Samstag, 19. November 2016
…
Das Kochen mit dem kleinen Kocher klappt.
Die Süßkartoffel ist beim Essen noch recht hart, das kann aber daran liegen, dass wir sie
schon eine ganze Weile spazieren fahren, so dass sie etwas ausgetrocknet ist.
Dafür ist die Habanera noch schärfer als gedacht, insgesamt ist die Schärfe des
Essens gerade noch diesseits der Grenze.
| Pensioneers Huts in Cue |
Um auszuprobieren, ob die Nummer in meinen
Kontakten richtig eingetragen ist, telefoniere ich mit Patrick. Es geht ihnen
gut, Lina kränkelt ein wenig.
Gegen halb zehn klettere ich hoch ins Zelt,
da bin ich zumindest in unserem Bereich des Platzes der Letzte, der noch zu
sehen ist.
Sonntag, 20. November 2016
Und folgerichtig bin ich auch nicht der
erste, der aus dem Zelt kommt, sogar die Sonne ist schon knapp überm Horizont.
Die Mt. Magnet Drilling Leute starten wenig später zu ihrem Tagewerk, die
anderen drei haben heute wohl frei, fahren aber noch vor uns dennoch weg.
Vielleicht zum Prospecting.
Wir lassen uns Zeit, sehen uns noch Cue an
und fahren dann über die Dalgaranda Rd. zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten der
Gegend. Zuerst kommen wir an Big Bell vorbei, das war zwischen 1890 und 1935
eine prosperierende Gemeinde mit vielen Einwohnern, ist dann aber wegen der
Schließung der Goldmine völlig verkommen. Heute steht nur noch die Ruine des
einstmals einzigen Hotels und die Grundmauern einer der vier Kirchen, ich
glaube, es war die katholische. Ein Kreuz hängt noch an der Wand, von zwei
Fenstern sind noch die Holzrahmen erhalten, alles andere fehlt.
Das zweite ist ein großer Monolith. Laut
Eigenwerbung der Gemeinde Cue ist es der zweitgrößte Monolith Australiens nach
dem Uluru, aber das kann nicht sein, denn Mt. Augustus ist a) ein Monolith und
b) größer als der Uluru. Also kann Walga Rock höchstens der drittgrößte sein.
Von oben - denn diesen darf man besteigen - sieht man, dass in der Gegend noch
einige weitere Monolithen verstreut sind, alle ein wenig kleiner. Der Blick von
oben ist großartig, das Besteigen des Steines an einigen Stellen gefahrlos
möglich. Niywarri zeigen uns den Weg vorbei an einem Wasserloch mit wenig
grünem Wasser. Die Bedeutung des Walga Rock für die Aboriginals der Gegend
erschließt sich, wenn man die vielen Felszeichnungen in einem der großen
Überhänge ansieht. Unter diesen Felszeichnungen ist eine von einem Segelboot -
das ist wohl kaum eine alte Malerei der Aboriginal. Wenn es sich überhaupt um
eine alte Zeichnung handelt, dann ist für mich vorstellbar, dass sie gemalt
wurde von Überlebenden der Zuytdorp, die von Aboriginals gerettet wurden und
sich dem Stamm angeschlossen haben (wovon die Literatur ausgeht). Der Rock ist
nur etwa 325 km, also zehn Tagesmärsche, von Denham bzw. Shark Bay entfernt.
| Dalgaranga Meteorite Crater |
Als drittes besuchen wir einen
Meteoritenkrater, den Dalgaranga Meteorite Crater. Er ist mit nur 25 m
Durchmesser und 5 Metern Tiefe der kleinste anerkannte Meteoritenkrater. Der
zugehörige Meteor war ein Eisenbrocken, dessen etwa 100 to mit 40.000 km/h auf
die Erde prallten und dort explodierten. Der Einschlag kam von Westen, so wie
der Krater ausgebildet ist, sein Ostrand ist höher als der im Westen.
Dann genieße wir den Blik vom Warramboo
Lookout auf die Hill Gold Mine und besuchen The Granites, eine wunderbare
Felsformation im Norden von Mt. Magnet. Damit die Kultur noch zu ihrem Tribut
kommt, besuchen wir des weiteren die Überreste von Lennonville, eine ehemals
3.000 Einwohner zählende Boomtown, die bereits 1925 wieder der Erde
gleichgemacht war. Übrig geblieben ist nur der Bahnsteig.
Auf dem Caravan Park finden wir einen Stellplatz,
der hinreichend eben ist (28°3'42"S 117°51'3"O) und auch so
ausgerichtet ist, dass ich kochen kann. Auf dem Platz werden bei Bedarf
Gasflaschen aufgefüllt - schon haben wir unseren Refill. Und so erweist sich
das Wochenende als insgesamt doch sehr positiv: Sechs Reifen, ausreichend
Gasvorräte und die Tanks sind auch beide gefüllt.
| Der neue gebrauchte Reifen |
Kaum haben wir uns aufgestellt, gesellt
sich unser Nachbar zu uns, er ist alleine unterwegs und braucht offensichtlich
Ansprechpartner. Er ist "originally from England, but I hate it, never go
back there, it's too bloody cold." Er raucht, aber er hustet als hätte er
Schwindsucht im Endstadium. Klingt jedenfalls ganz übel. Und er redet und
redet. Er reist immer rund um Australien und sammelt dabei Gemstones, die er zu
Schmuckstücken verarbeitet und verkauft. Dann kommt die nächste Rundreise.
Nullarbor hält er für die langweiligste Strecke, ist er sie doch schon zehn Mal
gefahren.
Jetzt wird es knapp für das Kochen. Es ist
schön, wieder zwei Feuerstellen zur Verfügung zu haben. Beim Essen ist es schon
fast dunkel. Außerdem ist der Wind wieder aufgefrischt und abgekühlt. Heute
Nachmittag sind Wolken durchgezogen, offensichtlich das Abbild einer Kaltfront.
Das zeigen auch die Vorhersagen für die nächsten Tage: Morgen wird die kälteste
Nacht hier unten im Südwesten, dann geht es wieder bergauf. Ob das aber schnell
genug ist?
Montag, 21. November 2016
Auf jeden Fall haben wir beschlossen, heute
wieder in Richtung Norden zu fahren, zuerst aber nach Sandstone, das ist genau
im Osten. Auf der Straße dorthin herrscht reger Lizzardverkehr, alle wollen von
Nord nach Süd. Ein wirklich Großer ist dabei, so groß, dass ich ihn nicht hätte
zwischen die Räder nehmen können. Er bleibt stehen, als wir an ihm
vorbeifahren, geht dann aber doch gemächlich weiter. Ein Glück, denn von vorne
kommt ein Roadtrain - der einzige, den wir am Vormittag zu Gesicht bekommen.
In Sandstone ist es genauso ausgestorben
wie ich es in Erinnerung hatte. Die Visitor Information hat seit Anfang
November Sommerpause, bei Fragen bitte zum Shire Office gehen. Der
Straßenzustandsbericht ist vom 14. Oktober - der ist tatsächlich aktuell, denn
es hat seitdem nicht mehr geregnet (davor aber auch nicht). Im Shire Office
fragen wir nach der Sandstone Wiluna Rd, sie scheint in Ordnung zu sein, am
Anfang ist sie identisch mit der Sandston Meekathara Rd. Nachdem wir im Hotel
einen Sixpack und im General Store drei Kartoffeln eingekauft haben, starten
wir nach Norden. Etwa zur Mitte weicht das low Bushland einem Spinifexteppich,
der sich in der Folge immer wieder mit Mitchellgras und Bushland abwechselt.
Rund drei Stunden später sind wir in
Wiluna, dem Ausgangspunkt der Canning Stock Route, aber auch des Gunbarrel
Highway. Das ist für uns wichtig, denn Gunbarrel war Len Beadells Firma, und
noch immer gilt ja unser Motto "Following Len Beadell".
| In Wiluna: Denkmal für eine Aboriginal-Liebesgeschichte - auch das gibt es |
Genau das tun wir und starten weiter nach
Osten auf dem Gunbarrel Hwy. Hier ist die Bezeichnung Hwy sogar angemessen,
denn durch Mining Operations im Osten von Wiluna ist der GH ziemlich breit und
in sehr gutem Zustand. Zwei Mal werden wir in der Folge überholt. Nach rund 50
km finden wir eine gute Stelle für die Nacht und "gehen vor Anker".
Von der Straße aus sind wir auf 26°39'49"S 120°45'40"O selbst bei
genauem Hinsehen nicht auszumachen.
Tisch und Stühle aufstellen, Zeltpersenning
abnehmen und zusammenrollen, Zelt aufklappen, Betten richten, Gruben graben,
Holz sammeln und richten - also all das, was bei unseren Bushcamps immer
anfällt nach der Ankunft - ist heute recht schnell erledigt und so kann ich mich
für eine Weile gemütlich in den Schatten des Troopie setzen. Der Wind weht,
aber noch ist er nicht unangenehm.
| Abendhimmel am Gunbarrel Highway |
Dienstag, 22. November 2016
Die Vorsicht wegen des Gesehenwerdens war
unnötig: Es kam niemand mehr vorbei, weder gestern Nachmittag, noch in der
Nacht und auch nicht heute früh. Überhaupt kommt uns heute nur ein Auto
entgegen, am Beginn der Wellington Range. Beim Überfahren der Princess Ranges
einige Kilometer später halten wir an, um den wunderbaren Blick auf die Straße
hinter uns und das Umland zu genießen. Bei der Gelegenheit fällt mir erstmals
auf, dass die Carnegie Prenti Rd als "Private Road" ausgewiesen ist.
Hm…
| Gunbarrel Highway im Westen |
Bei Carnegie Station halten wir an und
holen uns die notwendige Auskunft: Es liegt nicht an Carnegie, vor einem Jahr
etwa hat Prenti Downs seinen Zugang gesperrt und lässt niemanden durch. Auch
ein Anruf dort und ein Gespräch mit einer der Stimme nach jungen Frau ändert nichts.
Prenti hat Rinder, Pferde und Kamele, die werden durch die durchfahrenden Autos
gestört. Deshalb gestatten sie keinen Verkehr mehr über ihr Gelände, nicht mal
der Mining Verkehr ist noch möglich. Nun, da kann man nichts machen, fahren wir
eben weiter auf dem Gunbarrel Hwy, der offiziell ohnehin erst hier anfängt.
Die Qualität nimmt immer weiter ab,
zusammen mit der Breite der Fahrbahn. Als wir nach 150 km nach Süden abbiegen
auf die David Carnegie Rd (in unserer Karte heißt sie auch Eagle Hwy), ist der
Gunbarrel etwa so wie Anne Beadell an den breiteren Stellen. Übrigens ist der
Gunbarrel Hwy nur bis Giles befahrbar, für den darauf folgenden Abschnitt, die
Mulga Park Giles Road gibt es keine Permits. Aber das wahre 4WD Feeling
erwartet uns erst noch. Die David Carnegie Road ist nicht mehr als ein Track,
teilweise noch schlechter als Gary Hwy. Es scheint so, dass die in Nord/Süd
Richtung verlaufenden Tracks einfach schlechter sind.
DCR ist ausgewaschen, hat
Löcher, ist teilweise sandig, hat an den glatten Stellen Corrugation und ist
nirgendwo breiter als unser Troopie. Natürlich wachsen oft beidseitig Mulgas
und streifen das Auto. Überall ist Spinifex, sogar in der Mitte des Tracks. An
manchen Stellen gibt es eine Detour, eine Umfahrung der ganz kaputten Stellen,
selbst die Detour ist nur ein schmaler kurviger Track. Mehr als ein Schnitt von
etwa 35 km/h ist nicht drin. Einmal sage ich über das Klappern und Rappeln
hinweg: "Zum Glück muss ich wenigstens nicht auf matschige Stellen
achten." Da taucht wie aus dem Nichts neben uns ein großes Wasserloch auf.
Wenig später sind die Spurrillen vor uns mit Wasser gefüllt, über Mittel- und Randstreifen komme ich mit trockenen
Reifen auf die andere Seite. Kurz danach tut sich vor uns ein See auf, eine
riesige Pfütze bedeckt den Track, water over road. Bei dem roten Untergrund
will ich gar nicht wissen, wie tief das Wasser und wie weich der Boden ist. Zum
Glück können wir außen herum fahren. Bei den Spinifex überall wäre ein
Reifenwechsel eine Tortur. Plötzlich eine seltsame Erscheinung vor uns auf dem
Track. Ist es ein Fußgänger? Passt nicht so recht. Ein Fahrradfahrer oder
stehender Biker? Nein, es ist ein Kamel, das gemütlich den Track entlang
schlendert. Als es mitbekommt, dass wir hinter ihm sind, schaut es zuerst erstaunt,
dann macht es sich in zügigem Trab nach rechts aus dem Staub.
| David Carnegie Road an einer der guten Stellen |
Irgendwann finden wir dann doch eine Stelle
neben dem Weg, an der wir das Auto abstellen und unseren Tisch aufbauen können
(26°21'35"S 124°14'11"O, so weit im Osten werden wir auf absehbare
Zeit nicht mehr übernachten). 535 km Dirt liegen heute hinter uns, insgesamt
haben wir dafür 10 Stunden gebraucht (abzüglich 30 Minuten in Carnegie
Station).
| Looking down to the Campsite |
Obwohl hier viel trockenes Holz herumliegt
und sich geradezu für ein Lagerfeuer anbietet, verzichten wir angesichts der
Nähe des trockenen Spinifex, der Enge unseres Stellplatzes und des doch wieder
recht starken Windes auf das Feuer. Dafür haben wir einen wunderbaren
Sternenhimmel, wie eigentlich immer. Als ich ins Bett gehe, ist im Norden ein
Gewitter, die Wolken kommen schon fast bis zu uns.
Mittwoch, 23. November 2016
In der Nacht beginnt es zu regnen, gerade
so viel, dass ich aufstehe, Stiefel und Stühle ins Auto lege und das Zelt
zumache. Dann hört es auch schon wieder auf. Nur der Wind ist nach wie vor
stark und das Wetterleuchten ist von Nord bis Ost deutlich zu sehen.
Kurz nach sechs sind wir unterwegs. Ein
Känguru, ein Kamel, ein Bustard und ein Lizzard werden von uns aufgescheucht -
normal kommt hier wohl niemand vorbei. Empress Spring ist tatsächlich ein
permanentes Wasserloch (momentan allerdings auch wasserlos). Die Erkenntnis von
dessen Existenz hatte Carnegie mit ziemlich rabiaten Methoden einem Aboriginal
entlockt: Er gab ihm nur stark gesalzenes Fleisch zu essen und nichts zu
trinken, bis der Gepeinigte es nicht mehr aushielt. Heute ist da ein Loch im
Boden, eine Kettenleiter führt hinunter in die Höhle. Das ist spannend, denn
was mich unten erwartet, weiß ich nicht. Die Höhle hat etwa 25 m Durchmesser und
ist 5 Meter hoch. Die Lampe des iPhones ist nicht hell genug, um von der Mitte
aus Genaueres sehen zu können. Wie gesagt, momentan gibt es kein Wasser.
| An Empress Spring - Visitors Book |
| Leiter an den Grund der "Quelle" |
Weiter geht die wilde Jagd, bis wir endlich
auf der Great Central Road ankommen. 7 Stunden reine Fahrzeit für 232 km - und
dann sagt Brigitte, ich sei schnell gefahren (und meint "zu
schnell").
Auf der breiten Straße kommen uns dann
sogar Autos entgegen, drei 4WDs und zwei Roadtrains. Auch hier sind wieder
Lizzards unterwegs, einen scheuchen wir geradezu von der Fahrbahn.
Und dann ist Laverton erreicht. Vor 4
Wochen sind wir hier zur großen Outbacktour gestartet, da ist es nur richtig,
sie auch hier sozusagen zu beenden. 8.469 km, davon 6.041 auf unbefestigten
Straßen, in vier Wochen, eine gute Leistung. Es hat Spaß gemacht und wir haben
viel gesehen, viel erlebt und viel gelernt. Ein Besuch in der "Hall of
Fame" im Great Beyond, dem Visitor Centre von Laverton, beendet sozusagen
die Tour. Obwohl, eine Woche bleibt uns ja noch, um nach Perth zu kommen.
Gleich nach dem Verlasen der Ausstellung bekommen wir die acht namentlich
erwähnten Explorer nicht mehr zusammen. Hann, Carnegie, Eyre, Forest, Giles,
Windich, ? und ?. Das Gedächtnis, zumal das Kurzzeitgedächtnis, lässt sehr zu
wünschen übrig. Über die Homepage ist nichts herauszubekommen.
Unser Stellplatz ist auf 28°37'30"S
122°24'20"O.
Auf dem Platz sind zwei Schweizer mit einem
Apollo Landcruiser, auch sie kochen in der Camp Kitchen, so kommen wir ins
Gespräch. Sie fragt mich, ob wir vom Uluru kommen oder dort hin wollen und ich
antworte "weder - noch". Das reicht als Aufhänger. Sie sind noch bis
Anfang Januar unterwegs und starten morgen früh nach Karijini. Außerdem ist da
- neben den vielen Arbeitern - eine Familie aus Perth, die durch WA tourt. Die
Tochter wird in zwei Wochen drei.
Donnerstag, 24. November 2016
So richtig warm ist es noch nicht heute
Morgen, aber doch so, dass wir uns viel Zeit lassen können mit dem Frühstück.
Um 7 sind wir unterwegs. Auf dem Weg nach Leonora leitet Brigitte mich auf die
Old Laverton Road auf die Suche nach dem Pioneer Cemetary in Mt. Morgans. Den
Ort, bzw. das descriptive panel, finden wir, aber der Friedhof entzieht sich
uns, trotz intensiver Suche. Das Ende der Geschichte ist, dass es nach meinem
Gefühl knapp wird mit dem Sprit. In Leonora passen 85,91 l in den Main, der SUB
ist ja schon seit gestern leer und fasst 89,02 l! Leonora hat ein Coles
Express, der gleichzeitig als General Store dient, entsprechend langsam ist die
Abwicklung. Ich tanke beide Tanks getrennt, dann gibt es keine Probleme mit den
Vouchers. Das war möglicherweise das letzte Mal, dass wir getankt haben, auf
jeden Fall das letzte Mal, dass wir beide Tanks gefüllt haben. In den letzten
vier Tagen sind wir rund 1.500 km gefahren und haben dabei 11,5 l/100 km
gebraucht.
In Leonora besuchen wir außerdem die Visitor
Information, weil Brigitte sich eine Kette kaufen will. Anschließend fahren wir
nach Gwalia. Dort waren wir 2013 in strömendem Regen und haben 2014 auf einen
Besuch verzichtet, weil es geregnet hat. Jetzt ist strahlender Sonnenschein und
da sieht alles besser aus, wenn auch nicht weniger beeindruckend. Das Museum
und Hoovers Haus sehen wir uns erstmals an. Letztendlich dauert das alles viel
länger als ich gedacht hatte und so fahren wir nur bis algoorlie und bleiben
dort auf dem Discovery Tourist Park. Diesmal stehen wir an der Längsseite der
Tentarea direkt neben der Camp Kitchen und haben einen powered Platz zum Preis
eines unpowered. Das gleicht sich mit der letzten Nacht im Oktober aus.
Weil wir relativ spät dran sind, verschiebe
ich das Tippen auf später und mache mich schon bald an das Kochen.
Später rufe ich bei Bobi an und melde uns
für den 29. an. Auch Terry erreiche ich im zweiten Anlauf "Guess where
we're sittin'." Auf Camp Kitchen in Kalgoorlie kommt er nicht, dabei liegt
es doch nahe, bei der Frage und unserer Vorgeschichte. Er wird versuchen, uns
zusammen mit Christine am 30. November in Banksia zu besuchen. Jetzt muss das
nur noch klappen mit dem Caravan Park. Im Grunde haben wir jetzt sogar eine
Übernachtung "übrig", wir können uns zwischen Lake Grace und
Freemantle also Zeit lassen.
Freitag, 25. November 2016
| In der Leonora Visitor Information |
Am Ortsende von Coolgardie, einem wie es
scheint ziemlich verschlafenen Kaff, biegen wir vom Great Eastern Hwy nach Süden
ab. Am Victoria Rock unterbrechen wir die Fahrt und wandern auf den Fels. Ein
herrlicher Rundblick auf dichten Gumwald eröffnet sich. Zwei weitere dieser
riesigen "Outcrops" sind in der Nähe auszumachen. Der Holland Track
ist mit HAT gekennzeichnet, wer das nicht sieht oder nicht versteht, darf den
Track nicht fahren. Mal sehen, wie weit er uns führen wird. Unno sagte, er sei
gesperrt, auf der Karte an Victoria Rock ist das Ende als "disused"
gekennzeichnet, hier steht nichts derartiges angeschrieben.
| Auf dem Holland Track I: Kilometerweise geradeaus |
Auch der Holland Track ist Abenteuer.
Unterschiede zur David Carnegie Road sind schwierig festzustellen: An HAT gibt
es keine Spinifex und der Sand ist überwiegend weiß oder gelb. An DCR gibt es
keine Eukalypten und Tea Trees, dafür sind die Mulga erheblich größer und
folglich härter. HT hat viel weniger Stellen zum Entspannen, also in der
Konzentration nachzulassen und ist wohl auch deshalb langsamer zu befahren. Die
Spurrinnen sind tief, gerade noch Landcruiser geeignet (kein Wunder: Der Toyota
Landcruiser Club WA hat die Patenschaft für den Holland Track), an manchen
Stellen sind die Wände rechts und links über einen Meter hoch. Das sieht
furchterregend aus, es gibt aber fast immer Umfahrungen.
| Auf dem Holland Track II: Immer wieder Spurrillen passend für Landcruiser |
Zum Thursday Rock müssen wir uns 2 km vom
Track seitlich bewegen. Diesmal stellen wir an der Stelle, an der wir aus dem
Bush auf den Fels kommen, zwei Steinmännchen auf, damit nichts schiefgehen kann
mit der Rückkehr. Der Thursday Rock ist deutlich kleiner als Victoria Rock, und
er hat auch keine sichtbaren Nachbarn. Nichts außer Wald ist zu sehen. Die
"Striped Dragons", mittelkleine Lizzards mit dem Verhalten von
Tata-Lizzards, bleiben manchmal sogar sitzen, wenn wir uns nähern.
Der dritte mit einem Namen versehe Rock,
der Newbey Rock, ist unter uns, der Track führt über den Fels, an einer Stelle
ist ein Pfosten aufgestellt mit Namensschild. Der Pfosten steht in einem großen
Steinhaufen, damit er nicht umfällt. Später führt der Holland Track noch zwei
Mal über Felsplatten, aber da ist kein Name angegeben.
An der Kreuzung mit dem Track von Marvel
Loch steht eine Plakette zu Ehren der vier Erbauer des Tracks, Holland,
Krakouer, Krakouer und Carmody. Sie haben zwischen dem 14. 4. und dem 18. 6.
1893 den Track aus dem Boden gestampft, als Weg für die Explorer und
Prospektoren, die wegen des Goldrausches zu erwarten waren. Haben sie was dafür
bekommen? Oder war das reine Menschenfreundlichkeit? In einem Koffer liegt ein
Besucherbuch, wir sind die ersten seit dem 18. November, die sich eintragen.
Im Jilbadji Nature Reserve stehen wir plötzlich vor einem Zaun.
"State Barriere Fence" sagt ein Schild, Betreten bei Strafe in Höhe
von $2.000 verboten. Nun gut, das erklärt vielleicht, warum am anderen Ende des
Tracks nichts geht. Der Track biegt nach links ab und führt genau nach Süden,
am Zaun entlang. Dann hört der Zaun auf, einfach so, mit dem gleichen Schild
wie wir es weiter nördlich gesehen haben, der Track biegt ab nach WNW und
trifft so wenig später wieder auf den eigentlichen Holland Track. Das macht den
Zaun und das Schild noch widersinniger. Ein Soda-Zaun?
Wenig später parken wir den Troopie knapp
neben dem Track auf 32°3'54"S 119°52'44"O, ich rechne nicht damit,
dass heute noch jemand vorbeikommen wird. Seit Coolgardie haben wir ein
Fahrzeug gesehen, das war auf der Victoria Rock Road.
Heute haben wir die 10.000 Kilometer auf
dem Troopie überschritten (und somit insgesamt die 20.000 er Marke), eigentlich
müssten wir einen Service machen lassen. Aber wo sollte das passieren? Nur
Kalgoorlie wäre dafür in Frage gekommen, auf die Idee komme ich aber erst
jetzt.
Die guten Vorsätze wegen des Lagerfeuers
schmelzen dahin, wir haben doch eines. Zwar ist der Boden ringsum mit Holz,
Eukalyptusrinden und Blättern bedeckt, aber es hat nur wenig Wind und es ist zu
verlockend, nicht lange nach Holz suchen zu müssen.
Samstag, 26. November 2016
Weiter auf dem Track. Weitere Unterschiede
zwischen HAT und DCR: Auf HT hat es keine Kamele, dafür sind hier Känguru,
Mallee Fowls und Wildblumen. Das ist so schön, diese vielfältigen Blüten um uns
herum. Und HT hat jede Menge natürliche Stolperfallen, Bumbs, nämlich Wurzeln,
die quer über den Track laufen. Mallee Fowls haben wir nicht gesehen, aber
wenigstens einen Mount, einen "Bruthaufen", der in Benutzung ist.
Unterwegs kommen wir einem Hilux näher, der
vor uns auf dem Track steht. Der Fahrer begutachtet eine tiefe Stelle durch
Begehen, fährt aber weiter bis zu einer Ausweichstelle, als er uns bemerkt. Die
beiden haben am Mt. Holland übernachtet. Noch manche knifflige Stelle wartet
auf uns, doch wir meistern alle ohne dass etwas kaputt geht, weder am Auto noch
bei uns und unsrer Ausrüstung. In einem tiefen Graben steht Wasser, die Spuren
deuten daraufhin, dass es schon länger da ist und dass es von Tieren als
Wasserstelle benutzt wird. Abdrücke von Goannas, Mallee Fowls und Känguru sind
auszumachen, Martins und ein Willie sind dabei, Insekten zu holen, die
unvermeidlichen großen Wespen ziehen über dem Wasser ihre Kreise.
Dann ist es vorbei. An Emu Rock steht noch
mal eine Plaque für die Erbauer des Tracks, errichtet vom Lions Club. Dann wird
der Track breit und glatt. Einmal wissen wir nicht so recht, wie es weitergeht,
doch das findet sich nach einem Umweg von rund 10 km. Plötzlich sind wir in
Newdegate, weil wir an einer Stelle nicht abgebogen sind, als es nötig gewesen
wäre. Und beim Versuch, nach Lake Biddy und weiter nach Lake Grace zu fahren,
geraten wir auf Abwege und landen fast in Pingerup. Aber nur fast. Immerhin,
jetzt wissen wir wieder den richtigen Weg.
Wir stellen uns auf den Caravan Park auf
33°21'30"S 118°27'36"O und machen uns auf die Suche nach Ollie und
Luzy. Im Hotel bekommen wir die Auskunft, dass sie die Eigner von Saltbush Inn
sind. Also gehen wir dorthin, niemand da, aber eine Möglichkeit, sie über
Telefon zu erreichen. Ollie ist sofort im Bilde und sehr überrascht, er hat
eine Veranstaltung in der Kirche, kommt aber und holt uns ab. Wir sind
eingeladen zum Tee und dem nachfolgenden zweiten Vortrag "Wo steht die
Kirche heute." Kirche meint damit Christi Kirche, die Betrachtung ist, wie
beim Stellvertreter des Bischofs auch schwerlich anders zu erwarten, sehr
katholisch geprägt. Dennoch, ein guter Vortrag, so weit ich ihn mitbekommen
habe, mit einigen wirklich guten Ideen.
Zum gemeinsamen Abendessen mitzugehen sind
wir nicht bereit, auch wenn alle shr freundlich sind. Plötzlich sind wir
alleine und gehen zum Troopie zurück. Wenig später kommt Ollie dort vorbei. Er
ist enttäuscht, dass wir auf dem CP übernachten und nicht im Saltbush Inn.
"Where's your car?" war eine seiner ersten Äußerungen am Nachmittag.
Und so entschließen wir uns, für eine weitere Übernachtung in Lake Grace zu
bleiben, diesmal im Inn.
Abends bringt uns Ollie zum Lake Grace Lookout,
um den Sonnenuntergang von dort aus zu sehen und anschließend zum Australian
Inland Mission Hospital, einem 1925 erbauten Hospital, das bis 1952 als solches
betrieben wurde und heute ein Museum ist. Anschließend gehen wir zu dritt zum
Bowling Club zum Abendessen. Lucy, die hier in Lake Grace geboren und
aufgewachsen ist, ist zu dem gemeinsamen Abendessen gefahren.
| Am Lake Grace |
Das Essen ist sehr gut, das Bier ebenfalls,
aber am Bier merke ich die hohen Preise hier: $10,50 für ein Pint! Nun gut, es
ist ein James Squire, aber das ist dennoch ein stolzer Preis.
Auf dem Caravan Park kommen wir noch mit
der Caretakerin ins Gespräch, sie hat sich inzwischen an Lucy erinnert und auch
ihr kam das Stichwort Saltbush Inn in den Sinn. Auch einer der anwesenden
Arbeiter spricht uns an, er stammt aus Südafrika und hat einen leichten Akzent.
Naja, nach sechs Jahren ist das nicht so erstaunlich.
So spät sind wir schon lange nicht mehr ins
Bett gekommen.
Sonntag, 27. November 2016
Dennoch stehe ich fast mit der Sonne auf.
Wir lassen uns Zeit, brechen dann auf zum
Jam Patch, wo es ein paar Spazierwege geben sll. Weil wir zuerst die Karte
nicht sehen und es auch keine Ausschilderung gibt, suchen wir an der falschen
Stelle, nämlich am Lookout. Das scheint geographisch zu passen. Aber es ist an
ganz anderer Stelle, nämlich 17 km nördlich von LG. Also fahren wir hin. In LG
blinkt die Bahnschranke, eine Lok mit vielen Waggons steht östlich von der
Kreuzung, aber es passiert nichts. Doch, ein vermutlich Einheimischer fährt an
uns vorbei über die Schienen. Und dann noch einer in der Gegenrichtung. Also
kann es nicht verkehrt sein, wir fahren auch. Zum Glück finden wir den Platz
auch ohne Hinweisschilder, denn es gibt keine. Aber die Spaziergänge, wir gehen
zwei der drei möglichen Wege, sind sehr schön und seit langem nicht mehr
begangen. Es gibt viele Spuren - aber nur von Wildlife, nicht von Menschen. Und
oftmals ist der Weg von einem Spinnennetz versperrt, kleine Spinnen, vielleicht
8 mm im Durchmesser mit gelbem, rotem oder schwarz-weißem Abdomen mit Dornen
wie ein Thorny Devil, offensichtlich nicht giftig und auch uns gegenüber nicht
aggressiv, nutzen gemeinsam das Netz. Höchst interessant.
| Die katholische Kirche in Lake Grace |
Als wir auf LG zu fahren, kommt Ollie aus
der Biggy Camm Rd heraus und fährt vor uns her. Die Bahn ist versperrt,
inzwischen ist der Zug vorgefahren, die Anlage blinkt noch immer. Die Wagen werden
beladen! Verwunderlich nur, dass das so lange dauert. Wenn wir vorhin nicht
gefahren wären, würden wir noch immer da stehen.
IGA hatte gestern Nachmittag geschlossen,
dafür haben sie jetzt auf, so können wir noch ein paar Lebensmittel einkaufen,
bevor wir zur Kirche fahren. Heute ist nur eine Andacht, gehalten von Ollie
(aber das haben wir nicht vorher gewusst). Wir werden eingeladen auf einen Tee
mitzukommen zu Ollie und Lucy, die Einladung nehmen wir gerne an, nicht ahnend,
dass daraus ein langer Besuch werden würde. Denn nach dem Tee gibt es eine
Führung über das Gelände. Lucy's Eltern haben hier Milchwirtschaft betrieben,
die neun Kinder leben alle noch hier in der Nähe, inzwischen natürlich mit
eigenen Familien - oder eben wie Lucy und Ollie wieder alleine. Dann gibt es
Lunch, Salatrolls, selbst zusammengestellt (Tomaten, Gurken, Spinatblätter,
Beetroot, Käse, Pilze). Erst danach raffen wir uns auf und überlassen unsere so
freundlichen Gastgeber ihrer wohlverdienten Ruhe. "I said you can come,
and you came. And that was good." sagt Lucy zum heutigen Abschied (denn
morgen früh sehen wir uns wieder).
| Das Zimmer im Saltbusch Inn - der Troopie musste draußen bleiben. |
Ein nettes Zimmer erwartet uns mit großem
Bett, Kühlschrank, Dusche, Tisch und Stühle, TV mit Satelittenreceiver,
Microwelle - mehr braucht es nicht. Das Auto bekommt einen
"Landanschluss", die Zahnbürste und die Kamera werden aufgeladen.
33°6‘13“S 118°27‘47“O.
Werner: Das war sehr interessant zu lesen. Die meisten Strecken kenne ich nämlich noch nicht. Das Bier sind ja Oktoberfestpreise;-) Ein sehr bereisenswerter Abschnitt. Kommt auf die Liste. Manche Eckpunkte kenne ich wohl, aber die Strecken dazwischen nicht. Erstaunlich ist auch, dass eure Zeit schon wieder zu Ende geht. Andrerseits habt Ihr aber auch eine Mengen Meilen gemacht und viel erlebt und gesehen. Noch gute Weiterfahrt.
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