| Abendhimmel bei Palm Grove, Broome |
Montag, 3. Oktober 2016
Helmut Kohl Gedenktag, Tag der Deutschen
Einheit - oder einfach ein Montagmorgen?
Um viertel acht (Viertel nach sieben für
Nichtbadener) sind wir "on the road again". Kurz nach dem Turnoff der
Cape Leveque Road überholen uns heftig winkend Lucy und Carl. Sie sind auf dem
Weg nach Karatha, Freunde besuchen. Unseren Bushi haben sie gestern gesehen,
nach der Kirche, als wir abgefahren sind. Und so wie er derzeit aussieht, ist
er nicht zu verwechseln.
Simon sagte am Freitag zu ir: "I'm
seeking gravel roads, paved roads are boring." Da ist was dran, auch ich
versuche, so oft es geht auf dirt zu fahren, weil es interessanter ist. Aber
langweilig ist das Fahren auf Bitumen nicht, auf fester Straße kann der Fahrer
viel besser die Gedanken schweifen lassen und auch die Umgebung besser
wahrnehmen, eben weil die Straße nicht so viel Aufmerksamkeit erfordert,
zumindest hier im Norden Australiens. Heute ist ziemlich viel Verkehr, aber das
ist noch immer wenig, wenn ich an Frankreichs oder gar Deutschlands Straßen
denke. Aus Broome raus haben wir strammen Gegenwind, dann kommt er von der Seite und endlich, nach
über 100 km, schiebt uns der Wind nach Westen und gleichzeitig gewaltig nach
Süden. Am Spritverbruch ist allerdings weder vom Schiebewind noch von der
befestigten Straße etwas zu bemerken, beängstigend schnell sinkt die Nadel im
Anzeigegerät. Dabei streift mein Blick nur etwa alle 10 Kilometer über die
Anzeigen. Grasige Savanne mit einzelnen Bäumen wechselt mit Buschland und dann
wieder Woodland. Plötzlich auf viele Kilometer eine platte Ebene ohne Baum und
Strauch. Nicht mal Spinifex wächst hier, nur die vertrockneten grauen Büschel
von Mitchellgras bedecken den kargen Boden. Wahrscheinlich ist er so karg und
so tief, dass außer Mitchellgras nichts anderes genügend Nahrung findet. Nicht
mal Termitenhügel oder ab und zu ein Stück Vieh unterbrechen die Einöde. Doch
schlagartig sind wir wieder mitten im dichten Buschland. Nein, langweilig ist
es gewiss nicht.
| Verkehrszeichensammlung bei Sandfire |
Beim Halt im Sandfire Roadhouse (von hier
stammt der Spruch von den "tiptoeing Aboriginal women"), einem Pee
Stop, das heißt, wir fahren relativ schnell weiter, bekundet Brigitte, dass sie
wieder im Eighty Mile Beach CP übernachten will. Meine Wahl ist es nicht, denn
es gibt (bis auf 2*2 Stunden am Strand, jeweils eine Stunde vor und nach
Hochwasser, aber mindestens einmal davon ist in der Nacht) keine Möglichkeit
zum Schwimmen, die Stellplätze sind ziemlich uneben und schief, für die
Schildkröten ist es noch zu früh im Jahr und das Personal ist ausnehmend
unfreundlich (was vielleicht an mir liegt), aber egal. Ob der Strand wirklich
80 Meilen, also fast 120 km, lang ist? Dazu müsste ich ihn abfahren, um es
bestätigen oder widerlegen zu können. Das wäre allerdings eine langwierige
Angelegenheit. Und ob das wirklich geht, ob da nicht doch die eine oder andere
Felsbarriere eine Weiterfahrt verhindern würde? Zumindest ist er großartig,
besonders bei Hochwasser, dann kann man sogar schwimmen. Ansonsten wird er mit
sinkender Wasserhöhe immer breiter - und in Wassernähe immer schlickiger. An
einer Stelle liegt ein Auto im Schlamm vergraben, das Dach schaut noch raus -
es war nicht mehr zu retten, als der Fahrer bei auflaufendem Wasser stecken
geblieben ist. Mein Chronikfoto mit Brigitte im Gegenlicht ist hier entstanden.
Gleich nach der Ankunft gehen wir zum
Strand und wandern daran entlang. Das ist richtig gut - nur nicht für mein
Sprunggelenk, das mag den Sand auf Dauer nicht so sehr. Ich bemühe mich sehr,
ein paar der vielen Seevögel auf die Platte zu bannen, habe aber nur mäßigen
Erfolg. Auch bei diesen Vögeln übersteigt die Fluchtdistanz die Reichweite
meines Teleobjektivs. Nur einmal braust ein Fahrzeug an uns vorbei, ein Zeichen
dafür, wie wenige Leute jetzt noch hier Station machen. Seit heute sind die
Ferien in WA vorbei. Die beiden Crested Doves an unserem Stellplatz
(19°45'14"S 120°40'27"O) lassen sich allerdings bereitwillig
fotografieren, zumindest, nachdem sie aus der Sonne getippelt sind. Dann sind
ihre schillernden Seiten allerdings nicht mehr zu sehen.
| Am Eighty Mile Beach |
Dienstag, 4. Oktober 2016
Heute zähle ich zu Beginn des Tages den
Verkehr. Auf den ersten 100 km kommen uns 13 Fahrzeuge entgegen, einmal werden
wir überholt. Auf den zweiten 100 km ist es genau das dreifache, wir werden 3
Mal überholt und 39 Fahrzeuge kommen uns entgegen. Dann habe ich das Zählen
eingestellt, wir waren im Großraum Port Hedland. Aber viel mehr war da auch
nicht. Schwierig wurde es nach der Trennung des Great Northern Hwy und des
North West Coastal Hwy, denn all die 4-teiligen Roadtrains, die leer
zurückfahren zu ihren Minen, müssen an uns vorbei. Jedesmal, wenn ich einen im
Rückspiegel auftauchen sehe, suche ich nach einer Stelle, wo ich die Fahrbahn
nachlinks verlassen kann ohne ganz runter bremsen zu müssen. Das sollte
andererseits auch nicht so spät passieren, dass der Roadtrain schon abgebremst
hat, denn dann dauert es, bis er wieder auf seinen 100 kmh ist. Abbremsen und
Beschleunigen ist mit dem Viererzug keine leichte Aufgabe. Meist klappt es ganz
gut. Ach ja, ich fahre auf Bitumen zwischen 75 und 85 kmh, je nach dem, wie gut
ich die Drehzahl im Ohr habe. Deshalb muss ich im Allgemeinen auch nicht überholen,
alle anderen sind schneller.
| Roadtrain mit vier Einheiten - das erlaubte Maximum |
An der Munjina Gorge halten wir an, weil es
da einen Ausblick gibt auf den Highway. Ausgerechnet jetzt kommen in der halben
Stunde, die ich "in Bereitschaft" stehe, nur 2 Roadtrains, beide
jeweils mit drei Einheiten, vorbei. Später wären es wieder mehr gewesen - sie
kommen uns entgegen - aber die meisten südwärts fahrenden Roadtrains biegen
ohnehin kurz vor der Gorge zu einer Mine ab, um beladen zu werden. Dann müssen
sie wieder die rund 250 km zurück nach Port Hedland. Tretmühle im wahrsten Sinn
des Wortes. Vögel sind auch nicht zu sehen.
| River Redgum bei Dales Gorge |
Einmal halte ich, weil am Straßenrand ein
Auto steht. Es ist tatsächlich ein Schaden (Sprünge in der Windschutzscheibe),
aber hier gibt es noch ein Netz und die Betroffenen telefonieren bereits mit
ihrer Versicherung. Da kann ich nicht helfen. Wir treffen sie später wieder
beim Checkin am Dales Gorge Camp Ground im Karijini NP. Dort ist ziemlich viel
los, als wir ankommen, wir sind die vierten in der Schlange.
Heute kommen wir dem Tropic of Capricorn
bereits bedenklich nahe, mit 22°28'6"S 118°32'57"O trennen uns nicht
mal mehr 60 Kilometer von den Subtropen. Kein Wunder, dass für die nächsten
Nächte 13° C angekündigt ist. Allerdings hatten wir das heute Morgen auch.
Mittwoch, 5. Oktober 2016
Es war ziemlich frisch in der Nacht. Doch
etwa eine Stunde nach Sonnenaufgang wurde es wieder angenehm. Pläne für heute
haben wir nicht. Wir lassen das Auto stehen, wo es ist und gehen zu Fortescue
Falls und Fern Pool, um dann die Dales Gorge zu erwandern, mal wieder. Diesmal
verlaufen wir uns nicht, einer von uns findet immer den richtigen Weg. Der Weg
von der Day Use Area zum Fortescue Falls ist inzwischen richtig einfach, eine
Stahltreppe über dem früheren Weg führt direkt hin. Vor drei Jahren war es ein
sehr steiler Stich hinab, Reste sind noch unter der Treppe zu sehen. Vor zwei
Jahren waren Arbeiten im Gange, da war der Auf- und Abstieg ganz geschlossen,
wer an dieses Ende der Dales Gorge wollte, musste die 3 km retour vom anderen
Ende her auf sich nehmen. Das war dann vielleicht eine Pause für die Natur. Die
Flying Foxes Kolonie am Fern Pool ist deutlich kleiner, als sie noch vor zwei
Jahren war.
In Circular Pool nehmen wir ein Bad, das
Wasser ist herausfordernd kühl, "fresh, very fresh". Nach einer Weile
geht es, doch wenn ich noch länger geblieben wäre, hätte ich wieder das große
Zittern bekommen. In der Sonne und auf den waren Steinen ist es aber schnell wieder
gut.
| Mond und Venus - Blick nach Westen |
Am Platz kommen wir bei einem in der
Schweiz zugelassenen IVECO-basierenden 4WD Wohnmobil vorbei. Und da wir
neugierig sind, kommen wir mit den Besitzern ins Gespräch. Nach kurzer Zeit
wechseln wir ins Deutsche. Margrit und Franz sind am 20. August in Perth
angekommen, 2 Tage später kam ihr Auto, jetzt wollen sie etwa ein Jahr oder
etwas länger (eine dreimonatige Verlängerung ist möglich) hierbleiben und dann
nach Neuseeland weiterziehen. Wie es dann weitergeht steht noch in den Sternen,
vielleicht zurück nach AUS oder in die andere Richtung nach USA, das hängt
nicht zuletzt davon ab, welche Passage sie für ihren Truck bekommen. Franz
zeigt uns bereitwillig das Innere und mir besonders die elektrische Anlage und
die technischen Einrichtungen. Und - ganz unaustralisch - wir werden zu einem
Bier eingeladen. Zum Glück kann ich ihnen bei der Bedienung ihrer neuen Kamera
helfen und einen Tip geben, so kann ich mich wenigstens ein bisschen
revanchieren. Uns wäre der Truck übrigens zu groß, er ist noch mächtiger als
der U5000 vor zwei Jahren und natürlich bedarf es eines LKW-Führerscheins, um
ihn zu bewegen. Immerhin, das Gerät wiegt 13,5 Tonnen. Wer kann den Koloss aus
dem Dreck ziehen, wenn er mal nicht aus eigener Kraft aus dem Dreck kommt?
Dafür ist die Technik ziemlich einfach, das ist ein großer Vorteil gegenüber
dem hochmodernen Unimog mit jeder Menge Elektronik.
Später zieht es uns noch mal zum Fern Pool
zu einem Erfrischungsschwimmen. Der Parkplatz der Day Use Area ist ziemlich
voll, entsprechend sieht es unten bei den beiden Badegelegenheiten aus. Beim
Fern Pool ist es etwas besser, das ist dem etwas beschwerlicheren Weg
geschuldet.
Trotz der vielen Lichter auf dem Camp
Ground, denn fast alle Buchten sind belegt, erstrahlt wieder ein toller
Sternenhimmel über uns. Der Mond, der schon vor Sonnenuntergang im Westen zu
sehen war, überdeckt fast den Skorpion, allerdings sind dessen markante
Hauptsterne doch noch zu erkennen. Der Vorteil, dass wir so weit im Süden sind,
liegt darin, dass das Kreuz des Südens viel höher steht als die letzten Tage.
Dafür ist die nördliche Krone schon beim Erscheinen fast unterm Horizont.
Donnerstag, 6. Oktober 2016
Fast ein Déjavu-Tag.
Wir fahren über den Banjima Drive zum
westlichen Ausgang aus dem Karijini, nicht zuletzt deshalb um zu sehen, wie er
Straßenzustand ist. Nun, wir hatten auf dieser Tour schon deutlich schlechtere
Straßen. Und dann steigen wir den unteren Teil von Mt. Bruce hoch und fahren
nach Tom Price. Das Auto wird betankt, zum ersten Mal liegen wir unter 11
l/100km, damit hatte ich nicht gerechnet. Im SUB bleiben etwa 2,3 Liter
ungenutzt! Er war ganz leergefahren, dennoch konnte ich nur 87,7 Liter
nachfüllen.
| Blüten und Früchte gleichzeitig |
In der Visitor Information holen wir uns
den Permit für die Rio Tinto Rail Access Road. Den Zugang hatte ich näher an
Tom Price in Erinnerung, aber er liegt 23 km nördlich. Und dann beginnt das
Spiel mit den Bahnen. Einem Zug nähern wir uns von hinten, als wir ihn überholt
haben und ich auf der Suche nach einem geeigneten Platz bin, ihn zu filmen,
kommt einer entgegen. Auch recht. Nur ist "unser" Zug jetzt wieder
vor uns. Ein zweiter Anlauf. Als wir beim 120. Wagen vorbeigefahren sind und
ich mir die Nummer eingeprägt habe, werde ich abgebremst: Wir müssen die Geleise
überqueren und dazu die Vorbeifahrt des Zuges abwarten. Dritter Versuch. Als
wir gerade wieder bei Wagen 120 (von hinten) sind, beginnt eine kurvenreiche
Strecke, der Zug fährt wieder an uns vorbei. Dann haben wir es geschafft, er
hat 240 Wagen, jeder mit 80 Tonnen Eisenerz beladen, das sind fast 2.000 Tonnen
Eisenerz auf dem Weg nach Dampier. Das Gewicht des Zuges - drei riesige
Diesellokomotiven und 240 Wagen - kommt noch dazu, da kann man sich in etwa
vorstellen, welche Energie in dem Zug steckt, wenn er, wie jetzt, mit 75 kmh
durch die Gegend braust. Wieder müssen wir die Seite wechseln und wieder fährt
der Zug an uns vorbei. Jetzt gebe ich auf und rolle mit den üblichen 65 bis 70
kmh über die Gravelroad, da kommt der Zug wieder näher. Er wird immer
langsamer. Dann sehen wir es, auf dem Gegengleis steht ein anderer Zug. Als die
beiden vordersten Lokomotiven fast auf einer Höhe sind, stehen beide Züge. Die
Fahrer steigen aus, wechseln ein paar Worte und steigen in die anderen Maschine
ein. Dann fahren beide Züge los, "unserer" weiter nach Dampier, der
gegenzug leer zurück nach Tom Price oder sogar nach Marandoo. Apropos Marandoo:
Das Gelände für die dortige Mine wurde den verantwortlichen Leuten für Karijini
1991 abgeschwatzt, seitdem holt Rio Tinto dort Eisenerz aus der Erde. Weil sie
inzwischen durch das Grundwasser behindert werden, wird jetzt das Grundwasser
abgesenkt, das bedeutet, dass Marandoo dem Nationalpark im wahrsten Sinne das
Wasser abgräbt. Und keiner erhebt Einspruch, jedenfalls nicht so laut, dass wir
es in Europa hören würden. Das Wasser wird ja zum Teil in Tom Price ins
Wassersystem eingespeist.
Aber die Züge sind wirklich beeindruckend.
Zum Übernachten gehen wir auf den Miliyanha
Camp Ground des Millstream Chichester National Parks. Margrit und Franz haben
wir kurz zuvor überholt, jetzt stehen sie uns schräg gegenüber.
Im Laufe des Tages sind Wolken aufgezogen,
wunderschöne elliptische Lenticularis, die uns normalerweise Regen ankündigen.
Doch dann hat sich fast alles wieder aufgelöst, die Lenticularis sind
inzwischen von Cumuli abgelöst.
Wieso Déjavu-Tag? Weil wir die Strecke am
3. November 2014 in der gleichen Richtung gefahren sind, ebenfalls in Dales
Gorge CG startend und im Miliyanha CG endend.
Wir sind fast ein Grad weiter nach Norden
gefahren heute, der Puffer zu den Subtropen ist wieder größer geworden.
21°35'12"S 117°4'18"O ist unsere Position für die Nacht. Mal sehen,
ob es sich bei den Nachttemperaturen auswirkt, schon die letzte Nacht war nicht
ganz so kalt wie die Nächte zuvor
Freitag, 7. Oktober 2016
Es war deutlich wärmer. Aber das kann nicht
nur daran liegen, dass wir ein paar Minuten nach Norden gefahren sind. Es ist
ja auch nicht so, dass beim Überfahren des Tropic of Capricorn schlagartig von
tropischen auf subtropische Bedingungen umgeschaltet wird. In den gemäßigten
Zonen der Tropen ist im Sommer die Regenzeit, südlich bzw. nördlich der Tropen
im Winter. Überall sind die Sommer wärmer als die Winter, allerdings schwächt
sich der Einfluss der Jahreszeiten ab, je näher man dem Äquator kommt. Dort
gibt es keine Jahreszeiten mehr, es regnet beinahe täglich und im Sommer ist es
nur wenig wärmer als im Winter. Damit
sich diese klimatischen Auswirkungen bemerkbar machen, muss man schon etwa 500
km vom Tropic entfernt sein. In der Gegend um den Tropic herum ist das Wetter
gemischt, an vielen Stellen fällt wenig oder kein Regen.
| Auf dem Weg nach Pannawonica |
100 km über angenehme Gravelroad bringen
uns nach Pannawonica, wo ich den Reifendruck auf Vordermann bringe - ein
Hinterrad war beim Test heute morgen ziemlich runter. Jetzt sollten alle vier
gleichmäßig aufgepumpt sein. Nach Herumsuchen nach der Zufahrt zum Parkplatz
gehen wir in dem wunderbaren 25-Meter-Becken ein paar Runden schwimmen. 500
Meter lege ich zurück, dann lasse ich mich wieder lufttrocknen.
| Red - The Pilbara Wanderer |
| Sturt Desert Peas am Wegesrand |
Weiter geht es zum North West Coastal Hwy
und auf diesem bis zur Peedamulla Rd. Schon sind wir in Onslow, halten uns eine
Weile in der Visitor Information auf und fahren dann weiter nach Old Onslow.
Auf dem Weg kommen wir an einer ganz neuen und preiswerten Tankstelle vorbei,
1,289 $/l ahtten wir in Western Australia bisher noch nicht. Wir tanken für
50$, hier müssen wir nämlich erst (mit Karte) bezahlen und dann tanken, jetzt
ist auch der SUB wieder gut gefüllt. Am Schild Richtung Cemetary fahre ich
geradeaus, das ist, wie sich herausstellen soll, verkehrt. Denn hier lande ich
mehrfach am Ashburton River, der hier sehr breit ist, und an einer Tafel die
auf die ehemalige Jetty, von der aber nichts zu sehen ist, hinweist. Außer er
Überschrift ist aller Text verwittert und unleserlich. Endlich sind wir am Old
Gaol. Es gibt allerdings kein Museum hier, nur eine Tafel. Und es gibt freies
WiFi in ganz hervorragender Stärke. Dass der alte Ort an der Straße zum
Friedhof lag und nicht an der Straße zur Jetty, hätte ich mir allerdings denken
können, denn die Jetty kam erst später. Außer dem Polizeigebäude und dem
Friedhof ist nichts übrig geblieben beim Umzug von Old Onslow nach Onslow. Der
Umzug war notwendig geworden, weil in Old Onslow keine Jetty mit ausreichend
Wassertiefe gebaut werden konnte. Also wurde der ganze Ort um 15 km nach Osten
verlegt. Haus für Haus, Wagen für Wagen, sogar die Tram wurde mit ihren
Schienen umgezogen. Der neue Ort war wie erhofft besser an den Schiffsverkehr
angeschlossen, so bekam Onslow auf diesem Weg einen Anschluss an den regelmäßig
verkehrenden Dampfer, der den Norden Western Australia's versorgte und auch
Passagiere mitnehmen konnte nach Port Hedland, Wyndham und Darwin. Der Friedhof
blieb am alten Ort, die Toten wurden nicht umgebettet. Die Polizeistation mit
dem Gefängnisblieb hier am alten Ort,
weil Abriss und Wiederaufbau der Steingebäude zu teuer gewesen wäre. Ein Neubau
im neuen Ort war günstiger, da stand dann auch mehr Platz zur Verfügung.
| Schneebällchen im roten Sand |
Zwischen 3 Mile Camp und 5 Mile Pool finden
wir einen schönen Platz am Hochufer des Ashburton River, den wir uns allerdings
mit Hunderttausenden von kleinen Ameisen teilen müssen. Sie beißen nicht, sie
nehmen nichts weg, aber sie krabbeln überall herum - und das kitzelt. Als
Brigitte die Abfalltüte, in die ich vorher die zerknüllten Blechdosen vom
Abendessen vom Boden gesteckt hatte, in den Wagen legen will, um die Kängurus
am Herumsuchen zu hindern (wenn es denn überhaupt welche gibt, Droppings sind
keine zu sehen), sind überall, innen und außen, diese kleinen Krabbelwesen. Wir
lassen die Tüte dann eben doch stehen. Blechdosen und Plastik kommen in eine
neue Tüte, die organischen Abfälle werden vergraben.
Zum Glück sind wir heute fast nur westlich
gefahren, so reicht das Licht der Sonne noch zum Kochen und Essen (21°46‘48“S
114°57‘49“O).
Statt Stargazing, was wegen der Wolken
nicht geht, schauen wir heute in ein Campingfeuer, auch nicht schlecht. Es ist
unser zweites Feuer, meist war wegen der Wildfeuergefahr das Anzünden von Holz
verboten oder wir hatten nichts, um ein Feuer zumachen. Hier liegt ziemlich
viel trockenes Holz im Wald.
| Die Tram von Onslow im Museum |
| Campfeuer am Hochufer des Ashburton River |
Samstag, 8. Oktober 2016
Wir fahren zur Minderoo Station, kreuzen
den Ashburton River, auf einer Brücke, mit der ich nicht gerechnet hatte, aber
angesichts der hohen Ufer geht es wohl nicht anders - und stehen vor einem
Schild: "Road closed for all traffic". Schade. So haben wir statt
einer Abkürzung von 60 km einen Umweg von 40 km hinzunehmen und müssen außerdem
viel mehr über asphaltierte Straße fahren.
Bei Manutarra wird der ganze Verkehr für
fast eine Stunde angehalten. Etwa 40 km weiter ist eine Baustelle, die momentan
unpassierbar ist. Einige Fahrzeuge dürfen passieren, weil sie die Ausfahrt aus
dem Roadhousegelände für den Tanklastzug blockieren - und wegen ihrer zwei oder
drei Anhänger auch nicht richtig rückwärtsfahren wollen oder sollen, die stehen
dann nachher direkt vor der Baustelle. Denn als wir nach der Zwangspause und
gemütlicher Fahrt dort ankommen, stehen sie vor uns, nicht direkt, aber noch
vor der Baustelle. Wenig später - die Zeit hat gereicht, ein paar Fotos zu
machen - geht es weiter.
| Gewaltige Termit Mounds in einer Spinifex-Ebene |
Unser heutiges Ziel ist der
BIG4-Campingplatz in Exmouth, wo wir gegen 14.30 Uhr eintreffen. Wie üblich
sind die "unpowered" Sites nicht die besten, was die Lage und das
Gelände betrifft, aber wir bekommen es hin. Es ist arg windig, das könnte
schwierig werden mit dem Kochen. Schon den ganzen Tag bedecken dünne Wolken den
Himmel, gelegentlich kommt eine milchige Sonne heraus, das Licht ist heute
ziemlich schmerzhaft - aber mit Sonnenbrille ist es zu dunkel.
Damit liegt Pilbara hinter uns. Pilbara ist
ein Kreis, also mit dem Rhein-Neckar-Kreis vergleichbar. Allerdings ist Pilbara
so groß wie die Schweiz, hat aber nur einen Bruchteil von deren Bevölkerung.
Und Pilbara hat Bodenschätze, Eisenerz und Erdgas, deshalb wird das ganze Land
von den beiden Großen des Geschäfts, Rio Tinto und bhp Billiton, umgegraben und
ausgebeutet. Viele maßgebliche Politiker gehen dabei nach der Devise vor:
"Was den Konzernen nützt, ist gut für Australien." und Protest, den es
schon gibt, wird abgetan als Hirngespinste von Leuten, denen das Wohl des
Landes, also Australiens, egal ist. Bei uns hätte man früher
"vaterlandslose Gesellen" gesagt. In diesem Sinne ist auch die
Bezeichnung "The Kimberley, the last frontier" besser zu verstehen,
denn dort ist noch kein Mining. Möglicherweise wurde aber nur nichts gefunden,
weil noch nicht intensiv genug gesucht wurde.
Wir sind auf 21°56'17"S
114°7'52"O und damit fast gleich hoch wie gestern, allerdings deutlich
weiter im Westen. Das heißt, dass die Sonne noch später untergeht heute.
Werner: Ohja, Karijini ist immer noch mein Favourite. Exmouth hatte ich das letzte mal an Weihnachten 50 Grad Celsius. Wahrscheinlich geht es jetzt weiter an der Küste entlang nach Coral Bay? Yardie Creek schön aufpassen. Aber Ihr kennt das ja schon. Ausserdem sind da oft Myriaden von Fliegen. Bleibt Ihr länger in Cola Bay? Schnorcheln mit Mantas? Für Whalesharks ist es ja wohl zu spät.
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