Sonntag, 23. Oktober 2016
Der Vorteil der Benutzung einer Camp
Kitchen, besonders, wenn sie so gut eingerichtet ist wie hier in Kalgoorlie,
besteht zweifellos darin, dass wir leicht mit relativ vielen Leuten ins
Gespräch kommen. In Southern Cross war außer uns nur ein Benutzer da, dem es
nicht gepasst hat, dass wir ihn schlecht verstanden haben. Das kann ich ja
verstehen, aber für ihn war nach der dritten Gegenfrage das Gespräch beendet:
"You don't understand English." Er war auch nicht gut zu verstehen.
Gestern war das ganz anders. Fast jeder, der außer uns einen der Barbeque oder
der Stoves benutzt hat, hat sich mit uns unterhalten. Auch heute Morgen ist das
nicht anders.
Der Boulder Market war schon vergangenen
Sonntag, schade. Stattdessen gehen wir durch Burt Street zum Superpit Lokkout,
wo wir in die Superpit schauen können. Sie hat sich verändert seit 2013, die
eine Seite ist wesentlich steiler geworden. Eine solche Supermine auszubauen
funktioniert nur, weil der ganze Untergrund aus Stein besteht. Noch immer sind
gut die Stollen der früheren Minen zu sehen.
| The Super Pit in Kalgoorlie |
Im Loopline Railway Museum erstehen wir Day
Passes für die Loopline, die historische Tram durch Boulder und Kalgoorlie. Wir
benutzen nur den Weg von der Station bis Hannan, dort steigen wir, wie die
anderen Fahrgäste auch, wieder aus und gehen Hannan entlang. Alle Geschäfte
haben zu, das ist in Kalgoorlie so vorgeschrieben. Deshalb sind auch nur wenige
Leute unterwegs und wohl deshalb gibt es nur wenige Einkehrmöglichkeiten. Ein
Schild "Homemade Wafles" lockt mich an, wir bestellen und setzen uns
an einen freien Tisch an der Straße. Doch leider ist der Waffelteig nicht gut
geworden, und so muss ich meine Bestellung ändern, es wird stattdessen ein Old
Style Burger. Den Aufpreis muss ich selbst tragen. Offensichtlich war ich heute
der erste, der eine Waffel wollte.
| Free Mason centre in Kalgoorlie Boulder |
Über Hannan kommen wir zum Centennial Park,
dort war heute eine Bollywood Veranstaltung, sie liegt jetzt in den letzten
Zügen. Viele Leute sind da, die Frauen fast alle in den farbenfrohen indischen
Saris, die Männer teilweise mit Turban, einzelne auch im traditionellen
Leinenanzug mit Flip Flops. Auch die Kinder, eigentlich sind es nur Mädchen,
die an einem der Workshops oder an Vorführungen teilgenommen haben, sind sehr
traditionell gekleidet. Wie gesagt, wir sind ein wenig zu spät.
Am Platz ist viel los, es hat eine Menge
Neuankömmlinge gegeben, während wir weg waren. Erstaunlich, es sind keine
Ferien, Weihnachten ist noch weit weg und die Temperaturen sind auch nicht so
camperfreundlich.
Ein "powered site" kostet hier 14
$ mehr als der, auf dem wir jetzt stehen, dabei ist er direkt daneben.
Eigentlich grenzt das schon an Unverschämtheit. So viel Strom kann doch niemand
in einer Nacht verbrauchen! Da wir morgen schon kurz vor acht rausfahren und
das Büro da noch nicht offen hat, werden wir ohnehin auschecken und dann sehen,
wo wir die nächste Nacht verbringen.
Als wir uns gerade zum Essen in der Camp
Kitchen hinsetzen, kommt wieder Terry vorbei und benutzt den Barbeque, später
kommen er und seine Frau Christin und wir unterhalten uns so lange und
intensiv, dass es zu spät ist um noch Karten zu spielen, als wir uns
verabschieden. Wir erzählen von unseren reisen in Australien, sie von ihren in
Dänemark und England. Sie sind im Grunde sehr positiv eingestellt, nur den
Aboriginal gegenüber haben sie starke Ressentiments.
Montag, 24. Oktober 2016
Kurz vor 8 sind wir bei Toyota. Der, der
die zum Service angemeldeten Wagen annimmt ist der gleiche, der am Wochenende
technischen Dienst hatte, er weiß also von uns. Und so geben wir den Troupie ab
(er hat übrigens ein GVM von 3.300, liegt also klar unter den 3,5 to, die den
Ann Beadell Hwy im Bereich des Shire Laverton befahren dürfen) und harren im
Empfangsraum der Dinge, die da kommen. Die Mobile-Nummer von Angelika hat
Toyota Kalgoorlie auch schon in seinem Verzeichnis, so giibt es auch da keine
Probleme. Nach einem guten Kaffee und der Lektüre der Westaustralian News steht
der Troupie vor der Türe und hat wieder ein funktionierendes Radio.
Heute Morgen kurz vor sechs kam ein Anruf
aus Südaustralien wegen des Permit. Ich soll zum örtlichen Aboriginal Land
Council gehen. In der Visitor Information sagt sie uns aber, dass es die
Permits in der VI in Laverton gibt. Auch recht, versuchen wir es mal. Immerhin,
es scheint doch nicht so schwierig zu sein. Die Homepage des Irlkurlka
Roadhouse klingt gut, nach deren Aussage ist die Strecke befahrbar ohne größere
Probleme, außer den "üblichen" Corrugations - die im Übrigen auf
einigen Verkehr schließen lassen - im Osten. Im Westen ist mit Dünenverwehungen
zu rechnen. Immerhin geht es durch die Wüste.
Bei Coles füllen wir unsere
Lebensmittelvorräte auf und packen 60 l Wasser in das Auto - zusätzlich zu dem,
das noch da ist (ca. 30 l). Jetzt ist von der Seite her alles vorbereitet.
Wir müssen noch mal zu Toyota, der
Mechaniker hatte seine Werkzeuge in unserem Auto liegen lassen, die brauchen
wir nicht. Dann wird getankt, wir haben seit Perth immerhin 11,75 L/100 KM
gebraucht, das ist ziemlich viel für die Art, wie wir gefahren sind. Mag sein,
dass es am Gegen- und Seitenwind lag.
Zurück auf dem Discovery Caravan Park und
auf dem gleichen Platz wie die beiden Tage zuvor verstauen wir unsere Einkäufe
outbacksicher (damit nichts klappert und nichts kaputt geht) und genießen den
sonnigen Nachmittag am Pool. Viele Gespräche mit den anderen Gästen, am Pool,
am Platz und in der Camping Kitchen, sei es von deren Seite - denn meist geht
die Initiative von den Australiern aus - aus Neugierde, aus Langeweile oder
schlicht aus Freundlichkeit, lockern den Nachmittag und Abend weiter auf. Auch Terry
und Christine gesellen sich nach ihrem Abendessen wieder zu uns in die Camp
Kitchen. Wir halten es lange aus heute, so lange, dass außer uns alle schon weg
sind.
Der
Himmel hat am Nachmittag arg eingetrübt, aus der 20% Regenwahrscheinlichkeit
wird am Abend eine 100% Gewitterchance, es gießt kurzzeitig wie aus Kübeln,
dann haben wir wunderbares Wetterleuchten und als wir ins unser Zelt klettern,
wieder einige Sterne am Himmel. Später regnet es wieder.
Eine dritte Nacht hält die Hausbatterie
nicht durch, deshalb schließe ich den Kühlschrank an das Stromnetz des Platzes
an.
Dienstag, 25. Oktober 2016
Alles ist klamm, als wir aufstehen und
eigentlich sollten wir mit dem Zusammenpacken noch warten. Aber auch die Sonne
hat es eilig, wir sind doch ein ganzes Stück in den Osten gereist. Wir sind
auch nicht die ersten, die mit Sack und Pack den Platz verlassen.
In Leonora legen wir eine Pause ein und
besuchen die Visitor Information und die daran angeschlossene Leihbücherei. Die wird vom Staat WA betrieben
und enthält deshalb Bücher aus verschiedenen Orten, eines aus Pannawonica fällt
mir auf. Ich sehe mir wie immer die Kinderbücher an, da sind einige dabei, die
mir gut gefallen. Aber das Übersetzen ist dann doch zu schwierig und der Humor
teils für unsre Kinder nicht verständlich.
Dann sind wir in Laverton und wie
befürchtet stellt sich heraus, dass wir hier KEIN Permit für Anne Beadell
bekommen. Es war einfach blöd, gestern nicht zum ALC zu gehen und uns auf die
Aussage in der Kalgoorlie VI zu verlassen. Es hätte ja keinen Schaden
angerichtet. Aber die Lady war sehr überzeugend. Ich bin jetzt so weit, dass
ich ohne die beiden ausstehenden Permits die Reise zu unter- und das Risiko auf
mich zu nehmen gewillt bin. Was Brigitte dazu sagt? Auf jeden Fall starten wir
morgen nach Osten, auf Anne Beadell, denn bis zum Irlkurlka Roadhouse haben wir
die notwendigen Freigaben - und ebenfalls in der Mitte des SA-Teils. Ob wir
dann umkehren und den Umweg über den Uluru machen oder doch weiterfahren, wird
sich zeigen.
Mit meinem Editorial für den
Weihnachtsbrief bin ich nicht ganz zufrieden, aber jetzt ist es abgeschickt und
nicht mehr zu ändern. Denn bis wir wieder aus dem Funkloch auftauchen, ist
möglicherweise der Redaktionsschluss vorbei.
| Auf dem Laverton Caravan Park |
Unser Troupie steht auf 28°37'28"S
122°24'20"O, damit fast so weit im Norden wie Hutt und östlicher als
Broome! Außer uns sind keine Reisenden auf dem Platz, "nur" Arbeiter,
die hier im Wohnwagen oder in Cabins übernachten. Ja gut, wer nach Osten will,
egal, ob über Great Central oder Anne Beadell, ist ja ohnehin auf ein Bush Camp
eingerichtet, warum also nicht gleich ein paar Kilometer weiter fahren und die
25 $ sparen. So kommt es, dass wir die Camp Kitchen für uns haben und dort auch
Karten spielen.
Auf Anne Beadell I
Kurz nach fünf geht die Sonne auf, schon
lange vorher haben die Vögel angefangen mit ihrem Morgenkonzert. Ganz besonders
früh waren wie immer die Galah. Der Wind hat seit gestern Abend deutlich
aufgefrischt und hat heftig abgekühlt. Die Sonne hat auch eine Stunde später
noch nicht die Kraft, sich gegen die 13° durchzusetzen.
Auf geht's. Schon gestern haben wir in
Erfahrung gebracht, wo wir heute abbiegen müssen und so brauchen wir jetzt
nicht mehr zu suchen. Die ersten 144 km heißt die Strecke "White Cliffs
Road", erst bei Yamarna wird sie zum Anne Beadell Highway. Wobei Highway
eine durchaus beschönigende Bezeichnung ist, denn es handelt sich um einen
weitgehend einspurigen Track, der nicht gewartet wird. Hier am Anfang ist das
alles anders, denn bei Yamarna ist eine Goldmine, "Gold Road Camp",
und die brauchen für ihre Versorgungsfahrzeuge eine gute Anbindung. Bei den
Überresten der alten Homestead schalte ich den Vierradantrieb ein und senke den
Reifendruck auf 33 PSI. 33, weil die Reifen ja warm sind, also der Druck bei
kalten Reifen ohnehin etwas niedriger liegt. Außerdem ist das ein guter
Kompromiss, geeignet für alle Untergründe: ei Steinen nicht zu weich, für Sand
nicht zu hart. Sollte es nötig sein, kann ich ja noch mehr ablassen. Hier sehen
wir außer den zwei Arbeiterfahrzeugen auf dem Campingplatz die einzigen fremden
Menschen heute: Drei Geländefahrzeuge der Minengesellschaft. Zwei stehen quer
zum Anne Beadell Highway, einer der Fahrer steigt aus und bittet mich zu
warten, denn ein Flugzeug landet gerade. Anstelle des Stockyards von Yamarna
ist jetzt ein großer Airstrip angelegt. Auch eine andere Abweichung von Karte bzw. Track Guide
und der Wahrheit hat uns ziemlich verunsichert: Bei White Cliffs sollte nach
der Abzweigung zur Camel Farm ein Weg nach rechts abbiegen nach Cosmo Newberry
und der Great Central Road. Wir finden die Abzweigung nicht, wissen folglich
nicht, ob wir noch richtig sind. Und wie immer in solchen Situationen fahre ich
zu schnell. Auch das im Track angezeigte Autowrack ist nicht da, zumindest haben
wir es nicht gesehen. Die Zufahrt zum Great Central ist verlegt nach Yamarna!
| Auf dem Weg nach Osten |
Ab jetzt ist Anne Beadell wirklich ein
Track, allerdings nicht der schlechteste, den wir bisher erlebt haben.
Corrugation wechselt sich ab mit felsigen Passagen, dazwischen wird die Strecke
ziemlich ausgefahren, also bogey, mit glücklicherweise nicht sehr tiefen
Löchern. Nach Yeo passieren wir eine Claypan, die zum Glück hart und trocken
ist, andernfalls wären wir wohl nicht so weit gekommen.
Und nach fast einem Viertel der Gesamtstrecke,
320 von 1.327 km, finden wir wie im Guide angezeigt auf 28°22'11"S
125°21'11"Oeinen netten Platz zum Übernachten. Das im Guide sind nur
Hinweise, klar, aber wegen der gegebenen Bedingungen ist das Campen nicht so
häufig möglich, sonst steht man in den Spinifex. Das gefällt weder den Spinifex
noch den Beinen und Füßen der Camper. Schlangen fänden ein solches Camp
möglicherweise sehr interessant, und 2016 soll wie sein Vorgänger ein gutes
Schlangenjahr sein.
Langsam muss ich mich daran gewöhnen, dass
die Uhren in SA anders gehen als hier. Aber erst wenn wir in Coober Pedy sind,
müssen wir daran denken, vorher ist es egal. Wir leben in Australien eh' mehr
nach der Sonne und nur selten nach der Uhr. Heute sind wir drei Grad nach Osten
gereist, die Sonne geht also heute 12 Minuten früher unter als gestern und
morgen 12 früher auf als heute - für unsere Uhr.
Als am Abend unser (bisher drittes)
Campfeuer in sich zusammenfällt und nur rote Glut hinterlässt - jetzt könnte
ich gut ein Steak grillen - kommt der Nachthimmel richtig zur Geltung. Keine
Wolke trübt die Sicht, kein Mond überstrahlt die anderen Himmelskörper, die
Planeten (Venus, Saturn und Mars sind zu sehen), diverse Satelliten, den
sichtbaren Teil der Milchstraße (der schon ziemlich tief im Südwesten steht),
die bekannten Sternbilder (das Kreuz des Südens steht schon fast unter dem
südlichen Horizont und ist nur durch die Pointer zu lokalisieren) Kentaur,
Skorpion und die südliche Krone, dazu verschiedene Nebel - all das erstrahlt in
selten gesehener Pracht, obwohl wir von Bäumen, Marble Gums und Mulgas, umgeben
sind.
Auf Anne Beadell II
Die Sonne weckt uns und schon bald sind wir
wieder unterwegs. Weiter geht es nach Osten, ganz oft schnurgerade. Die
Corrugation wird stärker, aber noch immer sind ruhige Passagen dazwischen.
Vorbei an der Abzweigung zum Connie Sue Highway, wo eine echte Len Beadell
Plakette steht (von ihm selbst beschrieben und aufgestellt, als er am 16.
August 1962 mit seinem Team zum "Bau" der Straße hier durchkam. Das
Team bestand aus ihm selbst, seiner Frau Anne, seiner Tochter Connie Sue, einem
Fahrer des Bulldozers und des Graders, einem Koch und zwei Hunden. Das war vor
nur wenig mehr als 50 Jahren, also zu unseren Lebzeiten!
Erstaunlich wenig Fauna ist zu sehen, nur
einmal flitzt ein Känguru von einer auf die andere Seite, ab und zu kreuzt ein
Fink oder ein Wren unseren Weg und einmal sonnt sich ein Lizzard auf dem Track,
der immer schmaler wird. Wenn er nicht weggehen will… Aber dann räumt er doch
freiwillig das Feld und wir können passieren.
| Immer geradeaus - noch |
Gegen Mittag kommen wir zum Ilkurlka
Roadhouse. An der Tür hängt ein Zettel, auf dem Phil mitteilt, dass er gegen 1
zurück sein wird. Mittels HF Kanal 40 könne man ihn erreichen. Wir stellen uns
auf den Campingteil und harren der Dinge. Fast pünktlich kommt er, weil er
gesehen hat, dass wir am Shelter stehen, wir fahren rüber zum Tanken - der
Liter Diesel kostet 3 $, das ist heftig, aber angemessen, angesichts der Lage
und der Probleme, den Kraftstoff hierher zu bringen - checken für die Nacht ein
und unterhalten uns über alles Mögliche, besonders natürlich über die
Einsamkeit an diesem Vorposten der Zivilisation. Er ist der erste (und einzige)
Mensch, den wir heute außer uns sehen. Etwa 900 Reisende kommen durch im Jahr,
wir sind die ersten seit Samstag. Der Track wird schwieriger werden, aber kein
Problem sein, sagt Phil. Es gibt hier einen Airstrip, einmal die Woche, an
jedem Donnerstag, kommt das Postflugzeug und bringt neben der Post notwendige
Güter, die anders nicht schnell genug zu diesem Outpost, der die
Verbindungsstelle zur etwa 130 km weiter nordöstlich liegenden Community ist,
gelangen. Der hiesige Stamm sind die Spinifex People, sie sind Touristen
gegenüber aufgeschlossen in dem Sinn, dass sie das Roadhouse betreiben und
einige Shelters, Übernachtungsmöglichkeiten mit Toilette und großem bedachtem
Sitzbereich mit Wasser (wenn es genug geregnet hat) auf dem Weg aufstellen
ließen und sie verlangen kein Permit von den Durchreisenden. Weiteren Kontakt
wollen sie nicht, deshalb leben sie
fernab mit nicht gekennzeichneten Zufahrtswegen, die in keiner Karte zu
finden sind.
| Sturt Desert Pea |
Am Nachmittag ziehen Wolken auf, dadurch
wird es etwas kühler. Obwohl, richtig heiß ist es ohnehin nicht, die
Mittagstemperatur lag bei 32 Grad und der Wind ist nach wie vor kühl. Die
Wolken führen zu einem genialen Himmel um den Sonnenuntergang herum, der
Nachthimmel ist dafür deutlich beeinträchtigt.
Auf Anne Beadell III
Der Tag beginnt mit übler Corrugation.
Klar, vorher war noch das Frühstück und das Zusammenpacken, aber das ist
Routine. Nach einigen Kilometern wird es besser - oder haben wir uns schon
daran gewöhnt, dass alles klappert und rüttelt? Eine wunderbare strecke folgt:
Durch die Dünen nach OSO. Immer wieder biegen wir nach Süden ab, überqueren
einige Dünen, um dann im Dünental wieder nach Osten zu fahren. Besonders durch
die Dünen macht es Spaß, denn durch den weichen Sand rollen wir nahezu ohne
metallische Geräusche dahin. Es ist merkwürdig, den Motor zu hören, dabei ist
er ja nicht gerade leise. Im Laufe des Tages wird der Highway immer schlechter,
verkommt zum echten Track: Einspurig, manchmal nicht mal das, weil die Büsche
uns von beiden Seiten nahe rücken, mit Auswaschungen und Querrillen, mal
sandig, mal felsig, mal geschottert, mal überwachsen. "Not
maintained" eben, ungepflegt. Genau das aber ist ja der Grund, die Strecke
unter die Räder zu nehmen, mal abgesehen davon, dass die Alternative zu Anne
Beadell der Umweg über die Südküste und die Nullarbor (lat, "kein
Baum") oder über den Great Central und Yulara ist.
Je nach Sonneneinstrahlung ändert der Sand
seine Farbe, natürlich nicht wirklich, sondern im Auge des Betrachters. Kommt
die Sonne flach von vorn, so sieht er schwarz aus wie Basalt. Steht sie etwas
höher oder seitlich, so wirkt der Sand gelb. In beiden Fällen ist er im
Rückspiegel kräftig rot, so wie das auf den Bildern aus Australien sein soll.
Das zeigt, dass es hier noch wichtiger ist als sonst, die Sonne beim
Fotografieren im Rücken zu haben. Hier in der Victoria Dessert ist der Sand de
facto rot, es gibt andere Stellen in Australien, an denen der Sand gelb, weiß
oder grau ist.
| Bishops Tulip |
Wir sehen jede Menge Spuren von Dromedaren
im Sand, die sind nicht zu verwechseln, die Tiere selbst bleiben in Deckung.
Ähnlich die Känguru: Ihre Droppings liegen überall auf dem Weg, aber sie selbst
sind irgendwo im Schatten. Reptilien lassen sich blicken: Lizzards
verschiedener Größe, sie rennen alle weg, wenn wir uns nähern, eine grünliche,
etwa 1,20 m lange Schlange habe ich fast überfahren, doch bis ich angehalten
habe und ausgestiegen bin, ist sie schon auf dem Weg über die Böschung ins
Unterholz. Wie so oft auf Outbackstrecken, flattert immer wieder ein Vogel im
Gebüsch auf, fliegt eine eile vor uns her, um dann wieder zur Seite
auszubrechen. Und schon sind wir vorbei. Anhalten und Fotografieren ist meist
vergebens.
Überraschend, wie dicht bewachsen die Wüste
doch ist. Es gibt sogar große Eukalypten hier, einer davon, der besonders
schöne Marble Gum, kommt nur in der Great Victoria Desert vor. Weiter im Osten
treffen wir auch auf Desert Kurrajong, der auffällt durch seinen ganz glatten
und gleichmäßigen Stamm. Ansonsten wachsen Mulga und andere Akazien, Grevillea
und Hakea hier, die Vielfalt ist überwältigend. Darunter immer wieder
Spinifexringe, Bluebush-Ansammlungen (wenn der Boden etwas salziger ist) und
anderes Gestrüpp und daneben viele gelbe und rosa, blaue und weiße Blüten.
| The only victim |
Kurz vor der Staatsgrenze (WA/SA) ruiniere
ich den linken Außenspiegel. Ein in den Weg ragender Ast trifft genau den Rand
des Spiegels und durch die kurzzeitige Verspannung zersplittert das Glas. Das Gehäuse
des Spiegels sieht völlig unangetastet aus. Blöd, aber nun mal nicht zu ändern.
Mit duct tape kann ich die verbliebenen Scherben vor dem Herausfallen sichern.
So kann ich den Spiegel auch noch einigermaßen benutzen zum Rückwärtsfahren und
um den verbleibenden Raum bis zum Rand abzuschätzen.
Wenig später kommt uns dann tatsächlich ein
Auto entgegen und macht uns Platz, weil sie näher an einer geeigneten Stelle
waren. Zwei junge Leute asiatischen Aussehens in einem Pickup. Der Fahrer hat
seine Scheibe geschlossen, also will er keinen Kontakt aufnehmen. Auch recht.
Immerhin beweist das, dass man durchkommt durch den östlichen Teil.
Nachdem wir die Stelle, die im Guide mit
"very soft sand" ausgewiesen ist, ohne weiteres passiert haben,
suchen wir uns nach mehr als achteinhalb Stunden Fahrzeit und 314 km einen
Platz für die Nacht und finden ihn auf 28°33'18"S 130°130'26"O. Deutlich
zu sehen, dass wir wieder 3 Grad nach Osten gefahren sind, ohne dabei viel an
Höhe zu verlieren.
Und wieder ziehen von Nordwesten Wolken
auf...
Auf Anne Beadell IV
Viertel vor vier (WA-Zeit, hier ist es
bereits Viertel nach sechs) wache ich auf und höre Regentropfen, die auf das
Zeltdach klopfen. Es dämmert bereits. Nach kurzer Zeit steige ich runter, räume
meine Stiefel von der Stoßstange in die Fahrerkabine und lege die Campingstühle
in den Transportbereich. Als alles erledigt ist, ist es wieder trocken. Ich
klettere wieder hoch und lege mich in den Schlafsack, kann aber nicht mehr
einschlafen. Zum ersten Mal seit der Nacht auf Millstream Chichester kann ich
im T-Shirt frühstücken.
Eineinhalb Stunden später - so lange
brauchen wir fast immer - sind wir unterwegs. Wir passieren die östliche Grenze
des Mamungari (Unnamed) Conservation Parks und danach die westliche der Woomera
Prohibited Area. Jetzt haben wir ein Permit, das ist ein gutes Gefühl. Noch
einmal mache ich das nicht, ohne Permit in ein Gebiet zu fahren, wo ein solches
vorgeschrieben ist - es nimmt der Strecke den Spaß wegen des damit verbundenen Stresses. Aber beim
Durchfahren des Tallaringa Conservation Park morgen steht uns dieses Problem
nochmal ins Haus. Wir haben noch nie erlebt, dass ein Permit tatsächlich
kontrolliert wurde, aber möglich ist es (auch wenn wir den Tallaringa am
Sonntag durchfahren).
| Camel and Lizzard Tracks |
Bei den Überresten des Emu Projektes - das
war das Zünden von zwei britischen Atombomben hier in der Wüste 1953 - stellen
wir uns für die Nacht auf (28°38'9"S 132°11'37"O). In der Hemakarte
heißt die Stelle Emu Junction. „Überreste“ klingt gut, ist allerdings sehr hoch
gegriffen, denn neben dem noch deutlich sichtbaren Airstrip stehen einige verrostete
Ölfässer, Drums, sowie einige Metallstangen herum, das war es schon. In
Gegenden mit weniger historischer Vergangenheit sieht es oft ganz ähnlich aus.
Ich klappe das Zelt auf, suche Holz fürs Campfeuer, Brigitte stellt die Stühle
und den Tisch auf und holt Getränke und Kekse (als Mittagessen) raus - alles,
was wir so machen, wenn wir ankommen.
Der Wind frischt immer mehr auf und bringt
Regen mit. Und so wird alles wieder eingepackt, die Stühle und der Tisch
regensicher verstaut, wir verziehen uns ins Auto. Der Wind wird zum Sturm, ich
klappe das Zelt wieder zusammen (ohne es einzupacken), damit wir dem Wind eine
kleinere Angriffsfläche bieten. Im Westen wird es heller - ein
Hoffnungsschimmer.
Allerdings ein trügerischer, denn der Regen
hört zwar auf, bevor er richtig angefangen hat, aber der Wind lässt nicht nach.
Er ist zudem sehr warm, das gibt so eine Art Backofengefühl. Das Kochen klappt
trotzdem im Windschatten des Troupie, der die Nase in den Wind steckt. Es macht
sich positiv bemerkbar, dass der Gasdruck so hoch ist, denn dadurch bleibt die
Flamme an. Nur mit dem Campfeuer wird es leider nichts, das ist mir zu
gefährlich. Denn trotz der paar Tropfen, die gefallen sind, ist alles
knochentrocken.
Auf Anne Beadell V
Geregnet hat es nicht heute Nacht und auch
der Sturm ist abgeflaut und nur noch ein "normaler" Wind, der etwas
weiter nach Westen gedreht hat. Im Westen und im Osten steht je eine
Wolkenbank. Mit der Südaustralischen Zeit komme ich noch nicht zurecht, die
Sonne geht erst 20 nach sechs auf - dafür auch erst kurz vor 20.00 Uhr unter,
wir sind irgendwie etwas anders eingestellt, obwohl wir uns ja die letzte Zeit
kaum nach der Uhr gerichtet haben. Ganz merkwürdig: Das iPhone zeigt seit heute
die südaustralische Zeit an, keine Ahnung, woher es die hat. Denn ein Netz gibt
es nach wie vor nicht.
Nach wenigen Kilometern biegen wir nach
links ab zu den beiden Totems für Ground Zero. Verschieden rostige Gegenstände
liegen herum, ein Wall ist aufgeschüttet, ansonsten ist von dem Ereignis nichts
mehr zu sehen. Zu Sehen, denn die Strahlung ist noch immer hoch, so hoch, dass
man nicht in der Nähe campen darf. Die Flora zeigt sich unbeeindruckt, die
Fauna wohl auch, aber die zeigt sich auch heute nur in Form von Spuren.
Doch, ein Lizzard, noch einer und dann
endlich ein "Thorny Devil", der erste, den wir lebendig zu Gesicht
bekommen. Thorny Devil sind Eidechsen, die übersäht sind mit scheinbar spitzen
Stacheln. Nimmt man ihn, den Teufel, in die Hand, stellt man fest, dass er
ziemlich weich ist. Außerdem mag er das nicht.
Und natürlich kreuzen Vögel, von winzig
kleinen Wren über Zebrafinken, Budgerigars, Australian Parrots, Australian
Hobbies bis zu Galahs unseren Weg, ohne
uns auch nur die Spur einer Chance zu geben, sie zu fotografieren.
Immer wieder muss ich unterwegs anhalten um
- ganz unaustralisch - den Weg freizuräumen. Der gestrige Sturm und vielleicht
herumstreunende Kamele haben einige Büsche und kleinere Bäume auf den Track
geworfen. Ich schaffe sie beiseite, bei einem muss ich die Winsch zu Hilfe
nehmen - damit wir und die, die nach uns kommen, vorbeifahren können.
Australier würden um die Stelle herumfahren.
Die östliche Grenze des Tallaringa
Conservation Parks wird durch den Dog Fence gebildet, ein Zaun, der die Zuwanderung
von Dingos unterbinden soll. Dingos reißen gelegentlich Schafe, das wollten die
Schafzüchter verhindern und bauten deshalb den Zaun, der ganz Australien
durchläuft. Hilfreich war er schon, aber nicht undurchlässig. Insgesamt gab es
drei Anläufe, den Zaun zu bauen, beim dritten wurde der Zaun fertig.
Anne Beadell führt direkt auf den Zaun zu,
biegt dann nach Süden ab, verläuft drei Kilometer am Zaun entlang, dann kommt
ein Tor, das den Zun unterbricht und dann geht es wieder 3 Kilometer nach Norden,
am Zaun entlang. Der Hichway setzt sich dann an der gleichen Stelle fort, an
der er aus dem Busch kommt. Was dieser Umweg soll, ist mir nicht klar.
| Sunset in Great Victoria Desert |
Wenig später erreichen wir eine Stelle, die
für unsere nächste Übernachtung geeignet scheint. Natürlich könnten wir noch
bis Coober Pedy weiterfahren, es sind nur noch etwa 100 km, aber wir wollen
noch eine Nacht im Busch verbringen. Heute ist vermutlich der letzte Abend, an
dem wir ein Campfeuer anzünden dürfen, morgen sind wir in CP und dann ist
November mit "total firebann". Seit Ilkurlka habe wir mit niemandem
gesprochen, seit besagtem asiatischem Reisepaar keinen Menschen mehr gesehen.
| The last camp fire |
Inzwischen habe ich meinen Frieden
geschlossen mit dem Auto. Immerhin, es hat elektrische Fensterheber,
Zentralverriegelung, ein verstellbares Lenkrad, einen (nachträglich
eingebauten) Tempomat und ein Funkgerät. Vor allem über das Letztgenannte freue
ich mich, auch wenn ich hoffe, es nicht brauchen zu müssen. Das Zelt auf dem
Dach ist einfach, dadurch aber sogar für jemanden, der so kurz ist wie ich,
einfach auf- und abzubauen. Und die beiden Ersatzreifen hängen am Heck, sind
also gut erreichbar, das finde ich geradezu genial. Klar, der Bushi war
bequemer, was das Kochen betrifft und Zeiten, in denen das Wetter nicht fürs Draußensein
geeignet ist, aber wir kommen einigermaßen zurecht und erwarten ohnehin wärmere
Tage mit weniger Wind :-). Außerdem hat der Troupie uns klaglos durch die Great
Victoria Desert gebracht (fast, aber es sind keine Schwierigkeiten mehr zu
erwarten).
Auf Ann Beadell VI, Coober Pedy
Der Titel ist fast schon zu viel, denn es
bleiben uns kaum noch 100 km bis zum Ende des Hwy, genauer gesagt 84.
Die Sonne geht hier in SA zwar erst kurz
vor acht unter, das verlängert den Abend oder verkürzt die Zeit vor dem Feuer -
wie man will. Dafür geht sie aber auch erst gegen 1/2 8 auf, somit ist nichts
gewonnen gegenüber WA.
Der Track wird, je näher wir zum Ende
kommen, immer besser und breiter. Zu Beginn ist die Strecke noch reichlich bogey
mit langen rutts, ein Zeichen dafür, dass es hier manchmal sehr nass ist, aber
ab Mable Creek Station ist es fast eine Autobahn. Mable Creek scheint keine
Viehhaltung mehr zu betreiben, Stockyard und mustering area sehen unbenutzt und
verlassen aus, es gibt keine Anzeichen, dass in den letzten Jahren hier Kühe
unterwegs waren.
13 km vor Coober Pedy machen wir einen
Fotostop. Dazu suchen wir uns einen kleinen Hügel aus, neben dem wohl mal eine
Opalmine war. Jetzt wohnt dort eine junge (?) Frau mit drei Katzen und einem
Hund. Sie kommt auf einen Chat heraus, als sie mich auf dem Dach des Troupie
sieht. Zuerst entschuldigt sie sich dafür, dass es so unaufgeräumt ist. Sie ist
wohl nicht von hier. Richtig, sie kommt aus Neuseeland, ist Künstlerin und
wohnt seit fünf Jahren hier und heißt Joybelle. Sie hat Großes vor mit dem
Anwesen, will ein kleines Paradies, einen Garten Eden, hier aufbauen. Da
sollten wir in ein paar Jahren mal schauen, ob was draus geworden ist. Auch
Joybelle fällt meine rote Taube auf und gleich will sie wissen, was das ist.
Schon biegen wir ab auf den Stuart Hwy und
weniger später nach Coober Pedy.
| Coober Pedy Council House |
In der Visitor Information führen wir ein
nettes Gespräch mit dem Diensttuenden - die VI hier ist kommunal organisiert -
bevor wir beim IGA unsere Vorräte für die Tage bis Alice Springs auffüllen.
Einen kleinen, mobilen Badezimmerspiegel finden wir nicht, schade. Beim Tanken
stellt sich heraus, dass Phil den Tank nicht richtig befüllt hatte, der Schnitt
wird dadurch etwas schlechter. Immerhin, wir haben auf den 1319 km seit
Laverton 165,21 l Diesel verfahren, das sind im Schnitt 12,5 l/100km.
Angesichts der Strecke und der Anforderungen an das Auto und den Motor ist das
gut.
Eine neue Herausforderung wartet auf uns:
Hier gibt es vier Caravan Parks, welchen sollen wir nehmen? Wir gehen auf den
Oasis, da waren wir 2010 mit Matt und Frith. Die warmen Duschen sind hier nicht
im Preis inbegriffen, eigenartig. Unser Stellplatz ist auf 29°0'17"S
134°45'19"O, also wieder ein Stück südöstlicher. Und das wird sich so
fortsetzen, denn wir haben beschlossen, morgen über William Creek nach Coward
Springs zu fahren, bevor wir uns auf den Weg in den Norden, in das rote Zentrum
machen. Deshalb habe ich die Reifen gar nicht erst aufgepumpt. Für die paar
Kilometer sealed (heute waren es sieben) ist das nicht nötig, solange ich nicht
schnell fahre.
Nach Duschen - beim ersten Anlauf gibt der
Automat kein Wasser her, irgendwas ist nicht in Ordnung - und Tippen gehen wir
in den Ort. Zuerst noch einmal zur VI um die Permits für Gary Junction Rd zu
beantragen. Der freundliche Mensch kennt die notwendigen Webseiten auch nicht,
also benutzen wir Bing und sofort haben wir, was wir brauchen. Die beiden Permits
für NT werden direkt an meinen GMX-Account zugestellt, aber hier in der VI kann
ich sie nicht drucken. Das Permit für WA geht über Wartezeit. Noch während wir
unterwegs sind, kommt eine Antwort per Mail: Der Zeitrahmen ist zu groß, ich
soll das ändern. Doch dazu muss ich in die Karte schauen.
Bei Miner's Store erwerbe ich eine faltbare
(Spül-)schüssel, dann versuchen wir bei IGA noch mal uner Glück wegen eines
Spiegels und fragen einfach jemanden - und schon haben wir, was wir brauchen.
| Notreparatur |
Abendessen gibt es heute im Restaurant.
Brigitte hat sehr gute Erinnerungen an das Essen bei John's Pizza, also gehen
wir dort hin. Es ist ziemlich leer, aber das ändert sich bald. Die Pizza ist
wirklich gut und die Kuchen zum Nachtisch sind genial. Das war gut.
Zurück beim Auto ermitteln wir den Bedarf
für die Durchfahrt durch das Aboriginalgebiet in WA und schicken die neuen
Daten an Keith. Hoffentlich klappt das, das ist das Permit, das einen
7-Tage-Vorlauf braucht.
Melbourne Day
Melbourne Day? Ja, in Melbourne ist heute
das Pferderennen, der Melbourne Cup, vergleichbar zu Ascot oder Prix de L'Arc
de Triomphe in Paris, nur die besten Pferde der Welt können sich qualifizieren.
In diesem Jahr ist nur ein Australier unter den Startern. MD ist außerdem ein
gesellschaftliches Ereignis, in Victoria ist public holiday, im Rest
Australiens bleibt für die Dauer des wichtigsten Rennens alles stehen, um das
Rennen im TV zu verfolgen. A race to stop the land. Und wir wollen einfach über
William Creek nach Coward Springs fahren!
Doch vorher gehen wir zum 3. Mal in die VI.
Einen Desert Park Pass gibt es hier nicht, den muss man online kufen. Und dabei
stellt sic heraus, dass wir für Dalhousie gar keinen brauchen, da geht es mit
Selfregistration beim Eintritt in den Witjira National Park.
Zwischen Coober Pedy und William Creek
führt die erstklassige Gravelroad durch nur mit spärlichem Gras bewachsenes
Land. Kein Busch, kein Strauch und kein Baum unterbricht den Blick zum
Horizont. Schon zu dieser frühen Stunde bilden sich bereits Luftspiegelungen,
immer wieder sieht es so aus, als führen wir auf eine große Wasserfläche zu.
Bei Anna Creek Station - das ist die größte
Station in Australien, sie umfasst 2.500 qkm und gehört zum Imperium des Sidney
Kidman (das zur Zeit zum Verkauf steht. Der Kaufpreis liegt in der Gegend von
400.000.000 AUD. Zwei Konsortien streiten darum, das eine ist eine
australisch-chinesische Verbindung, das andere sind mehrere selbstständige
australische Farmer, die nicht wollen, dass die Gewinne ins Ausland abließen
und die Verluste sozialisiert werden. Schon kommen nationale Ressentiments ins
Spiel.) - sehen wir endlich eine kleine Herde von Dromedaren. Zwei Weibchen und
ein Junges machen sich bei unserem Näherkommen auf den Weg und kommen uns ein
wenig entgegen, um dann vor uns nach Westen zu ziehen. Ein großer Hengst liegt
etwas weiter weg am Boden und stört sich ebensowenig an uns, wie einige andere,
die weiter weg sind.
| William Creek Fire Truck |
In William Creek sehen wir einer
Galahmutter beim Füttern ihrer zwei Jungen, die schon genau so groß sind wie
sie und genau so aussehen, zu. Dann gehen wir rein und sehen uns die vielen
Informationen am schwarzen Brett an. Und was ist? Im TV läuft die Übertragung
vom Melbourne Cup, das heißt, das ist jetzt nur vorbereitendes Geschwätz um die
Zeit bis zum Start um 14.30 (Victoria-Zeit, also vermutlich 1/2 Stunde vor SA)
totzuschlagen.
Wir fahren weiter und beziehen unser
Quartier in Coward Springs, direkt neben der "natural spa"
(29°24'3"S 136°48'50"O auf -10m Höhe). Das Wasser hatte ich wärmer in
Erinnerung und der Übernachungspreis war
niedriger. Dafür sitzen über uns in den Bäumen viele Corellas und Galahs
und später kommen zwei Skinks, lazy lizzards, vorbeimarschiert.
Bei den Kamelen, in William Creek und ganz
kurz aus der Entfernung hier in Coward Creek haben wir zwei Franzosen
getroffen, denen wir bereits in Mt Elizabeth und an der Manning Gorge begegnet
sind. In WC hatte ich eine längere Unterhaltung mit ihm, die beiden Mädels
waren anderweitig unterwegs.
Wir sind schon mit dem Essen fertig, da
kommt ein Auto angefahren und stellt sich auf den Platz "um die
Ecke". Beim Rückweg von der Besichtigung der Spa kommen die beiden bei uns
vorbei. Er, Jose, ist Schweizer und seit 20 Jahren in Queensland ansässig, sie,
Sigi, ist ähnlich lange in Australien und stammt aus Kirchheim-Bolanden. Wir
unterhalten uns eine Weile, zu Anfang auf englisch, obwohl wirum die
Nationalitäten wissen, dann mehr und mehr auf deutsch. Irgendwann fällt ihnen
ein, dass sie was essen müssen. Sie gehen, aber nicht ohne uns für später auf
ein Glas Wein einzuladen. Wir hören uns nicht nein sagen.
Kaum sind die Fliegen verschwunden, tauchen
die ersten Mozzies auf. Und da ich nicht richtig eingesprüht war, fange ich mir
ein paar dicke Stiche am Hals, an den Oberarmen und den Ellbogen ein. Da der
Wind auch nicht gerade warm ist, ziehe ich das Flanellhemd an und mache die
Ärmel runter. So sollte es gehen.
Ziemlich lange - für unsere Verhältnisse -
sitzen wir bei den Nachbarn und reden. Offensichtlich besteht ein gewisser
Nachholbedarf.
Mittwoch, 2. November 2016
Weil Schwalben, ein Flycatcher und ein
anderer Vogel sich über uns im Baum herumtreiben - Galah und Corella sind
bereits zum Morgenflug aufgebrochen - dauert alles ein wenig länger als üblich.
Dafür lässt Sigi uns durchfahren, denn sie sind zuerst am Gate. Als wir in
Beresford den alten Bahnhof ansehen und in Strangways die Überreste von Station
und Telegrafenrepeater besuchen, verlieren wir sie aus den Augen. In William
Creek steht ihr Auto vor dem Roadhouse, aber wir gehen nicht rein. Interessant
sind auch die Spring Mounts, etwa 3 m hohe Hügel, die einerseits aus mit dem
Wasser des Great Artesian Basin hochgekommenen Sedimenten, zum anderen aus vom
Wind angewehten Sand, Erdstückchen, Samen und Humus zusammengesetzt sin und in
deren Innern früher das Wasser einen kleinen Pool gebildet hat. Das war ein
wichtiger Trinkwasserlieferant für die Aboriginals. Durch das Anbohren des
Basins durch die Siedler hat der natürliche Druck inzwischen so weit
abgenommen, dass es für die meisten Mounts nicht mehr reicht. Coward Springs
Quelle und die verschiedenen Quellen von Dalhousie sprudeln noch, der Bubbler
wenig weiter im Süden wohl auch, aber hier ist alles trocken.
| Algebuckina Bridge |
Algebuckina Bridge ist schon bei der
Anfahrt vom Track aus zu sehen, das war 2010 nicht der Fall. Wir machen die
üblichen Bilder, das ist kaum zu vermeiden, weil sonst wenig zu sehen ist.
Der Track ist bis auf wenige Stellen in
hervorragendem Zustand, besser, als manche Straße in unserem Heimatkreis, also
in unmittelbaren Nachbarschaft.
Obwohl wir eigentlich Richtung Coober Pedy
zur Painted Desert abbiegen wollen, machen wir den Abstecher nach Oodnadatta.
Das Roadhouse sieht aus, als hätte es einen Upgrade gegeben und hinter der
Theke steht nicht wie sonst ein Work- und Travel Teilnehmer, sondern eine
Aboriginal.
Weil die Strecke auch Richtung Coober Pedy
in besagtem gutem Zustand ist und sich das auch bis zur Painted Desert
fortsetzt, sind wir zügig dort. Ein überraschender Anblick, manche Stellen des
Bodens sehen aus wie geschmolzenes Glas. Alle Farben von weiß über gelb, rot,
ocker bis zu grün kommen vor. Glücklicherweise kommt auch gerade die Sonne
hinter den Wolken hervor.
| Painted Desert, Arckaringa Hills, SA |
Ja, es hat sich wieder zugezogen. Aber die
Landlady bei Arckaringa Station, die uns mit der 8 Monate alten Alice auf dem
Arm empfängt, versichert, dass es nicht regnen wird. Hoffentlich ist es so, der
letzte Rest der Strecke bis zur Station sieht nicht so aus, als könnten wir bei
Regen hier wieder raus. Immerhin, Arckaringa Creek und Gorrikianna Creek sind
zu durchfahren, allerdings nicht quer, das ginge wohl noch, sondern längs: Der
Track folgt beiden Creeks jeweils mehrere hundert Meter. Dort ist der Track
auch ziemlich schlecht. Nach ein bisschen Rangieren stehen wir - als einzige
Gäste auf dem Camp - auf 27°56'17"S 134°44'14"O. Jetzt sind wir schon
wieder nördlicher als Hutt River Province. Nein, wir sind doch nicht die
einzigen Gäste, das Zelt am Rand ist belegt, allerdings hatte ich den dazugehörigen
Menschen als Cabin User eingestuft, weil er immer bei den Cabins saß, bis er
zum Sonnenuntergang fortfuhr.
Wider Erwarten gibt es nämlich einen
wunderbaren Abendhimmel. Die Sonne geht zwar hinter einer Wolkendecke unter,
strahlt dann aber die Wolken von unten rot an. Das ist wunderbar. Und dann
lösen sich langsam die Wolken auf, so dass wir noch einen schönen Sternenhimmel
mit einer ganz schmalen Mondsichel zu sehen bekommen. Zum ersten Mal auf dieser
Reise spielen wir im Freien Skibbo, es geht kein Wind mehr!
Donnerstag, 3. November 2016
Heute scheint die aufgehende Sonne durch
das eine Seitenfenster in unser zelt. Herrlich, die Sonne über dem
schnurgeraden Horizont am im Osten völlig wolkenfreien Himmel hochkommen zu
sehen. Da halte ich es nicht im Schlafsack aus. Siehe da, es ist auch nicht so
kühl wie erwartet.
Über Oodnadatta, wo ich erfahre, dass wegen
des seit Wochen ausgebliebenen Regens keine Schwierigkeiten auf dem Weg zu
erwarten sind, und Hamilton Station, wo wir die Nordrichtung durch einen Weg
nach Osten ersetzen, fahren wir nach Dalhousie Springs. Der Weg von Oodnadatta
bis Hamilton Station ist in gutem Zustand, das ändert sich schlagartig mit dem
Abbiegen nah Osten. Drei Autos kommen uns entgegen, sie kommen aus der Simpson
Desert. Morgens auf der Oodnadatta Coober Pedy Road (die nicht, wie am Ausgang
von O. angezeigt, gesperrt ist, da ist das Schild kaputt) kamen uns zwei
Roadtrains entgegen, beide waren beladene Viehtransporter mit "nur" zwei Einheiten, die haben
richtig viel Staub aufgewirbelt.
Eigentlich könnten wir jetzt gleich auf
diesem Track bleiben bis Birdsville, das sind noch etwa 400 km durch die
Simpson Desert. Aber erstens haben wir keinen Desert Park Pass und zweitens
kein Fähnchen an der Antenne. Der SUB ist leer, noch 600 km verbleiben im Main
(das würde reichen), die reichlichen Wasservorräte sind erheblich geschrumpft
(sollte ebenfalls reichen). Park Pass und Fähnchen sind mandatory, ausreichend
Sprit und Wasser vernunftgegeben.
Aber nein, wir sind vernünftig und kehren
um nach der Übernachtung hier am Dalhousie Springs Camp Ground. Hier gibt es
einen Teich, der aus dem Artesian Basin gespeist wird (mit 160 l/min Wasser mit
43° C) und 38 Grad warm ist. Zum Schwimmen ein bisschen viel, aber ideal um
sich treiben zu lassen und aufzuweichen. Freundlicherweise liegen Noodles
bereit. Wie eine Badewanne, aber im Freien. Dabei können wir Martins
beobachten, die über dem Teich tanzende Mücken und Fliegen fangen und ab und zu
vom Wasser nippen. Martins sind Schwalben.
Nach einem Walk rund um den See setzen wir
uns bei unserem Troupie in ein dort aufgestelltes Shelter und genießen die
Ruhe. 26°25'23"S 135°30'15"O
Erst nach Einbruch der Dunkelheit kommt
noch ein Auto, stellt sich aber in die Day Use Area. Wir sehen nur ihre hellen
Lichter.
Das Wasser im Waschhaus funktioniert nicht,
weder an den Spül- und Waschbecken noch in den Duschen. Immerhin, die Toiletten
sind benutzbar.
Freitag, 4. November 2016
Zurück nach Westen, da es mit Simpson
Desert ja nichts werden kann.
Vorbei am Opossum Waterhole - Eine
natürliche Quelle, gespeist aus dem Artesian Basin, und über viele Jahrtausende
Lebensgrundlage für die Aboriginal vom Stamm der Arrernte, von den sich hier ansiedelnden
"pastoralists" aufgebohrt und mit einem Damm versehen ist heute ein
Refugium für viele Vögel und Tiere. Die Tea Tree Bäume gedeihen hier wie
überall in dieser Gegend durch das stark mineralreiche Wasser besonders gut und
werden bis zu zwölf Meter hoch, anderswo zwei bis drei. - und Ruinen
verschiedener Stations erreichen wir den Track von Oodnadatta nach Norden, an
dem wir 2010 gescheitert sind. Diesmal sind die Bedingungen anders, der Track
ist schwierig, aber letztlich kein Problem. Immer wieder halten wir an, um
Vögel zu beobachten. Schwärme von Budgerigars treiben sich herum, landen mal
hier, mal da, fliegen urplötzlich alle auf - und sind weg. Emus kommen uns
entgegen, überlegen lange, ob sie weitergehen sollen oder lieber doch nicht,
letztlich laufen sie davon. Immer wieder sehen und hören wir Nyinyi,
Zebrafinken, die vor uns den Weg überqueren, in den Büschen sitzen und sich
unterhalten. Nur während der ersten Stunden besteht die Gefahr, dass Lizzards
auf dem Weg sitzen und sich wärmen, später sind sie im Allgemeinen schnell
verschwunden, wenn wir näher kommen.
Nach genau 3.333 km mit dem Troupie halten
wir in Finke am General Store an und machen eine Pause. Der Eingang zum Store
ist geschickt versteckt und nur an den Hundeverbotsschildern als solcher zu
erkennen. Wir tragen uns ins Besucherbuch ein - der letzte Eintrag stammt vom
26. September - kaufen Kekse und einen Apfel, einen Pink Lady, und machen uns
auf den Weg zu Lambert's Point. Dieser Punkt, 32 Gravelkilometer außerhalb von
Finke, ist das geographische Zentrum Australiens. Ich weiß nicht, wie das
geographische Zentrum definiert ist und so stellen sich mir doch einige Fragen:
Geht nur de Fläche des Festlandes ein oder sind auch Inseln berücksichtigt (was
bei Australien nicht so viel Unterschied macht)? Ist Tassie berücksichtigt?
Wenn es um die Landmasse geht, was ich mir allerdings nicht vorstellen kann,
ist dann berücksichtigt, dass der Osten durch die Dividing Range eine erheblich
größere Masse besitzt, der Südwesten wegen der Goldvorräte im Boden schwerer
und der Nordwesten wegen der Gasvorkommen leichter sein sollte? Gilt der
Kontinentalsockel ebenfalls? Die Fahne, das Original hängt in Ziegelhausen, ist
noch nicht ersetzt, das Besucherbuch erzeugt wesentlich mehr Interesse bei den Anreisenden
als das in Finke - alleine gestern gab es drei Einträge, heute unseren.
| Lambert's Point, Australia's Geographic Centre |
Abermals kommen wir in Finke am General
Store vorbei, passieren ihn aber ohne anzuhalten und verlassen den Ort nach
Norden, dem Old Ghan Heritage Trail folgend. Vor fast sieben Jahren war es wohl
noch der schmale Track, der neben dem Trail verläuft. Der Weg hat mittlere
Corrugation und gelegentliche Auswaschungen, ist aber gut befahrbar. Nur ist
mein rechtes Auge gereizt und tränt, das erschwert den Blick auf die Fahrbahn.
Bei den Resten von Engoordina Station
(25°4'11"S 134°21'52"O) richten wir uns für die Nacht ein. Es ist
seit Finke erst die zweite Stelle, an der wir die Straße nach rechts oder links
verlassen konnten, die Möglichkeiten sind eingeschränkt. Viermal kommt jemand
vorbeigefahren und winkt uns zu, es sind alles Schwarze. Es ist gut warm heute
Nachmittag.
Alice Springs
Das iPhone sagt mir, dass NT auf die
Umstellung auf Sommerzeit im Gegensatz zu SA verzichtet und dass also eine Stunde
früher ist als es jenseits der Grenze wäre. Dass also die Sonne hier eine
Stunde früher aufgeht als 80 km südlich. Naja,
85 km vor unserem nächsten Ziel, Alice
Springs, kommt uns ein Bushi entgegen, in einer Rechtskurve driftend.
Tatsächlich, es ist 1EVV841. der Fahrer ist zu beschäftigt um meine Gruß zu
erwidern - oder zu eingebildet? Die sind wohl über die Great Central hierhergekommen.
In Alice stellen wir fest, dass de Visitor
Information umgezogen ist (das ist gut), dass die Parkplätze noch so sind, wie
vor drei Jahren, als wir zuletzt hier waren - und dass Bo Jangles geschlossen
hat. So ein Mist, ich hatte mich wirklich auf das Abendessen dort gefreut. In
der VI schlagen sie das Overlander Steakhouse als Ersatz vor, aber so richtig
überzeugt mich der Flyer nicht.
Um 11 fahren wir an einem Thermometer
vorbei, es zeigt 34°C, das ist schon recht gut. Auf dem Alice Springs Tourist
Park setze ich mich freiwillig in den Schatten, und die Hülle um das Dachzelt
ist zu heiß, um die Gummis wie gewohnt von oben zu lösen.
| Auf dem Alice Springs Tourist Park, Site A5 |
Wäsche waschen, aufräumen, rumrödeln, den
Pool ausprobieren und Duschen - schon ist der Nachmittag fast vorbei. In den
Bäumen über uns sind Vögel, am Boden sind Tauben - alles ziemlich idyllisch.
Liebe Brigitte, lieber Chrisitan, schön von euch zu hören. Hier ist alles in Ordnung. Wir wünsche euch weiterhin alles Gute bei eurer Reise, das heisst, wenig Reifenpannen und vor allem gute Gesundheit!
AntwortenLöschenleibe Grüsse Vivian & co