Sonntag, 13. November 2016

Von Alice Springs über Gary Junction Road an Marble Bar vorbei



Alice Springs, 5. November

Zum Abendessen gehen wir zum Gillen Club in der Millner Road. Das ist das von hier aus nächstgelegene Restaurant, ein Club, also müssen wir uns registrieren. Kein bisschen Bistro, außer dass wir nach der Auswahl am Tisch am Tresen bestellen, das Essen selbst abholen und die Getränke an der Theke holen müssen. Abgeräumt wird, als wir fertig sind. Fertig in jeder Hinsicht, die Portionen waren sehr reichlich, die Preise für hiesige Verhältnisse eher niedrig. Auf dem Heimweg kommen wir bei einem Cellarbration vorbei, da holen wir uns noch zwei Flaschen Wein für die weitere Reise.

6. November, noch immer in Alice Springs

Ja, wir leben nach der Sonne und nicht nach der Uhr, deshalb wachen wir auch mit Sonnenaufgang auf - ich etwas früher, Brigitte etwas später. Heute lassen wir es sehr gemütlich angehen, schließlich haben wir nicht viel vor heute, nur die Vorräte wollen aufgefüllt werden und außerdem ist Sunday Market in der Todd Mall.
Nur blöd, dass ich das Dachzelt wieder ordentlich verzurren muss, wenn wir fahren wollen.
Der Markt ist richtig gut. Ein buntes Bild, viele Stände, viele Besucher, viele Gespräche. Die Geschäfte haben auch alle offen, so gibt es viele Optionen. Etwa die Hälfte der Stände bieten Essen oder Trinken oder beides an, die anderen haben allerlei Krempel, Dinge, die man nicht braucht, die aber "nice to have" sind, Andenken, "Kunst". Aber natürlich bieten auch die Künstler der Aboriginals ihre Werke an, da ist manch bemerkenswertes Bild dabei. Allerdings ist der Weg nach Deutschland doch noch zu weit, im Troopie quer durch die westliche Hälfte des Kontinents und danach im Flugzeug nach Singapur und Frankfurt, das wird ein Bild kaum unbeschadet überstehen. So genießen wir ohne zu kaufen.
Auch die Labourpartei hat einen Stand auf der Mall, aber bis ich mich aufraffen kann, wegen des  aus Touristensicht unsinnigen Systems der Permits und Park Passes mit der Kandidatin zu reden, hat sie für sich den offiziellen Teil wohl abgeschlossen und isst. Jetzt lasse ich sie in Ruhe, sie kann ja vermutlich eh' nichts Sinnvolles sagen.
Kurz bevor der Markt schließt, begegnet uns unser Nachbar vom Tourist Park, er ist mit dem Fahrrad in den Ort gefahren und will sich noch ein wenig auf dem Markt umsehen. Er wusste nicht, dass der Markt nur bis 1 pm geht.
Abenddämmerung in Alice Springs
In NT gibt es kein generelles "total fire ban", auch nicht in WA, das gibt es nur in SA und VIC. Schön, dann war das Feuer kurz vor Coober Pedy doch nicht das letzte auf dieser Reise.
Zurück am Platz entlade ich endlich mal wieder meine Kamera, das dauert ewig, weil halt insgesamt mehr als 50 GB zu übertragen sind. Dann möchte der Virenschutz eine Verlängerung haben und auch das dauert seine Zeit und letztlich ist auch Brigitte daran interessiert, ihre Mails durchzusehen. So vergeht der Nachmittag schneller als erwartet - und die Batteriepower des Laptops ebenfalls.

Westwärts

Auch unsere beiden Nachbarn, beides alleinreisende Australier, machen sich heute auf den Weg. Der neben uns fährt zum Uluru, beim schweigsamen weiß ich es nicht. Und wir fahren zuerst nach Norden, verlassen nach 21 km, kurz vor dem Tropic of Capricorn, den Stuart Hwy und 114 km später die Tanami Rd. Ab jetzt ist Gravelraod angesagt, vermutlich bis kurz vor Marble Bar. Die Tanami ist in dem Bereich, den wir gefahren sind, "single lane bitumen", einspurig befestigt mit breiten Sandstreifen rechts und links. Die dienen zum Ausweichen, wenn jemand entgegen oder ein schnellerer von hinten kommt. Roadtrains haben "right of way", sie müssen nicht ausweichen, das weiß auch jeder. Auf der Strecke sind zwei Baustellen, beide jeweils 10 km lang.
In Papunya tanken wir, um sicher zu sein nichts verpasst zu haben. Zuerst finde ich die Tankstelle nicht, sie ist nicht ausgeschildert und die Zapfsäulen sind in einem Blechkasten versteckt. Dafür finde ich nachher den Weg aus Papunya nach Westen nicht - "there is only one way to the west".
Man beachte die Kamele
Ab hier brauchen wir unsere Permits. Weiter geht es westwärts auf einer überraschend gut gepflegten Straße. Brigitte stellt beim Kartenstudium fest, dass südlich von Kintore zwei Len Beadell Plaketten sind. Sie sind zwar nicht an Gary Junction, aber eben Beadell. Und da unser Motto auf dem zweiten Teil der Reise "Following Len Beadell" ist, nehmen wir diesen Abstecher auf uns. Wir sind ohnehin schon weiter als gedacht. Allerdings sind wir heute 540 km gefahren, das ist unser bisheriger Tagesrekord.
Direkt neben der Plakette Beadells am Capricorn (wo wir von Norden kommend den Tropic überqueren) stellen wir uns für die Nacht auf (23°29'44"S 129°20'41"O). Beadell gibt den Standort seiner Plakette etwas weiter westlich an als mein iPhone, ich weiß nicht, wer recht hat, dies ist jedenfalls der Wert, den das iPhone für den Stellplatz unseres Autos anzeigt. Möglichkeiten zum Campen gibt es hier fast keine, wegen der Spinifex neben den Wegen.
Trotz der Wolken, die am Nachmittag immer stärker wurden und sich jetzt langsam auflösen haben wir einen herrlichen Sternenhimmel. Der Mond ist heute halb, immer mehr wird er an den nächsten Tagen die Sterne überstrahlen. Das Kreuz des Südens und der Skorpion sind schon unterm Horizont, wenn die Dunkelheit ausreichen würde, sie sehen zu können. Venus, Mars und Saturn sind deutlich zu sehen, Venus ist abgesehen vom Mond eh die erste, die zu sehen ist, Mars steht ihr nicht viel nach, weil er höher steht, nur Saturn tut sich ein bisschen schwer.

Dienstag, 8. November 2016

Nach dem Frühstück lasse ich die Luft aus den Reifen bis auf 25 PSI vorn und 30 PSI hinten. Das sind, ich glaube, ich wiederhole mich, "meine" Werte für gemischte Pisten. Bei Sand un Matsch wird der Druck zeitweise noch weiter abgesenkt. Außerdem wird es Zeit für den Vierradantrieb. Geringerer Reifendruck und Vierradantrieb sorgen schon für sich alleine für einen um rund 10% höheren Spritverbrauch, bei schwerem Gelände kommen nochmal beliebig viele Prozente dazu.
20 vor 9 stehen wir in Kintore vor dem Store, um zu tanken. Aber der Store hat noch zu. Also machen wir es wie die Aboriginal, wir setzten uns hin und unterhalten uns. Der Sprit ist mit 2,0 AUD hier billiger als gestern in Papunya! 
Wieder in Western Australia
An der Grenze hängen die üblichen "Willkommen" Schilder von NT in der einen Richtung und von WA und Kiwirkurra in der anderen. Kiwikurra, Kiwirkurra, Kiwirrkurra und Kwiwikurra - ein Ort, vier Schreibweisen. Das liegt vermutlich daran, dass die traditional owners keine Schrift hatten und alle geschriebenen Namen eine Art Lautschrift darstellen. Weil am häufigsten verwendet, benutze ich - hoffentlich durchgängig - Kiwirkurra. Auch Kiwirkurra ist eine Community, gehört zum Shire East Pilbara und heißt Besucher willkommen. Sie haben an der Grenze angeschrieben, dass sie die NT Zeit benutzen, das gilt dann vermutlich auch für die anderen Communities in diesem Teil des Staates. Vermutlich erfolgt die Versorgung der Communities von NT aus und nicht quer durch die Great Sandy Desert aus WA. Weil in Kiwirkurra gerade Mittagspause ist, als wir ankommen, haben wir Probleme, den restaurierten, ausgebrannten "Ration Truck" der Gunbarrel Road Building Party (Len Beadell und seine Leute) zu finden. Das kostet uns einige Kilometer, weil wir ziemlich unsicher sind über unseren Weg und einige Zeit, beides kein Problem. Wir sind ohnehin schon weiter, als wir uns vorher ausgemalt hatten. Auf diesem Teil der Reise verlassen wir die Gibson Desert. Dennoch müssen wir eine ganze Reihe Dünen überqueren. Die Wüsten hier in Australien, die wir bisher kennengelernt haben, wind relativ bewachsen und haben deshalb stabile Dünen. Klar, auch hier gibt es gelegentlich Verwehungen. Dafür fahren wir nach Spinifex-Savannen, Buschland und niedrigen Bäumen immer wieder durch ganze Wälder voller Desert Oaks. Die sehen aus wie Nadelbäume, heißen Eiche und sind was ganz anderes, eine Baumsorte, die es nur hier in Zentralaustralien gibt. Das, was wie Nadeln aussieht, sind die Zweige, die Blätter sind winzig klein und zue Zeit nicht vorhanden. Es gibt zwei Sorten von Desert Oaks: Schlanke, die von unten bis oben bewachsen sind und solche mit einer schönen Krone wie eine Linde oder eine Rosskastanie. Ich denke, dass letztere die weiblichen Bäume sind, denn nur bei ihnen sieht man Früchte, die sehen aus wie Lärchenzapfen. Hier gibt es keinen Gibber mehr. Gibber sind Steine, die stark mit Eisenoxid angereichert und durch die Erosion rundgeschliffen sind. Südlich von Alice Springs sind wir stundenlang durch Gibberplains gefahren. Manche haben Gras zwischen den Steinen, manche niedrige Büsche, die nur etwa 15 cm hoch werden, manche sind vegetationslos, wir nennen sie Moon Plain. Sie sind ein beliebtes Motiv in den ersten Mad Max Filmen.
Etwa 100 km später halten wir an einer alten Gravelpit (22°48'2"S 126°44'42"O) und richten uns für die Nacht ein. Wenn es der Wind zulässt, werde ich heute ein Feuer entfachen, also sammle ich gleich nach der Ankunft, dem Auspacken der Stühle und des Tischs und dem Aufklappen des Zelts, Holz aus dem umliegenden Gelände und grabe eine Feuergrube. Das ist ganz schön warm heute. Sogar so warm, dass ich mich anschließend freiwillig in den Schatten des Autos setze.
Nach dem Abendessen setzen wir uns ans Feuer und betrachten nebenbei erst den Sonnenuntergang und dann den beginnenden Nachthimmel. Es ist gut so.

Der erste Reifenplatzer, 9. November

Irgendwann war ein Reifenschaden ja fällig.
Ab jetzt gilt wieder WA-Zeit, denn das Gebiet der Kiwirkurra liegt fast hinter uns. Sie haben auch am Ende ihres Gebiets ein Schild stehen. Bei Gary Junction oder auch Well 33 tragen wir uns ins Besucherbuch ein - als erste seit Mitte Oktober - und biegen dann nach Süden auf den Gary Hwy, um 98 km südlich Veevers Meteorite Crater zu besichtigen. Die Straße ist noch schmaler als Anne Beadell, rechts und links (meistens gleichzeitig, so dass ich aussuchen kann, welche Seite weniger Kratzer abbekommt)  stehen Mulgabüsche, manchmal auch kleine Bäume. Sonst gibt es nur niedrigen Bewuchs über der Spinifexebene, nur eben entlang des Weges nicht.
Gary Highway
aryCorrugation gibt es nicht viel, wenn aber doch, dann fallen sie in die Kategorie "Severe" oder "bad". Immer, wenn der Bewuchs zurückweicht und der Weg dadurch breiter wird, bildet sich Corrugation - hat das was mit der Geschwindigkeit zu tun? Dafür gibt es heftige Auswaschungen, teilweise - das ist besonders fies - beides gleichzeitig. Zwischendurch macht die Straße einen langen Abstecher nach Osten, dann geht's über eine Düne und weiter nach Westen und hinter dem Überqueren der nächsten Dünenkette wieder nach Osten, um hinter der nächsten Dünenkette wieder die südliche Richtung einzunehmen. Einmal fahren wir in einer Art Flussbett, die Ränder, etwa 1 m hoch, kommen immer näher, und dann ist Schluss, wir passen nicht durch. Also rückwärts zurück bis zu der Stelle, wo wir vorhin die Detour, die Umleitung, verpasst haben. Dann sind wir da, ein kreisrunder Wall erhebt sich über einem Krater, rundherum nur Spinifex.
Auf dem Rückweg passiert es dann, kurz nachdem wir vom Gary Hwy nach links abgebogen sind in Richtung Kunawaritji. Der rechte Hinterreifen gibt seinen Geist auf, ganz plötzlich, ohne erkennbaren Grund ist er platt und wir ziehen eine dicke Staubwolke hinter uns her, trotz des starken Windes, der alle Staubfahnen bisher verhindert hat. Natürlich ist es so, wie es sein muss, ich bekomme den Jack nicht unter die Achse und genau dann, wenn man sie braucht, gibt es auch keine Steine. Ein Stamm eines abgestorbenen Eukalyptus muss helfen, außerdem schaufle ich unter dem Auto liegend ein wenig vom Straßenbelag weg. Der Wind treibt mir den Staub ins Gesicht. 20 Minuten später ist der neue Reifen montiert und sein Druck ist abgelassen, das Wrack hängt am Troopie und ich bin ziemlich dreckig und fertig wieder hinterm Steuer.
The Veevers Meteorite Crater
In Kunawaritji suchen wir Hilfe: Sure, no problem, the boys will fix it. Aber, sie können es nicht, denn der Schlauch hat einen etwa 10 cm langen Riss und ein passender Ersatz ist nicht aufzutreiben. Also kommt das Wrack wieder an seinen Platz am Heck und wir fahren weiter. 20 km später finden wir einen Platz für unser Nachtlager, aber an Kochen ist wegen des heftigen Windes, eigentlich bereits ein Sturm, nicht zu denken, alles ist sofort mit rotem Staub überzogen. Unser Stellplatz direkt neben der Straße ist 22°18'21"S 124°31'30"O.
Kunawaritji ist wie Papunya, Kintore und Kiwirrkurra eine Aboriginal Community. Äußerlich sind Communities von Siedlungen der Weißen dadurch zu unterscheiden, dass sie weniger aufgeräumt aussehen. Die Aboriginal in den Communities sind durch weg freundlich, solange man als Weißer ihnen nicht zu sehr auf die Pelle rückt. Aber das ist bei uns doch genauso. Man stelle sich mal vor, ein Fremder, vielleicht sogar ein Farbiger, fährt suchend durch die Wingertsäcker (oder irgendein anderes Vorortviertel)! In Kunawaritji gibt es, wie in den anderen genannten Communities auch, einen General Store, in dem die meisten Nahrungsmittel zu normalen Preisen zu haben sind, die Bedienung ist im allgemeinen freundlich und zuvorkommend, die Verwaltung liegt in weißer Hand. So ist es auch mit den meist an die Läden angeschlossenen Tankstellen: Sie werden von einem Weißen geführt, d.h. er sorgt für Nachschub. In den abgelegenen Communities ist der Kraftstoff teurer als in den Bereichen, wo viele Weiße wohnen, das ist aufgrund der Lieferprobleme verständlich. Kunawaritji liegt an der Canning Stock Route, einer Inlandsstrecke mit einer Länge von rund 1.700km - und in Kunawaritji ist die einzige Tankstelle. In der Saison kommen hier5.000 Autos durch und alle wollen tanken - das kann dauern. Da tendieren Touristen dann dazu, mit der Kamera auf Motivsuche zu gehen, das nervt. Die Nachfrage bestimmt den Preis, das ist Grundlage der Marktwirtschaft, in Kunawaritji ist die Nachfrage groß (jetzt im November nicht mehr), also ist der Preis relativ hoch. Als wir vorbeikommen, kosten Diesel und Unleaded (kein Opal!) 3,40 AUD pro Liter, das sind umgerechnet 2,30 €. Nicht billig, aber angemessen.

Donnerstag, 10. November 2016

Der Wind hat zum Glück nachgelassen, auch wenn es sich im Dachzelt immer noch ziemlich heftig anfühlt. Die Fliegen verhindern ein gemütliches Frühstück, wir fliehen, sobald der Tee getrunken und das Brot verzehrt ist.
Frühstück mit Freunden
Bevor wir an die Telfer Mine Rod kommen, haben wir kurz ein Telstra-Netz und können bei der Mine anrufen. Wirklich interessiert hat meine Anmeldung aber niemand. Wenig später kommt ein Schild "Road Open". In der Baustelle am Anfang der TMR werde ich über Sprechfunk angerufen, das passiert nicht oft, entsprechend irritiert bin ich. "You drive on your right side and before you pass me I'll switch off the water." Sehr deutlich, langsam und laut, nachdem ich vorher nicht verstanden hatte. Es war der Fahrer des entgegenkommenden Wassertrucks, der für den nachfolgenden Grader die Straße wässert. Kurz danach ist die Straße asphaltiert, wir pumpen die Reifen auf und schalten den 4WD ab. Und wie es so geht, der Pumpenschlauch reißt und muss erst repariert werden. Dann öffne ich aus Versehen das Ventil im Hinterrad zu weit, die Luft entweicht ziemlich schnell. Auch das ist schnell gefixed und wir fahren weiter. Doch nach insgesamt 20 km sealed road hat uns der Gravel wieder. Ich lasse Reifen und Antrieb wie er ist, denn diese Straße ist bei diesen Bedingungen ohnehin fast wie versiegelt. Seit Tagen begleiten uns rechts und links schöne rote Dünenketten, bewachsen mit Spinifex und kleinen Büschen. Mal kommt die eine näher, mal die andere, manchmal geht es über eine der Ketten hinüber, dann wartet dahinter bereits die nächste. Das ändert sich am Ende der Telfer Mine Road, dort, wo der Weg aus Osten auf die Gregory Range trifft. Die Dünen werden abgelöst von deutlich sichtbar steinernen Hügeln, um die sich die Straße herumwindet.
Wir entschließen uns, Marble Bar weiträumig zu umfahren, denn am Caravan Park scheint nichts gemacht worden zu sein, zumindest ist der Eintrag im aktuellen "Amazing North" noch genau wie vor drei Jahren: Es steht nichts da außer dass es den Platz gibt. 
Was sich auch in der nächsten Zeit nicht ändert sind die Spinifex, die alles rechts und links der Straße bedecken und ein Nachtlager verhindern. Gestern bin ich rückwärtsgehend mit der Ferse in einen Spinifex gestoßen, das spüre ich noch heute. Möglicherweise steckt noch eine Spitze drin. Doch auch diesmal lohnt es sich zu warten. Mitten in einem riesigen Spinifexfeld ist eine flache Stelle, die von der Straße aus zugänglich ist. Auf 21°51'32"S 120°51'33"O schalte ich für heute den Motor aus.
Gestern hat der Wind das Feuer verhindert, heute ist es der Mangel an Holz, es gibt hier einfach nichts, was wir verbrennen könnten. Dann vielleicht morgen wieder.

Freitag, 11. November 2016

Kathi hat heute Geburtstag, mal sehen, was wir tun können. Vielleicht geht was vom Welcome Point Hamersley Gorge aus.
Spinifex in der Morgensonne
Heute früh sind die Fliegen nicht ganz so aggressiv - vielleicht sind es auch nur weniger. Schon sind wir wieder unterwegs, außer uns ist wieder niemand zu sehen. Während der letzten 15 Stunden kamen hier zwei Fahrzeuge vorbei, einer nach Westen, einer nach Osten. Bis Nullagine treffen wir niemanden. Dort füllen wir den Main, es passt weniger hinein als befürchtet, und fahren nach Süden. Wie gesagt, die Überprüfung der Güte des Caravan Parks in Marble Bar überlassen wir unserem Freund Werner, ebenso die Frage, ob die Straße von Marble Bar über Woodstock auf die Great Northern noch existiert (vor allem der letzte Teil). Die Skulls Springs Road, die uns nach Nullagine gebracht hat, ist geradezu malerisch. Sie windet sich um viele kleine Hügel, ist kurvenreich und ein ständiges Auf und Ab. So enge Kurven gibt es auch in Deutschland nur seten, hier habe ich es nur in der Great Dividing Range erlebt. Kein Wunder, dass de Straße per Anzeigetafel als "für Fahrzeuge über 4 to ungeeignet" ausgewiesen ist. Viele Ghost Gums wachsen an den Ufern der  vielen Bäche, die die kleinen Ebenen durchlaufen und jetzt natürlich trocken sind. Die Straße hat fast keine Corrugation, aber gelegentliche Auswaschungen, Dips und Crests. Bei diesen weiß ich oft erst wenn ich oben bin, wie es hinterher weitergeht.
Die Marble Bar Road bringt uns nach Süden. Roy Hills Station ist eine riesige Eisenerzmine, da ist nichts mehr von Station zu sehen. Die Straße zum Munjina (früher: Auski) Roadhouse ist noch da, allerdings nur sehr spärlich ausgeschildert und mehr als zur Hälfte asphaltiert, um den Roadtrainfahrern die Arbeit zu erleichtern.
Wer sicher Roadtrains sehen, filmen oder fotografieren will, ohne übermäßig lange warten zu müssen, sollte zum Auski Roadhouse gehen. Dort herrscht reger Verkehr in alle vier Richtungen.
Der Welcome Point an der Hamersley Gorge ist noch da, das Wifi steht in voller Stärke zur verfügung, und so können wir unsrer Schwiegertochter wenigstens per Messenger und Facebook zum Geburtstag gratulieren. Ihre Mobile Nummer haben wir beide nicht dabei (ich habe sie nicht mal), Patricks Phone scheint abgeschaltet und auf der Festnetznummer bekomme ich die Nachricht, die Nummer sei nicht angeschlossen. Sind sie schon umgezogen? Oder ist was passiert?
Aus manchen Einträgen in Facebook ist zu schließen, dass D.T. der neue amerikanische Präsident ist. Und wieder haben die Meinungsforscher total danebengelegen mit ihrer Arbeit, wer vom Ende der ältesten demokratischen Partei, den Republikanern der USA, gesprochen hat, ist eines besseren belehrt. Es war doch vorher schon klar, dass D.T. mit seiner Macho-Art die Frauen in Scharen auf seine Seite holt. Viele Frauen bevorzugen Machos, das muss mit der Urzeit der Menschheit zusammenhängen, als nur der stärkere Mann der gute Mann war- vom Überleben her gesehen. Den Machos laufen die Frauen hinterher, Softies können sehen wo sie bleiben und Frauen sind ohnehin nicht der Rede wert. Andererseits kommen vielen Männern die Macho- und Faschosprüche des D.T. sehr entgegen, weil sie ähnlich denken, aber sich nicht trauen, sie selbst zu machen. Auch tun sich viele Männer sehr schwer damit Frauen zu wählen, weil sie Angst haben, Macht zu verlieren. So gesehen ist das Ergebnis nur logisch. Leid tut es mir für Irene, denn jetzt werden wir sie nicht mehr besuchen können, ich glaube nicht, dass ich unter D.T. noch ein ETA bekommen werde.

Das noch immer reichlich vorhandene Wasser in Hamersley Gorge lädt zum Baden ein, eine Aufforderung, der wir nicht widerstehen können (und wollen). Außer uns folgen noch viele andere diesem Ruf, ein Aussie Wanderer mit fünfzehn jungen Frauen verschiedener Nationalitäten ist kurz vor uns eingetroffen. Die Felsen sind richtig heiß, ich gehe trotzdem barfuß darüber.
Schon 2014 hatten wir auf der Nordseite der Hamersley Gorge ein wunderbares Bushcamp entdeckt, dort (22°11'36"S 118°0'38"O) beziehen wir heute wieder unser Quartier. In der Umgebung liegt genügend Holz für ein Campfeuer nach dem Essen. Allerdings ist es schwierig, eine Grube dafür auszuheben, weil der Boden so hart ist.
Camp Fire kurz nach Sonnenuntergang - ich stehe auf dem Troopie

Immer weiter nach Westen

Katie, Patrick und Lina sind bereits umgezogen, kein Wunder, dass die Nummer nicht mehr freigeschaltet ist. Einen Ersatz gibt es noch nicht. Katie hat per Messenger geantwortet, das ist die einzige wichtige Nachricht. Nach der Durchfahrt durch die Gorge haben wir am Welcome Point noch kurz angehalten, wegen Messenger und um ein dringendes Mail abzuschicken.
In Tom Price suchen wir nach einer Werkstatt, die unser Hinterrad wieder in Ordnung bringt, Das ist nicht ganz so einfach. Es gibt zwar mehrere Sheds, in denen solche Arbeiten vorgenommen werden, aber wie in Kunawaritji gibt es keinen passenden Schlauch. Nach dem dritten Versuch bekommen wir wenigstens den Namen eines Shops, der eventuell helfen kann. Weil wir um die Adresse zu bekommen, in den Ort müssen, kaufen wir gleich  frische Lebensmittel und Wasser, dann  fahren wir zu Ashburton 4WD und der macht es. Zuerst will er den Reifen da behalten und uns für 90 Minuten wegschicken, dann überlegt er es sich anders und erledigt es in meiner Anwesenheit. Brigitte bleibt vor dem Shed im Schatten.
Die Auswahl ist groß -was sollen wir nehmen? Natürlich das Original!
Obwohl  wir es nicht eilig haben fahren wir - schließlich sind wir schon wieder außerhalb der Town und bereits an der richtigen Straße - ohne weiteren Halt weiter nach Westen. Es geht Richtung Küste, in der Hoffnung, dass es nicht noch zu kalt ist. Morgen Nachmittag wollen wir in Coral Bay sein. Hier im Inland ist es heiß, um die vierzig Grad am Tag, und um die 20 in der Nacht, also gut für die Erholung. In Alice Springs haben wir die zusätzlichen Schlafsäcke weggeräumt.
Am House Creek, etwa 50 km vor Nanutarra Roadhouse, also der Kreuzung mit dem North Western Coastal Hwy, ist ein 24 Stunden Parkplatz. Hier darf man kostenlos übernachten, es gibt eine Toilette, Sitzgelegenheiten und eine Grillstelle. Bereits zum dritten Mal nach 2013 und 2014 legen wir hier (22°27'54"S 116° 2'19"O) eine Nacht ein.
Nach der Ankunft montiere ich das reparierte Rad dorthin, wo es eigentlich hingehört (rechts hinten), damit sich die ohnehin stark lädierten Hinterreifen gleichmäßig abnutzen. Immerhin, von den 6.206 km, die wir bisher auf dem Troopie gefahren sind, waren 4.694 abseits asphaltierter Straßen. Bei den vielen Steinen sind bei den 3 to Gewicht des Fahrzeugs die Reifen, ganz besonders die Hinterreifen, schon sehr gefordert. Anschließend verstaue ich das Werkzeug an seinen angestammten Platz, das hatte ich bisher nicht gemacht.
Seit der Baustelle vorgestern hat der Troopie jetzt doch einen roten Touch: Trotz langsamen Fahrens haben wir von dem Mix aus Bewässerungsflüssigkeit und Staub eine dünne Fontäne erzeugt, die das Auto eingefärbt hat.
Während des Kochens und Essens kommen in kurzen Abständen drei weitere Paare angefahren, später dann noch ein viertes. Die ersten in einem Apollo Hiace mit Hochdach verziehen sich an die andere Seite und bleiben dort. Die nächsten kommen ebenfalls mit einem Hiace, aber offensichtlich privat. Es sind zwei junge Leute, Alex aus den USA und Annika aus Berlin. Alex kann sich das amerikanische Wahlergebnis nicht erklären, verweist aber darauf, dass wir nächstes Jahr dran sind. Nun, das ist ein echter Vorteil der Präsidentschaftswahl: Egal, wie unsere Bundestagswahl ausgehen wird, der internationale Medienrummel wird deutlich vermindert ausfallen. Die Welt treibt haltlos in den Irrsinn. Während ich mich mit Alex und Annika unterhalte, nimmt Brigitte Kontakt auf mit dem dritten Paar. Sie, Maila und Unno, sind aus Estland und wegen des Turnfestes in Perth gewesen. Dann haben sie noch einen Urlaub angehängt und touren in einem Mitsubishi ASX und mit einem kleinen Zelt durch das Land. Es ist ihnen zu voll! Diese beiden Gespräche enden eher abrupt, weil den anderen einfällt, dass sie noch kochen müssen und dass es bald dunkel wird. Dann kommt das vierte Paar, auch sie in einem PKW und mit Zelt.
Es gibt hier wie gesagt zwar Feuerstellen, aber leider kein Holz. Bäume gibt es genug, aber sie wollen ihr Holz nicht hergeben. So lauschen wir ohne Feuer den Galahs, die bis in die totale Finsternis hinein - wirklich dunkel wird es nicht, der Mond ist schon fast voll - ihre abendliche Unterhaltung führen.

Sonntag, 13. November 2016

Und uns schon vor Sonnenaufgang mit ihrem Geschrei aufwecken. Sie sind von ihren Schlafbäumen am (trockenen) House Creek herübergekommen und sitzen in den Bäumen über uns.
Nach Frühstück und einem weiteren Gespräch mit Unno und Maila über mögliche Wege fahren wir los, weiter nach Westen. Diesmal müssen wir in Nanutarra keine unfreiwillige Pause einlegen und auch auf dem North West Coastal Highway ist alles frei - und fast kein Verkehr.
Gegen Mittag kommen wir in Coral Bay an. Tatsächlich, wir dürfen mit dem Dachzelt nicht in die erste Reihe (auch nicht in die zweite) "it's a shire thing" sagt die Lady an der Rezeption. Ob das wirklich so ist? Trotz meines aufkeimenden Ärgers sehen wir uns die Alternativen auf dem oberen Teil des Platzes an und bleiben dann doch her. Wie ich vermutet hatte: Die Plätze sind nicht wirklich eben, es ist schwierig, den Troopie so hinzustellen, dass die Schubladen nicht von alleine raus- oder reinrollen. Wir stehen etwas weiter östlich als im Oktober, auf 23°8'35"S 113°46'13"O.
Das bläuliche in der Mitte ist das Meer - angekommen in Coral Bay
Später gehen wir ans Meer, ich mache einen ersten Schnorchelgang. Das Wasser ist nicht so klar wie sonst und an manchen Stellen ziemlich frisch. Es sind viele Fische da, blaue, gelbe, rote, gestreifte in verschiedenen Farben und auch die großen weißen. Einer kommt so nahe, dass ich ihn anfassen könnte, aber ich will ihn ja nicht erschrecken.
Apropos erschrecken: heute Morgen saß auf dem ersten Teilstück unserer Strecke ein Goanna auf der Straße, etwa 1,50 m lang (mit Schwanz). Als wir aussteigen, ist er sehr aufmerksam, bei unserem Näherkommen beginnt er ganz aufgeregt mit seiner Zunge Informationen zu bekommen. Irgendwann entschließt er sich, sich ins Gebüsch zu verziehen.
Die Duschen an diesem Teil des Platzes sind ein wenig merkwürdig: Sie duschen nicht nur der nach vorne offenen Duschkabine, sondern gleich den Vorraum und den Teil mit den Waschbecken mit. Soll der geneigte Benutzer jetzt das ganze Waschhaus aufwischen? Auf jeden Fall hat die Dusche richtig gut getan nach einer Woche mit wenig Waschwasser. Beim Haare waschen wurde der Schaum rosa, so viel Sand war trotz täglichen Ausbürstens in meinen Haaren versteckt, Ergebnis des Sandsturms vom Mittwoch.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen