor es wieder "nett" wird - und noch gibt der Wetterbericht für alle Städte oder besser Ansiedlungen südlich der Tropen ziemlich kaltes und unangenehmes Wetter an. Also bleiben wir hier oben. Auf Nichtstun wird es dennoch nicht hinauslaufen, das ist ja nicht unser Ding.
Eine leider nicht zu erschreckende Kragenechse
In der Broome Visitor Information stellen wir uns in die Schlange. Die Visitor Information hier in Broome ist eher eine Reiseagentur als ein Informationsbüro, deshalb dauert auch alles relativ lange. Wenn jemand wirklich nur eine Frage zu einem Event oder zu Broome hat, dann hat er eben Pech gehabt. Die meisten in der Schlange buchen irgendetwas. So diesmal auch wir. Als wir endlich dran sind, buchen wir einen Tagesausflug zu Cygnet Bay an Cape Leveque - diesmal will ich nicht selbst hinfahren, sondern mich "kutschieren" lassen - und eine erneute Sundownertour an Cable Beach. Das hat beim letzten Mal viel Spaß gemacht. Die Touren nach Cape Leveque Mittwoch und Donnerstag sind ausgebucht - noch ein Grund, warum wir eine Woche hier bleiben "müssen", denn nach der Tour am Freitag will ich nicht Samstagmorgen abreisen. Wozu auch.
Nachdem wir uns für den Rest der Woche mit frischen Lebensmitteln und Wein eingedeckt haben, fahren wir zum Palm Grove Holiday Resort und buchen uns für eine Woche ein. Wir bekommen eine Liste mit freien Plätzen und können uns nach ausführlicher Begutachtung den uns genehmen aussuchen. Die Möglichkeit eines späteren Wechsels, falls sich die Wahl als falsch herausstellen sollte, bleibt uns unbenommen.
Apropos Wein: Unserer Erfahrung nach ist bei einer Reise, wie wir sie hier in Australien unternehmen, Wein in Schachteln das Beste. Der Wein bekommt wenig Luft, kann im Kühlschrank nicht so leicht kaputt gehen und hält länger als Flaschenwein, weil in der Box mindestens 2 Liter sind. Die Qualität ist unterwegs ohnehin nicht das wichtigste Argument, er soll "nur" schmecken. Aber leider gibt es auch hier in Broome, wie schon in Kununurra, keinen Wein in Boxes, das ist, aus welchen Gründen auch immer, verboten oder zumindest nicht  erwünscht. "You're going up or down?" "Down" "Then Carnarvon is the next opportunity." Oberhalb, also nach Norden hin, ist nur Darwin von diesem Bann ausgenommen. Schade, nicht zu ändern. Wenn wir es gewusst hätten, hätte sich aber nichts geändert, denn in Arnhem Land ist - ebenso wie in Kalumburu - dry zone, da sollte man keinen Alkohol spazierenfahren. Es gibt zwar eine Bona Fide Regelung, aber an die muss sich ja niemand halten, wenn er nicht will.

Dienstag, 27. September 2016

Noch ein Wort zu The Kimberley. Für mich ist diese Region weiblich - allerdings kann ich nicht sagen, wieso -, ich sage und schreibe oft "die Kimberley", wie die Kurpfalz oder die Ortenau. Wobei bei diesen Beispielen das Geschlecht aus dem zweiten der zusammengesetzten Wörter stammt, das ist halt so. Nun also The Kimberley.
The Kimberley ist ein Plateau im Nordwesten von Australien. Es liegt zwischen Derby im Westen und Wyndham bzw. Kununurra im Osten. Das Gebiet liegt in den Tropen, entsprechend sind die Wetterbedingungen: Trocken und kühl im Winter, warm und feucht im Sommer. Im Frühling, also August und September, wird es immer schwüler, immer mehr Wolken ziehen auf, aber noch bleibt es - von einzelnen Ausnahmen abgesehen - trocken. Ab spätestens Mitte Oktober regnet es täglich, zuerst sind es nur vereinzelte Schauer, dann wird es mehr und immer mehr. Im Februar, wenn das Ende der Regenzeit gekommen ist, stehen weite Bereiche unter Wasser, die Flüsse sind voll, die Wasserfälle sind am schönsten und beeindruckend in ihrer Gewalt. Das Land birst geradezu vor Fruchtbarkeit, alles grünt und blüht. Einwohner sagen, das sei die schönste Zeit. Nur kommt man halt nicht hin, wegen der Überschwemmungen. Wir könnten schon vorher hier sein und uns einregnen lassen. Das Gebiet ist, überwiegend an den Küsten oder wenigstens in Küstennähe, von Aboriginals bewohnt - schon immer bewohnt gewesen. Als die Weißen kamen, nahmen sie das Land in Besitz und fingen an, Viehwirtschaft zu betreiben. Weil es zu jener Zeit verboten war, Strafgefangene, die üblichen Zwangsarbeiter im Süden des Kontinents, nördlich des 22. Breitengrades, also in den Tropen, einzusetzen, bedienten sich die Farmer der mänlichen Aboriginals als Sklaven. An beiden Enden, in Wyndham und in Derby, gibt es jeweils einen Prisontree, einen alten Boab, in dessen hohlem Stamm die Aboriginals verwahrt wurden, bevor sie zu den Farmen (die hier in Australien Station heißen) kamen bzw. wieder hingebracht wurden, sollte es ihnen vorher gelungen sein zu entkommen. Fraglich, welches Schicksal besser war, Sklavenarbeit im Norden oder Tod im Süden. Immerhin haben so viel mehr Aboriginals im Norden die Schreckensjahre überlebt als im Süden oder im Osten, wo es nur angepasste Abkommen von Ureinwohnern gibt. Heute ist die Situation ohnehin deutlich entspannter. Quer durch dieses harsche und schwer zugängliche Gebiet zieht sich seit den Zeiten der ersten Viehhalter eine Straße. Ursprünglich diente sie dazu, das Schlachtvieh nach Wyndham bzw. Derby zu treiben, es war eine Stock Route, so wie Canning Stock weiter im Südwesten. Und weil die Straße teilweise am Gibb River entlang führt, heißt sie Gibb River Road. Heute ist die Gibb River Road in erster Linie für Touristen und natürlich für die Versorgung der Stations und Roadhouses an der Straße und an deren Seiten. Wobei Kalumburu und andere Communities im Norden oftmals per Schiff versorgt werden. Die Zahl der Stations ist rückläufig, das Geschäft ist hart und die Natur nicht unbedingt auf der Seite der Farmer. Die Verluste in der Regenzeit sind nur schwer auszugleichen. Jetzt, zum Ende des Winters, werden die Kälber geboren, und es sind viele, fast jede Kuh hat ein Kalb bei sich. Aber wenn die Regenzeit zu spät kommt, also erst spät nach dem Entwöhnen, erleben viele der Kälber den Sommer nicht, das jetzt noch verfügbare Gras ist für sie zu trocken. Und wenn die Regenzeit zu früh kommt, kann es sein, dass die Kälber den Strapazen des Rückzugs der Herden in trockenere Gebiete nicht gewachsen sind. Carson Station im Norden wurde ersatzlos aufgegeben, Charnley River Station und Mornington Station haben die Viehwirtschaft aufgegeben und ihr Land dem Australian Wildlife Concervancy überlassen, Tablelands wird ebenfalls vom AWC verwaltet, es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis auch da die Viehwirtschaft aufgegeben wird.
Wir sind die GRR jetzt zwei Mal gefahren, beide Male von Ost nach West (dabei sieht sich Derby als Tor zur Kimberley), beide Male im September, also der trockenen Zeit. 2013 war die GRR im April noch gesperrt, wir mussten the Kimberley auf dem Great Northern Highway umgehen. Inzwischen haben wir fast alles befahren, was zu befahren ist, bis auf den Munja Track, eine kleine „Stichstraße“ von Mt. Elizabeth nach Nordwesten in den  Prince Regent Nature Reserve und an das Walcott Inlet, einen schmalen Streifen Meer, der sich ins Landesinnere zieht. 206 km Dreck und Steine, etwas für 4WD Adventure Freaks. In den meisten Straßenkarten wird dieser Track nicht mal angezeigt – und das will in Australien etwas heißen. Im Prince Regent Nature Reserve gibt es ein Bush Camp, Bachstein camp, dort muss man sich von Mt. Elizabeth aus anmelden, bevor man losfährt und auch gleich die Gebühr von 100 AUD pro Fahrzeug bezahlen. Was die Übernachtung im Bachstein Camp kostet, weiß ich nicht. Früher gab es noch einen Zugang zum Munja Track von Mt. Hart aus, aber der existiert nicht mehr, also ist der Track "dead end" oder "no through road", man muss wieder zurück, wo man hergekommen ist. Da der Munja Track zumindest zum Teil durch Gelände der Charnley River Station führt, die ja inzwischen Australian Wildlife Sanctuary ist, ist nicht damit zu rechnen, dass sich am Status des Munja Tracks noch etwas ändern wird, er wird vermutlich einfach vergessen. Obwohl, das Internet und Hema Maps vergessen nichts.
Für heute Nachmittag haben wir einen Sundowner Camel Ride gebucht. Deshalb essen wir schon um drei, für uns sehr früh. Von Palm Grove aus können wir zu Fuß zum vereinbarten Treffpunkt am Strand gehen, dorthin, wo die vielen Fahrzeuge auf den Strand fahren, weil die Fahrer und Beifahrer der Sonne beim Untergang zusehen, aber den Fußweg auf den Strand nicht auf sich nehmen wollen. Die Karawane kommt an, die Reiter werden verabschiedet und es ist an uns, uns ein Kamel zuteilen zu lassen. Durch reinen Zufall bekommen wir es mit Prince Karul zu tun, dem Hengst, auf dem wir schon vor zwei Jahren geritten sind. Ich denke nicht, dass er uns erkennt und wenn doch, dann lässt er es sich nicht anmerken. Wir sind beide ein wenig nervös während der Vorbereitung, haben beide ein wenig Probleme, uns an die Gangart zu gewöhnen und  genießen nach kurzer Zeit das Wiegen so hoch oben. Prince Karul hat einen sehr ruhigen, gleichmäßigen Tritt. Er versucht auch nicht, wie der Hengst hinter uns, sein Vorderdromedar zu überholen. Denn alle australischen Kamele sind eigentlich Dromedare, haben nur einen Höcker. All die Hengste hier in Broome - denn alle Reittiere hier sind Hengste - sind wilde Kamele, aufgewachsen im Norden von Südaustralien oder im Süden der Northern Territories in einer der Wüsten des Red Center. Nach einer kurzen Zeit der Einarbeitung sind sie für die Kunden einsetzbar und machen diesen Job dann viele Jahre lang.
Jede Reiterin und jeder Reiter bekommt am Ende einen Gutschein für die an das Cable Beach Club Resort angegliederte Bar für ein Softdrink, Bier, Wein oder Sekt. Brigitte sucht sich einen Cocktail aus, dafür gilt der Gutschein nicht, also trinke ich zwei kostenlose Biere und bezahle dafür Brigittes Drink.
Sundowner Camel Tour am Cable beach, Broome, WA
Es ist, wie nicht anders zu erwarten, ziemlich dunkel, als wir zurückgehen, aber es gibt ja Straßenlampen. Hinter uns hat ein Britz-Landcruiser mit Hochdach „festgemacht“. Es ist erstaunlich, dass sie einen Platz mit Strom genommen haben, wo doch der Britz keinen Landanschluss hat – für mich übrigens ein weiteres Ausschlusskriterium, denn dann muss man, um genug Strom für den Kühlschrank zu haben, mindestens jeden zweiten Tag fahren. Es sind Dänen, er hat sich zum 70sten eine Fahrt über die GRR gewünscht und sie (71) hat eingewilligt, obwohl sie ein bisschen unter Reisekrankheit leidet, besonders auf den Gravelroads.

Mittwoch, 28. September 2016

Cable Beach ist einer der Strände, die, obwohl sie nicht so lang sind, das Prädikat schön verdient haben. Cable Beach im Westen von Broome ist nur 5 Kilometer lang, beginnend bei Gantheaume Point oder Minhirr in der einheimischen Sprache. Das französische Wort Gantheaume kann natürlich auch niemand aussprechen, es heißt also "gänthiem point", mit TH wie in the. Auf Gantheaume Point steht ein Leuchtturm, mit dessen Errichtung Mitte des vorletzten Jahrhunderts die Zahl der Schiffbrüche hier signifikant zurückging. Der erste Bus des Stadtbusverkehrs aus beiden Richtungen fährt hin zu dem Kap, damit man dann die 5 km am Wasser entlang laufen kann. Nur der erste Bus, wer später hin will, muss sein eigenes Auto oder eine der vielen Taxen benutzen. Der erste Bus, das klingt früh, aber er fährt um 07:52 Uhr vor dem Palm Grove ab, also ist es immer ein entspannter Morgen. Denn wir fahren raus und nehmen den Strand unter die Füße. Das erste Stück geht entweder die Straße entlang oder ist eine Klettertour über die Felsen, die hier das Ufer bilden. Genau dieses Stück muss man zwei Mal hinter sich bringen, denn der Bus hält am Beginn des Strandes und nicht am Zugang zum Leuchtturm und dem eigentlichen Kap mit seinen großartigen Felsen. Heute sind keine Manta-Rochen zu sehen, schade. Am Ende sind wir nach insgesamt zweieinhalb Stunden beide ziemlich geschafft, denn natürlich hatten wir kein Wasser dabei und schon gar nicht "plenty of water".
Straßenschild vor der Grundschule
Weil wir heute früh ein Tagesticket für den Bus genommen haben, fahren wir, ohne am Bushi vorbeizugehen, mit dem Bus in den Ort, schlendern durch Chinatown und statten den vielen Perlgeschäften und den Showrooms der großen Pearlfarms Paspaley, Willie Creek, Cygnet Bay, Pearlluggers, Kailee und wie sie alle heißen, einen Besuch ab. Vor zwei Jahren waren die Auslagen informativer, heute werden nur noch die Fertigprodukte vorgezeigt, also Perlen als Anhänger, als Broschen, als Halsketten, als Ohrringe. Und durchweg viel zu groß für Brigittes zierliche Figur.
Noch ein drittes Mal nehmen wir den Bus in Anspruch, nämlich um zu Matso's Broome Brewery zu fahren zum Abendessen. Die Brauerei hat einen gewissen Status hier in Broome, auch wenn sie sich nicht mehr Microbrewery nennen. Das Bier, das hier ausgeschenkt wird, ist allerdings noch hier in Broome gebraut. Dinner gibt es ab 5:30, bis 5 kann man ein "Grasing" zu sich nehmen, das ist auch richtig gut. Zwischen 5 und 5.30 PM ist happy hour, da gibt es nichts zu essen. Am Ende wird es immer knapp mit dem Bus, denn der letzte Bus zurück nach Cable Beach fährt um 6:26 PM vor Matso's ab. In dieser Hektik lasse ich mein iPhone liegen.
Mein Abendessen: Baby Barramundi mit Reis *****
Das merke ich allerdings erst als wir schon wieder in Palm Grove sind. Im Bus waren wir so in eine anregende  Unterhaltung mit anderen Busreisenden, er "made in Holland, but born in Australia", sie Australierin, vertieft, dass ich den Verlust nicht bemerkt habe. Von den Nachbarn auf dem Platz, die glücklicherweise noch nicht Schluss gemacht haben für heute, leihe ich mir ein Mobile aus und rufe bei Matso's an und ja, es ist da und ich kann es abholen.

Donnerstag, 29. September 2016

Und so fahren wir heute wieder mit dem Bus zu Matso's, aber erst eine Stunde später, kurz vor neun. Ich weiß nicht, wann Matso's öffnet. Auf der Karte gibt es "Breakfast", also kann es eigentlich nicht sehr spät sein. Es ist offen und nach kurzer Zeit halte ich meine Kommunikationszentrale wieder in den Händen.
Zu Fuß gehen wir nach Chinatown, um Brot zu kaufen und fahren dann mit einer Unterbrechung am "Broome International Airport" zurück zu Palm Grove. Heute gibt es keine internationalen Flüge, nur vier Flüge nach Perth, einen nach Darwin und einen nach Kununurra. Der letzte Flug ist um 19.00 Uhr, da ist es natürlich schon richtig dunkel. Qantas, Virgin Pacific, Australia North fliegen von hier, internationale Ziele sind vermutlich Bali und eventuell Papua Neu Guinea (PNG) - aber eben nicht heute. Die vielen privaten Flüge, Rundflüge und Touristencharters sind natürlich in der Abflughalle nicht angezeigt. Die Frage bleibt, was Broome Airport zum International Airport macht.
Den Nachmittag verbringen wir weitgehend lesend und schwimmend am Pool, dort ist es angenehm schattig. Denn am Nachmittag traut sich dann doch noch die Sonne heraus. Das war schon vorgestern und gestern so und ist heute nicht anders und so, wie der Himmel jetzt aussieht, wird er sich am späteren Abend wieder hinter Wolken verstecken.
Meistens kommt es anders als man denkt - gegen Abend verschwinden wider Erwarten die zwischenzeitlich wieder dichten Wolken, wir können "Sterne gucken".

Freitag, 30. September 2016

Etwas zu pünktlich, bereits um 06.48 Uhr stehen wir gestiefelt und behütet vor dem Campingplatz und harren des Fahrzeugs, das da kommen soll. Es kommt, wenn auch etwas verspätet. Ich begann schon zu überlegen, ob ich die Zeit falsch verstanden hatte. Der Fahrer und Reisebegleiter heißt Simon, wir sind die letzten, die zusteigen, die Gruppe ist mit 11 Personen angenehm klein. Da sind außer uns Maria aus der Schweiz, sie hat ihren reisebegleiter im Hotel gelassen, er wollte die fahrt nicht mitmachen. Carl und Lucy aus Lake Grace, er betreibt dort das Hotel. Außerdem ein älteres Paar aus Melbourne, ein Paar aus Perth, etwas jünger als wir und ein sehr junges Paar aus Kalgoorlie.
Die Cape Leveque Road ist auf den ersten 100 km eine Gravelroad. Anders als die meisten Straßen im Outback ist sie allerdings nicht nach oben gewölbt, sondern nach unten. Das kommt, nach Simons Aussage, vom häufigen Gradern, drei Mal im Jahr. Wegen des vielen Verkehrs muss das schnell gehen und die schnellste Methode besteht darin, die oberste Schicht einfach auf die Seite zu schieben. Das führt allerdings dazu, dass die Fahrbahn eben nach unten gewölbt ist und immer schmaler wird. Bei Regen, und das soll es hier ja geben, ist die Straße innerhalb kürzester Zeit unpassierbar, weil sich das Wasser in der Mitte sammelt und mit dem roten Bulldust eine schmierige Masse bildet, die Fahrzeugen das Vorwärtskommen erschwert bzw. unmöglich macht. In einfacher Form haben wir das ja 2013 erlebt nach einer verregneten Nacht. Wie das wieder auf die Reihe gebracht werden soll? Das, denke ich, geht wohl nur, wenn die Straße eine Zeitlang voll gesperrt wird, denn inzwischen ist das Straßenniveau schon deutlich unter dem des Woodlands beiderseits.
In Beagle Bay gibt es nach dem Besuch der Kirche den obligatorischen Tee, bevor es auf der nun asphaltierten Straße weitergeht nach Norden. Eine nächste Frage tut sich auf: Wieso ist die Straße im oberen Teil befestigt? Es gibt hier auf der Dampier Peninsula zwei Stämme der Aboriginal, Bardi und Jaarwi. Die Bardi sind die Landleute, die Jaarwi sind die Küstenleute. Bardi leben vom Land und kennen sich mit den Tieren und Pflanzen dort aus, Jaarwi ernähren sich hauptsächlich aus dem Meer. Beide Stämme leben in verschiedenen Communities auf dem Norden der Halbinsel, haben aber seit langer Zeit eine Art Zusammenarbeit. Um hier auf der Halbinsel überleben zu können, muss man sich den Jahreszeiten anpassen und entsprechend auch umziehen. Also sind Bardi und Jaarwi besonders in der Regenzeit auf ein funktionierendes Wegesystem angewiesen. Früher, als sie ausschließlich zu Fuß wanderten, war das kein Problem, heute sieht das anders aus. Deshalb lassen die Stämme die Straßen, die ihnen wichtig sind, befestigen. Nach Broome fahren sie nicht mit dem Auto, sondern fliegen und südlich von Beagle Bay gibt es keine Communities, deshalb hat niemand mit ausreichend Einfluss, Geld  bzw. Macht ein gesteigertes Interesse an einer auch in der Regenzeit befahrbaren Straße.
Der nächste Halt ist eine Hatchery in One Arm Bay am nordwestlichen Ende der Dampier Halbinsel. Direkt daneben sieht man vom Ufer aus die ersten Inseln des Bucaneer Archipelago. Im Wasser tummeln sich Haie und Schildkröten und vermutlich viele andere Wasserlebewesen, die ich aber von hier aus nicht sehen kann. Der Tidenhub ist hier mehr als 10 m hoch, die Strömung dadurch so stark, dass man sie vom Ufer aus sehen kann und sie zwischen den Inseln sichtbare Strudel bildet. Die größten dieser reisenden Strudel heißen "horizontal waterfalls" sie liegen (wesentlich weiter östlich), man kann mit dem Flugzeug darüber fliegen oder mit diesen Spielzeugen für große Jungs, Powerbooten mit jeder Menge Kraft und Lärm, durchfahren. Ich brauche es nicht, mir reicht es davon zu wissen. In der Hatchery werden Barramundi  und Trochus Shell aufgezogen. Aus den Schalen der Trochus, spitz zulaufenden  Schnecken, werden vor Ort kleinere Schmuckgegenstände hergestellt, nett anzusehen und "mal was anders". Nach der Besichtigung von Aufzuchtstationen und Schmuck (und eventuellen Käufen) bekommen wir einen kleinen Lunch: Verschiedene Salate, Brot, Schinken, Salami, insgesamt sogar für Veganer geeignet. Und schon geht es weiter.
Cygnet Bay ist die kleinste der bekannten Pearl Farms in der Broome Region. Ihre Oysters werden ausschließlich hier in Cygnet Bay gezüchtet und "geimpft" und nur hier wachsen - hoffentlich - die Perlen heran. Der Ausschuss beträgt etwa 60%, das ist deutlich mehr als ich gedacht hatte. 60% der Muscheln bekommen keine Perlen oder die Perlen sind "tot", also nicht glänzend! Und auch unter denen, die zum Verkauf geeignet sind, ist nur ein kleiner Teil von höchster Kategorie, also so kugelförmig, glatt und glänzend wie es der Kunde wünscht. Größere Perlen dieser Klasse sind allerdings auch kleinere Vermögen wert. Cygnet Bay verkauft seine Perlen nur hier auf der Farm oder in Broome im Showroom. Ein Internethandel ist angedacht, aber noch nicht realisiert.
Eastern Beach von Kuljaman short after high tide
Nun geht es nach Westen zum Cape Leveque. Auf der Ostseite kann man schwimmen, im Westen wegen der starken Strömung nicht. So werden wir zuerst in den Osten gebracht. In der Sprache der Jaarwi heißt das Kap "Kuljaman", das wird ku:ldschamin ausgesprochen und etwa gleichmäßig betont (so sagte es auch Les in Kalumburu, der mütterlicherseits von hier stammt). Zu unserer Verwunderung ist hier ein wunderschöner Strand, wir hatten ein eher felsiges, wenig einladendes Gelände vor Augen. Wir hatten uns wohl verlaufen. Nach einer Pause mit Wassermelonenscheiben und Orangenvierteln fahren wir zum Westufer, dabei merke ich, dass ich nach dem Schwimmen meine Brille vergessen habe, es ist erschreckend. So bin ich etwas unruhig und beabsichtige, zu Fuß zum anderen Strand zurückzugehen. Ich informiere Simon, aber da er sein Mobile vermisst, hat auch er einen Grund, noch mal an den eastern beach zu fahren. Die anderen warten derzeit in der Visitor Information von Kuljaman auf uns. Jetzt klärt sich unser, Brigitte und mein, "falsches" Bild von Kuljaman: Die Felsen sind wieder da, nun, da die Wasserhöhe um sicherlich zwei Meter gefallen ist. Sie waren vorhin auch da, aber fast alle außerhalb der Reichweite. Das wunderbare Schwimmen von vorhin ist jetzt schon nicht mehr möglich, weil man nur mit Schwierigkeiten barfuß ans Wasser kommt. Simons Mobile hat sich auf der buckeligen Straße hierher im Rucksack nach unten geschafft, war also nicht weg. Ein Anruf von meinem Apparat aus, der aber hier nur an einer Stelle möglich ist, brachte es zutage.
Auf der Rückfahrt steht kurz nachdem wir auf der befestigten Straße sind, an der Seite ein Fahrzeug, offensichtlich mit Problemen. Simon ist sofort dabei zu helfen, wir bleiben erstmal im Auto, doch so nach und nach gehen auch wir zu dem Havaristen. Seit fast zwei Stunden versuchen sie, den kaputten Hinterreifen zu wechseln, Simon war erst der zweite, der gehalten hat. Zuerst war der Wagenheber nicht unter die richtige Stelle zu bekommen, ein mir aus eigener Erfahrung bekanntes Phänomen, das Simon irgendwie schnell gelöst hat, allerdings auch nur einigermaßen. Schon ist das Rad mit dem defekten und ziemlich zerfetzten Reifen abgebaut.
Zum Glück nicht unser Reifen!
Brigitte an der Haltestelle vor Matso's
Jetzt passt das neue Rad nicht an die Achse, sie hängt noch immer zu tief, aber der Jack hebt das Fahrzeug nicht weiter an. Nichts geht, bis jemand von uns die Idee hat, die Erde unter dem Reifen wegzuschaufeln. Und schon ist alles geschafft, alle sind zufrieden und wir können weiterfahren.
Um halb acht setzt Simon uns als letzte der Gruppe vor Palm Grove ab.
Samstag, 1. Oktober 2016

In Broome ist heute Markttag, deshalb fahren wir wieder mit dem Bus in den Ort. Ach ja, Broome hat im Sommer etwa 14.000 Einwohner, in den Wintermonaten sind es 35.000. Das sind nicht nur Touristen, sondern auch Leute, die die Arbeit machen, die in den trockenen Monaten zusätzlich anfällt, eben auch durch die Touristen.
Es ist wunderbar, wie schnell wir hier mit anderen Leute ins Gespräch kommen. Sicherlich, meist handelt es sich um "small talk", aber auch das ist Teil des sozialen Lebens und es ist gut so. Und so ziehen wir auf dem Markt von Stand zu Stand, sehn uns Kunst an, Schmuck, Kleidungsstücke und Pflanzen, reden mit der einen oder dem anderen, können auch von uns erzählen, unsere Erfahrungen einbringen. An einem Stand sehe ich Lucy, sie kauft gerade einen Hut, weil sie ihren wegen des bewölkten Himmels heute morgen nicht mitgenommen hat. Auch Carl ist nicht weit. Er hat ein Problem mit seinem Mobile, es zeigt beim Einschalten eine itunes-Icone und einen Stecker, wie er seit kurzem von Apple verwendet wird - und das war's. Kein Anruf ist möglich, überhaupt keine Nutzung. Ich kann ihm zwar nicht helfen, aber immerhin rausfinden, wo der nächste Telstra Shop ist (im Broome Boulevard). Auch das Paar aus Melbourne läuft uns über den Weg. Doch irgendwann haben wir alles gesehen, alles besprochen und ziehen deshalb weiter nach Chinatown. Bei Paspaley stelle ich eine konkrete Frage nach einem Teil eines ausgestellten Schmuckstücks, einem kleinen Netz, mit dem Ergebnis, dass wir eine ganze Weile im Showroom sitzen und uns unterhalten und unser Interesse gestillt wird. Man kann es so sehen, dass es verlorene Zeit war für die Verkäuferin, aber andererseits war außer uns ohnehin keine Kundschaft da und wer weiß, vielleicht kommen wir ja doch wieder, eines Tages. Paspaley ist der größte der Perlfarmer, das Unternehmen beherrscht den australischen Markt mit hochklassigen Perlen zu 80% und den Weltmarkt bei den Perlen der Klasse A zu 40%. Perlen, die nicht der Kategorie A angehören, die auch bei Paspaley vorkommen, werden unter anderem Namen verkauft.
Jetzt ist gerade Hochwasser, außerdem ist heute Springtide, da sieht die Roebuckplain (Roebuck war das Schiff, mit dem William Dampier seine zweite Reise um die Welt gemacht hat, bei der er Shark bay entdeckt und die Nordwest- und Nordküste kartographiert hat. Seine erste Reise nach Australien und rund um die Welt ließ ihn die Dampierhalbinsel entdecken und das Buccaneer Archipel - denn das war er, ein Freibeuter. Das Forschen war nur ein Nebenergebnis und wurde von seinen Auftraggebern überhaupt nicht gewürdigt.) richtig gut aus. Naja, die Tidenunterschiede sind wirklich gewaltig, bei Niedrigwasser ist das Wasser etwa 1.500 Meter vom eigentlichen Ufer, wo es jetzt ist, entfernt. 1,5 Kilometer, eine sehr lange Strecke, die Millionen von Seevögeln ein Auskommen bietet. Die Ibisse sitzen in den Mangroven und warten, dass das Wasser wieder verschwindet, damit sie wieder mit ihrem langen Schnabel im Sand und Schlick (hauptsächlich Schlick) stochern können.
Abends gönnen wir uns erneut ein Abendessen bei Matso's Brewery. Diesmal nehme ich das indische Curry, Brigitte nimmt Oliven, Ciabatta, Salat und Pommes. Das klingt jetzt eher wenig, ist aber völlig ausreichend und wir sind beide richtig satt, als wir nachher in den Bus klettern und uns zum Palm Grove zurück bringen lassen. Der Bus fährt uns heute bis vor den Eingang, obwohl wir nicht die letzten Fahrgäste sind.

Sonntag, 2. Oktober 2016
zwei agile Wallabies zu Besuch beim Frühstück

Der Bushi springt trotz der einen Woche, die er jetzt gestanden hat, problemlos an. Wir müssen unsere Vorräte auffüllen, das ist etwas ungeschickt mit dem Bus, besonders im Hinblick auf die 20 Liter Wasser, die wir brauchen. In der Kathedrale - das ist schon ziemlich hochgegriffen für dieses Kirchlein - treffen wir Carl und Lucy und später kommt auch das Paar aus Melbourne (Lynne und Brad) zum Gottesdienst. Der Bischof ist heute nicht im Einsatz, zumindest nicht an seinem Dienstsitz, statt seiner wird die Messe von einem Chilenen gehalten. Auch gut, nicht ganz so gut wie Bischof Saunders. Es mag aber daran liegen, dass ich nicht alles verstanden habe.
Nachher frage ich nach Jastice, sie ist im Ruhestand und fortgezogen. Aber die Grüße werden ihr übermittelt. Brigitte unterhält sich unterdessen mit dem Priester, als ich dazukomme, erzählt er mir die gestrigen Bundesligaergebnisse. Erstaunlich. Aber er interessiert sich für Fußball und für die Bundesliga, warum also nicht. Dass Arturo Vidal jetzt in München spielt und damit wieder in Deutschland findet er besonders gut. Anschließend gibt es noch einen längeren Plausch mit den Teilnehmern am Freitagsausflug, wir sind die letzten, die den Platz vor der Kathedrale räumen.  Simon war gestern auch auf dem Markt, schade, dass wir ihn nicht getroffen haben. Inzwischen haben sich entgegen aller Vorhersagen die Wolken verzogen, die Sonne kommt raus. Und gleich wird es wieder warm. Gestern hatte es ja auch 23 Grad, aber das kam uns schon ziemlich kühl vor, vor allem in Verbindung mit dem frischen Wind.
Cable Beach etwa 2,5 Stunden nach Hochwasser
Nach dem Besuch bei Coles machen wir noch einen kleinen Spaziergang zuStreeter's Jetty, denn zum ersten Mal sehen wir sie bei Hochwasser, sogar bei Springtide. Bisher konnten wir immer die Krebse auf dem Schlick herumlaufen und ihre Revierkämpfe ausfechten sehen, jetzt stehen die Mangroven tief im Wasser, das fast bis zur Unterkante der Jetty reicht. Liquorland und BWS haben geschlossen, ob das am Sonntag liegt? Zum Glück können wir uns bei Divers Tavern im "Thirsty Camel" eindecken mit Bier und Wein.
Sonne und fast Windstille locken uns an den Strand, wir gehen hinüber zu Cable Beach und vergnügen uns im angenehm temperierten Wasser.


15 Minuten nach Sonnenuntergang

1 Kommentar:

  1. Werner: Broome ist es immer wert, ein paar Tage zu bleiben. Ich mag es auch sehr. Das erste mal war 1993 und da war es noch ungefähr 3000 Seelen gross. Cape Leveque ist wirklich toll. Na jedenfalls euch weiter gute Fahrt. Macht immer wieder Spass, euch (virtuell) zu folgen.

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