Samstag, 5. November 2016

Von Kalgoorlie nach Alice Springs - von Eastern Western Australia ins Zentrum.



Sonntag, 23. Oktober 2016

Der Vorteil der Benutzung einer Camp Kitchen, besonders, wenn sie so gut eingerichtet ist wie hier in Kalgoorlie, besteht zweifellos darin, dass wir leicht mit relativ vielen Leuten ins Gespräch kommen. In Southern Cross war außer uns nur ein Benutzer da, dem es nicht gepasst hat, dass wir ihn schlecht verstanden haben. Das kann ich ja verstehen, aber für ihn war nach der dritten Gegenfrage das Gespräch beendet: "You don't understand English." Er war auch nicht gut zu verstehen. Gestern war das ganz anders. Fast jeder, der außer uns einen der Barbeque oder der Stoves benutzt hat, hat sich mit uns unterhalten. Auch heute Morgen ist das nicht anders.
Der Boulder Market war schon vergangenen Sonntag, schade. Stattdessen gehen wir durch Burt Street zum Superpit Lokkout, wo wir in die Superpit schauen können. Sie hat sich verändert seit 2013, die eine Seite ist wesentlich steiler geworden. Eine solche Supermine auszubauen funktioniert nur, weil der ganze Untergrund aus Stein besteht. Noch immer sind gut die Stollen der früheren Minen zu sehen.
The Super Pit in Kalgoorlie
Im Loopline Railway Museum erstehen wir Day Passes für die Loopline, die historische Tram durch Boulder und Kalgoorlie. Wir benutzen nur den Weg von der Station bis Hannan, dort steigen wir, wie die anderen Fahrgäste auch, wieder aus und gehen Hannan entlang. Alle Geschäfte haben zu, das ist in Kalgoorlie so vorgeschrieben. Deshalb sind auch nur wenige Leute unterwegs und wohl deshalb gibt es nur wenige Einkehrmöglichkeiten. Ein Schild "Homemade Wafles" lockt mich an, wir bestellen und setzen uns an einen freien Tisch an der Straße. Doch leider ist der Waffelteig nicht gut geworden, und so muss ich meine Bestellung ändern, es wird stattdessen ein Old Style Burger. Den Aufpreis muss ich selbst tragen. Offensichtlich war ich heute der erste, der eine Waffel wollte.
Free Mason centre in Kalgoorlie Boulder
Über Hannan kommen wir zum Centennial Park, dort war heute eine Bollywood Veranstaltung, sie liegt jetzt in den letzten Zügen. Viele Leute sind da, die Frauen fast alle in den farbenfrohen indischen Saris, die Männer teilweise mit Turban, einzelne auch im traditionellen Leinenanzug mit Flip Flops. Auch die Kinder, eigentlich sind es nur Mädchen, die an einem der Workshops oder an Vorführungen teilgenommen haben, sind sehr traditionell gekleidet. Wie gesagt, wir sind ein wenig zu spät.
Am Platz ist viel los, es hat eine Menge Neuankömmlinge gegeben, während wir weg waren. Erstaunlich, es sind keine Ferien, Weihnachten ist noch weit weg und die Temperaturen sind auch nicht so camperfreundlich.
Ein "powered site" kostet hier 14 $ mehr als der, auf dem wir jetzt stehen, dabei ist er direkt daneben. Eigentlich grenzt das schon an Unverschämtheit. So viel Strom kann doch niemand in einer Nacht verbrauchen! Da wir morgen schon kurz vor acht rausfahren und das Büro da noch nicht offen hat, werden wir ohnehin auschecken und dann sehen, wo wir die nächste Nacht verbringen.
Als wir uns gerade zum Essen in der Camp Kitchen hinsetzen, kommt wieder Terry vorbei und benutzt den Barbeque, später kommen er und seine Frau Christin und wir unterhalten uns so lange und intensiv, dass es zu spät ist um noch Karten zu spielen, als wir uns verabschieden. Wir erzählen von unseren reisen in Australien, sie von ihren in Dänemark und England. Sie sind im Grunde sehr positiv eingestellt, nur den Aboriginal gegenüber haben sie starke Ressentiments.

Montag, 24. Oktober 2016

Kurz vor 8 sind wir bei Toyota. Der, der die zum Service angemeldeten Wagen annimmt ist der gleiche, der am Wochenende technischen Dienst hatte, er weiß also von uns. Und so geben wir den Troupie ab (er hat übrigens ein GVM von 3.300, liegt also klar unter den 3,5 to, die den Ann Beadell Hwy im Bereich des Shire Laverton befahren dürfen) und harren im Empfangsraum der Dinge, die da kommen. Die Mobile-Nummer von Angelika hat Toyota Kalgoorlie auch schon in seinem Verzeichnis, so giibt es auch da keine Probleme. Nach einem guten Kaffee und der Lektüre der Westaustralian News steht der Troupie vor der Türe und hat wieder ein funktionierendes Radio.
Heute Morgen kurz vor sechs kam ein Anruf aus Südaustralien wegen des Permit. Ich soll zum örtlichen Aboriginal Land Council gehen. In der Visitor Information sagt sie uns aber, dass es die Permits in der VI in Laverton gibt. Auch recht, versuchen wir es mal. Immerhin, es scheint doch nicht so schwierig zu sein. Die Homepage des Irlkurlka Roadhouse klingt gut, nach deren Aussage ist die Strecke befahrbar ohne größere Probleme, außer den "üblichen" Corrugations - die im Übrigen auf einigen Verkehr schließen lassen - im Osten. Im Westen ist mit Dünenverwehungen zu rechnen. Immerhin geht es durch die Wüste.
Bei Coles füllen wir unsere Lebensmittelvorräte auf und packen 60 l Wasser in das Auto - zusätzlich zu dem, das noch da ist (ca. 30 l). Jetzt ist von der Seite her alles vorbereitet.
Wir müssen noch mal zu Toyota, der Mechaniker hatte seine Werkzeuge in unserem Auto liegen lassen, die brauchen wir nicht. Dann wird getankt, wir haben seit Perth immerhin 11,75 L/100 KM gebraucht, das ist ziemlich viel für die Art, wie wir gefahren sind. Mag sein, dass es am Gegen- und Seitenwind lag.
Zurück auf dem Discovery Caravan Park und auf dem gleichen Platz wie die beiden Tage zuvor verstauen wir unsere Einkäufe outbacksicher (damit nichts klappert und nichts kaputt geht) und genießen den sonnigen Nachmittag am Pool. Viele Gespräche mit den anderen Gästen, am Pool, am Platz und in der Camping Kitchen, sei es von deren Seite - denn meist geht die Initiative von den Australiern aus - aus Neugierde, aus Langeweile oder schlicht aus Freundlichkeit, lockern den Nachmittag und Abend weiter auf. Auch Terry und Christine gesellen sich nach ihrem Abendessen wieder zu uns in die Camp Kitchen. Wir halten es lange aus heute, so lange, dass außer uns alle schon weg sind.
 Der Himmel hat am Nachmittag arg eingetrübt, aus der 20% Regenwahrscheinlichkeit wird am Abend eine 100% Gewitterchance, es gießt kurzzeitig wie aus Kübeln, dann haben wir wunderbares Wetterleuchten und als wir ins unser Zelt klettern, wieder einige Sterne am Himmel. Später regnet es wieder.
Eine dritte Nacht hält die Hausbatterie nicht durch, deshalb schließe ich den Kühlschrank an das Stromnetz des Platzes an.

Dienstag, 25. Oktober 2016

Alles ist klamm, als wir aufstehen und eigentlich sollten wir mit dem Zusammenpacken noch warten. Aber auch die Sonne hat es eilig, wir sind doch ein ganzes Stück in den Osten gereist. Wir sind auch nicht die ersten, die mit Sack und Pack den Platz verlassen.
In Leonora legen wir eine Pause ein und besuchen die Visitor Information und die daran angeschlossene  Leihbücherei. Die wird vom Staat WA betrieben und enthält deshalb Bücher aus verschiedenen Orten, eines aus Pannawonica fällt mir auf. Ich sehe mir wie immer die Kinderbücher an, da sind einige dabei, die mir gut gefallen. Aber das Übersetzen ist dann doch zu schwierig und der Humor teils für unsre Kinder nicht verständlich.
Dann sind wir in Laverton und wie befürchtet stellt sich heraus, dass wir hier KEIN Permit für Anne Beadell bekommen. Es war einfach blöd, gestern nicht zum ALC zu gehen und uns auf die Aussage in der Kalgoorlie VI zu verlassen. Es hätte ja keinen Schaden angerichtet. Aber die Lady war sehr überzeugend. Ich bin jetzt so weit, dass ich ohne die beiden ausstehenden Permits die Reise zu unter- und das Risiko auf mich zu nehmen gewillt bin. Was Brigitte dazu sagt? Auf jeden Fall starten wir morgen nach Osten, auf Anne Beadell, denn bis zum Irlkurlka Roadhouse haben wir die notwendigen Freigaben - und ebenfalls in der Mitte des SA-Teils. Ob wir dann umkehren und den Umweg über den Uluru machen oder doch weiterfahren, wird sich zeigen.
Mit meinem Editorial für den Weihnachtsbrief bin ich nicht ganz zufrieden, aber jetzt ist es abgeschickt und nicht mehr zu ändern. Denn bis wir wieder aus dem Funkloch auftauchen, ist möglicherweise der Redaktionsschluss vorbei.
Auf dem Laverton Caravan Park
Unser Troupie steht auf 28°37'28"S 122°24'20"O, damit fast so weit im Norden wie Hutt und östlicher als Broome! Außer uns sind keine Reisenden auf dem Platz, "nur" Arbeiter, die hier im Wohnwagen oder in Cabins übernachten. Ja gut, wer nach Osten will, egal, ob über Great Central oder Anne Beadell, ist ja ohnehin auf ein Bush Camp eingerichtet, warum also nicht gleich ein paar Kilometer weiter fahren und die 25 $ sparen. So kommt es, dass wir die Camp Kitchen für uns haben und dort auch Karten spielen.

Auf Anne Beadell I

Kurz nach fünf geht die Sonne auf, schon lange vorher haben die Vögel angefangen mit ihrem Morgenkonzert. Ganz besonders früh waren wie immer die Galah. Der Wind hat seit gestern Abend deutlich aufgefrischt und hat heftig abgekühlt. Die Sonne hat auch eine Stunde später noch nicht die Kraft, sich gegen die 13° durchzusetzen.
Auf geht's. Schon gestern haben wir in Erfahrung gebracht, wo wir heute abbiegen müssen und so brauchen wir jetzt nicht mehr zu suchen. Die ersten 144 km heißt die Strecke "White Cliffs Road", erst bei Yamarna wird sie zum Anne Beadell Highway. Wobei Highway eine durchaus beschönigende Bezeichnung ist, denn es handelt sich um einen weitgehend einspurigen Track, der nicht gewartet wird. Hier am Anfang ist das alles anders, denn bei Yamarna ist eine Goldmine, "Gold Road Camp", und die brauchen für ihre Versorgungsfahrzeuge eine gute Anbindung. Bei den Überresten der alten Homestead schalte ich den Vierradantrieb ein und senke den Reifendruck auf 33 PSI. 33, weil die Reifen ja warm sind, also der Druck bei kalten Reifen ohnehin etwas niedriger liegt. Außerdem ist das ein guter Kompromiss, geeignet für alle Untergründe: ei Steinen nicht zu weich, für Sand nicht zu hart. Sollte es nötig sein, kann ich ja noch mehr ablassen. Hier sehen wir außer den zwei Arbeiterfahrzeugen auf dem Campingplatz die einzigen fremden Menschen heute: Drei Geländefahrzeuge der Minengesellschaft. Zwei stehen quer zum Anne Beadell Highway, einer der Fahrer steigt aus und bittet mich zu warten, denn ein Flugzeug landet gerade. Anstelle des Stockyards von Yamarna ist jetzt ein großer Airstrip angelegt. Auch eine  andere Abweichung von Karte bzw. Track Guide und der Wahrheit hat uns ziemlich verunsichert: Bei White Cliffs sollte nach der Abzweigung zur Camel Farm ein Weg nach rechts abbiegen nach Cosmo Newberry und der Great Central Road. Wir finden die Abzweigung nicht, wissen folglich nicht, ob wir noch richtig sind. Und wie immer in solchen Situationen fahre ich zu schnell. Auch das im Track angezeigte Autowrack ist nicht da, zumindest haben wir es nicht gesehen. Die Zufahrt zum Great Central ist verlegt nach Yamarna!
Auf dem Weg nach Osten
Ab jetzt ist Anne Beadell wirklich ein Track, allerdings nicht der schlechteste, den wir bisher erlebt haben. Corrugation wechselt sich ab mit felsigen Passagen, dazwischen wird die Strecke ziemlich ausgefahren, also bogey, mit glücklicherweise nicht sehr tiefen Löchern. Nach Yeo passieren wir eine Claypan, die zum Glück hart und trocken ist, andernfalls wären wir wohl nicht so weit gekommen.
Und nach fast einem Viertel der Gesamtstrecke, 320 von 1.327 km, finden wir wie im Guide angezeigt auf 28°22'11"S 125°21'11"Oeinen netten Platz zum Übernachten. Das im Guide sind nur Hinweise, klar, aber wegen der gegebenen Bedingungen ist das Campen nicht so häufig möglich, sonst steht man in den Spinifex. Das gefällt weder den Spinifex noch den Beinen und Füßen der Camper. Schlangen fänden ein solches Camp möglicherweise sehr interessant, und 2016 soll wie sein Vorgänger ein gutes Schlangenjahr sein.
Langsam muss ich mich daran gewöhnen, dass die Uhren in SA anders gehen als hier. Aber erst wenn wir in Coober Pedy sind, müssen wir daran denken, vorher ist es egal. Wir leben in Australien eh' mehr nach der Sonne und nur selten nach der Uhr. Heute sind wir drei Grad nach Osten gereist, die Sonne geht also heute 12 Minuten früher unter als gestern und morgen 12 früher auf als heute - für unsere Uhr.
Als am Abend unser (bisher drittes) Campfeuer in sich zusammenfällt und nur rote Glut hinterlässt - jetzt könnte ich gut ein Steak grillen - kommt der Nachthimmel richtig zur Geltung. Keine Wolke trübt die Sicht, kein Mond überstrahlt die anderen Himmelskörper, die Planeten (Venus, Saturn und Mars sind zu sehen), diverse Satelliten, den sichtbaren Teil der Milchstraße (der schon ziemlich tief im Südwesten steht), die bekannten Sternbilder (das Kreuz des Südens steht schon fast unter dem südlichen Horizont und ist nur durch die Pointer zu lokalisieren) Kentaur, Skorpion und die südliche Krone, dazu verschiedene Nebel - all das erstrahlt in selten gesehener Pracht, obwohl wir von Bäumen, Marble Gums und Mulgas, umgeben sind.

Auf Anne Beadell II

Die Sonne weckt uns und schon bald sind wir wieder unterwegs. Weiter geht es nach Osten, ganz oft schnurgerade. Die Corrugation wird stärker, aber noch immer sind ruhige Passagen dazwischen. Vorbei an der Abzweigung zum Connie Sue Highway, wo eine echte Len Beadell Plakette steht (von ihm selbst beschrieben und aufgestellt, als er am 16. August 1962 mit seinem Team zum "Bau" der Straße hier durchkam. Das Team bestand aus ihm selbst, seiner Frau Anne, seiner Tochter Connie Sue, einem Fahrer des Bulldozers und des Graders, einem Koch und zwei Hunden. Das war vor nur wenig mehr als 50 Jahren, also zu unseren Lebzeiten!
Erstaunlich wenig Fauna ist zu sehen, nur einmal flitzt ein Känguru von einer auf die andere Seite, ab und zu kreuzt ein Fink oder ein Wren unseren Weg und einmal sonnt sich ein Lizzard auf dem Track, der immer schmaler wird. Wenn er nicht weggehen will… Aber dann räumt er doch freiwillig das Feld und wir können passieren.
Immer geradeaus - noch
Gegen Mittag kommen wir zum Ilkurlka Roadhouse. An der Tür hängt ein Zettel, auf dem Phil mitteilt, dass er gegen 1 zurück sein wird. Mittels HF Kanal 40 könne man ihn erreichen. Wir stellen uns auf den Campingteil und harren der Dinge. Fast pünktlich kommt er, weil er gesehen hat, dass wir am Shelter stehen, wir fahren rüber zum Tanken - der Liter Diesel kostet 3 $, das ist heftig, aber angemessen, angesichts der Lage und der Probleme, den Kraftstoff hierher zu bringen - checken für die Nacht ein und unterhalten uns über alles Mögliche, besonders natürlich über die Einsamkeit an diesem Vorposten der Zivilisation. Er ist der erste (und einzige) Mensch, den wir heute außer uns sehen. Etwa 900 Reisende kommen durch im Jahr, wir sind die ersten seit Samstag. Der Track wird schwieriger werden, aber kein Problem sein, sagt Phil. Es gibt hier einen Airstrip, einmal die Woche, an jedem Donnerstag, kommt das Postflugzeug und bringt neben der Post notwendige Güter, die anders nicht schnell genug zu diesem Outpost, der die Verbindungsstelle zur etwa 130 km weiter nordöstlich liegenden Community ist, gelangen. Der hiesige Stamm sind die Spinifex People, sie sind Touristen gegenüber aufgeschlossen in dem Sinn, dass sie das Roadhouse betreiben und einige Shelters, Übernachtungsmöglichkeiten mit Toilette und großem bedachtem Sitzbereich mit Wasser (wenn es genug geregnet hat) auf dem Weg aufstellen ließen und sie verlangen kein Permit von den Durchreisenden. Weiteren Kontakt wollen sie nicht, deshalb leben sie  fernab mit nicht gekennzeichneten Zufahrtswegen, die in keiner Karte zu finden sind.
Sturt Desert Pea
Am Nachmittag ziehen Wolken auf, dadurch wird es etwas kühler. Obwohl, richtig heiß ist es ohnehin nicht, die Mittagstemperatur lag bei 32 Grad und der Wind ist nach wie vor kühl. Die Wolken führen zu einem genialen Himmel um den Sonnenuntergang herum, der Nachthimmel ist dafür deutlich beeinträchtigt.

Auf Anne Beadell III

Der Tag beginnt mit übler Corrugation. Klar, vorher war noch das Frühstück und das Zusammenpacken, aber das ist Routine. Nach einigen Kilometern wird es besser - oder haben wir uns schon daran gewöhnt, dass alles klappert und rüttelt? Eine wunderbare strecke folgt: Durch die Dünen nach OSO. Immer wieder biegen wir nach Süden ab, überqueren einige Dünen, um dann im Dünental wieder nach Osten zu fahren. Besonders durch die Dünen macht es Spaß, denn durch den weichen Sand rollen wir nahezu ohne metallische Geräusche dahin. Es ist merkwürdig, den Motor zu hören, dabei ist er ja nicht gerade leise. Im Laufe des Tages wird der Highway immer schlechter, verkommt zum echten Track: Einspurig, manchmal nicht mal das, weil die Büsche uns von beiden Seiten nahe rücken, mit Auswaschungen und Querrillen, mal sandig, mal felsig, mal geschottert, mal überwachsen. "Not maintained" eben, ungepflegt. Genau das aber ist ja der Grund, die Strecke unter die Räder zu nehmen, mal abgesehen davon, dass die Alternative zu Anne Beadell der Umweg über die Südküste und die Nullarbor (lat, "kein Baum") oder über den Great Central und Yulara ist.
Je nach Sonneneinstrahlung ändert der Sand seine Farbe, natürlich nicht wirklich, sondern im Auge des Betrachters. Kommt die Sonne flach von vorn, so sieht er schwarz aus wie Basalt. Steht sie etwas höher oder seitlich, so wirkt der Sand gelb. In beiden Fällen ist er im Rückspiegel kräftig rot, so wie das auf den Bildern aus Australien sein soll. Das zeigt, dass es hier noch wichtiger ist als sonst, die Sonne beim Fotografieren im Rücken zu haben. Hier in der Victoria Dessert ist der Sand de facto rot, es gibt andere Stellen in Australien, an denen der Sand gelb, weiß oder grau ist.
Bishops Tulip
Wir sehen jede Menge Spuren von Dromedaren im Sand, die sind nicht zu verwechseln, die Tiere selbst bleiben in Deckung. Ähnlich die Känguru: Ihre Droppings liegen überall auf dem Weg, aber sie selbst sind irgendwo im Schatten. Reptilien lassen sich blicken: Lizzards verschiedener Größe, sie rennen alle weg, wenn wir uns nähern, eine grünliche, etwa 1,20 m lange Schlange habe ich fast überfahren, doch bis ich angehalten habe und ausgestiegen bin, ist sie schon auf dem Weg über die Böschung ins Unterholz. Wie so oft auf Outbackstrecken, flattert immer wieder ein Vogel im Gebüsch auf, fliegt eine eile vor uns her, um dann wieder zur Seite auszubrechen. Und schon sind wir vorbei. Anhalten und Fotografieren ist meist vergebens.
Überraschend, wie dicht bewachsen die Wüste doch ist. Es gibt sogar große Eukalypten hier, einer davon, der besonders schöne Marble Gum, kommt nur in der Great Victoria Desert vor. Weiter im Osten treffen wir auch auf Desert Kurrajong, der auffällt durch seinen ganz glatten und gleichmäßigen Stamm. Ansonsten wachsen Mulga und andere Akazien, Grevillea und Hakea hier, die Vielfalt ist überwältigend. Darunter immer wieder Spinifexringe, Bluebush-Ansammlungen (wenn der Boden etwas salziger ist) und anderes Gestrüpp und daneben viele gelbe und rosa, blaue und weiße Blüten.
The only victim
Kurz vor der Staatsgrenze (WA/SA) ruiniere ich den linken Außenspiegel. Ein in den Weg ragender Ast trifft genau den Rand des Spiegels und durch die kurzzeitige Verspannung zersplittert das Glas. Das Gehäuse des Spiegels sieht völlig unangetastet aus. Blöd, aber nun mal nicht zu ändern. Mit duct tape kann ich die verbliebenen Scherben vor dem Herausfallen sichern. So kann ich den Spiegel auch noch einigermaßen benutzen zum Rückwärtsfahren und um den verbleibenden Raum bis zum Rand abzuschätzen.
Wenig später kommt uns dann tatsächlich ein Auto entgegen und macht uns Platz, weil sie näher an einer geeigneten Stelle waren. Zwei junge Leute asiatischen Aussehens in einem Pickup. Der Fahrer hat seine Scheibe geschlossen, also will er keinen Kontakt aufnehmen. Auch recht. Immerhin beweist das, dass man durchkommt durch den östlichen Teil.
Nachdem wir die Stelle, die im Guide mit "very soft sand" ausgewiesen ist, ohne weiteres passiert haben, suchen wir uns nach mehr als achteinhalb Stunden Fahrzeit und 314 km einen Platz für die Nacht und finden ihn auf 28°33'18"S 130°130'26"O. Deutlich zu sehen, dass wir wieder 3 Grad nach Osten gefahren sind, ohne dabei viel an Höhe zu verlieren.
Und wieder ziehen von Nordwesten Wolken auf...

Auf Anne Beadell IV

Viertel vor vier (WA-Zeit, hier ist es bereits Viertel nach sechs) wache ich auf und höre Regentropfen, die auf das Zeltdach klopfen. Es dämmert bereits. Nach kurzer Zeit steige ich runter, räume meine Stiefel von der Stoßstange in die Fahrerkabine und lege die Campingstühle in den Transportbereich. Als alles erledigt ist, ist es wieder trocken. Ich klettere wieder hoch und lege mich in den Schlafsack, kann aber nicht mehr einschlafen. Zum ersten Mal seit der Nacht auf Millstream Chichester kann ich im T-Shirt frühstücken.
Eineinhalb Stunden später - so lange brauchen wir fast immer - sind wir unterwegs. Wir passieren die östliche Grenze des Mamungari (Unnamed) Conservation Parks und danach die westliche der Woomera Prohibited Area. Jetzt haben wir ein Permit, das ist ein gutes Gefühl. Noch einmal mache ich das nicht, ohne Permit in ein Gebiet zu fahren, wo ein solches vorgeschrieben ist - es nimmt der Strecke den Spaß wegen des  damit verbundenen Stresses. Aber beim Durchfahren des Tallaringa Conservation Park morgen steht uns dieses Problem nochmal ins Haus. Wir haben noch nie erlebt, dass ein Permit tatsächlich kontrolliert wurde, aber möglich ist es (auch wenn wir den Tallaringa am Sonntag durchfahren).
Camel and Lizzard Tracks
Bei den Überresten des Emu Projektes - das war das Zünden von zwei britischen Atombomben hier in der Wüste 1953 - stellen wir uns für die Nacht auf (28°38'9"S 132°11'37"O). In der Hemakarte heißt die Stelle Emu Junction. „Überreste“ klingt gut, ist allerdings sehr hoch gegriffen, denn neben dem noch deutlich sichtbaren Airstrip stehen einige verrostete Ölfässer, Drums, sowie einige Metallstangen herum, das war es schon. In Gegenden mit weniger historischer Vergangenheit sieht es oft ganz ähnlich aus. Ich klappe das Zelt auf, suche Holz fürs Campfeuer, Brigitte stellt die Stühle und den Tisch auf und holt Getränke und Kekse (als Mittagessen) raus - alles, was wir so machen, wenn wir ankommen.
Der Wind frischt immer mehr auf und bringt Regen mit. Und so wird alles wieder eingepackt, die Stühle und der Tisch regensicher verstaut, wir verziehen uns ins Auto. Der Wind wird zum Sturm, ich klappe das Zelt wieder zusammen (ohne es einzupacken), damit wir dem Wind eine kleinere Angriffsfläche bieten. Im Westen wird es heller - ein Hoffnungsschimmer.
Allerdings ein trügerischer, denn der Regen hört zwar auf, bevor er richtig angefangen hat, aber der Wind lässt nicht nach. Er ist zudem sehr warm, das gibt so eine Art Backofengefühl. Das Kochen klappt trotzdem im Windschatten des Troupie, der die Nase in den Wind steckt. Es macht sich positiv bemerkbar, dass der Gasdruck so hoch ist, denn dadurch bleibt die Flamme an. Nur mit dem Campfeuer wird es leider nichts, das ist mir zu gefährlich. Denn trotz der paar Tropfen, die gefallen sind, ist alles knochentrocken.

Auf Anne Beadell V

Geregnet hat es nicht heute Nacht und auch der Sturm ist abgeflaut und nur noch ein "normaler" Wind, der etwas weiter nach Westen gedreht hat. Im Westen und im Osten steht je eine Wolkenbank. Mit der Südaustralischen Zeit komme ich noch nicht zurecht, die Sonne geht erst 20 nach sechs auf - dafür auch erst kurz vor 20.00 Uhr unter, wir sind irgendwie etwas anders eingestellt, obwohl wir uns ja die letzte Zeit kaum nach der Uhr gerichtet haben. Ganz merkwürdig: Das iPhone zeigt seit heute die südaustralische Zeit an, keine Ahnung, woher es die hat. Denn ein Netz gibt es nach wie vor nicht.
Nach wenigen Kilometern biegen wir nach links ab zu den beiden Totems für Ground Zero. Verschieden rostige Gegenstände liegen herum, ein Wall ist aufgeschüttet, ansonsten ist von dem Ereignis nichts mehr zu sehen. Zu Sehen, denn die Strahlung ist noch immer hoch, so hoch, dass man nicht in der Nähe campen darf. Die Flora zeigt sich unbeeindruckt, die Fauna wohl auch, aber die zeigt sich auch heute nur in Form von Spuren.
Doch, ein Lizzard, noch einer und dann endlich ein "Thorny Devil", der erste, den wir lebendig zu Gesicht bekommen. Thorny Devil sind Eidechsen, die übersäht sind mit scheinbar spitzen Stacheln. Nimmt man ihn, den Teufel, in die Hand, stellt man fest, dass er ziemlich weich ist. Außerdem mag er das nicht.
Und natürlich kreuzen Vögel, von winzig kleinen Wren über Zebrafinken, Budgerigars, Australian Parrots, Australian Hobbies bis zu Galahs  unseren Weg, ohne uns auch nur die Spur einer Chance zu geben, sie zu fotografieren.
Immer wieder muss ich unterwegs anhalten um - ganz unaustralisch - den Weg freizuräumen. Der gestrige Sturm und vielleicht herumstreunende Kamele haben einige Büsche und kleinere Bäume auf den Track geworfen. Ich schaffe sie beiseite, bei einem muss ich die Winsch zu Hilfe nehmen - damit wir und die, die nach uns kommen, vorbeifahren können. Australier würden um die Stelle herumfahren.
Die östliche Grenze des Tallaringa Conservation Parks wird durch den Dog Fence gebildet, ein Zaun, der die Zuwanderung von Dingos unterbinden soll. Dingos reißen gelegentlich Schafe, das wollten die Schafzüchter verhindern und bauten deshalb den Zaun, der ganz Australien durchläuft. Hilfreich war er schon, aber nicht undurchlässig. Insgesamt gab es drei Anläufe, den Zaun zu bauen, beim dritten wurde der Zaun fertig.
Anne Beadell führt direkt auf den Zaun zu, biegt dann nach Süden ab, verläuft drei Kilometer am Zaun entlang, dann kommt ein Tor, das den Zun unterbricht und dann geht es wieder 3 Kilometer nach Norden, am Zaun entlang. Der Hichway setzt sich dann an der gleichen Stelle fort, an der er aus dem Busch kommt. Was dieser Umweg soll, ist mir nicht klar.
Sunset in Great Victoria Desert
Wenig später erreichen wir eine Stelle, die für unsere nächste Übernachtung geeignet scheint. Natürlich könnten wir noch bis Coober Pedy weiterfahren, es sind nur noch etwa 100 km, aber wir wollen noch eine Nacht im Busch verbringen. Heute ist vermutlich der letzte Abend, an dem wir ein Campfeuer anzünden dürfen, morgen sind wir in CP und dann ist November mit "total firebann". Seit Ilkurlka habe wir mit niemandem gesprochen, seit besagtem asiatischem Reisepaar keinen Menschen mehr gesehen.
The last camp fire
Inzwischen habe ich meinen Frieden geschlossen mit dem Auto. Immerhin, es hat elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, ein verstellbares Lenkrad, einen (nachträglich eingebauten) Tempomat und ein Funkgerät. Vor allem über das Letztgenannte freue ich mich, auch wenn ich hoffe, es nicht brauchen zu müssen. Das Zelt auf dem Dach ist einfach, dadurch aber sogar für jemanden, der so kurz ist wie ich, einfach auf- und abzubauen. Und die beiden Ersatzreifen hängen am Heck, sind also gut erreichbar, das finde ich geradezu genial. Klar, der Bushi war bequemer, was das Kochen betrifft und Zeiten, in denen das Wetter nicht fürs Draußensein geeignet ist, aber wir kommen einigermaßen zurecht und erwarten ohnehin wärmere Tage mit weniger Wind :-). Außerdem hat der Troupie uns klaglos durch die Great Victoria Desert gebracht (fast, aber es sind keine Schwierigkeiten mehr zu erwarten).

Auf Ann Beadell VI, Coober Pedy

Der Titel ist fast schon zu viel, denn es bleiben uns kaum noch 100 km bis zum Ende des Hwy, genauer gesagt 84.
Die Sonne geht hier in SA zwar erst kurz vor acht unter, das verlängert den Abend oder verkürzt die Zeit vor dem Feuer - wie man will. Dafür geht sie aber auch erst gegen 1/2 8 auf, somit ist nichts gewonnen gegenüber WA.
Der Track wird, je näher wir zum Ende kommen, immer besser und breiter. Zu Beginn ist die Strecke noch reichlich bogey mit langen rutts, ein Zeichen dafür, dass es hier manchmal sehr nass ist, aber ab Mable Creek Station ist es fast eine Autobahn. Mable Creek scheint keine Viehhaltung mehr zu betreiben, Stockyard und mustering area sehen unbenutzt und verlassen aus, es gibt keine Anzeichen, dass in den letzten Jahren hier Kühe unterwegs waren.
13 km vor Coober Pedy machen wir einen Fotostop. Dazu suchen wir uns einen kleinen Hügel aus, neben dem wohl mal eine Opalmine war. Jetzt wohnt dort eine junge (?) Frau mit drei Katzen und einem Hund. Sie kommt auf einen Chat heraus, als sie mich auf dem Dach des Troupie sieht. Zuerst entschuldigt sie sich dafür, dass es so unaufgeräumt ist. Sie ist wohl nicht von hier. Richtig, sie kommt aus Neuseeland, ist Künstlerin und wohnt seit fünf Jahren hier und heißt Joybelle. Sie hat Großes vor mit dem Anwesen, will ein kleines Paradies, einen Garten Eden, hier aufbauen. Da sollten wir in ein paar Jahren mal schauen, ob was draus geworden ist. Auch Joybelle fällt meine rote Taube auf und gleich will sie wissen, was das ist.
Schon biegen wir ab auf den Stuart Hwy und weniger später nach Coober Pedy.
Coober Pedy Council House
In der Visitor Information führen wir ein nettes Gespräch mit dem Diensttuenden - die VI hier ist kommunal organisiert - bevor wir beim IGA unsere Vorräte für die Tage bis Alice Springs auffüllen. Einen kleinen, mobilen Badezimmerspiegel finden wir nicht, schade. Beim Tanken stellt sich heraus, dass Phil den Tank nicht richtig befüllt hatte, der Schnitt wird dadurch etwas schlechter. Immerhin, wir haben auf den 1319 km seit Laverton 165,21 l Diesel verfahren, das sind im Schnitt 12,5 l/100km. Angesichts der Strecke und der Anforderungen an das Auto und den Motor ist das gut.
Eine neue Herausforderung wartet auf uns: Hier gibt es vier Caravan Parks, welchen sollen wir nehmen? Wir gehen auf den Oasis, da waren wir 2010 mit Matt und Frith. Die warmen Duschen sind hier nicht im Preis inbegriffen, eigenartig. Unser Stellplatz ist auf 29°0'17"S 134°45'19"O, also wieder ein Stück südöstlicher. Und das wird sich so fortsetzen, denn wir haben beschlossen, morgen über William Creek nach Coward Springs zu fahren, bevor wir uns auf den Weg in den Norden, in das rote Zentrum machen. Deshalb habe ich die Reifen gar nicht erst aufgepumpt. Für die paar Kilometer sealed (heute waren es sieben) ist das nicht nötig, solange ich nicht schnell fahre.
Nach Duschen - beim ersten Anlauf gibt der Automat kein Wasser her, irgendwas ist nicht in Ordnung - und Tippen gehen wir in den Ort. Zuerst noch einmal zur VI um die Permits für Gary Junction Rd zu beantragen. Der freundliche Mensch kennt die notwendigen Webseiten auch nicht, also benutzen wir Bing und sofort haben wir, was wir brauchen. Die beiden Permits für NT werden direkt an meinen GMX-Account zugestellt, aber hier in der VI kann ich sie nicht drucken. Das Permit für WA geht über Wartezeit. Noch während wir unterwegs sind, kommt eine Antwort per Mail: Der Zeitrahmen ist zu groß, ich soll das ändern. Doch dazu muss ich in die Karte schauen.
Bei Miner's Store erwerbe ich eine faltbare (Spül-)schüssel, dann versuchen wir bei IGA noch mal uner Glück wegen eines Spiegels und fragen einfach jemanden - und schon haben wir, was wir brauchen.
Notreparatur
Abendessen gibt es heute im Restaurant. Brigitte hat sehr gute Erinnerungen an das Essen bei John's Pizza, also gehen wir dort hin. Es ist ziemlich leer, aber das ändert sich bald. Die Pizza ist wirklich gut und die Kuchen zum Nachtisch sind genial. Das war gut.
Zurück beim Auto ermitteln wir den Bedarf für die Durchfahrt durch das Aboriginalgebiet in WA und schicken die neuen Daten an Keith. Hoffentlich klappt das, das ist das Permit, das einen 7-Tage-Vorlauf braucht.

Melbourne Day

Melbourne Day? Ja, in Melbourne ist heute das Pferderennen, der Melbourne Cup, vergleichbar zu Ascot oder Prix de L'Arc de Triomphe in Paris, nur die besten Pferde der Welt können sich qualifizieren. In diesem Jahr ist nur ein Australier unter den Startern. MD ist außerdem ein gesellschaftliches Ereignis, in Victoria ist public holiday, im Rest Australiens bleibt für die Dauer des wichtigsten Rennens alles stehen, um das Rennen im TV zu verfolgen. A race to stop the land. Und wir wollen einfach über William Creek nach Coward Springs fahren!
Doch vorher gehen wir zum 3. Mal in die VI. Einen Desert Park Pass gibt es hier nicht, den muss man online kufen. Und dabei stellt sic heraus, dass wir für Dalhousie gar keinen brauchen, da geht es mit Selfregistration beim Eintritt in den Witjira National Park.
Zwischen Coober Pedy und William Creek führt die erstklassige Gravelroad durch nur mit spärlichem Gras bewachsenes Land. Kein Busch, kein Strauch und kein Baum unterbricht den Blick zum Horizont. Schon zu dieser frühen Stunde bilden sich bereits Luftspiegelungen, immer wieder sieht es so aus, als führen wir auf eine große Wasserfläche zu.
Bei Anna Creek Station - das ist die größte Station in Australien, sie umfasst 2.500 qkm und gehört zum Imperium des Sidney Kidman (das zur Zeit zum Verkauf steht. Der Kaufpreis liegt in der Gegend von 400.000.000 AUD. Zwei Konsortien streiten darum, das eine ist eine australisch-chinesische Verbindung, das andere sind mehrere selbstständige australische Farmer, die nicht wollen, dass die Gewinne ins Ausland abließen und die Verluste sozialisiert werden. Schon kommen nationale Ressentiments ins Spiel.) - sehen wir endlich eine kleine Herde von Dromedaren. Zwei Weibchen und ein Junges machen sich bei unserem Näherkommen auf den Weg und kommen uns ein wenig entgegen, um dann vor uns nach Westen zu ziehen. Ein großer Hengst liegt etwas weiter weg am Boden und stört sich ebensowenig an uns, wie einige andere, die weiter weg sind.
William Creek Fire Truck
In William Creek sehen wir einer Galahmutter beim Füttern ihrer zwei Jungen, die schon genau so groß sind wie sie und genau so aussehen, zu. Dann gehen wir rein und sehen uns die vielen Informationen am schwarzen Brett an. Und was ist? Im TV läuft die Übertragung vom Melbourne Cup, das heißt, das ist jetzt nur vorbereitendes Geschwätz um die Zeit bis zum Start um 14.30 (Victoria-Zeit, also vermutlich 1/2 Stunde vor SA) totzuschlagen.
Wir fahren weiter und beziehen unser Quartier in Coward Springs, direkt neben der "natural spa" (29°24'3"S 136°48'50"O auf -10m Höhe). Das Wasser hatte ich wärmer in Erinnerung und der Übernachungspreis war  niedriger. Dafür sitzen über uns in den Bäumen viele Corellas und Galahs und später kommen zwei Skinks, lazy lizzards, vorbeimarschiert.
Bei den Kamelen, in William Creek und ganz kurz aus der Entfernung hier in Coward Creek haben wir zwei Franzosen getroffen, denen wir bereits in Mt Elizabeth und an der Manning Gorge begegnet sind. In WC hatte ich eine längere Unterhaltung mit ihm, die beiden Mädels waren anderweitig unterwegs.
Wir sind schon mit dem Essen fertig, da kommt ein Auto angefahren und stellt sich auf den Platz "um die Ecke". Beim Rückweg von der Besichtigung der Spa kommen die beiden bei uns vorbei. Er, Jose, ist Schweizer und seit 20 Jahren in Queensland ansässig, sie, Sigi, ist ähnlich lange in Australien und stammt aus Kirchheim-Bolanden. Wir unterhalten uns eine Weile, zu Anfang auf englisch, obwohl wirum die Nationalitäten wissen, dann mehr und mehr auf deutsch. Irgendwann fällt ihnen ein, dass sie was essen müssen. Sie gehen, aber nicht ohne uns für später auf ein Glas Wein einzuladen. Wir hören uns nicht nein sagen.
Kaum sind die Fliegen verschwunden, tauchen die ersten Mozzies auf. Und da ich nicht richtig eingesprüht war, fange ich mir ein paar dicke Stiche am Hals, an den Oberarmen und den Ellbogen ein. Da der Wind auch nicht gerade warm ist, ziehe ich das Flanellhemd an und mache die Ärmel runter. So sollte es gehen.
Ziemlich lange - für unsere Verhältnisse - sitzen wir bei den Nachbarn und reden. Offensichtlich besteht ein gewisser Nachholbedarf.

Mittwoch, 2. November 2016

Weil Schwalben, ein Flycatcher und ein anderer Vogel sich über uns im Baum herumtreiben - Galah und Corella sind bereits zum Morgenflug aufgebrochen - dauert alles ein wenig länger als üblich. Dafür lässt Sigi uns durchfahren, denn sie sind zuerst am Gate. Als wir in Beresford den alten Bahnhof ansehen und in Strangways die Überreste von Station und Telegrafenrepeater besuchen, verlieren wir sie aus den Augen. In William Creek steht ihr Auto vor dem Roadhouse, aber wir gehen nicht rein. Interessant sind auch die Spring Mounts, etwa 3 m hohe Hügel, die einerseits aus mit dem Wasser des Great Artesian Basin hochgekommenen Sedimenten, zum anderen aus vom Wind angewehten Sand, Erdstückchen, Samen und Humus zusammengesetzt sin und in deren Innern früher das Wasser einen kleinen Pool gebildet hat. Das war ein wichtiger Trinkwasserlieferant für die Aboriginals. Durch das Anbohren des Basins durch die Siedler hat der natürliche Druck inzwischen so weit abgenommen, dass es für die meisten Mounts nicht mehr reicht. Coward Springs Quelle und die verschiedenen Quellen von Dalhousie sprudeln noch, der Bubbler wenig weiter im Süden wohl auch, aber hier ist alles trocken.
Algebuckina Bridge
Algebuckina Bridge ist schon bei der Anfahrt vom Track aus zu sehen, das war 2010 nicht der Fall. Wir machen die üblichen Bilder, das ist kaum zu vermeiden, weil sonst wenig zu sehen ist.
Der Track ist bis auf wenige Stellen in hervorragendem Zustand, besser, als manche Straße in unserem Heimatkreis, also in unmittelbaren Nachbarschaft.
Obwohl wir eigentlich Richtung Coober Pedy zur Painted Desert abbiegen wollen, machen wir den Abstecher nach Oodnadatta. Das Roadhouse sieht aus, als hätte es einen Upgrade gegeben und hinter der Theke steht nicht wie sonst ein Work- und Travel Teilnehmer, sondern eine Aboriginal. 
Weil die Strecke auch Richtung Coober Pedy in besagtem gutem Zustand ist und sich das auch bis zur Painted Desert fortsetzt, sind wir zügig dort. Ein überraschender Anblick, manche Stellen des Bodens sehen aus wie geschmolzenes Glas. Alle Farben von weiß über gelb, rot, ocker bis zu grün kommen vor. Glücklicherweise kommt auch gerade die Sonne hinter den Wolken hervor.
Painted Desert, Arckaringa Hills, SA
Ja, es hat sich wieder zugezogen. Aber die Landlady bei Arckaringa Station, die uns mit der 8 Monate alten Alice auf dem Arm empfängt, versichert, dass es nicht regnen wird. Hoffentlich ist es so, der letzte Rest der Strecke bis zur Station sieht nicht so aus, als könnten wir bei Regen hier wieder raus. Immerhin, Arckaringa Creek und Gorrikianna Creek sind zu durchfahren, allerdings nicht quer, das ginge wohl noch, sondern längs: Der Track folgt beiden Creeks jeweils mehrere hundert Meter. Dort ist der Track auch ziemlich schlecht. Nach ein bisschen Rangieren stehen wir - als einzige Gäste auf dem Camp - auf 27°56'17"S 134°44'14"O. Jetzt sind wir schon wieder nördlicher als Hutt River Province. Nein, wir sind doch nicht die einzigen Gäste, das Zelt am Rand ist belegt, allerdings hatte ich den dazugehörigen Menschen als Cabin User eingestuft, weil er immer bei den Cabins saß, bis er zum Sonnenuntergang fortfuhr.
Wider Erwarten gibt es nämlich einen wunderbaren Abendhimmel. Die Sonne geht zwar hinter einer Wolkendecke unter, strahlt dann aber die Wolken von unten rot an. Das ist wunderbar. Und dann lösen sich langsam die Wolken auf, so dass wir noch einen schönen Sternenhimmel mit einer ganz schmalen Mondsichel zu sehen bekommen. Zum ersten Mal auf dieser Reise spielen wir im Freien Skibbo, es geht kein Wind mehr!

Donnerstag, 3. November 2016

Heute scheint die aufgehende Sonne durch das eine Seitenfenster in unser zelt. Herrlich, die Sonne über dem schnurgeraden Horizont am im Osten völlig wolkenfreien Himmel hochkommen zu sehen. Da halte ich es nicht im Schlafsack aus. Siehe da, es ist auch nicht so kühl wie erwartet.
Über Oodnadatta, wo ich erfahre, dass wegen des seit Wochen ausgebliebenen Regens keine Schwierigkeiten auf dem Weg zu erwarten sind, und Hamilton Station, wo wir die Nordrichtung durch einen Weg nach Osten ersetzen, fahren wir nach Dalhousie Springs. Der Weg von Oodnadatta bis Hamilton Station ist in gutem Zustand, das ändert sich schlagartig mit dem Abbiegen nah Osten. Drei Autos kommen uns entgegen, sie kommen aus der Simpson Desert. Morgens auf der Oodnadatta Coober Pedy Road (die nicht, wie am Ausgang von O. angezeigt, gesperrt ist, da ist das Schild kaputt) kamen uns zwei Roadtrains entgegen, beide waren beladene Viehtransporter  mit "nur" zwei Einheiten, die haben richtig viel Staub aufgewirbelt.
Eigentlich könnten wir jetzt gleich auf diesem Track bleiben bis Birdsville, das sind noch etwa 400 km durch die Simpson Desert. Aber erstens haben wir keinen Desert Park Pass und zweitens kein Fähnchen an der Antenne. Der SUB ist leer, noch 600 km verbleiben im Main (das würde reichen), die reichlichen Wasservorräte sind erheblich geschrumpft (sollte ebenfalls reichen). Park Pass und Fähnchen sind mandatory, ausreichend Sprit und Wasser vernunftgegeben.
Aber nein, wir sind vernünftig und kehren um nach der Übernachtung hier am Dalhousie Springs Camp Ground. Hier gibt es einen Teich, der aus dem Artesian Basin gespeist wird (mit 160 l/min Wasser mit 43° C) und 38 Grad warm ist. Zum Schwimmen ein bisschen viel, aber ideal um sich treiben zu lassen und aufzuweichen. Freundlicherweise liegen Noodles bereit. Wie eine Badewanne, aber im Freien. Dabei können wir Martins beobachten, die über dem Teich tanzende Mücken und Fliegen fangen und ab und zu vom Wasser nippen. Martins sind Schwalben.
Nach einem Walk rund um den See setzen wir uns bei unserem Troupie in ein dort aufgestelltes Shelter und genießen die Ruhe. 26°25'23"S 135°30'15"O
Erst nach Einbruch der Dunkelheit kommt noch ein Auto, stellt sich aber in die Day Use Area. Wir sehen nur ihre hellen Lichter.
Das Wasser im Waschhaus funktioniert nicht, weder an den Spül- und Waschbecken noch in den Duschen. Immerhin, die Toiletten sind benutzbar.

Freitag, 4. November 2016

Zurück nach Westen, da es mit Simpson Desert ja nichts werden kann.
Vorbei am Opossum Waterhole - Eine natürliche Quelle, gespeist aus dem Artesian Basin, und über viele Jahrtausende Lebensgrundlage für die Aboriginal vom Stamm der Arrernte, von den sich hier ansiedelnden "pastoralists" aufgebohrt und mit einem Damm versehen ist heute ein Refugium für viele Vögel und Tiere. Die Tea Tree Bäume gedeihen hier wie überall in dieser Gegend durch das stark mineralreiche Wasser besonders gut und werden bis zu zwölf Meter hoch, anderswo zwei bis drei. - und Ruinen verschiedener Stations erreichen wir den Track von Oodnadatta nach Norden, an dem wir 2010 gescheitert sind. Diesmal sind die Bedingungen anders, der Track ist schwierig, aber letztlich kein Problem. Immer wieder halten wir an, um Vögel zu beobachten. Schwärme von Budgerigars treiben sich herum, landen mal hier, mal da, fliegen urplötzlich alle auf - und sind weg. Emus kommen uns entgegen, überlegen lange, ob sie weitergehen sollen oder lieber doch nicht, letztlich laufen sie davon. Immer wieder sehen und hören wir Nyinyi, Zebrafinken, die vor uns den Weg überqueren, in den Büschen sitzen und sich unterhalten. Nur während der ersten Stunden besteht die Gefahr, dass Lizzards auf dem Weg sitzen und sich wärmen, später sind sie im Allgemeinen schnell verschwunden, wenn wir näher kommen.
Nach genau 3.333 km mit dem Troupie halten wir in Finke am General Store an und machen eine Pause. Der Eingang zum Store ist geschickt versteckt und nur an den Hundeverbotsschildern als solcher zu erkennen. Wir tragen uns ins Besucherbuch ein - der letzte Eintrag stammt vom 26. September - kaufen Kekse und einen Apfel, einen Pink Lady, und machen uns auf den Weg zu Lambert's Point. Dieser Punkt, 32 Gravelkilometer außerhalb von Finke, ist das geographische Zentrum Australiens. Ich weiß nicht, wie das geographische Zentrum definiert ist und so stellen sich mir doch einige Fragen: Geht nur de Fläche des Festlandes ein oder sind auch Inseln berücksichtigt (was bei Australien nicht so viel Unterschied macht)? Ist Tassie berücksichtigt? Wenn es um die Landmasse geht, was ich mir allerdings nicht vorstellen kann, ist dann berücksichtigt, dass der Osten durch die Dividing Range eine erheblich größere Masse besitzt, der Südwesten wegen der Goldvorräte im Boden schwerer und der Nordwesten wegen der Gasvorkommen leichter sein sollte? Gilt der Kontinentalsockel ebenfalls? Die Fahne, das Original hängt in Ziegelhausen, ist noch nicht ersetzt, das Besucherbuch erzeugt wesentlich mehr Interesse bei den Anreisenden als das in Finke - alleine gestern gab es drei Einträge, heute unseren.
Lambert's Point, Australia's Geographic Centre
Abermals kommen wir in Finke am General Store vorbei, passieren ihn aber ohne anzuhalten und verlassen den Ort nach Norden, dem Old Ghan Heritage Trail folgend. Vor fast sieben Jahren war es wohl noch der schmale Track, der neben dem Trail verläuft. Der Weg hat mittlere Corrugation und gelegentliche Auswaschungen, ist aber gut befahrbar. Nur ist mein rechtes Auge gereizt und tränt, das erschwert den Blick auf die Fahrbahn.
Bei den Resten von Engoordina Station (25°4'11"S 134°21'52"O) richten wir uns für die Nacht ein. Es ist seit Finke erst die zweite Stelle, an der wir die Straße nach rechts oder links verlassen konnten, die Möglichkeiten sind eingeschränkt. Viermal kommt jemand vorbeigefahren und winkt uns zu, es sind alles Schwarze. Es ist gut warm heute Nachmittag.

Alice Springs

Das iPhone sagt mir, dass NT auf die Umstellung auf Sommerzeit im Gegensatz zu SA verzichtet und dass also eine Stunde früher ist als es jenseits der Grenze wäre. Dass also die Sonne hier eine Stunde früher aufgeht als 80 km südlich. Naja,
85 km vor unserem nächsten Ziel, Alice Springs, kommt uns ein Bushi entgegen, in einer Rechtskurve driftend. Tatsächlich, es ist 1EVV841. der Fahrer ist zu beschäftigt um meine Gruß zu erwidern - oder zu eingebildet? Die sind wohl über die Great Central hierhergekommen.
In Alice stellen wir fest, dass de Visitor Information umgezogen ist (das ist gut), dass die Parkplätze noch so sind, wie vor drei Jahren, als wir zuletzt hier waren - und dass Bo Jangles geschlossen hat. So ein Mist, ich hatte mich wirklich auf das Abendessen dort gefreut. In der VI schlagen sie das Overlander Steakhouse als Ersatz vor, aber so richtig überzeugt mich der Flyer nicht.
Um 11 fahren wir an einem Thermometer vorbei, es zeigt 34°C, das ist schon recht gut. Auf dem Alice Springs Tourist Park setze ich mich freiwillig in den Schatten, und die Hülle um das Dachzelt ist zu heiß, um die Gummis wie gewohnt von oben zu lösen.
Auf dem Alice Springs Tourist Park, Site A5
Wäsche waschen, aufräumen, rumrödeln, den Pool ausprobieren und Duschen - schon ist der Nachmittag fast vorbei. In den Bäumen über uns sind Vögel, am Boden sind Tauben - alles ziemlich idyllisch.



1 Kommentar:

  1. Liebe Brigitte, lieber Chrisitan, schön von euch zu hören. Hier ist alles in Ordnung. Wir wünsche euch weiterhin alles Gute bei eurer Reise, das heisst, wenig Reifenpannen und vor allem gute Gesundheit!
    leibe Grüsse Vivian & co

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