Sonntag, 27. November 2016

Gunbarrel Highway, David Carnegie Road und Holland Track



Samstag, 19. November 2016
Das Kochen mit dem kleinen Kocher klappt. Die Süßkartoffel ist beim Essen noch recht hart, das kann aber daran liegen, dass wir sie schon eine ganze Weile spazieren fahren, so dass sie etwas ausgetrocknet ist. Dafür ist die Habanera noch schärfer als gedacht, insgesamt ist die Schärfe des Essens gerade noch diesseits der Grenze.

Pensioneers Huts in Cue

Um auszuprobieren, ob die Nummer in meinen Kontakten richtig eingetragen ist, telefoniere ich mit Patrick. Es geht ihnen gut, Lina kränkelt ein wenig.
Gegen halb zehn klettere ich hoch ins Zelt, da bin ich zumindest in unserem Bereich des Platzes der Letzte, der noch zu sehen ist.

Sonntag, 20. November 2016

Und folgerichtig bin ich auch nicht der erste, der aus dem Zelt kommt, sogar die Sonne ist schon knapp überm Horizont. Die Mt. Magnet Drilling Leute starten wenig später zu ihrem Tagewerk, die anderen drei haben heute wohl frei, fahren aber noch vor uns dennoch weg. Vielleicht zum Prospecting.
Wir lassen uns Zeit, sehen uns noch Cue an und fahren dann über die Dalgaranda Rd. zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Gegend. Zuerst kommen wir an Big Bell vorbei, das war zwischen 1890 und 1935 eine prosperierende Gemeinde mit vielen Einwohnern, ist dann aber wegen der Schließung der Goldmine völlig verkommen. Heute steht nur noch die Ruine des einstmals einzigen Hotels und die Grundmauern einer der vier Kirchen, ich glaube, es war die katholische. Ein Kreuz hängt noch an der Wand, von zwei Fenstern sind noch die Holzrahmen erhalten, alles andere fehlt.
Das zweite ist ein großer Monolith. Laut Eigenwerbung der Gemeinde Cue ist es der zweitgrößte Monolith Australiens nach dem Uluru, aber das kann nicht sein, denn Mt. Augustus ist a) ein Monolith und b) größer als der Uluru. Also kann Walga Rock höchstens der drittgrößte sein. Von oben - denn diesen darf man besteigen - sieht man, dass in der Gegend noch einige weitere Monolithen verstreut sind, alle ein wenig kleiner. Der Blick von oben ist großartig, das Besteigen des Steines an einigen Stellen gefahrlos möglich. Niywarri zeigen uns den Weg vorbei an einem Wasserloch mit wenig grünem Wasser. Die Bedeutung des Walga Rock für die Aboriginals der Gegend erschließt sich, wenn man die vielen Felszeichnungen in einem der großen Überhänge ansieht. Unter diesen Felszeichnungen ist eine von einem Segelboot - das ist wohl kaum eine alte Malerei der Aboriginal. Wenn es sich überhaupt um eine alte Zeichnung handelt, dann ist für mich vorstellbar, dass sie gemalt wurde von Überlebenden der Zuytdorp, die von Aboriginals gerettet wurden und sich dem Stamm angeschlossen haben (wovon die Literatur ausgeht). Der Rock ist nur etwa 325 km, also zehn Tagesmärsche, von Denham bzw. Shark Bay entfernt.
Dalgaranga Meteorite Crater
Als drittes besuchen wir einen Meteoritenkrater, den Dalgaranga Meteorite Crater. Er ist mit nur 25 m Durchmesser und 5 Metern Tiefe der kleinste anerkannte Meteoritenkrater. Der zugehörige Meteor war ein Eisenbrocken, dessen etwa 100 to mit 40.000 km/h auf die Erde prallten und dort explodierten. Der Einschlag kam von Westen, so wie der Krater ausgebildet ist, sein Ostrand ist höher als der im Westen.
Dann genieße wir den Blik vom Warramboo Lookout auf die Hill Gold Mine und besuchen The Granites, eine wunderbare Felsformation im Norden von Mt. Magnet. Damit die Kultur noch zu ihrem Tribut kommt, besuchen wir des weiteren die Überreste von Lennonville, eine ehemals 3.000 Einwohner zählende Boomtown, die bereits 1925 wieder der Erde gleichgemacht war. Übrig geblieben ist nur der Bahnsteig.
Auf dem Caravan Park finden wir einen Stellplatz, der hinreichend eben ist (28°3'42"S 117°51'3"O) und auch so ausgerichtet ist, dass ich kochen kann. Auf dem Platz werden bei Bedarf Gasflaschen aufgefüllt - schon haben wir unseren Refill. Und so erweist sich das Wochenende als insgesamt doch sehr positiv: Sechs Reifen, ausreichend Gasvorräte und die Tanks sind auch beide gefüllt.
Der neue gebrauchte Reifen
Kaum haben wir uns aufgestellt, gesellt sich unser Nachbar zu uns, er ist alleine unterwegs und braucht offensichtlich Ansprechpartner. Er ist "originally from England, but I hate it, never go back there, it's too bloody cold." Er raucht, aber er hustet als hätte er Schwindsucht im Endstadium. Klingt jedenfalls ganz übel. Und er redet und redet. Er reist immer rund um Australien und sammelt dabei Gemstones, die er zu Schmuckstücken verarbeitet und verkauft. Dann kommt die nächste Rundreise. Nullarbor hält er für die langweiligste Strecke, ist er sie doch schon zehn Mal gefahren.
Jetzt wird es knapp für das Kochen. Es ist schön, wieder zwei Feuerstellen zur Verfügung zu haben. Beim Essen ist es schon fast dunkel. Außerdem ist der Wind wieder aufgefrischt und abgekühlt. Heute Nachmittag sind Wolken durchgezogen, offensichtlich das Abbild einer Kaltfront. Das zeigen auch die Vorhersagen für die nächsten Tage: Morgen wird die kälteste Nacht hier unten im Südwesten, dann geht es wieder bergauf. Ob das aber schnell genug ist?

Montag, 21. November 2016

Auf jeden Fall haben wir beschlossen, heute wieder in Richtung Norden zu fahren, zuerst aber nach Sandstone, das ist genau im Osten. Auf der Straße dorthin herrscht reger Lizzardverkehr, alle wollen von Nord nach Süd. Ein wirklich Großer ist dabei, so groß, dass ich ihn nicht hätte zwischen die Räder nehmen können. Er bleibt stehen, als wir an ihm vorbeifahren, geht dann aber doch gemächlich weiter. Ein Glück, denn von vorne kommt ein Roadtrain - der einzige, den wir am Vormittag zu Gesicht bekommen.
In Sandstone ist es genauso ausgestorben wie ich es in Erinnerung hatte. Die Visitor Information hat seit Anfang November Sommerpause, bei Fragen bitte zum Shire Office gehen. Der Straßenzustandsbericht ist vom 14. Oktober - der ist tatsächlich aktuell, denn es hat seitdem nicht mehr geregnet (davor aber auch nicht). Im Shire Office fragen wir nach der Sandstone Wiluna Rd, sie scheint in Ordnung zu sein, am Anfang ist sie identisch mit der Sandston Meekathara Rd. Nachdem wir im Hotel einen Sixpack und im General Store drei Kartoffeln eingekauft haben, starten wir nach Norden. Etwa zur Mitte weicht das low Bushland einem Spinifexteppich, der sich in der Folge immer wieder mit Mitchellgras und Bushland abwechselt.
Rund drei Stunden später sind wir in Wiluna, dem Ausgangspunkt der Canning Stock Route, aber auch des Gunbarrel Highway. Das ist für uns wichtig, denn Gunbarrel war Len Beadells Firma, und noch immer gilt ja unser Motto "Following Len Beadell".
In Wiluna: Denkmal für eine Aboriginal-Liebesgeschichte - auch das gibt es
Genau das tun wir und starten weiter nach Osten auf dem Gunbarrel Hwy. Hier ist die Bezeichnung Hwy sogar angemessen, denn durch Mining Operations im Osten von Wiluna ist der GH ziemlich breit und in sehr gutem Zustand. Zwei Mal werden wir in der Folge überholt. Nach rund 50 km finden wir eine gute Stelle für die Nacht und "gehen vor Anker". Von der Straße aus sind wir auf 26°39'49"S 120°45'40"O selbst bei genauem Hinsehen nicht auszumachen.
Tisch und Stühle aufstellen, Zeltpersenning abnehmen und zusammenrollen, Zelt aufklappen, Betten richten, Gruben graben, Holz sammeln und richten - also all das, was bei unseren Bushcamps immer anfällt nach der Ankunft - ist heute recht schnell erledigt und so kann ich mich für eine Weile gemütlich in den Schatten des Troopie setzen. Der Wind weht, aber noch ist er nicht unangenehm.
Abendhimmel am Gunbarrel Highway

Dienstag, 22. November 2016

Die Vorsicht wegen des Gesehenwerdens war unnötig: Es kam niemand mehr vorbei, weder gestern Nachmittag, noch in der Nacht und auch nicht heute früh. Überhaupt kommt uns heute nur ein Auto entgegen, am Beginn der Wellington Range. Beim Überfahren der Princess Ranges einige Kilometer später halten wir an, um den wunderbaren Blick auf die Straße hinter uns und das Umland zu genießen. Bei der Gelegenheit fällt mir erstmals auf, dass die Carnegie Prenti Rd als "Private Road" ausgewiesen ist. Hm…
Gunbarrel Highway im Westen
Bei Carnegie Station halten wir an und holen uns die notwendige Auskunft: Es liegt nicht an Carnegie, vor einem Jahr etwa hat Prenti Downs seinen Zugang gesperrt und lässt niemanden durch. Auch ein Anruf dort und ein Gespräch mit einer der Stimme nach jungen Frau ändert nichts. Prenti hat Rinder, Pferde und Kamele, die werden durch die durchfahrenden Autos gestört. Deshalb gestatten sie keinen Verkehr mehr über ihr Gelände, nicht mal der Mining Verkehr ist noch möglich. Nun, da kann man nichts machen, fahren wir eben weiter auf dem Gunbarrel Hwy, der offiziell ohnehin erst hier anfängt.
Die Qualität nimmt immer weiter ab, zusammen mit der Breite der Fahrbahn. Als wir nach 150 km nach Süden abbiegen auf die David Carnegie Rd (in unserer Karte heißt sie auch Eagle Hwy), ist der Gunbarrel etwa so wie Anne Beadell an den breiteren Stellen. Übrigens ist der Gunbarrel Hwy nur bis Giles befahrbar, für den darauf folgenden Abschnitt, die Mulga Park Giles Road gibt es keine Permits. Aber das wahre 4WD Feeling erwartet uns erst noch. Die David Carnegie Road ist nicht mehr als ein Track, teilweise noch schlechter als Gary Hwy. Es scheint so, dass die in Nord/Süd Richtung verlaufenden Tracks einfach schlechter sind.
David Carnegie Road an einer der guten Stellen
DCR ist ausgewaschen, hat Löcher, ist teilweise sandig, hat an den glatten Stellen Corrugation und ist nirgendwo breiter als unser Troopie. Natürlich wachsen oft beidseitig Mulgas und streifen das Auto. Überall ist Spinifex, sogar in der Mitte des Tracks. An manchen Stellen gibt es eine Detour, eine Umfahrung der ganz kaputten Stellen, selbst die Detour ist nur ein schmaler kurviger Track. Mehr als ein Schnitt von etwa 35 km/h ist nicht drin. Einmal sage ich über das Klappern und Rappeln hinweg: "Zum Glück muss ich wenigstens nicht auf matschige Stellen achten." Da taucht wie aus dem Nichts neben uns ein großes Wasserloch auf. Wenig später sind die Spurrillen vor uns mit Wasser gefüllt, über Mittel-  und Randstreifen komme ich mit trockenen Reifen auf die andere Seite. Kurz danach tut sich vor uns ein See auf, eine riesige Pfütze bedeckt den Track, water over road. Bei dem roten Untergrund will ich gar nicht wissen, wie tief das Wasser und wie weich der Boden ist. Zum Glück können wir außen herum fahren. Bei den Spinifex überall wäre ein Reifenwechsel eine Tortur. Plötzlich eine seltsame Erscheinung vor uns auf dem Track. Ist es ein Fußgänger? Passt nicht so recht. Ein Fahrradfahrer oder stehender Biker? Nein, es ist ein Kamel, das gemütlich den Track entlang schlendert. Als es mitbekommt, dass wir hinter ihm sind, schaut es zuerst erstaunt, dann macht es sich in zügigem Trab nach rechts aus dem Staub.
Irgendwann finden wir dann doch eine Stelle neben dem Weg, an der wir das Auto abstellen und unseren Tisch aufbauen können (26°21'35"S 124°14'11"O, so weit im Osten werden wir auf absehbare Zeit nicht mehr übernachten). 535 km Dirt liegen heute hinter uns, insgesamt haben wir dafür 10 Stunden gebraucht (abzüglich 30 Minuten in Carnegie Station).
Looking down to the Campsite
Obwohl hier viel trockenes Holz herumliegt und sich geradezu für ein Lagerfeuer anbietet, verzichten wir angesichts der Nähe des trockenen Spinifex, der Enge unseres Stellplatzes und des doch wieder recht starken Windes auf das Feuer. Dafür haben wir einen wunderbaren Sternenhimmel, wie eigentlich immer. Als ich ins Bett gehe, ist im Norden ein Gewitter, die Wolken kommen schon fast bis zu uns.

Mittwoch, 23. November 2016

In der Nacht beginnt es zu regnen, gerade so viel, dass ich aufstehe, Stiefel und Stühle ins Auto lege und das Zelt zumache. Dann hört es auch schon wieder auf. Nur der Wind ist nach wie vor stark und das Wetterleuchten ist von Nord bis Ost deutlich zu sehen.
Kurz nach sechs sind wir unterwegs. Ein Känguru, ein Kamel, ein Bustard und ein Lizzard werden von uns aufgescheucht - normal kommt hier wohl niemand vorbei. Empress Spring ist tatsächlich ein permanentes Wasserloch (momentan allerdings auch wasserlos). Die Erkenntnis von dessen Existenz hatte Carnegie mit ziemlich rabiaten Methoden einem Aboriginal entlockt: Er gab ihm nur stark gesalzenes Fleisch zu essen und nichts zu trinken, bis der Gepeinigte es nicht mehr aushielt. Heute ist da ein Loch im Boden, eine Kettenleiter führt hinunter in die Höhle. Das ist spannend, denn was mich unten erwartet, weiß ich nicht. Die Höhle hat etwa 25 m Durchmesser und ist 5 Meter hoch. Die Lampe des iPhones ist nicht hell genug, um von der Mitte aus Genaueres sehen zu können. Wie gesagt, momentan gibt es kein Wasser.
An Empress Spring - Visitors Book

Leiter an den Grund der "Quelle"

Weiter geht die wilde Jagd, bis wir endlich auf der Great Central Road ankommen. 7 Stunden reine Fahrzeit für 232 km - und dann sagt Brigitte, ich sei schnell gefahren (und meint "zu schnell").
Auf der breiten Straße kommen uns dann sogar Autos entgegen, drei 4WDs und zwei Roadtrains. Auch hier sind wieder Lizzards unterwegs, einen scheuchen wir geradezu von der Fahrbahn.
Und dann ist Laverton erreicht. Vor 4 Wochen sind wir hier zur großen Outbacktour gestartet, da ist es nur richtig, sie auch hier sozusagen zu beenden. 8.469 km, davon 6.041 auf unbefestigten Straßen, in vier Wochen, eine gute Leistung. Es hat Spaß gemacht und wir haben viel gesehen, viel erlebt und viel gelernt. Ein Besuch in der "Hall of Fame" im Great Beyond, dem Visitor Centre von Laverton, beendet sozusagen die Tour. Obwohl, eine Woche bleibt uns ja noch, um nach Perth zu kommen. Gleich nach dem Verlasen der Ausstellung bekommen wir die acht namentlich erwähnten Explorer nicht mehr zusammen. Hann, Carnegie, Eyre, Forest, Giles, Windich, ? und ?. Das Gedächtnis, zumal das Kurzzeitgedächtnis, lässt sehr zu wünschen übrig. Über die Homepage ist nichts herauszubekommen.
Unser Stellplatz ist auf 28°37'30"S 122°24'20"O.
Auf dem Platz sind zwei Schweizer mit einem Apollo Landcruiser, auch sie kochen in der Camp Kitchen, so kommen wir ins Gespräch. Sie fragt mich, ob wir vom Uluru kommen oder dort hin wollen und ich antworte "weder - noch". Das reicht als Aufhänger. Sie sind noch bis Anfang Januar unterwegs und starten morgen früh nach Karijini. Außerdem ist da - neben den vielen Arbeitern - eine Familie aus Perth, die durch WA tourt. Die Tochter wird in zwei Wochen drei.

Donnerstag, 24. November 2016

So richtig warm ist es noch nicht heute Morgen, aber doch so, dass wir uns viel Zeit lassen können mit dem Frühstück. Um 7 sind wir unterwegs. Auf dem Weg nach Leonora leitet Brigitte mich auf die Old Laverton Road auf die Suche nach dem Pioneer Cemetary in Mt. Morgans. Den Ort, bzw. das descriptive panel, finden wir, aber der Friedhof entzieht sich uns, trotz intensiver Suche. Das Ende der Geschichte ist, dass es nach meinem Gefühl knapp wird mit dem Sprit. In Leonora passen 85,91 l in den Main, der SUB ist ja schon seit gestern leer und fasst 89,02 l! Leonora hat ein Coles Express, der gleichzeitig als General Store dient, entsprechend langsam ist die Abwicklung. Ich tanke beide Tanks getrennt, dann gibt es keine Probleme mit den Vouchers. Das war möglicherweise das letzte Mal, dass wir getankt haben, auf jeden Fall das letzte Mal, dass wir beide Tanks gefüllt haben. In den letzten vier Tagen sind wir rund 1.500 km gefahren und haben dabei 11,5 l/100 km gebraucht.
In Leonora besuchen wir außerdem die Visitor Information, weil Brigitte sich eine Kette kaufen will. Anschließend fahren wir nach Gwalia. Dort waren wir 2013 in strömendem Regen und haben 2014 auf einen Besuch verzichtet, weil es geregnet hat. Jetzt ist strahlender Sonnenschein und da sieht alles besser aus, wenn auch nicht weniger beeindruckend. Das Museum und Hoovers Haus sehen wir uns erstmals an. Letztendlich dauert das alles viel länger als ich gedacht hatte und so fahren wir nur bis algoorlie und bleiben dort auf dem Discovery Tourist Park. Diesmal stehen wir an der Längsseite der Tentarea direkt neben der Camp Kitchen und haben einen powered Platz zum Preis eines unpowered. Das gleicht sich mit der letzten Nacht im Oktober aus.
Weil wir relativ spät dran sind, verschiebe ich das Tippen auf später und mache mich schon bald an das Kochen.
Später rufe ich bei Bobi an und melde uns für den 29. an. Auch Terry erreiche ich im zweiten Anlauf "Guess where we're sittin'." Auf Camp Kitchen in Kalgoorlie kommt er nicht, dabei liegt es doch nahe, bei der Frage und unserer Vorgeschichte. Er wird versuchen, uns zusammen mit Christine am 30. November in Banksia zu besuchen. Jetzt muss das nur noch klappen mit dem Caravan Park. Im Grunde haben wir jetzt sogar eine Übernachtung "übrig", wir können uns zwischen Lake Grace und Freemantle also Zeit lassen.

Freitag, 25. November 2016

In der Leonora Visitor Information
Am Ortsende von Coolgardie, einem wie es scheint ziemlich verschlafenen Kaff, biegen wir vom Great Eastern Hwy nach Süden ab. Am Victoria Rock unterbrechen wir die Fahrt und wandern auf den Fels. Ein herrlicher Rundblick auf dichten Gumwald eröffnet sich. Zwei weitere dieser riesigen "Outcrops" sind in der Nähe auszumachen. Der Holland Track ist mit HAT gekennzeichnet, wer das nicht sieht oder nicht versteht, darf den Track nicht fahren. Mal sehen, wie weit er uns führen wird. Unno sagte, er sei gesperrt, auf der Karte an Victoria Rock ist das Ende als "disused" gekennzeichnet, hier steht nichts derartiges angeschrieben.
Auf dem Holland Track I: Kilometerweise geradeaus
Auch der Holland Track ist Abenteuer. Unterschiede zur David Carnegie Road sind schwierig festzustellen: An HAT gibt es keine Spinifex und der Sand ist überwiegend weiß oder gelb. An DCR gibt es keine Eukalypten und Tea Trees, dafür sind die Mulga erheblich größer und folglich härter. HT hat viel weniger Stellen zum Entspannen, also in der Konzentration nachzulassen und ist wohl auch deshalb langsamer zu befahren. Die Spurrinnen sind tief, gerade noch Landcruiser geeignet (kein Wunder: Der Toyota Landcruiser Club WA hat die Patenschaft für den Holland Track), an manchen Stellen sind die Wände rechts und links über einen Meter hoch. Das sieht furchterregend aus, es gibt aber fast immer Umfahrungen.
Auf dem Holland Track II: Immer wieder Spurrillen passend für Landcruiser
Zum Thursday Rock müssen wir uns 2 km vom Track seitlich bewegen. Diesmal stellen wir an der Stelle, an der wir aus dem Bush auf den Fels kommen, zwei Steinmännchen auf, damit nichts schiefgehen kann mit der Rückkehr. Der Thursday Rock ist deutlich kleiner als Victoria Rock, und er hat auch keine sichtbaren Nachbarn. Nichts außer Wald ist zu sehen. Die "Striped Dragons", mittelkleine Lizzards mit dem Verhalten von Tata-Lizzards, bleiben manchmal sogar sitzen, wenn wir uns nähern.
Der dritte mit einem Namen versehe Rock, der Newbey Rock, ist unter uns, der Track führt über den Fels, an einer Stelle ist ein Pfosten aufgestellt mit Namensschild. Der Pfosten steht in einem großen Steinhaufen, damit er nicht umfällt. Später führt der Holland Track noch zwei Mal über Felsplatten, aber da ist kein Name angegeben.
An der Kreuzung mit dem Track von Marvel Loch steht eine Plakette zu Ehren der vier Erbauer des Tracks, Holland, Krakouer, Krakouer und Carmody. Sie haben zwischen dem 14. 4. und dem 18. 6. 1893 den Track aus dem Boden gestampft, als Weg für die Explorer und Prospektoren, die wegen des Goldrausches zu erwarten waren. Haben sie was dafür bekommen? Oder war das reine Menschenfreundlichkeit? In einem Koffer liegt ein Besucherbuch, wir sind die ersten seit dem 18. November, die sich eintragen.
Im Jilbadji Nature Reserve  stehen wir plötzlich vor einem Zaun. "State Barriere Fence" sagt ein Schild, Betreten bei Strafe in Höhe von $2.000 verboten. Nun gut, das erklärt vielleicht, warum am anderen Ende des Tracks nichts geht. Der Track biegt nach links ab und führt genau nach Süden, am Zaun entlang. Dann hört der Zaun auf, einfach so, mit dem gleichen Schild wie wir es weiter nördlich gesehen haben, der Track biegt ab nach WNW und trifft so wenig später wieder auf den eigentlichen Holland Track. Das macht den Zaun und das Schild noch widersinniger. Ein Soda-Zaun?
Wenig später parken wir den Troopie knapp neben dem Track auf 32°3'54"S 119°52'44"O, ich rechne nicht damit, dass heute noch jemand vorbeikommen wird. Seit Coolgardie haben wir ein Fahrzeug gesehen, das war auf der Victoria Rock Road.
Heute haben wir die 10.000 Kilometer auf dem Troopie überschritten (und somit insgesamt die 20.000 er Marke), eigentlich müssten wir einen Service machen lassen. Aber wo sollte das passieren? Nur Kalgoorlie wäre dafür in Frage gekommen, auf die Idee komme ich aber erst jetzt.
Die guten Vorsätze wegen des Lagerfeuers schmelzen dahin, wir haben doch eines. Zwar ist der Boden ringsum mit Holz, Eukalyptusrinden und Blättern bedeckt, aber es hat nur wenig Wind und es ist zu verlockend, nicht lange nach Holz suchen zu müssen.

Samstag, 26. November 2016

Weiter auf dem Track. Weitere Unterschiede zwischen HAT und DCR: Auf HT hat es keine Kamele, dafür sind hier Känguru, Mallee Fowls und Wildblumen. Das ist so schön, diese vielfältigen Blüten um uns herum. Und HT hat jede Menge natürliche Stolperfallen, Bumbs, nämlich Wurzeln, die quer über den Track laufen. Mallee Fowls haben wir nicht gesehen, aber wenigstens einen Mount, einen "Bruthaufen", der in Benutzung ist.
Unterwegs kommen wir einem Hilux näher, der vor uns auf dem Track steht. Der Fahrer begutachtet eine tiefe Stelle durch Begehen, fährt aber weiter bis zu einer Ausweichstelle, als er uns bemerkt. Die beiden haben am Mt. Holland übernachtet. Noch manche knifflige Stelle wartet auf uns, doch wir meistern alle ohne dass etwas kaputt geht, weder am Auto noch bei uns und unsrer Ausrüstung. In einem tiefen Graben steht Wasser, die Spuren deuten daraufhin, dass es schon länger da ist und dass es von Tieren als Wasserstelle benutzt wird. Abdrücke von Goannas, Mallee Fowls und Känguru sind auszumachen, Martins und ein Willie sind dabei, Insekten zu holen, die unvermeidlichen großen Wespen ziehen über dem Wasser ihre Kreise.
Dann ist es vorbei. An Emu Rock steht noch mal eine Plaque für die Erbauer des Tracks, errichtet vom Lions Club. Dann wird der Track breit und glatt. Einmal wissen wir nicht so recht, wie es weitergeht, doch das findet sich nach einem Umweg von rund 10 km. Plötzlich sind wir in Newdegate, weil wir an einer Stelle nicht abgebogen sind, als es nötig gewesen wäre. Und beim Versuch, nach Lake Biddy und weiter nach Lake Grace zu fahren, geraten wir auf Abwege und landen fast in Pingerup. Aber nur fast. Immerhin, jetzt wissen wir wieder den richtigen Weg.
Wir stellen uns auf den Caravan Park auf 33°21'30"S 118°27'36"O und machen uns auf die Suche nach Ollie und Luzy. Im Hotel bekommen wir die Auskunft, dass sie die Eigner von Saltbush Inn sind. Also gehen wir dorthin, niemand da, aber eine Möglichkeit, sie über Telefon zu erreichen. Ollie ist sofort im Bilde und sehr überrascht, er hat eine Veranstaltung in der Kirche, kommt aber und holt uns ab. Wir sind eingeladen zum Tee und dem nachfolgenden zweiten Vortrag "Wo steht die Kirche heute." Kirche meint damit Christi Kirche, die Betrachtung ist, wie beim Stellvertreter des Bischofs auch schwerlich anders zu erwarten, sehr katholisch geprägt. Dennoch, ein guter Vortrag, so weit ich ihn mitbekommen habe, mit einigen wirklich guten Ideen.
Zum gemeinsamen Abendessen mitzugehen sind wir nicht bereit, auch wenn alle shr freundlich sind. Plötzlich sind wir alleine und gehen zum Troopie zurück. Wenig später kommt Ollie dort vorbei. Er ist enttäuscht, dass wir auf dem CP übernachten und nicht im Saltbush Inn. "Where's your car?" war eine seiner ersten Äußerungen am Nachmittag. Und so entschließen wir uns, für eine weitere Übernachtung in Lake Grace zu bleiben, diesmal im Inn.
Abends bringt uns Ollie zum Lake Grace Lookout, um den Sonnenuntergang von dort aus zu sehen und anschließend zum Australian Inland Mission Hospital, einem 1925 erbauten Hospital, das bis 1952 als solches betrieben wurde und heute ein Museum ist. Anschließend gehen wir zu dritt zum Bowling Club zum Abendessen. Lucy, die hier in Lake Grace geboren und aufgewachsen ist, ist zu dem gemeinsamen Abendessen gefahren.
Am Lake Grace
Das Essen ist sehr gut, das Bier ebenfalls, aber am Bier merke ich die hohen Preise hier: $10,50 für ein Pint! Nun gut, es ist ein James Squire, aber das ist dennoch ein stolzer Preis.
Auf dem Caravan Park kommen wir noch mit der Caretakerin ins Gespräch, sie hat sich inzwischen an Lucy erinnert und auch ihr kam das Stichwort Saltbush Inn in den Sinn. Auch einer der anwesenden Arbeiter spricht uns an, er stammt aus Südafrika und hat einen leichten Akzent. Naja, nach sechs Jahren ist das nicht so erstaunlich.
So spät sind wir schon lange nicht mehr ins Bett gekommen.

Sonntag, 27. November 2016

Dennoch stehe ich fast mit der Sonne auf.
Wir lassen uns Zeit, brechen dann auf zum Jam Patch, wo es ein paar Spazierwege geben sll. Weil wir zuerst die Karte nicht sehen und es auch keine Ausschilderung gibt, suchen wir an der falschen Stelle, nämlich am Lookout. Das scheint geographisch zu passen. Aber es ist an ganz anderer Stelle, nämlich 17 km nördlich von LG. Also fahren wir hin. In LG blinkt die Bahnschranke, eine Lok mit vielen Waggons steht östlich von der Kreuzung, aber es passiert nichts. Doch, ein vermutlich Einheimischer fährt an uns vorbei über die Schienen. Und dann noch einer in der Gegenrichtung. Also kann es nicht verkehrt sein, wir fahren auch. Zum Glück finden wir den Platz auch ohne Hinweisschilder, denn es gibt keine. Aber die Spaziergänge, wir gehen zwei der drei möglichen Wege, sind sehr schön und seit langem nicht mehr begangen. Es gibt viele Spuren - aber nur von Wildlife, nicht von Menschen. Und oftmals ist der Weg von einem Spinnennetz versperrt, kleine Spinnen, vielleicht 8 mm im Durchmesser mit gelbem, rotem oder schwarz-weißem Abdomen mit Dornen wie ein Thorny Devil, offensichtlich nicht giftig und auch uns gegenüber nicht aggressiv, nutzen gemeinsam das Netz. Höchst interessant.
Die katholische Kirche in Lake Grace
Als wir auf LG zu fahren, kommt Ollie aus der Biggy Camm Rd heraus und fährt vor uns her. Die Bahn ist versperrt, inzwischen ist der Zug vorgefahren, die Anlage blinkt noch immer. Die Wagen werden beladen! Verwunderlich nur, dass das so lange dauert. Wenn wir vorhin nicht gefahren wären, würden wir noch immer da stehen.
IGA hatte gestern Nachmittag geschlossen, dafür haben sie jetzt auf, so können wir noch ein paar Lebensmittel einkaufen, bevor wir zur Kirche fahren. Heute ist nur eine Andacht, gehalten von Ollie (aber das haben wir nicht vorher gewusst). Wir werden eingeladen auf einen Tee mitzukommen zu Ollie und Lucy, die Einladung nehmen wir gerne an, nicht ahnend, dass daraus ein langer Besuch werden würde. Denn nach dem Tee gibt es eine Führung über das Gelände. Lucy's Eltern haben hier Milchwirtschaft betrieben, die neun Kinder leben alle noch hier in der Nähe, inzwischen natürlich mit eigenen Familien - oder eben wie Lucy und Ollie wieder alleine. Dann gibt es Lunch, Salatrolls, selbst zusammengestellt (Tomaten, Gurken, Spinatblätter, Beetroot, Käse, Pilze). Erst danach raffen wir uns auf und überlassen unsere so freundlichen Gastgeber ihrer wohlverdienten Ruhe. "I said you can come, and you came. And that was good." sagt Lucy zum heutigen Abschied (denn morgen früh sehen wir uns wieder).
Das Zimmer im Saltbusch Inn - der Troopie musste draußen bleiben.
Ein nettes Zimmer erwartet uns mit großem Bett, Kühlschrank, Dusche, Tisch und Stühle, TV mit Satelittenreceiver, Microwelle - mehr braucht es nicht. Das Auto bekommt einen "Landanschluss", die Zahnbürste und die Kamera werden aufgeladen.
33°6‘13“S 118°27‘47“O.

1 Kommentar:

  1. Werner: Das war sehr interessant zu lesen. Die meisten Strecken kenne ich nämlich noch nicht. Das Bier sind ja Oktoberfestpreise;-) Ein sehr bereisenswerter Abschnitt. Kommt auf die Liste. Manche Eckpunkte kenne ich wohl, aber die Strecken dazwischen nicht. Erstaunlich ist auch, dass eure Zeit schon wieder zu Ende geht. Andrerseits habt Ihr aber auch eine Mengen Meilen gemacht und viel erlebt und gesehen. Noch gute Weiterfahrt.

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