Sonntag, 27. November 2016

Gunbarrel Highway, David Carnegie Road und Holland Track



Samstag, 19. November 2016
Das Kochen mit dem kleinen Kocher klappt. Die Süßkartoffel ist beim Essen noch recht hart, das kann aber daran liegen, dass wir sie schon eine ganze Weile spazieren fahren, so dass sie etwas ausgetrocknet ist. Dafür ist die Habanera noch schärfer als gedacht, insgesamt ist die Schärfe des Essens gerade noch diesseits der Grenze.

Pensioneers Huts in Cue

Um auszuprobieren, ob die Nummer in meinen Kontakten richtig eingetragen ist, telefoniere ich mit Patrick. Es geht ihnen gut, Lina kränkelt ein wenig.
Gegen halb zehn klettere ich hoch ins Zelt, da bin ich zumindest in unserem Bereich des Platzes der Letzte, der noch zu sehen ist.

Sonntag, 20. November 2016

Und folgerichtig bin ich auch nicht der erste, der aus dem Zelt kommt, sogar die Sonne ist schon knapp überm Horizont. Die Mt. Magnet Drilling Leute starten wenig später zu ihrem Tagewerk, die anderen drei haben heute wohl frei, fahren aber noch vor uns dennoch weg. Vielleicht zum Prospecting.
Wir lassen uns Zeit, sehen uns noch Cue an und fahren dann über die Dalgaranda Rd. zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Gegend. Zuerst kommen wir an Big Bell vorbei, das war zwischen 1890 und 1935 eine prosperierende Gemeinde mit vielen Einwohnern, ist dann aber wegen der Schließung der Goldmine völlig verkommen. Heute steht nur noch die Ruine des einstmals einzigen Hotels und die Grundmauern einer der vier Kirchen, ich glaube, es war die katholische. Ein Kreuz hängt noch an der Wand, von zwei Fenstern sind noch die Holzrahmen erhalten, alles andere fehlt.
Das zweite ist ein großer Monolith. Laut Eigenwerbung der Gemeinde Cue ist es der zweitgrößte Monolith Australiens nach dem Uluru, aber das kann nicht sein, denn Mt. Augustus ist a) ein Monolith und b) größer als der Uluru. Also kann Walga Rock höchstens der drittgrößte sein. Von oben - denn diesen darf man besteigen - sieht man, dass in der Gegend noch einige weitere Monolithen verstreut sind, alle ein wenig kleiner. Der Blick von oben ist großartig, das Besteigen des Steines an einigen Stellen gefahrlos möglich. Niywarri zeigen uns den Weg vorbei an einem Wasserloch mit wenig grünem Wasser. Die Bedeutung des Walga Rock für die Aboriginals der Gegend erschließt sich, wenn man die vielen Felszeichnungen in einem der großen Überhänge ansieht. Unter diesen Felszeichnungen ist eine von einem Segelboot - das ist wohl kaum eine alte Malerei der Aboriginal. Wenn es sich überhaupt um eine alte Zeichnung handelt, dann ist für mich vorstellbar, dass sie gemalt wurde von Überlebenden der Zuytdorp, die von Aboriginals gerettet wurden und sich dem Stamm angeschlossen haben (wovon die Literatur ausgeht). Der Rock ist nur etwa 325 km, also zehn Tagesmärsche, von Denham bzw. Shark Bay entfernt.
Dalgaranga Meteorite Crater
Als drittes besuchen wir einen Meteoritenkrater, den Dalgaranga Meteorite Crater. Er ist mit nur 25 m Durchmesser und 5 Metern Tiefe der kleinste anerkannte Meteoritenkrater. Der zugehörige Meteor war ein Eisenbrocken, dessen etwa 100 to mit 40.000 km/h auf die Erde prallten und dort explodierten. Der Einschlag kam von Westen, so wie der Krater ausgebildet ist, sein Ostrand ist höher als der im Westen.
Dann genieße wir den Blik vom Warramboo Lookout auf die Hill Gold Mine und besuchen The Granites, eine wunderbare Felsformation im Norden von Mt. Magnet. Damit die Kultur noch zu ihrem Tribut kommt, besuchen wir des weiteren die Überreste von Lennonville, eine ehemals 3.000 Einwohner zählende Boomtown, die bereits 1925 wieder der Erde gleichgemacht war. Übrig geblieben ist nur der Bahnsteig.
Auf dem Caravan Park finden wir einen Stellplatz, der hinreichend eben ist (28°3'42"S 117°51'3"O) und auch so ausgerichtet ist, dass ich kochen kann. Auf dem Platz werden bei Bedarf Gasflaschen aufgefüllt - schon haben wir unseren Refill. Und so erweist sich das Wochenende als insgesamt doch sehr positiv: Sechs Reifen, ausreichend Gasvorräte und die Tanks sind auch beide gefüllt.
Der neue gebrauchte Reifen
Kaum haben wir uns aufgestellt, gesellt sich unser Nachbar zu uns, er ist alleine unterwegs und braucht offensichtlich Ansprechpartner. Er ist "originally from England, but I hate it, never go back there, it's too bloody cold." Er raucht, aber er hustet als hätte er Schwindsucht im Endstadium. Klingt jedenfalls ganz übel. Und er redet und redet. Er reist immer rund um Australien und sammelt dabei Gemstones, die er zu Schmuckstücken verarbeitet und verkauft. Dann kommt die nächste Rundreise. Nullarbor hält er für die langweiligste Strecke, ist er sie doch schon zehn Mal gefahren.
Jetzt wird es knapp für das Kochen. Es ist schön, wieder zwei Feuerstellen zur Verfügung zu haben. Beim Essen ist es schon fast dunkel. Außerdem ist der Wind wieder aufgefrischt und abgekühlt. Heute Nachmittag sind Wolken durchgezogen, offensichtlich das Abbild einer Kaltfront. Das zeigen auch die Vorhersagen für die nächsten Tage: Morgen wird die kälteste Nacht hier unten im Südwesten, dann geht es wieder bergauf. Ob das aber schnell genug ist?

Montag, 21. November 2016

Auf jeden Fall haben wir beschlossen, heute wieder in Richtung Norden zu fahren, zuerst aber nach Sandstone, das ist genau im Osten. Auf der Straße dorthin herrscht reger Lizzardverkehr, alle wollen von Nord nach Süd. Ein wirklich Großer ist dabei, so groß, dass ich ihn nicht hätte zwischen die Räder nehmen können. Er bleibt stehen, als wir an ihm vorbeifahren, geht dann aber doch gemächlich weiter. Ein Glück, denn von vorne kommt ein Roadtrain - der einzige, den wir am Vormittag zu Gesicht bekommen.
In Sandstone ist es genauso ausgestorben wie ich es in Erinnerung hatte. Die Visitor Information hat seit Anfang November Sommerpause, bei Fragen bitte zum Shire Office gehen. Der Straßenzustandsbericht ist vom 14. Oktober - der ist tatsächlich aktuell, denn es hat seitdem nicht mehr geregnet (davor aber auch nicht). Im Shire Office fragen wir nach der Sandstone Wiluna Rd, sie scheint in Ordnung zu sein, am Anfang ist sie identisch mit der Sandston Meekathara Rd. Nachdem wir im Hotel einen Sixpack und im General Store drei Kartoffeln eingekauft haben, starten wir nach Norden. Etwa zur Mitte weicht das low Bushland einem Spinifexteppich, der sich in der Folge immer wieder mit Mitchellgras und Bushland abwechselt.
Rund drei Stunden später sind wir in Wiluna, dem Ausgangspunkt der Canning Stock Route, aber auch des Gunbarrel Highway. Das ist für uns wichtig, denn Gunbarrel war Len Beadells Firma, und noch immer gilt ja unser Motto "Following Len Beadell".
In Wiluna: Denkmal für eine Aboriginal-Liebesgeschichte - auch das gibt es
Genau das tun wir und starten weiter nach Osten auf dem Gunbarrel Hwy. Hier ist die Bezeichnung Hwy sogar angemessen, denn durch Mining Operations im Osten von Wiluna ist der GH ziemlich breit und in sehr gutem Zustand. Zwei Mal werden wir in der Folge überholt. Nach rund 50 km finden wir eine gute Stelle für die Nacht und "gehen vor Anker". Von der Straße aus sind wir auf 26°39'49"S 120°45'40"O selbst bei genauem Hinsehen nicht auszumachen.
Tisch und Stühle aufstellen, Zeltpersenning abnehmen und zusammenrollen, Zelt aufklappen, Betten richten, Gruben graben, Holz sammeln und richten - also all das, was bei unseren Bushcamps immer anfällt nach der Ankunft - ist heute recht schnell erledigt und so kann ich mich für eine Weile gemütlich in den Schatten des Troopie setzen. Der Wind weht, aber noch ist er nicht unangenehm.
Abendhimmel am Gunbarrel Highway

Dienstag, 22. November 2016

Die Vorsicht wegen des Gesehenwerdens war unnötig: Es kam niemand mehr vorbei, weder gestern Nachmittag, noch in der Nacht und auch nicht heute früh. Überhaupt kommt uns heute nur ein Auto entgegen, am Beginn der Wellington Range. Beim Überfahren der Princess Ranges einige Kilometer später halten wir an, um den wunderbaren Blick auf die Straße hinter uns und das Umland zu genießen. Bei der Gelegenheit fällt mir erstmals auf, dass die Carnegie Prenti Rd als "Private Road" ausgewiesen ist. Hm…
Gunbarrel Highway im Westen
Bei Carnegie Station halten wir an und holen uns die notwendige Auskunft: Es liegt nicht an Carnegie, vor einem Jahr etwa hat Prenti Downs seinen Zugang gesperrt und lässt niemanden durch. Auch ein Anruf dort und ein Gespräch mit einer der Stimme nach jungen Frau ändert nichts. Prenti hat Rinder, Pferde und Kamele, die werden durch die durchfahrenden Autos gestört. Deshalb gestatten sie keinen Verkehr mehr über ihr Gelände, nicht mal der Mining Verkehr ist noch möglich. Nun, da kann man nichts machen, fahren wir eben weiter auf dem Gunbarrel Hwy, der offiziell ohnehin erst hier anfängt.
Die Qualität nimmt immer weiter ab, zusammen mit der Breite der Fahrbahn. Als wir nach 150 km nach Süden abbiegen auf die David Carnegie Rd (in unserer Karte heißt sie auch Eagle Hwy), ist der Gunbarrel etwa so wie Anne Beadell an den breiteren Stellen. Übrigens ist der Gunbarrel Hwy nur bis Giles befahrbar, für den darauf folgenden Abschnitt, die Mulga Park Giles Road gibt es keine Permits. Aber das wahre 4WD Feeling erwartet uns erst noch. Die David Carnegie Road ist nicht mehr als ein Track, teilweise noch schlechter als Gary Hwy. Es scheint so, dass die in Nord/Süd Richtung verlaufenden Tracks einfach schlechter sind.
David Carnegie Road an einer der guten Stellen
DCR ist ausgewaschen, hat Löcher, ist teilweise sandig, hat an den glatten Stellen Corrugation und ist nirgendwo breiter als unser Troopie. Natürlich wachsen oft beidseitig Mulgas und streifen das Auto. Überall ist Spinifex, sogar in der Mitte des Tracks. An manchen Stellen gibt es eine Detour, eine Umfahrung der ganz kaputten Stellen, selbst die Detour ist nur ein schmaler kurviger Track. Mehr als ein Schnitt von etwa 35 km/h ist nicht drin. Einmal sage ich über das Klappern und Rappeln hinweg: "Zum Glück muss ich wenigstens nicht auf matschige Stellen achten." Da taucht wie aus dem Nichts neben uns ein großes Wasserloch auf. Wenig später sind die Spurrillen vor uns mit Wasser gefüllt, über Mittel-  und Randstreifen komme ich mit trockenen Reifen auf die andere Seite. Kurz danach tut sich vor uns ein See auf, eine riesige Pfütze bedeckt den Track, water over road. Bei dem roten Untergrund will ich gar nicht wissen, wie tief das Wasser und wie weich der Boden ist. Zum Glück können wir außen herum fahren. Bei den Spinifex überall wäre ein Reifenwechsel eine Tortur. Plötzlich eine seltsame Erscheinung vor uns auf dem Track. Ist es ein Fußgänger? Passt nicht so recht. Ein Fahrradfahrer oder stehender Biker? Nein, es ist ein Kamel, das gemütlich den Track entlang schlendert. Als es mitbekommt, dass wir hinter ihm sind, schaut es zuerst erstaunt, dann macht es sich in zügigem Trab nach rechts aus dem Staub.
Irgendwann finden wir dann doch eine Stelle neben dem Weg, an der wir das Auto abstellen und unseren Tisch aufbauen können (26°21'35"S 124°14'11"O, so weit im Osten werden wir auf absehbare Zeit nicht mehr übernachten). 535 km Dirt liegen heute hinter uns, insgesamt haben wir dafür 10 Stunden gebraucht (abzüglich 30 Minuten in Carnegie Station).
Looking down to the Campsite
Obwohl hier viel trockenes Holz herumliegt und sich geradezu für ein Lagerfeuer anbietet, verzichten wir angesichts der Nähe des trockenen Spinifex, der Enge unseres Stellplatzes und des doch wieder recht starken Windes auf das Feuer. Dafür haben wir einen wunderbaren Sternenhimmel, wie eigentlich immer. Als ich ins Bett gehe, ist im Norden ein Gewitter, die Wolken kommen schon fast bis zu uns.

Mittwoch, 23. November 2016

In der Nacht beginnt es zu regnen, gerade so viel, dass ich aufstehe, Stiefel und Stühle ins Auto lege und das Zelt zumache. Dann hört es auch schon wieder auf. Nur der Wind ist nach wie vor stark und das Wetterleuchten ist von Nord bis Ost deutlich zu sehen.
Kurz nach sechs sind wir unterwegs. Ein Känguru, ein Kamel, ein Bustard und ein Lizzard werden von uns aufgescheucht - normal kommt hier wohl niemand vorbei. Empress Spring ist tatsächlich ein permanentes Wasserloch (momentan allerdings auch wasserlos). Die Erkenntnis von dessen Existenz hatte Carnegie mit ziemlich rabiaten Methoden einem Aboriginal entlockt: Er gab ihm nur stark gesalzenes Fleisch zu essen und nichts zu trinken, bis der Gepeinigte es nicht mehr aushielt. Heute ist da ein Loch im Boden, eine Kettenleiter führt hinunter in die Höhle. Das ist spannend, denn was mich unten erwartet, weiß ich nicht. Die Höhle hat etwa 25 m Durchmesser und ist 5 Meter hoch. Die Lampe des iPhones ist nicht hell genug, um von der Mitte aus Genaueres sehen zu können. Wie gesagt, momentan gibt es kein Wasser.
An Empress Spring - Visitors Book

Leiter an den Grund der "Quelle"

Weiter geht die wilde Jagd, bis wir endlich auf der Great Central Road ankommen. 7 Stunden reine Fahrzeit für 232 km - und dann sagt Brigitte, ich sei schnell gefahren (und meint "zu schnell").
Auf der breiten Straße kommen uns dann sogar Autos entgegen, drei 4WDs und zwei Roadtrains. Auch hier sind wieder Lizzards unterwegs, einen scheuchen wir geradezu von der Fahrbahn.
Und dann ist Laverton erreicht. Vor 4 Wochen sind wir hier zur großen Outbacktour gestartet, da ist es nur richtig, sie auch hier sozusagen zu beenden. 8.469 km, davon 6.041 auf unbefestigten Straßen, in vier Wochen, eine gute Leistung. Es hat Spaß gemacht und wir haben viel gesehen, viel erlebt und viel gelernt. Ein Besuch in der "Hall of Fame" im Great Beyond, dem Visitor Centre von Laverton, beendet sozusagen die Tour. Obwohl, eine Woche bleibt uns ja noch, um nach Perth zu kommen. Gleich nach dem Verlasen der Ausstellung bekommen wir die acht namentlich erwähnten Explorer nicht mehr zusammen. Hann, Carnegie, Eyre, Forest, Giles, Windich, ? und ?. Das Gedächtnis, zumal das Kurzzeitgedächtnis, lässt sehr zu wünschen übrig. Über die Homepage ist nichts herauszubekommen.
Unser Stellplatz ist auf 28°37'30"S 122°24'20"O.
Auf dem Platz sind zwei Schweizer mit einem Apollo Landcruiser, auch sie kochen in der Camp Kitchen, so kommen wir ins Gespräch. Sie fragt mich, ob wir vom Uluru kommen oder dort hin wollen und ich antworte "weder - noch". Das reicht als Aufhänger. Sie sind noch bis Anfang Januar unterwegs und starten morgen früh nach Karijini. Außerdem ist da - neben den vielen Arbeitern - eine Familie aus Perth, die durch WA tourt. Die Tochter wird in zwei Wochen drei.

Donnerstag, 24. November 2016

So richtig warm ist es noch nicht heute Morgen, aber doch so, dass wir uns viel Zeit lassen können mit dem Frühstück. Um 7 sind wir unterwegs. Auf dem Weg nach Leonora leitet Brigitte mich auf die Old Laverton Road auf die Suche nach dem Pioneer Cemetary in Mt. Morgans. Den Ort, bzw. das descriptive panel, finden wir, aber der Friedhof entzieht sich uns, trotz intensiver Suche. Das Ende der Geschichte ist, dass es nach meinem Gefühl knapp wird mit dem Sprit. In Leonora passen 85,91 l in den Main, der SUB ist ja schon seit gestern leer und fasst 89,02 l! Leonora hat ein Coles Express, der gleichzeitig als General Store dient, entsprechend langsam ist die Abwicklung. Ich tanke beide Tanks getrennt, dann gibt es keine Probleme mit den Vouchers. Das war möglicherweise das letzte Mal, dass wir getankt haben, auf jeden Fall das letzte Mal, dass wir beide Tanks gefüllt haben. In den letzten vier Tagen sind wir rund 1.500 km gefahren und haben dabei 11,5 l/100 km gebraucht.
In Leonora besuchen wir außerdem die Visitor Information, weil Brigitte sich eine Kette kaufen will. Anschließend fahren wir nach Gwalia. Dort waren wir 2013 in strömendem Regen und haben 2014 auf einen Besuch verzichtet, weil es geregnet hat. Jetzt ist strahlender Sonnenschein und da sieht alles besser aus, wenn auch nicht weniger beeindruckend. Das Museum und Hoovers Haus sehen wir uns erstmals an. Letztendlich dauert das alles viel länger als ich gedacht hatte und so fahren wir nur bis algoorlie und bleiben dort auf dem Discovery Tourist Park. Diesmal stehen wir an der Längsseite der Tentarea direkt neben der Camp Kitchen und haben einen powered Platz zum Preis eines unpowered. Das gleicht sich mit der letzten Nacht im Oktober aus.
Weil wir relativ spät dran sind, verschiebe ich das Tippen auf später und mache mich schon bald an das Kochen.
Später rufe ich bei Bobi an und melde uns für den 29. an. Auch Terry erreiche ich im zweiten Anlauf "Guess where we're sittin'." Auf Camp Kitchen in Kalgoorlie kommt er nicht, dabei liegt es doch nahe, bei der Frage und unserer Vorgeschichte. Er wird versuchen, uns zusammen mit Christine am 30. November in Banksia zu besuchen. Jetzt muss das nur noch klappen mit dem Caravan Park. Im Grunde haben wir jetzt sogar eine Übernachtung "übrig", wir können uns zwischen Lake Grace und Freemantle also Zeit lassen.

Freitag, 25. November 2016

In der Leonora Visitor Information
Am Ortsende von Coolgardie, einem wie es scheint ziemlich verschlafenen Kaff, biegen wir vom Great Eastern Hwy nach Süden ab. Am Victoria Rock unterbrechen wir die Fahrt und wandern auf den Fels. Ein herrlicher Rundblick auf dichten Gumwald eröffnet sich. Zwei weitere dieser riesigen "Outcrops" sind in der Nähe auszumachen. Der Holland Track ist mit HAT gekennzeichnet, wer das nicht sieht oder nicht versteht, darf den Track nicht fahren. Mal sehen, wie weit er uns führen wird. Unno sagte, er sei gesperrt, auf der Karte an Victoria Rock ist das Ende als "disused" gekennzeichnet, hier steht nichts derartiges angeschrieben.
Auf dem Holland Track I: Kilometerweise geradeaus
Auch der Holland Track ist Abenteuer. Unterschiede zur David Carnegie Road sind schwierig festzustellen: An HAT gibt es keine Spinifex und der Sand ist überwiegend weiß oder gelb. An DCR gibt es keine Eukalypten und Tea Trees, dafür sind die Mulga erheblich größer und folglich härter. HT hat viel weniger Stellen zum Entspannen, also in der Konzentration nachzulassen und ist wohl auch deshalb langsamer zu befahren. Die Spurrinnen sind tief, gerade noch Landcruiser geeignet (kein Wunder: Der Toyota Landcruiser Club WA hat die Patenschaft für den Holland Track), an manchen Stellen sind die Wände rechts und links über einen Meter hoch. Das sieht furchterregend aus, es gibt aber fast immer Umfahrungen.
Auf dem Holland Track II: Immer wieder Spurrillen passend für Landcruiser
Zum Thursday Rock müssen wir uns 2 km vom Track seitlich bewegen. Diesmal stellen wir an der Stelle, an der wir aus dem Bush auf den Fels kommen, zwei Steinmännchen auf, damit nichts schiefgehen kann mit der Rückkehr. Der Thursday Rock ist deutlich kleiner als Victoria Rock, und er hat auch keine sichtbaren Nachbarn. Nichts außer Wald ist zu sehen. Die "Striped Dragons", mittelkleine Lizzards mit dem Verhalten von Tata-Lizzards, bleiben manchmal sogar sitzen, wenn wir uns nähern.
Der dritte mit einem Namen versehe Rock, der Newbey Rock, ist unter uns, der Track führt über den Fels, an einer Stelle ist ein Pfosten aufgestellt mit Namensschild. Der Pfosten steht in einem großen Steinhaufen, damit er nicht umfällt. Später führt der Holland Track noch zwei Mal über Felsplatten, aber da ist kein Name angegeben.
An der Kreuzung mit dem Track von Marvel Loch steht eine Plakette zu Ehren der vier Erbauer des Tracks, Holland, Krakouer, Krakouer und Carmody. Sie haben zwischen dem 14. 4. und dem 18. 6. 1893 den Track aus dem Boden gestampft, als Weg für die Explorer und Prospektoren, die wegen des Goldrausches zu erwarten waren. Haben sie was dafür bekommen? Oder war das reine Menschenfreundlichkeit? In einem Koffer liegt ein Besucherbuch, wir sind die ersten seit dem 18. November, die sich eintragen.
Im Jilbadji Nature Reserve  stehen wir plötzlich vor einem Zaun. "State Barriere Fence" sagt ein Schild, Betreten bei Strafe in Höhe von $2.000 verboten. Nun gut, das erklärt vielleicht, warum am anderen Ende des Tracks nichts geht. Der Track biegt nach links ab und führt genau nach Süden, am Zaun entlang. Dann hört der Zaun auf, einfach so, mit dem gleichen Schild wie wir es weiter nördlich gesehen haben, der Track biegt ab nach WNW und trifft so wenig später wieder auf den eigentlichen Holland Track. Das macht den Zaun und das Schild noch widersinniger. Ein Soda-Zaun?
Wenig später parken wir den Troopie knapp neben dem Track auf 32°3'54"S 119°52'44"O, ich rechne nicht damit, dass heute noch jemand vorbeikommen wird. Seit Coolgardie haben wir ein Fahrzeug gesehen, das war auf der Victoria Rock Road.
Heute haben wir die 10.000 Kilometer auf dem Troopie überschritten (und somit insgesamt die 20.000 er Marke), eigentlich müssten wir einen Service machen lassen. Aber wo sollte das passieren? Nur Kalgoorlie wäre dafür in Frage gekommen, auf die Idee komme ich aber erst jetzt.
Die guten Vorsätze wegen des Lagerfeuers schmelzen dahin, wir haben doch eines. Zwar ist der Boden ringsum mit Holz, Eukalyptusrinden und Blättern bedeckt, aber es hat nur wenig Wind und es ist zu verlockend, nicht lange nach Holz suchen zu müssen.

Samstag, 26. November 2016

Weiter auf dem Track. Weitere Unterschiede zwischen HAT und DCR: Auf HT hat es keine Kamele, dafür sind hier Känguru, Mallee Fowls und Wildblumen. Das ist so schön, diese vielfältigen Blüten um uns herum. Und HT hat jede Menge natürliche Stolperfallen, Bumbs, nämlich Wurzeln, die quer über den Track laufen. Mallee Fowls haben wir nicht gesehen, aber wenigstens einen Mount, einen "Bruthaufen", der in Benutzung ist.
Unterwegs kommen wir einem Hilux näher, der vor uns auf dem Track steht. Der Fahrer begutachtet eine tiefe Stelle durch Begehen, fährt aber weiter bis zu einer Ausweichstelle, als er uns bemerkt. Die beiden haben am Mt. Holland übernachtet. Noch manche knifflige Stelle wartet auf uns, doch wir meistern alle ohne dass etwas kaputt geht, weder am Auto noch bei uns und unsrer Ausrüstung. In einem tiefen Graben steht Wasser, die Spuren deuten daraufhin, dass es schon länger da ist und dass es von Tieren als Wasserstelle benutzt wird. Abdrücke von Goannas, Mallee Fowls und Känguru sind auszumachen, Martins und ein Willie sind dabei, Insekten zu holen, die unvermeidlichen großen Wespen ziehen über dem Wasser ihre Kreise.
Dann ist es vorbei. An Emu Rock steht noch mal eine Plaque für die Erbauer des Tracks, errichtet vom Lions Club. Dann wird der Track breit und glatt. Einmal wissen wir nicht so recht, wie es weitergeht, doch das findet sich nach einem Umweg von rund 10 km. Plötzlich sind wir in Newdegate, weil wir an einer Stelle nicht abgebogen sind, als es nötig gewesen wäre. Und beim Versuch, nach Lake Biddy und weiter nach Lake Grace zu fahren, geraten wir auf Abwege und landen fast in Pingerup. Aber nur fast. Immerhin, jetzt wissen wir wieder den richtigen Weg.
Wir stellen uns auf den Caravan Park auf 33°21'30"S 118°27'36"O und machen uns auf die Suche nach Ollie und Luzy. Im Hotel bekommen wir die Auskunft, dass sie die Eigner von Saltbush Inn sind. Also gehen wir dorthin, niemand da, aber eine Möglichkeit, sie über Telefon zu erreichen. Ollie ist sofort im Bilde und sehr überrascht, er hat eine Veranstaltung in der Kirche, kommt aber und holt uns ab. Wir sind eingeladen zum Tee und dem nachfolgenden zweiten Vortrag "Wo steht die Kirche heute." Kirche meint damit Christi Kirche, die Betrachtung ist, wie beim Stellvertreter des Bischofs auch schwerlich anders zu erwarten, sehr katholisch geprägt. Dennoch, ein guter Vortrag, so weit ich ihn mitbekommen habe, mit einigen wirklich guten Ideen.
Zum gemeinsamen Abendessen mitzugehen sind wir nicht bereit, auch wenn alle shr freundlich sind. Plötzlich sind wir alleine und gehen zum Troopie zurück. Wenig später kommt Ollie dort vorbei. Er ist enttäuscht, dass wir auf dem CP übernachten und nicht im Saltbush Inn. "Where's your car?" war eine seiner ersten Äußerungen am Nachmittag. Und so entschließen wir uns, für eine weitere Übernachtung in Lake Grace zu bleiben, diesmal im Inn.
Abends bringt uns Ollie zum Lake Grace Lookout, um den Sonnenuntergang von dort aus zu sehen und anschließend zum Australian Inland Mission Hospital, einem 1925 erbauten Hospital, das bis 1952 als solches betrieben wurde und heute ein Museum ist. Anschließend gehen wir zu dritt zum Bowling Club zum Abendessen. Lucy, die hier in Lake Grace geboren und aufgewachsen ist, ist zu dem gemeinsamen Abendessen gefahren.
Am Lake Grace
Das Essen ist sehr gut, das Bier ebenfalls, aber am Bier merke ich die hohen Preise hier: $10,50 für ein Pint! Nun gut, es ist ein James Squire, aber das ist dennoch ein stolzer Preis.
Auf dem Caravan Park kommen wir noch mit der Caretakerin ins Gespräch, sie hat sich inzwischen an Lucy erinnert und auch ihr kam das Stichwort Saltbush Inn in den Sinn. Auch einer der anwesenden Arbeiter spricht uns an, er stammt aus Südafrika und hat einen leichten Akzent. Naja, nach sechs Jahren ist das nicht so erstaunlich.
So spät sind wir schon lange nicht mehr ins Bett gekommen.

Sonntag, 27. November 2016

Dennoch stehe ich fast mit der Sonne auf.
Wir lassen uns Zeit, brechen dann auf zum Jam Patch, wo es ein paar Spazierwege geben sll. Weil wir zuerst die Karte nicht sehen und es auch keine Ausschilderung gibt, suchen wir an der falschen Stelle, nämlich am Lookout. Das scheint geographisch zu passen. Aber es ist an ganz anderer Stelle, nämlich 17 km nördlich von LG. Also fahren wir hin. In LG blinkt die Bahnschranke, eine Lok mit vielen Waggons steht östlich von der Kreuzung, aber es passiert nichts. Doch, ein vermutlich Einheimischer fährt an uns vorbei über die Schienen. Und dann noch einer in der Gegenrichtung. Also kann es nicht verkehrt sein, wir fahren auch. Zum Glück finden wir den Platz auch ohne Hinweisschilder, denn es gibt keine. Aber die Spaziergänge, wir gehen zwei der drei möglichen Wege, sind sehr schön und seit langem nicht mehr begangen. Es gibt viele Spuren - aber nur von Wildlife, nicht von Menschen. Und oftmals ist der Weg von einem Spinnennetz versperrt, kleine Spinnen, vielleicht 8 mm im Durchmesser mit gelbem, rotem oder schwarz-weißem Abdomen mit Dornen wie ein Thorny Devil, offensichtlich nicht giftig und auch uns gegenüber nicht aggressiv, nutzen gemeinsam das Netz. Höchst interessant.
Die katholische Kirche in Lake Grace
Als wir auf LG zu fahren, kommt Ollie aus der Biggy Camm Rd heraus und fährt vor uns her. Die Bahn ist versperrt, inzwischen ist der Zug vorgefahren, die Anlage blinkt noch immer. Die Wagen werden beladen! Verwunderlich nur, dass das so lange dauert. Wenn wir vorhin nicht gefahren wären, würden wir noch immer da stehen.
IGA hatte gestern Nachmittag geschlossen, dafür haben sie jetzt auf, so können wir noch ein paar Lebensmittel einkaufen, bevor wir zur Kirche fahren. Heute ist nur eine Andacht, gehalten von Ollie (aber das haben wir nicht vorher gewusst). Wir werden eingeladen auf einen Tee mitzukommen zu Ollie und Lucy, die Einladung nehmen wir gerne an, nicht ahnend, dass daraus ein langer Besuch werden würde. Denn nach dem Tee gibt es eine Führung über das Gelände. Lucy's Eltern haben hier Milchwirtschaft betrieben, die neun Kinder leben alle noch hier in der Nähe, inzwischen natürlich mit eigenen Familien - oder eben wie Lucy und Ollie wieder alleine. Dann gibt es Lunch, Salatrolls, selbst zusammengestellt (Tomaten, Gurken, Spinatblätter, Beetroot, Käse, Pilze). Erst danach raffen wir uns auf und überlassen unsere so freundlichen Gastgeber ihrer wohlverdienten Ruhe. "I said you can come, and you came. And that was good." sagt Lucy zum heutigen Abschied (denn morgen früh sehen wir uns wieder).
Das Zimmer im Saltbusch Inn - der Troopie musste draußen bleiben.
Ein nettes Zimmer erwartet uns mit großem Bett, Kühlschrank, Dusche, Tisch und Stühle, TV mit Satelittenreceiver, Microwelle - mehr braucht es nicht. Das Auto bekommt einen "Landanschluss", die Zahnbürste und die Kamera werden aufgeladen.
33°6‘13“S 118°27‘47“O.

Samstag, 19. November 2016

Coral Bay and back to the inland, back to the warm weather



Montag, 14. November 2016

Dass die Sonne relativ spät aufgeht ist das Ergebnis unserer Reise nach Westen. Es ist feucht - aber nicht vom Regen, sondern ausfallende Luftfeuchtigkeit - und kühl, sicherlich unter 20° C. Zum Frühstück hole ich mir wieder mein Flanellhemd raus. Später wird es wieder angenehm mit Temperaturen im oberen 20er-Bereich. Für Donnerstag ist die Vorhersage eher schlecht, nur noch bis 22°C als Höchsttemperatur! Mal sehen, wie wir damit umgehen.
Weil wir bei der lokalen Bäckerei vorbeigehen, nehmen wir ausnahmsweise eine Art zweites Frühstück zu uns. Wir werden nachlässig. Außerdem kaufe ich mir bei dem Schalter der Ecotours ein gebrauchtes Wetsuit. Es ist zwar eigentlich eine Ladyversion (Größe 12), passt aber sehr gut. Dabei unterhalte ich mich lange mit der jungen Frau am Schalter. Sie war schon 5x in Deutschland (einmal sogar in Darmstadt, deshalb kennt sie auch Heidelberg und die Uni) und ist in ihrem Erstjob Tourguide in Karijini.
Später gehen wir zum Schnorcheln, ich probiere mein Wetsuit aus, Brigitte ihre Noodle. Die Sicht ist noch immer nicht besonders gut, dennoch sind viele Fische da. Noch mehr Korallen, bilde ich mir ein, sind in den fünf Wochen unserer Abwesenheit weiß geworden, also abgestorben. Der Wind ist gefährlich, denn durch ihn merke ich die Kraft der Sonne nicht und laufe Gefahr, mich zu verbrennen. Beim Duschen stellt sich heraus, dass es zumindest meiner Stirn zu viel der Sonne war.
Gestern habe ich mir den neuen Gemeindebrief angesehen in einer Vorabversion: Er wird gut, aber das war ja auch zu erwarten. Ich habe nur leider nicht mitbekommen, wie die Reaktionen auf die Farbe waren, auf jeden Fall wird der Weihnachtsbrief auch bunt.
Die Sonne geht unter und der Supermond kommt heraus - aber so super kommt er mir nicht vor. Ich könnte nicht sagen, dass er größer wäre als normal. Er ist schön, wie er so am östlichen Himmel steht.
Supermoon? Eher nicht - aber schön ist er, schöner als auf dem Bild.

Dienstag, 15. November 2016

Als ich zum Bad gehe, schaut der Mond gerade noch über die Düne westlich unseres Stellplatzes. Die Sonne lässt sich noch Zeit. Es wird, entgegen der Vorhersage, ein recht sonniger Tag, erst gegen Abend ziehen Wolken auf. Und es ist ein völlig ereignisloser Tag, wir gehen schnorcheln - das Meer ist nach wie vor ziemlich trüb - und wärmen uns in der Sonne. Dabei hoffe ich, dass ich mich nicht noch mehr verbrenne. Dass das Wasser trübe wirkt kann auch damit zusammenhängen, dass wir immer bei Hochwasser unten am Strand sind. Selbst ein Tidenhub von nur wenig mehr als einem Meter macht halt doch einen Unterschied. 

  • Will it be a storm tonight? At least it's nice and warm - still.

Außerdem reinige ich den Innenraum des Troopie ein bisschen von den Hinterlassenschaften der Outbacktour und - natürlich (?) - unterhalten wir uns mit einigen der "fellow campers". Zum Beispiel mit Heidi und Marcel aus der Schweiz. Sie sind erstmals in Australien, allerdings waren sie vorher fast zwei Jahre mit dem eigenen Wohnmobil in den zwei Amerikas, Respekt. Hier wollen sie nur einen Eindruck bekommen bis zu ihrem Rückflug im März nach Atlanta, wo ihr Wohnmobil untergestellt ist. Sie haben hier auch einen Landcruiser mit Dachzelt, benutzen das Zelt aber nicht, sondern schlafen unten. Heidi hat Angst beim Runterklettern, sagt sie. Sie fahren morgen weiter. Das Paar neben uns in dem Apollo-Troopie mit Hubdach ist heute abgefahren, auch sie sind Schweizer und haben bisher von Cairns aus Cape Yorck besucht und dann den Kontinent von Normanton aus nach Süden durchquert. Ich habe nicht gefragt, welchen der beiden Tracks sie gewählt haben. Auch sie benutzen das Dach nicht zum Schlafen. Überhaupt scheint die Fluktuation bei den Gästen diesmal relativ hoch zu sein, am Nachmittag ist der Platz fast leer. Und auch bei Bayview, wo "the Shire thing" offensichtlich nicht so genau genommen wird, stehen heute keine Zelte mehr in der ersten Reihe, sondern nur Wohnmobile und feste Wohnwagen.
Sonnenntergang, sieht doch ganz gut aus
Abends kommen Heidi und Marcel auf ein Glas Wein zu uns. Sehr nette Unterhaltung Ausgangspunkt sind die Erfahrungen aus den Reisen, dann aber zunehmend die daraus resultierenden Fragen wie z. B. über die Zukunft der Aboriginal, Indianer, Bushmen.
In der Nacht beginnt es zu regnen, ich muss alles wegräumen, was nicht nass werden soll - meine Stiefel auf der Stoßstange vergesse ich - und das Zelt zumachen an der Vorderseite.

Mittwoch, 16. November 2016

Viel Regen war es nicht, aber genug, um die nächtliche Aktion als richtig einzustufen. Der Himmel ist noch grau verhangen, als ich aufstehe, lockert aber im Laufe des Frühstücks und des Zeitunglesens auf.
Viele Möglichkeiten gibt es hier in Coral Bay nicht, wenn es zu kühl ist zum Schwimmen und Schnorcheln. Uns ist nicht nach einem organisierten Ausflug. Deshalb gehen wir wieder am Reef Shark Sanctuary in Bill's Bay entlang bis zu Maud's Landing und wieder zurück. Viele Haie sind zu sehen, aber eben nur als dunkle Schatten im grünlichen Wasser. Wegen des ziemlich starken Windes kann ich keinen Hut aufsetzen - er wird weggeweht - andererseits ist mein Scheitel ohnehin schon ziemlich verbrannt. Deshalb traue ich mich den Rest des Tages nur noch kurzzeitig in die Sonne.
Last day in Coral Bay for the next time, a last view on the bay
Die Temperatur steigt nicht über 24° C, das liegt am nach wie vor kalten Wind. Ich lese fast den ganzen Nachmittag lang, Beine in der Sonne, Kopf im Schatten. So ist es auszuhalten.
Beim Abendessen können wir gar nicht so schnell essen, wie der Wind die Nudeln und die Tomatensoße abkühlt. Die letzten Bissen fühlen sich an, als wären sie im Kühlschrank gewesen. Nicht ganz, aber sie waren kalt. Deshalb verziehen wir uns nach dem Spülen zum Kartenspielen ins Innere des Troopie, unten. Das ist nicht bequem, aber besser als im Freien. Kein Mensch ist heute außerhalb geschlossener Bereiche, alle sind in ihren Caravans, Zelten oder Wohnmobilen.

Day of the 2nd, 17. November

Seit vier Tagen sind wir quasi Nachbarn, wir grüßen uns freundlich, sprechen gelegentlich kurz mit den Kindern, vor allem dem Jüngsten, aber ein Gespräch kam noch nicht zustande. Jetzt endlich ist es so weit, als ich fertig bin mit den Abreisevorbereitungen. Er ist Australier aus der Kalgoorliegegend, aufgewachsen im Wheatbelt, lebt mit seiner Familie in Thailand, wo seine Frau geboren ist. Drei Kinder, das Mädchen ist ungefähr 9, der ältere Junge 7 und der Kleine ist fast 21 Monate alt. Er hält die Familie ganz schön auf Trab. Die letzten Tage wurde er zusehends mutiger, sein Aktionsradius immer größer. Der Papa wirkte manchmal ein wenig genervt. Sie sind für 2 Monate nach Australien gekommen, der Zeltanhänger ist gemietet, sie machen immer wieder Familienbesuche und er frischt Erinnerungen auf. In zehn Tagen geht es zurück nach Thailand. Der ältere Junge hatte mich gestern gefragt, ob er eine unserer Muscheln auf dem Tisch haben darf und sich dann prompt für die entschieden, die als Einzige Brigittes Selektionskriterien überstanden hatte. Die durfte er dann doch nicht haben. Das Mädchen versteht mich, wenn ich deutlich genug spreche. Und der Kleine hat sich von mir auf den Arm nehmen lassen, ohne das Gesicht zu verziehen.
Auf dem North West Coastal Highway sehe ich plötzlich unseren zweiten (siehe Überschrift!) Thorny Devil. Er sitzt etwa 20 cm rechts vom linken Seitenstreifen, also da, wo die 15 Zwillings- und ein einfachreifen eines Roadtrains entlang donnern. Ich kann ihm ausweichen, das macht ihm nichts, als wir rückwärts wieder an die Stelle kommen, sitzt er noch unberührt da. Wir setzen ihn dann neben die Straße in das vertrocknete Gras, beim zweiten Versuch zieht er dann langsam in die sichere Richtung ab. 
Thorny Devil
Er mag nicht hochgenommen werden, da macht er relativ schnelle Bewegungen, und wenn man nicht aufpasst, springt er runter. Ihn in der Hand zu halten, ist nicht unangenehm. Die Stacheln sind zwar hart und spitz, aber solange man nicht zudrückt nicht schmerzhaft. Und sein Bauch ist ganz weich.
Wenige Zeit später gibt das linke Hinterrad seinen Geist auf, es rumpelt gewaltig, der Troopie ist aber gutmütig und bleibt in der Spur und dann sehen wir die Bescherung: Diesmal hat es nicht nur den Schlauch erwischt, durch das Ausrollen zwischen Felge und Asphalt ist vermutlich auch die Flanke des Reifens hinüber. Es sieht nicht gut aus. Weil hier weder Stock noch Stein zu finden sind, nehme ich den Highjack zu Hilfe, um den Jack, den Wagenheber, unter den Achskopf zu bringen. Dann geht es seinen gewohnten Gang.
Reifenwechsel
Das Schwierigste ist es, den kaputten Reifen an die Halterung am Heck zu hieven. Das wird vermutlich bald schon das k.o.-Kriterium für eine Australienreise: Wenn ich den Reifen nicht mehr hoch genug heben kann. Mist, gestern Nachmittag habe ich frische Sachen angezogen, jetzt haben Shirt und Hose schon wieder rote Flecken. Beim Shirt ist das nicht so tragisch.
Direkt nach der Überquerung des Gascoyne, der nur ein gewaltiges trockenes Sandbett darstellt, geht es nach links zur Nursery, dort gibt es die wunderbaren "Frozen Mango". Dem Gespräch mit dem Besitzer können und wollen wir uns nicht entziehen, auch wenn manches von dem, was er erzählt, kaum zu verstehen ist und sich auch nicht durch den Zusammenhang erschließt. Macht aber nichts, im Grunde verstehen wir uns schon.
In Carnarvon bestätigt sich meine Prognose, wir brauchen einen neuen Reifen, aber den gibt es nicht in Carnarvon. Die einen (Tyrepower) könnten ihn nächste Woche Dienstag geliefert bekommen, in der anderen Werkstatt (Beaurepair) immerhin schon am Samstag. Beides ist uns zu spät, denn eigentlich wollten wir ja dem kalten Wind entkommen und ins Landesinnere verschwinden. Nun gut, wir gehen das Risiko ein und fahren mit dem Wrack am Heck weiter. Bisher hatten wir immer nur einen Ersatzreifen.
Nach dem Einkaufen kehren wir ein bei West Coast Fish 'n' Chips. Dort gibt es den meiner Meinung nach besten battered Snapper.
Und dann geht's nach Osten. Reifenwechsel, Suche nach Ersatz und Entscheidungsfindung haben uns um 1 1/2 Stunden nach hinten geworfen, deshalb wird es knapp mit Gascoyne Junction. Dort sind wir die einzigen Camper, ein paar Häuschen sind vermietet, aber sonst ist es völlig leer. Der Wind ist nach wie vor da, aber schwächer und vor allem deutlich wärmer. Außerdem gibt es hier eine schöne Camp Kitchen, wenn auch ohne Kochgelegenheit (nur BBQs). Das Auto steht auf 25°3'13"S 115°12'20"O.
Nach Poolbesuch und Dusche beginnen die Vorbereitungen für das Kochen. Als alles fertig und in der Küche hingerichtet ist, schließe ich den Herd an die Flasche an und will mit dem Kochen starten. Doch ach, das Gas ist alle. Hier am Platz gibt es keine Möglichkeit, die Flasche zu füllen, die Landlady weiß auch keine andere Stelle. Aber sie weiß Rat: Barbeque benutzen! "Do you have a pot? Then put it on the hot plate." Und so geht es, Äpfel und Zwiebeln können eh' auf der Platte gebraten werden.
Nach dem Spülen gehen wir in die Bar. Viele Männer sitzen da. Auch Brigitte trinkt ein XXXX, weil es sonst nichts für sie gibt. Wenn ein bestelltes Essen aus der Küche kommt, gehen fast alle mit ihrem Teller zu den Tischen, um dort zu essen. Nur einer kommt mit seinem Teller zu uns an die Bar. Und schon beginnt ein Gespräch. Nach meinem dritten Satz fragt er "Are you German?" - mein Akzent muss grauenvoll sein. Er erzählt viel von sich: Spanische Abstammung, geboren in Australien, aufgewachsen in der Nähe von Coober Pedy (in der Nähe?), Spezialist für irgendeinen Teil des Brückenbaus und deshalb in ganz Australien als Contractor im Einsatz. Seine Frau mag das nicht so sehr, aber was soll er machen. Dann wird es leer in der Bar, alle gehen ins Bett, wir schließen uns an, es ist schon halb neun.
Der schöne Sternenhimmel wird etwas überstrahlt von der Beleuchtung hier auf dem Patz.

Freitag, 18. November 2016
Freitag, 18. November 2016
09:50
Das fehlende Gas bestimmt schon mein Denken heute. Morgens ist es noch kein Problem, denn in der Küche steht ein Wasserkocher - wie immer in Camp Kitchen. Das reicht für den Tee.
Galahs am Morgen - ein guter Weckruf
Ich bin sicher, dass wir im Murchison Roadhouse mit Caravan Park die Flasche gefüllt bekommen. Das liegt zwar nicht an unserem Weg, ist aber nur ein 190 km return Umweg. So fahren wir über eine erstklassige Gravelroad erst nach Osten und dann nach Süden, immer auf der Carnarvon Mullewa Road. Ab Landor ist das für uns Neuland. Weites Land erstreckt sich rechts und links von uns, gelegentlich Gibber Plains, meist Buschland. Dann überwiegen die weißen Steine und verdrängen das gewohnte Rot.
Immer wieder leiten uns interessante Schilder zur Seite, manche nur 50 Meter, andere 12 Kilometer weit. Und immer stehen dann irgendwelche Interpretive Panel mit Informationen über das genannte Objekt. Bilund Pool oder Birlungardi hat tatsächlich richtig viel Wasser, ist aber nicht in unserer Karte eingezeichnet. Auch Stock Route Well 19 hat unten in der gemauerten Zisterne Wasser und es sieht brauchbar aus.
In Murchison dann die Enttäuschung: "We don't do gas refilling." Und die Frage, wo die nächste Möglichkeit sei, wird ausweichend bzw. gar nicht beantwortet. Die Ausflucht ist "it depends where you're heading" beantworte ich mit "I don't know, we'll go to the next possibility with gas.", darauf kommt nichts mehr. "We don't do refilling." "I don't know" kommt ihr nicht über die Lippen. Schon der zweite Caravan Park hier in der Gegend, der keine Gasvorräte hat - und das auch nicht zu begründen gewillt ist. Gastfreundlichkeit oder wenigstens Geschäftsbereitschaft sieht anders aus.
Errabiddy Bluff
In einer Gravelpit stellen wir den Troopie auf 26°10'9"S 116°15'16"O ab, dummerweise mit dem Heck im Wind. Aber der legt sich vielleicht noch. Ich sammle Holz für das Camp Fire. Hier liegt genug in der Nähe herum und in der Grube ist so viel Stein, da kann sich nichts versehentlich entzünden.
Heute also Kochen mit nur einer Flamme. Zum Glück haben wir den kleinen Kocher aus dem Bushi mitgenommen und sogar noch eine Ersatzkartusche in der Schublade.  Ich denke, meine Tortilla lässt sich auf dem kleinen Kocher zubereiten. Ein Essen mit Reis sollte auch gehen, Früher habe ich auf Reisen fast nur mit einer Flamme gekocht, nur habe ich mich halt sehr an die zwei oder mehr Feuerstellen gewöhnt.
Alles klappt so, wie ich mir das vorgestellt habe. Und auch das Feuer brennt gut. Während wir am Feuer sitzen, klettert im Osten langsam Orion den Himmel hinauf, das linke Knie voraus. Als das Feuer zu Ende geht, steht er prächtig am Himmel. Der Mond kommt erst später, Venus geht schon fast unter.

Samstag, 19. November 2016

Brigitte hat gestern Abend ein Auto vorbeifahren gehört, das war es dann. Gleich nach dem Aufstehen werfe ich das Feuer wieder an, eine Handvoll Eukalyptusblätter auf die Asche gestreut, ein paar Ästchen drauf und schon brennt es wieder. Bevor wir fahren, wird die Feuerstelle mit Gravel zugedeckt, die Randsteine kommen auf den großen Haufen, nichts ist mehr zu sehen von unserem Camp Fire.
Camp Fire in der Gravel Pit kurz nach Sonnenaufgang
Kaum haben wir die Beringara Byro Rd bei Beringara Station in Richtung Süden verlassen, wird die Straße als Road Train Route ausgewiesen und ist sealed, allerdings hat sie viele Schlaglöcher und die Floodways sind gravel. Das ist besonders merkwürdig, denn sonst ist es eher umgekehrt. Somit war vorher ein besseres Fahren möglich. Fünf Lizzards kreuzen heute unseren Weg, einer, der Größte von ihnen, sitzt hochaufgerichtet auf der Straße, als wir kommen. Er läuft weg, aber nur so weit, dass er in Sicherheit zu sein glaubt. Als Modell dient er uns dennoch.
Cue ist eine sterbende Stadt. Die Mine ist geschlossen, damit ist der einzige Arbeitgeber verschwunden und folglich bleibt auch den Geschäften nichts anderes übrig, als ebenfalls früher oder später zu schließen. Der örtliche Mechaniker hat keinen passenden Reifen, einen Unternehmer welcher Art auch immer, der unsere Gasflasche auffüllt, gibt es nicht und das Caltex Roadhouse tauscht nur die großen Flaschen. Wir werden auf Meekatharra verwiesen.
Also machen wir uns auf den Weg. Nur dumm, das einzige Geschäft, das den Refill durchführen würde, hat bereits geschlossen bis Montagvormittag. Immerhin, wir finden einen Mechaniker, der in seinem Fundus einen passenden Gebrauchtreifen hat und bereit ist, uns den sofort zu montieren. Bei Foodworks bekommen wir dann auch noch vier Kartuschen für den kleinen Kocher. Damit hat sich der 228 km return Abstecher nach Meekatharra doch noch gelohnt.  In der Shelltankstelle waschen wir uns die Hände und um wenigstens etwas gekauft zu haben, nehme ich eine 5/4 l Flasche Solo mit zur Kasse. Am Schrank steht 2 for 4 $, also denke ich, dass eine Flasche etwa 3 $ kosten wird. Weit gefehlt: Sie kostet 5 $. Also nehme ich noch eine zweite und lande wie versprochen bei 4 $. Das ist schon abstrus.
In Cue nisten wir uns auf dem Caravan Park ein, an der Straße ist es Brigitte zu laut. Allerdings ist es hier kaum leiser, denn die Straße nach Meekatharra - esist der Great Northern Highway - mit ihrem Roadtrainverkehr führt am CP vorbei. Immerhin, der Stellplatz auf  27°25'16"S 117°53'58"O unter einem großen Eukalyptus ist schön, die Einrichtung ist gut.